Archiv für Kambodscha

Wer und wie vermarktet man eigentlich Sklaverei?

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Fashion / Mode, Gesellschaft, Gesetz & Recht, Kambodscha, Neues aus Wahnsiristan, Süd-Ost Asien, Uncategorized with tags , , , , , , , , , on Juli 11, 2015 by pheneas

Seit 1949 schrieb ein gewisser Walther von Hollander (Bundesverdienstkreuz 1. Klasse), eine regelmäßige Ratgeber-Kolumne in der Springer Verlags-Zeitschrift Hörzu, unter der Bezeichnung „Fragen Sie Frau Irene“. Ob das Pseudonym, als journalistische Travestie, auf sexueller Orientierung beruht, ist nicht bekannt. Eine Antwort auf die Frage der Überschrift, wird Irene nicht mehr geben, er/sie starb 1973.

Auch bei „Bild kämpft für Sie“ würde ich nicht nach Antworten suchen. Jemand der die Antwort eigentlich kennen sollte, ist die Kaltmamsell der Modebranche  bei der Bild am Sonntag, Carolin Dendler. Sie wäre vielleicht eher geeignet als Ansprechpartner. Aber die Dame fällt mehr unter die Rubrik „Convenience Redakteur“, mit außerordentlich gut bezahltem Autorenvertrag in der Hierarchie der Maurerbibel. Die Frau hat kein Luxusproblem, sie ist eins. Wie ich zu dieser dreisten Aussage komme, ist einfach erklärt: ich war einmal ein Kollege von ihr.

Über die journalistische Qualität ihrer „Kolumnen“ zu urteilen steht mir nicht zu, davon kann sich jeder selbst im Archiv der Bild am Sonntag überzeugen,- etwa hier, oder hier  „Stil-Ikone Miss Piggy und BamS-Kolumnistin Carolin Dendler im Puder-Talk: über Lieblings-Designer und warum Blondinen mehr Spaß im Leben haben.“

Aber der absolute Hammer ist ihre Hommage an den rentnermetallic silbergrauen Herrn Armani. Ein 80- jähriger Multimillionär, der seine überteuerten Luxus-Jeans von Arbeitssklaven, unter menschenverachtenden Bedingungen, in Kambodscha herstellen läßt.

Dendler und ihr Giorgio

Dendler und ihr Giorgio

 Das Duo gehört zu den Leuten, die man in Dixi-Klos einsperren sollte, bevor man sie auf den Kopf stellt und anzündet.

 Kostproben aus Dendlers Feder:

Ich habe Armani an die 50-mal getroffen, zu Interviews, Modenschauen, Abendessen; in Peking, Paris, London, Mailand. Er schickte mir schon Dankesschreiben, gekrönt mit weißen Blumen. Jedes Mal hüpfte dann mein Herz – so viel Stil wie er hat keiner mehr.

Armani, Inhaber eines auf sieben Milliarden Euro geschätzten Imperiums (6700 Angestellte, fast 2500 Boutiquen), schenkte sich zum Firmengeburtstag eine Art Museum, gefüllt mit dem Besten aus vier Jahrzehnten: Skizzen, Mode-Unikate, Schmuck. Dafür hatte Giorgio das „Silo“, eine frühere Néstle-Fabrik, für 50 Millionen Euro gekauft.

Ich frage mich, ob der Sklavenhalter seinen Hollywood-Kunden dort auch Bilder seiner Arbeiter und Produktionsstätten zeigt und wie viele Leser der Maurerbibel sich Armani Fummel leisten können…

Die neue Uniform der Bild Leserinnen?

Die neue Uniform der Bild Leserinnen?

Zur Hitliste meines aktualisierten Schimpfwort-Repertoires zählen ab sofort: „Fashion Blogger“, „Lifestyle-Luder“ und „Convenience-Redakteur“.

Die aus NS-Prozessen bekannte übliche Aussage: „Ich hab‘ von all dem nichts gewusst“ zieht hier nicht, denn daß der Herr seit Jahren Millionengewinne durch Sklavenarbeit einstreicht, ist zumindest in der britischen und australischen Presse bekannt. Auch die norwegische Zeitung Aftenposten  hat ein eindrucksvolles Portrait über die Sklavenarbeit ausgegraben. An der Nummer sollten sich die Redakteure der „Bild kämpft für Sie“ Aktion ein Beispiel nehmen und nicht etwa an Borderline-Journalisten die bei Armani, Miss Piggy, Joop und Lagerfeld wahrscheinlich schon Payback Punkte erhalten.

Ich glaubte bisher, mir durch Reisen auf allen Kontinenten ein ziemlich dickes Fell angeschafft zu haben. Aber, beim Ansehen des Aftenposten Videos kamen sogar mir die Tränen.

