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Thailand- Jeder Tag Freitag der 13.

Posted in Aberglaube, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Gesellschaft, Glauben & Besserwissen, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , on April 15, 2013 by pheneas

aberglaube-hSorry, ich kann es nicht lassen über abergläubische Hillbillies zu lästern. Könnte glatt ein neues Hobby von mir werden. Aber, ich fühle mich mit meinen Ansichten über das Thema in bester Gesellschaft, wie diese zwei Zitate belegen:

Die einzigen echten Feinde, die ein Land bedrohen findet man zu Hause, diese sind Unwissenheit, Aberglauben und Inkompetenz. (Elbert Green Hubbard, amerikanischer Schriftsteller, Essayist, Philosoph und Verleger)

Aberglaube ist die Religion der Schwachköpfe. (Edmund Burke, irisch-britischer Schriftsteller, Staatsphilosoph und Politiker in der Zeit der Aufklärung. Er gilt als geistiger Vater des Konservatismus)

Natürlich ist es Pech, ausgerechnet am „Casual Friday“ aus einem Fenster im dreizehnten Stockwerk zu fallen. Aber daraus einen Kult zu machen, der den Freitag generell und die Numerologie zu einem Tabu erklärt, halte ich gelinde gesagt für etwas übertrieben. Ich sehe das eher pragmatisch: Live fast, die young and leave a good-looking carpaccio. Auch Groucho Marx hatte etwas zum Thema anzubieten. Er sagte: „Die Tatsache, dass eine schwarze Katze deinen Weg kreuzt, bedeutet lediglich, dass das Tier irgendwo hin will.“

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Einige Wissenschaftler, wahrscheinlich diejenigen, die nie in Thailands Provinz  waren, vermuten hinter seltsam anmutenden Ritualen eine archaische Strategie des Gehirns, die Welt zu verstehen. Sie glauben, dass Aberglaube in der Evolution half, Gefahren zu erkennen und Probleme zu vermeiden. Träfe das zu, müsste Thailand den Beinamen „The hub of null problemo“ tragen. Weit gefehlt! Ich glaube noch nicht einmal mehr, dass die Hirne der Holzhupen unter der Landbevölkerung zur Entwicklung irgendeiner brauchbaren Strategie fähig sind.

Hier ein paar aufschlussreiche Beispiele, die kaum einer regional begrenzten Beliebtheit unterliegen:

  • Nahezu jedes Auto wird mit TipEx Symbolen und Blattgold von Mönchen gegen Honorar am Fahrzeughimmel dekoriert. Das soll Glück bringen. Besonders die unzähligen Hirnis, die im Thai-style mit Babies auf dem Schoß unangeschnallt hinterm Lenkrad sitzen, werden es brauchen.
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Mit so vielen Glücksbringern kann man dann auch fahren wie eine gesengte Sau

  • Bei jedem Verkehrsunfall laufen die Passanten zusammen. Nicht etwa um Verletzten Erste Hilfe zu leisten, sondern um die Fahrzeugnummer für die Lotterie aufzuschreiben. Würden die „Glückszahlen“ wirklich gewinnen, müsste es laut Unfallstatistik (Unfälle mit 360.000 Schwerverletzten pro Jahr- 550% mehr als Deutschland) im Land von Lottogewinnern nur so wimmeln.
  • Kleine Mädchen und Jungen tragen oft einen Haarknoten „kwan“ genannt auf dem rasierten Schädel. Den Eltern eines Mädchens wurde von Mönchen prophezeit, das Neugeborene sei verflucht und müsste bis zum 13. Lebensjahr diesen Haarknoten tragen. Schneidet  man den Zopf ab  wird das Kind erkranken und sterben.

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  • In einigen Dörfern hängen die Bewohner vor dem Haus Hemden und Kleider an Stangen um den Geistern mitzuteilen, dass keiner im Haushalt am Unglückstag (Mittwoch) geboren wurde.
Thai Tempel (Wat) oder watt is hier los?

Thai Tempel (Wat) oder,- watt is hier los?

