Archiv für Pressefreiheit

Ab jetzt nur noch Fragen die das Leben stellt- sonst…

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesetz & Recht, Politik, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags on Juni 14, 2015 by pheneas

Gerade habe ich vor meinem Apartmenthaus ein rot/blau/weißes Blitzlichtgewitter entdeckt und dachte, gleich klopft es an meiner Tür…

Aber dann stellte ich fest, daß ich diesen Blogbeitrag noch gar nicht gepostet hatte. Manchmal hat man eben Glück im Leben, selbst wenn es einen im Land of Smiles immer häufiger irgendwie an Gestapo und Stasi 2.0 oder Mittelalter 4.0 erinnert.

Wie hieß es schon bei Insterburg & Co so treffend? „Politisch Lied- gar garstig Lied“ und mir juckt gerade das Fell.

Aber nun zur eigentlichen Geschichte.

Man stelle sich einmal vor, die folgenden Bilder würden morgens um halb 10 in Deutschland, in der Ausgabe der Maurerbibel erscheinen:

Merkels-Wort-zum-Freitag

Angie beim einstündigen Freitagsgebet im ZDF

Feierabend_650

Bundeskanzlerin unterstreicht ihr gutes Verhältnis zu den Medien

TAZ

…mit einigen unbedeutenden Ausnahmen

Feuer-frei_650

…und unmissverständlichen Worten.

Geht gar nicht, würde selbst ihr Vorgänger sagen. In Thailand, einem Land in dem sich das politische Bewusstsein eines leider allzu großen Teils der Bevölkerung danach richtet, wie viel Bares man für seine Wählerstimme bekommt, wenn dann einmal Wahlen erlaubt sind, sind solche Aussagen eines selbsternannten Premierministers kein Problem.

Nun gehören Slapstick und dummdreiste Bemerkungen von Politikern aller Couleur, egal in welcher Nation ebenso zum Alltag, wie das Gefasel von Tresensoziologen.

Gegen das, was sich Thailands Putsch-Premier an staatsmännischem Fehlverhalten manchmal so abkneift, waren Ni­ki­ta Chruscht­schow’s Schuh-Trommelwirbel und Klaus Kinski Ausraster, die reinste Meditationsmusik. Etwa wenn er an das Podium zu einer Pressekonferenz tritt, oder Tourette-Pirouetten auf dem diplomatischen Parkett dreht, gleicht es dem Tanz eines indischen Elefanten in Rollschuhen, auf wischfeuchten Fliesen im Porzellanladen.

OrwellEs entzieht sich meiner Kenntnis, wie viele telefonische „Einladungen zu attidude adjustment“ in einer Militärkaserne und verstaatlichter Freizeit, mir als thailändischem Journalisten allein der letzte Satz einbringen würde, da nach Inkrafttreten des Kriegsrecht-Artikels 44, jegliche Kritik an der Junta verboten ist. Bisher blieb das ausländischen Korrespondenten, die in ihrer Landessprache berichten, erspart. Also klopfen wir mal auf Holz Bambus.

Die Ironie dieses Artikels 44 besteht nicht zuletzt darin, daß er auch nur wieder eine lausige Thai-Copy ist. Ich muß zugeben, daß ich es den Somtam Bushido’s gar nicht zugetraut hätte, die Übersetzung des Ermächtigungsgesetzes von 1933, eines geisteskranken österreichischen Postkartenmalers, als Vorlage aufzutreiben.

Für Thai-Journalisten, ebenso wie für Menschenrechtsorganisationen, die Friedrich Naumann Stiftung, den Foreign Correspondent Club und viele andere heißt es jetzt: Hinsetzen und Klappe halten.