Das sollten sich jede Fashionista und jeder Label-Freier vorm nächsten Einkaufsbummel ansehen!

Frida-Ludvig-in-Cambodia-500

Frida-Ludvig beim Gespräch mit einer Sklavenarbeiterin

Aftenposten hat drei ursprünglich fröhliche, junge „Fashion Blogger“ nach Kambodscha geschickt und sie einen Tag lang in den Sweatshops arbeiten lassen. Ich glaube, die könnten der Shopaholic Fashionista einen Vortrag darüber halten, wie junge Menschen in Armut, einen Multimillionär noch reicher machen. Nun ist das Boxenluder der Out Couture ohnehin nicht die hellste Birne im Kronleuchter der BamS, deshalb nehme ich an, sie würde sich den Wunsch an ihren Hoflieferanten und  Herzbuben Giorgio, einmal die tapferen Schneiderlein in den Sweatshops Kambodscha‘s zu besuchen, eher verkneifen.

Früher hat mich die Promi-Selfinistin vergeblich angebettelt, ich möge ihr durch meine Beziehungen zu den Airlines, doch einen Freiflug zu einer ihrer Partyeinladungen in den USA besorgen. Heute würde ich ihr einen Flug nach Kambodscha, plus einwöchigem „Praktikum“ in einer Sklavenfabrik, aus eigener Tasche bezahlen. Einziger Grund: Ich will sie weinen sehen. Sie soll stundenlang Rotz und Wasser heulen, bevor sie sich wieder an die Tastatur setzt und Loblieder auf einen Sklavenhalter fabriziert.

Hier will ich sie sehen:

Armani sweatshop

Und hier:

cambodia (1)

Na Carolin, denen hüpft auch das Herz. Aber wegen der unerträglichen Hitze, Sklavenlohn für 12 Stunden Nadelarbeit an 6 Tagen in der Woche und leeren Versprechungen auf Besserung der Bedingungen. Bei Protesten  (um € 143,- Mindestlohn im Monat) und gegen die Arbeitsbedingungen in den Garment-Fabriken, wurden in der jüngsten Vergangenheit Arbeiter mit Knüppeln und Eisenstangen von der Riot-Police verprügelt. Es gab viele Verletzte und über 20 Verhaftungen. Selbst in Kambodscha reichen 143 Euro so gerade für den Unterhalt einer einzigen Person,- ohne Arzt- oder Schulbesuche für die Kinder.

So macht man Milliarden...

So macht man Milliarden…

Goldjunge Giorgio und sein PR-Team antworten nicht auf Presseanfragen zu den Vorwürfen, dafür verbreiten sie leere Beteuerungen wie diese hier:

Armani Exchange Corporate Responsibility

Über die wahren Zustände in Giorgio’s Sweatshops, hier mehr in einem Artikel der PhnomPenhpost in English vom 9. Juli 2015

Würde ich jemals wieder Frau Dendler begegnen, oder gar diesem greisen Schmarotzer Armani, würde ich beiden stellvertretend für 100.000de Sklaven mit Anlauf in den Arsch treten.

Kambodscha: Gourmet-Teller aus der Veterinär-Abtreibungsklinik

Posted in Asien, Aus Aller Welt, Essen & mehr trinken, Kambodscha, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Uncategorized with tags , , , , , , , , , on August 13, 2013 by pheneas

Ich war vor einiger Zeit in Kambodscha‘s Poipet, ein Kaff an der Grenze zu Thailand, das hauptsächlich aus ein paar Kasinos besteht. Geschlagene vier Tage habe ich zwischen Slotmachine-Junkies und Grenzkulis verbracht, die total überladene Handkarren von einem Land ins andere schubsen. Warum jemand kistenweise Mangos von Thailand über die Grenze nach Kambodscha bringt, wird mir ewig verschlossen bleiben. Angesichts der endlosen Transporte der Kartons, glaubt nach zwei Stunden kaum ein Beobachter mehr, das da wirklich nur grüne Mangos in der Ladung sind.

DSC00095Der Ort ist das Epizentrum der Langeweile. Man kann hier als Nicht-Spielsüchtiger so gut wie gar nichts unternehmen und so saßen mein Kumpel Chris und ich nahezu den ganzen Tag bei ohrenbetäubender Khmer-Vollklore aus dem Fernseher vor einer Bretterbude und haben thailändisches Leo Bier getrunken, das hier nur die Hälfte kostet. Die Warterei auf unsere Visa, entwickelte sich zu einer Form von Selbstmumifizierung und war in etwa so unterhaltsam wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.