  • Ein „wahrsagender“ Mönch hat unter Einbeziehung von Astrologie die Voraussage gemacht, dass die Ehefrau eines Ausländers im Dorf demnächst sterben würde. Als der Mönch davon erfuhr, dass der Ehemann nach ihm suchte, um ihn um den Tempel zu jagen, änderte er seine Vorhersage. Um ihren vorzeiteigen Tod zu vermeiden, müsste die Frau lediglich unter einem Baum der Tempelanlage meditieren. Natürlich liess er sich die erneute Aussage honorieren. Der Ausgang der Geschichte klingt wie eine Anleihe aus Goethe’s Erlkönig: Die Dame lebt,- der Mönch ist tot.
  • Haareschneiden und neue Klamotten zum ersten Mal am Mittwoch tragen bringt Unglück
  • Um nicht Opfer von explodierenden Reiskochern und Gangnam-Klatscher durch den Tanz auf der Bananenschale zu werden, dürfen menstruierende Frauen nicht die Haare waschen oder Eiscreme verzehren.
  • Schwangere Frauen tragen oft eine Sicherheitsnadel an ihrer Kleidung, um böse Geister von ihrem Embryo fern zu halten.
  • Um eine Begegnung mit Wesen aus der twilightzone zu vermeiden, sollen Frauen bis zu einem Monat nach der Niederkunft selbst bei 38 C° bei einem offenen Feuer im Haus verweilen. Auch duschen ist während dieser Zeit nicht möglich. Räuchermuttis im eigenen Saft.
  • Bei Gewitter soll man keine Mobiltelefone benutzen und die Spiegel im Haus verhängen
  • Ein etwa 10-jähriger Junge wurde von einem tollwütigen Hund gebissen. Anstatt das Kind ins Krankenhaus zu bringen wurde ein Zauber-Quacksalber bestellt. Er kaute Betelnüsse und spuckte den Saft über den Jungen. Nach 10-tägigem Todeskampf starb der Junge.

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  • Ein 13-jähriges Mädchen litt an Epilepsie. Während eines Anfalls sollte ein Zauber-Doktor ihr die Geister austreiben. Während der „Zeremonie“ kamen die Nachbarn in Scharen und baten den Geisterbeschwörer das Mädchen zu fragen, welche Nummern in der Lotterie gewinnen werden.
  • Eine Kellnerin stolpert im Restaurant über einen schlafenden Hund. Eine halbe Stunde lang versuchten Gäste des Lokals in der Anordnung der am Boden liegenden Nudeln die Lotterienummern zu entdecken.
  • Ein Ausländer hielt sich ein Dutzend Enten auf seinem Grundstück. Er wollte die überschüssigen Eier an seine Nachbarn verschenken. Keiner wollte sie annehmen, da die Geste zu einem großen Streit zwischen dem Gönner und seinen Nachbarn zur Folge haben würde. Er wurde gebeten ein Dutzend Eier zum symbolischen Preis von 5 Baht an die Nachbarn zu verhökern. Damit wäre alles in Ordnung.

Buddha II

Was mich wirklich irritiert ist die Tatsache, dass sich gleichzeitig hier alle für gläubige Buddhisten halten und dabei ständig die einfachsten Regeln des Buddhismus missachten. Eine wohlgemeinte Erklärung dazu, wie die Fusion von Spökenkiekerei und Buddhismus funktioniert findet man hier

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Lesenswertes zum Thema auch hier

Vietnam- Na Omi, noch’n Tässchen Kniescheibentee?

Posted in Aberglaube, Essen & mehr trinken, Gesundheit & Gute Besserung, Vietnam with tags , , , , , , , , , on Juni 21, 2011 by pheneas

 Zugegeben, diese Geschichte trug sich schon vor einiger Zeit zu. Aber wer glaubt schon daran, daß sich in Jahrhunderten liebgewonnene Traditionen über Nacht ändern?

