Archive for the Aus Aller Welt Category

Hilfe, MMM (Minderwertige Morlam Musik) wird mobil

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Süd-Ost Asien, Thailand on Juni 12, 2017 by pheneas

Ich sitze am Abend gern vorm Haus und trinke meine Feierabend-Hopfenknolle. So auch heute und ich dachte dabei an nichts böses,- aber damit fangen hier immer eine Menge Kuriositäten an. Meine Nachbarn saßen etwas abseits und hofierten gerade einen der lokalen „influentials“, weil er Satai Sticks und ein paar Flaschen Bier spendiert hat, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Plötzlich taucht vor mir ein Feuerwerk auf. Genauer gesagt, ein mit mindestens 100 LCD Lichtlein bestücktes Fahrrad, geschoben von einem Typ im zitronengelben Outfit, der eigentlich von seinem mobilen Imbiss kleine getrocknete Tintenfische verkauft. Da alles was blinkt und glitzert bei den „einfachen Leuten“ immer so hoch angesehen ist, wie TV-Seifenopern mit Schiessereien und freundschaftlich gemeinter Vergewaltigung, haben sie den Clown zu sich eingeladen und der postierte sich genau hinter meinem Stuhl.

Ohrenfeind Thai Style

Wie gesagt, ich dachte an nichts böses und plötzlich zerrt der Typ mit 2/3 Glatze, Strohhut und die Resthaare alarmblond gefärbt ein Mikrofon aus der Tasche und fängt an Thai Folklore zu singen, die er über eine auf dem Fahrrad montierten Karaoke Anlage zum Besten Schlechtesten gab. Der Kerl klingt übler, als eine Butterbirne, die schlechter hustet als ein Nikotinpflaster, dazu noch in Klamotten gehüllt, die ihn zur singenden Altkleidersammlung machen. Hätte ich die Macht, würde ich auch die Person inhaftieren lassen, die dem Notenschänder gesagt hat: Kein Kleingeld? Gehen Sie doch nochmal vor die Tür ein bisschen Musik spielen!

Ich habe heute Nachmittag 4 Stunden mit hochgradigen internationalen Musikern für einen Auftritt in einem der besten Clubs der Stadt geprobt. Aber als Mr. Mellow Yello anfing zu kreischen, dachte ich mir werden die Spermen flockig, oder meine Senftube droht zu platzen, wenn ich das auch nur noch eine Minute anhören muss. Inzwischen ist eine Stunde vergangen und der Typ kräht immer noch vor dem Haus, angefeuert von den 100 Baht Scheinen, die ihm meine Nachbarn in seine Zitronenschale stecken. Leider ist diese akustische Nahtoderfahrung hier wahrscheinlich so wenig totzukriegen wie „Dinner for One“ zu Sylvester in Deutschland.

 

Diese Männer sind (fast) alle Verbrecher

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Gesellschaft, Glauben & Besserwissen, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Süd-Ost Asien with tags , on Juni 8, 2017 by pheneas

Manchmal denke ich, der Buddha rotiert in seinem Nirwana in einer Geschwindigkeit, die den gesamten Energiebedarf Zentral-Thailands decken könnte. In einem alten, von Hildchen Knef getexteten Schlager, heißt es: „Die Männer sind alle Verbrecher“. Der Vorteil in Thailand ist, dass man ein gerüttelt Maß der Verbrecher bereits an ihrer alarmfarbenen Kleidung erkennen kann und dabei handelt es sich nicht etwa um Müllmänner, oder ein Äquivalent der „Gelben Engel“ vom ADAC, die tragen hier vorsichtshalber gleich Schwarz.

Im Wat Wang Tawan Tok, in Nakhon Si Thammarat, haben ein paar Roben-Räuber den 79 Jahre alten Abt des Tempels kurzerhand für zwei Jahre in seiner Kemenate eingemauert, wo er täglich von einem „Mönch“ mit Lebensmitteln versorgt wurde. Wie die Polizei nach Alarmierung durch die Bevölkerung ermittelte, kümmerten sich seither ein paar andere Anbetungswürdige um die lukrativen Einnahmen des Tempels. Allein durch Standgebühren für lokale Händler auf dem Tempelgelände, flossen die täglichen Einnahmen von 15.000 Baht (fast 400 €) in die Hände von (Geldschein)heiligen Männern, die nach den Regeln des Buddhismus eigentlich gar kein Geld anfassen dürfen. Aber bei rund 285.576 Euro, die in den zwei Jahren in die Opfergaben-Beutel strömten hat man beim Geldzählen kaum Zeit, sich auch noch um klerikale Vorschriften zu Kümmern.

Einen 17-jährigen Novizen, der wohl zu viel Einblick in die Tempelfinanzen hatte, muss wohl bei seinen Entdeckungen der Schlag getroffen haben und so betonierte man ihn bei einer, hoffentlich halbwegs standesgemäßen Zeremonie, unter einem Schrein ein.

Vom Almosen-Mitesser zum lästigen Mitwisser. Unter diesem Schrein lag der Novize einbetoniert.

Aber es kommt noch bizarrer. Inzwischen wird behauptet, dass die Mönche des Tempels mit all dem nichts zu tun haben und eine lokale Familie sowie ein Transvestit die eigentlichen Drahtzieher hinter den Geldgeschäften und der „aus dem Weg räum Aktion“ seien. Leider gibt es keine Bilder der Videoüberwachung, wie der Katoey, womöglich im Fummel, dem Eingemauerten seine tägliche Ration Reis mit Fischkopf bringt.