Nach etwa vier Stunden des Betrachtens der Busladungen schwitzender Rucksacktouristen mit Sibirien-Teint, fünfjährigen Mädchen, die sorglos zwischen den Touristenbussen auf die Straße kacken und dabei die Hand ihres sechsjährigen Bruders halten, der seinen Rüssel in eine Plastiktüte mit Teppichkleber hält und Käfig-Lastwagen der Grenzpolizei mit lokalen „Republik Flüchtigen“ ohne gültige Papiere, erscheint einem ein rotierender Teller in der Microwelle mindestens so unterhaltsam wie das Endspiel einer Fussball WM.

Hätte Chris nicht die aus reiner Verzweiflung geborene Idee gehabt, am Abend in ein ihm bekanntes Restaurant zu gehen, könnte ich meine Poipet Erfahrung getrost vergessen. Selbst ein an Hardcore Obskuritäten gewohnter Reisender erlebt hier im Malubrussei Restaurant eine absolute Sternstunde.

DSCN2427

Das geht schon mit dem Studieren der Menükarte los. Das Restaurant tat sich nicht zuletzt damit hervor, dass ich hoffte, mich  hier nie nach einer Mahlzeit übergeben zu müssen. Ein Bekannter von mir sagte einmal: „Ich esse nie Sushi. Ich habe Probleme, Sachen zu essen, die gerade so eben bewusstlos sind.” Der würde nach einem Blick auf die Speisekarte dieses Restaurants wahrscheinlich für eine Woche jegliche feste Nahrung verweigern. Der Laden ist das Mekka für Futtermasochisten!

DSCN2416

Hier kommen selbst westliche Touristen, die schon einmal mutig Thailands Insekten-Auswahl genossen haben an ihre Grenzen. Im Angebot des „Gourmettempels“ findet man kulinarische Höhepunkte wie:

Gegrillte Kuh-Euter

Gedünstetes Rinderhirn mit Pfeffer

Gegrillte Frösche

Gegrillte kleine Innereien

Gedünstete große Innereien

Gedünstete Bauchspeicheldrüse (von welcher Lebensform war nicht in Erfahrung zu bringen)

Stierhoden-400

Gegrillte Hoden (angekündigt als „special food“)

…und die ultimative Empfehlung des Küchenchefs:

Gedünstetes Rinder-Embrio im Uterus!!!

Speisekarte Malubrussei Restaurant

Ich habe Chris am nächsten Tag stundenlang angebettelt noch einmal mit mir in den Laden zu gehen und Carolines Ungeborenes im Reisrand zu bestellen, damit ich ein paar authentische Fotos machen könnte. Vergeblich,- er meinte die lokale Köstlichkeit zu bestellen und sie dann doch nicht zu essen wäre ein Affront gegenüber dem Personal. Er sagte noch das ist etwa so, als würde man im Sushi Restaurant “Bukakke” als Dessert bestellen.

Hau wech den Scheiss!

Hau wech den Scheiss!

Aber so weit, mir die Spezialität aus der Veterinär-Abtreibungsklinik selbst auf der Zunge zergehen zu lassen, geht mein journalistischer Recherchehunger dann doch nicht. Irgendwie hört es bei mir mit Pony Lasagne auf.

Vielleicht sollte ich bei meinem nächsten Besuch anstatt eines Amerikaners lieber einen Schweden mitnehmen. Wie heißt es so treffend im Ikea-Land? „Entdecke die Möglichkeiten.“

Tja Chris, Bier trinken kann jeder, aber...

Tja Chris, Bier trinken kann jeder, aber…

+++Süd-Ost Asien Flut update+++

Posted in Asien, Aus Aller Welt, Kambodscha, Laos, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Sicherheit, Vietnam with tags , , , , , , , , , , on September 28, 2011 by pheneas

Kambodscha

Angkor Wat - Zeit zum Umdenken?

 Auch hier hat der Monsun 2011 weite Teile des Landes überflutet. 183 internationale Touristen mußten Anfang dieser Woche mit Hubschraubern aus den historischen Tempelanlagen von Banteay Srei, nahe Siem Reap, evakuiert werden. In nur drei Stunden fielen 200 mm Regen und das Wasser des Siem Reap Flusses stieg so hoch, daß es den Besuchern den Rückweg abschnitt. Viele Dorfbewohner retteten sich auf die Dächer ihrer Häuser. Es wird vermutet, daß im Königreich rund 56.000 Hektar Reisfelder zum Teil drastisch überflutet sind, von denen 97% keine Ernte einbringen, wenn das Wasser nicht zügig abfliesst. Damit ist aber laut Wettervorhersagen kaum zu rechnen. Viele Anwohner leiden unter Durchfall und Erkältungskrankheiten.