 Was macht ein Land zum ständigen Mitglied im „Dritte Welt Club“? Wirtschaftliche Fehlentscheidungen? Kann nicht sein, siehe USA oder Griechenland. Mangel an natürlichen Resourssen? Kann auch nicht sein, siehe Hongkong oder Singapur. Wie wär’s mit niedrigem Bildungsstandard der Bevölkerung als Ursache? Besonders dann, wenn es der Elite einer Nation gut in den Kram paßt, daß sich Allgemeinbildung- zumindest für die Landbevölkerung- auf ein mittelalterliches Maß eingepegelt hat. Die Antwort könnte passen!

 Der ursprünglich offizielle Werbeslogan des vietnamesischen Tourismus-Ministeriums lautete: „Hidden Charm“ (versteckter Charme). Inzwischen wechselt der Werbespruch ständig, weil sich die Tourismusexperten offensichtlich nicht auf den einzig wahren Verkaufsförderer einigen können. „Verborgener Charme“ hat aber was! Ganz besonders, wenn man sich diese Geschichte auf der Zunge (vielleicht beim Tee?) zergehen lässt:

Thor's Hammer uber Vietnam

An nur einem Wochenende hat sich eine höhere Instanz in der Provinz Nghe An entschlossen, sieben Personen mittels Blitzschlags bei schweißtreibender Maloche direkt vom Reisfeld in die ewigen Jagdgründe zu befördern. In Singapur erwischt es die meisten Opfer dieser Variante natürlicher Auslese wenigstens als Mitglieder sündhaft teurer Golfclubs, wo Anwälte und Banker mit geschultertem Golfschläger oder Regenschirmen über das Grün schlurfen, während Thor seinen blitzenden Hammer kreisen lässt. Darüber hinaus haben Lee Kuan Yew’s Betriebsangehörige den Vorteil, daß sie die Gräber der Opfer einer solchen Tragödie nicht auch noch zehn Tage bewachen müssen.

Kniescheibentee- hilft der Omi wieder aufs Fahrrad!

 Anders bei der Familie eines 13-jährigen Mädchens, das bei dieser Mähdrescher-Aktion des Sensenmanns das Leben verlor. Um zu verhindern, daß Grabräuber die Jungfer ausbuddeln, entschloss sich die Familie zu einer zehntägigen rund um die Uhr Totenwache. Der Grund dafür liegt im wahnwitzigen Aberglauben der Dorfbewohner, daß die Kniescheiben von Blitzschlagopfern, fein gemahlen und im Tee verabreicht, alle Krankheiten von Akne bis Zirrhose heilen könnten! Für die lokalen Pharma-Designer ist so ein  Allheilmittel im Regal der ländlichen Bambus-Apotheke  die Lizenz zum Gelddrucken! Aber hier äuβert man sich ja auch freundlich über die Wirkungen des Opiums.

 Nach dem Glauben der einfältigsten aller Vietnamesen, können die Grabschänder sogar unbehelligt davon kommen, solange sie der Leiche auch noch einen Arm abschneiden. Wer diesen Talisman mit sich führt, ist der Legende nach vor dem ohnehin auf dem Lande schwächelnden Arm des Gesetzes gefeit!

Na, wieder Jungfrauen ausbuddeln?

Hola,- nicht zu früh lachen! Die Nummer macht schon irgendwie Sinn. Welcher Dorfsheriff ist schon so bescheuert einem Grabschänder hinterher zu laufen, ihn zu verhaften, um dann einen stümperhaft amputierten und nach Verwesung duftenden Arm auf die kilometerweit entfernte Wache zu tragen???

 Wie gesagt das Motto lautet: Verborgener Charme (nicht Arm!)

 Wer also z.B. eine gemütliche Motorrad-Tour durch die Volksrepublik in Betracht zieht, sollte besser Gewitter meiden und entsprechende Vorkehrungen für den Fall seines Ablebens treffen. Damit könnte man vermeiden, daß seiner Leiche der Schniedel abgeschnitten wird, um fein gemahlen als getrockenetes Wundermittel im Regal einer Nachkriegs-Vietcong Apotheke, gleich neben der Diabetiker-Schuhcreme zu enden, um den Haarausfall eines lokalen Instant-Nudel-Magnaten zu kurieren. Mopedfahrer-Penis Tee läßt einer anderen Legende nach sogar Haare auf einer Bowlingkugel spriessen..