Wie eingangs beschrieben, erinnert mich das alles sehr an den alten Knef Schlager, der etwas umgemünzt auf Thai Verhältnisse auch so lauten könnte:

Diese Männer sind alle Verbrecher

ihr Herz ist ein finsteres Loch

hat tausend verschied’ne Gemächer

aber Mönch

aber Mönch

sind sie doch.

NACHTRAG

Krähen hacken einem Artgenossen kein Auge aus,- sie regulieren Probleme

Der Nachrichtensender PBS berichtet:

Das Sangha Supreme Council of Thailand hielt gestern ein Treffen in seiner Bemühung, das Tempelgeschäft“ (das ist das erste Mal, dass jemand das Kind beim Namen nennt) nach dem Mord zu „regulieren“ und den Novizen in einem angesehenen Tempel in Nakhonn Si Thammarat zu begraben.

Aber bei der gestrigen Sitzung des Nationalen Amtes des Buddhismus, einer staatlichen Regulierungsbehörde der Buddhismus-Angelegenheiten, wurden keine regulatorischen Maßnahmen in Bezug auf Tempel-Vermögenswerte vereinbart.

Das Treffen wurde von dem Obersten Patriarchen Somdet Phra Ariyavongsagatayan geleitet. Allerdings wurden die Geschäfte im Wat Wang Tawan Tok nicht weiter erörtert.

Wer Lust auf eine ältere Geschichte über „Buddhist Business“ hat, wird hier bedient.

Ärzte behaupten: Illusion ist bei den Kranken alles

Posted in Aberglaube, Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Bildung und Einbildung, Gesellschaft, Glauben & Besserwissen, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , on Juni 8, 2017 by pheneas

Ich musste kürzlich feststellen, in diesem Land gibt man sich nach einigen Jahren Illusionen hin. Nun gut, Ärzte behaupten gerne, Illusion ist bei den Kranken alles. Ich bin aber noch nicht soweit, mich hier als der Patient zu fühlen. Nachdem das Nackenhaarkräuseln keinen Kick mehr bringt, versteifen sich in der nächsten Phase bei mir langsam die Halswirbel vom ständigen Kopfschütteln.

Es gibt bisher kein einziges Produkt, das in Thailand erfunden wurde und dem Rest der Menschheit in irgendeiner Weise bei der Entwicklung auf die Sprünge geholfen hat. Jeder Oberschüler glaubt seinen Lehrern wenn sie sagen, dass vom Audi Quattro, über Kondome, Eiswürfel bis hin zu Zentrifugen alles auf dieser Welt nur von Thais erdacht und nur in Thailand hergestellt werden konnte.

In der deutschen Sprache bedeutet der Begriff „Friedhof“ soviel, dass es sich dabei um einen Ort des Friedens zur letzten Ruhe handelt. In Thailand kam jetzt ein Notfallsanitäter auf die geniale Idee, den Sawang Utthayan Sathantham Friedhof  in ein „Drive in Kino für Geister“ umzufunktionieren. In Chonburi veranstaltet der Schwachmaat, Prawet Limchareon, 37, nächtliche Filmvorstellungen auf einem chinesischen Friedhof, weil er meint Geister würden ebenso gerne wie lebendige Menschen Filme sehen. Geht’s noch? Seitdem gibt es auf dem Fried(?)hof einen Tumult, als würde die handschriftliche Partitur des Ring der Nibelungen unter Antiquitätenhändlern versteigert.

Prawet fand es passend zur Uraufführung eine Chinese Opera Vorstellung zu geben. Danach gab es zwei weitere Filme, „Ghost Busters“ und „Einer flog über das Kuckucksnest“ gehörten nicht zum Repertoire. Seine Filme könnte ich mir auch sehr gut als Dauerschleife in den Zellen der Polizeistationen vorstellen, um geständnisfördernd zu wirken und die Geister der Selbstmörder zu beschwichtigen.

Der neue Kinobesitzer gab an, dass ihm immer wenn er an dem Friedhof vorbeifährt ein seltsames Gefühl überkommt und er die Geister darum bittet, ihn auf seinen Touren mit Neukunden in der Warteschleife zu beschützen. Ich kann allen Patienten die in seiner Carpaccio-Kutsche auf dem Weg ins Krankenhaus sind nur raten, bloß kein schmerzverzerrtes Gesicht zu zeigen, die Chancen stehen nicht schlecht, dass er sich dann vom Notfallsanitäter zum Notfallexorzisten transformiert.

Nun, dies ist Thailand und da hier niemand einen Geisterzirkus aufzieht, ohne etwas daran zu verdienen bleibt die Frage offen: ob Besucher, die noch nicht auf Torfatmung umgestellt haben, ein Ticket kaufen müssen. Es gibt bisher auch keine Angaben darüber, ob und an wen (Besucher, Leichen oder Geister) er künftig Gespenster Popcorn und rote Ghost Fanta verkaufen will. Immerhin geben Prawet und ein Kumpel zusammen 4.000 Baht für das Endzeit-Entertainment aus.

Während andere Geschäftsideen von Starbuck’s, KFC bis zu iPhone in Thailand darunter leiden, bei Erfolg sofort kopiert zu werden, braucht Prawet dies kaum zu fürchten. Es sei denn, jemand kommt auf die Idee ein Gothic Music Festival auf der Leichendeponie unter dem Motto: „Ghostriders in the sky“ zu veranstalten. Allerdings wird wohl der Friedhofs-Projektor endgültig dunkel bleiben, wenn die Geister spitz kriegen, wie man sich bei Netflix und YouTube einloggt…