Laos

In der Trockenzeit kaum zu sehen, schwillt der Mekong zum Monsun um die 10-fache Breite an und erreicht 12m Pegelstand

 Wie tückisch der Mekong besonders in der Provinz Vientiane sein kann. wissen die Anwohner noch aus der letzten großen Flut 1966. Damals stiegen die Fluten so rasant an, daß kaum einer in der Stadt rechtzeitig flüchten konnte. Die Stadt Vientiane liegt an einer Flussbiegung. Während der Mekong zur Trockenzeit eigentlich nur ein 100 m breites Rinnsal, in einem riesigen flachen Flussbett bildet, drängen die Wassermassen nach Monsun Regenfällen gewaltsam auf die Stadt zu.

 Auch hier scheinen die Katastrophen einen handgemachten Hintergrund zu haben, wenngleich es bisher keine konkreten Beweise dafür gibt: Drei Dämme in China, Manwan, Dachaoshan und Jinghong, mit zusammen etwa 16,5 Mio. Kubikmeter Fassungsvermögen. Genug um den nördlichen Mekong zu regulieren. Werden die Dämme jedoch wegen Hochwassers geöffnet, stehen die Anrainer Staaten Laos und Thailand in weiten Teilen unter Wasser. Von offizieller Seite wird das Problem jedoch auf die Beseitigung von Stromschnellen geschoben. Die Rodung großer Teile des Regenwaldes von 70% des Landes auf 40% trägt ebenfalls zum Problem bei. Betroffen sind natürlich in erster Linie die Ärmsten des Landes. Auch ohne zusätzliche Katasrophen, sind rund die Hälfte der Kinder in Laos unterernährt!

 Die aktuellen Schäden an Brücken und Straßen belaufen sich auf 300 Mio. Dollar. Rund 65.000 Hektar stehen unter Wasser. In den Provinzen Attapeu, Sekong, Saravan, Savannakhet, und Champassack, starben 17 Menschen und 178.000 sind auf verschiedene Weise betroffen. In Onechanh Thammavong, stehen 27.000 Behausungen unter Wasser.  Die UN haben bisher 10 Mio. Dollar zur Unterstützung bereitgestellt.

 Neben fehlender Sanitäreinrichtungen, Malaria und Dengue Fieber birgt Laos ein besonderes Gesundheits-Risiko, das sich aus der „bombastischen“ Altlast des Vietnamkriegs ergibt: Laos ist pro Kopf der Bevölkerung die am stärksten von Blindgängern (UXO)-verseuchte Nation in Asien! Die Freispülung verrosteter Minen, Bomben und Granaten stellt eine erhebliche Gefahr dar!

Vietnam

Reisfeld oder Shrimp Farm?

 Bisher gab es sechs Todesfälle bei den Überflutungen und Erdrutschen im Land. 22 Personen starben bereits bei Fluten im Juni. 72.000 Hektar Farmland stehen unter Wasser und über 2000 Häuser wurden beschädigt oder zerstört. Ein besonderer, lokaler Effekt in Vietnam sind die vielen Blitzschläge bei den Unwettern, denen allein 12 Menschen zum Opfer fielen.

 Neben den herkömmlichen gesundheitsschädigen Folgen, birgt Vietnam ein ganz besonderes Risiko: ˶Agent Orange“, das todbringende Erbe des Vietnamkrieges, wurde über zehn Jahre lang vornehmlich über abgelegene Dschungelregionen versprüht. Dabei wurden ursprünglich rund 80 Mio. Liter des Giftes auf 2,5 Mio. Hektar verteilt! Man sollte aber nicht glauben, daß das in dem Zeug enthaltene Dioxin, einer der langlebigsten Giftstoffe, einfach so verduftet. Im Gegenteil, Monsunregen und Erosion haben inzwischen 5,8 Mio. Hektar Tropen- und Regenwald kontaminiert. Die ausgedehnten Fluten, tragen das Gift nun auf Reisfelder und in Dörfer, die bisher davon verschont blieben. Wie nachhaltig das Zeug wirkt beweist die Tatsache, daß nicht nur Millionen Opfer durch direkten Kontakt sogar nach rund 50 Jahren noch darunter leiden, selbst in der dritten Generation kommt es zu schweren Mißbildungen bei Neugeborenen.

Wen das noch nicht abschreckt, der kann ja immer noch eine Zugreise durch China buchen! 

Thailand info hier klicken

Sorry, wenn jetzt so mancher Urlaubstraum den Bach 'runter gehen sollte…

+++Vor 12 Std.: Die E-Mail Chiang Mai berichtet, dass Zugverbindungen nach Bangkok wegen Hochwassser auf den Gleisen abgesagt wurden.  Schulen wurden wegen anhaltender Überschwemmungen geschlossen! +++