Sitz 420

Der Spin-Doctor der Junta, General Suchart Ponput, erklärte vergangene Woche, daß Journalisten dem Premier und Kabinettsmitgliedern künftig nur „konstruktive Fragen“ Stellen sollten, die weder Konflikte noch Konfrontationen herbeiführen. In einer offiziellen Verlautbarung hieß es dann, die Journalisten wurden „angewiesen“ bei Pressekonferenzen nur Fragen zu stellen, die weder Regierungsmitglieder verärgern, oder deren Ruf schädigen könnten. Ich frage mich seitdem, ob es in Thai einen Unterschied zwischen „Bitte“ und „Anweisung“ gibt. Der General schob nach: „Manchmal interviewen Reporter Regierungsmitglieder und verärgern sie, was zu einem schlechten Image führt.“ Taucht da nicht vielleicht schon die erste verbotene Frage auf: Wessen Image?

Und welche Frage darf man jemandem stellen, der schon beim Anflug eines zaghaften „Ja, aber…“ das HB-Männchen macht? Schade eigentlich, daß Kerner kein Thai spricht. Der könnte hier ebenso eine steile Karriere hinlegen wie in Mord Korea.

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Hm, aus meiner Erfahrung mit Interviewpartnern weiß ich, wie viel Wahrheit im Spruch meiner Oma steckt: „Es gibt keine dummen Fragen,- nur dumme Antworten!“

Das gestörte Verhältnis, zwischen dem Premierminister-General und den Medien, ist inzwischen bestens bekannt. Einmal drohte er einem Journalisten, ihm ein Podium auf den Kopf zu schlagen. Mit seiner nächsten Bemerkung ließ er Thai Medienvertreter wissen, daß er missliebige Journalisten hinrichten lassen könnte…

„Mein religiöses Symbol ist das Fadenkreuz- das im Fettnäpfchen.“

Es scheint, als sei sein religiöses Symbol das Fadenkreuz-
…aber das im Fettnäpfchen.

Mit Hinblick auf das darauffolgende Echo in der internationalen Presse, war das ein Frontalcrash mit 200 Sachen gegen den Baum der eigenen Reputation. Also nochmal- wer macht hier wessen Image kaputt?

Zu den Glanznummern des selbsternannten Staatsmannes, zählt ein auf Youtube Video festgehaltener Vorfall, bei dem er einem Kameramann eine angebissene Banane vor die Linse schleuderte. Für jemanden, der öffentliche Selbstentwürdigung als Hobby betreibt, ein Blattschuss. Das wird nur noch übertroffen, wenn Paris Hilton ohne Slip aus ihrem pinkfarbenen Bentley steigt.

Dieser „Bananenfrevel“ muß einem doch sauer aufstoßen. Selbst wenn man nicht in der SBZ geboren wurde…

Dieser „Bananenfrevel“ muß einem doch sauer aufstoßen. Selbst wenn man nicht in der SBZ geboren wurde…

Hier ein paar einprägsame Verbalien des Putsch-Generals:

Gen. Prayuth hat auch Ideen, die Thai Seifenopern zu verbessern.

Thai PM beklagt Thai Seifen-Opern und bietet an sie selbst besser zu schreiben„, Reuters, 26. September 2014

„Ich habe angeordnet, dass Skripte geschrieben werden, die Versöhnung einschließen, und sich auf den Tourismus und Thai-Kultur beziehen“, sagte Prayuth gegenüber Reportern. „Im Moment werden solche Plots geschrieben und wenn sie es nicht hinbekommen, werde ich sie selbst schreiben“, sagte er vor einem Team von der Regierung ernannter Schriftsteller.

Der nicht gewählte Prayut warnt vor politischen Foren„, Bangkok Post, 19. September 2014

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich nicht durch eine Wahl an die Macht kam. Ich bin mir sehr wohl bewusst darüber. Also halten sie sich bitte mit Kritik und politischen Foren zurück“ sagte der Ministerpräsident, der die administrative Macht durch einen Militärputsch am 22. Mai erlangte.

„Premierminister stellt nach zwei Morden in Frage, ob Touristen in Bikinis sicher sind“ AFP, September 17, 2014

Nachdem zwei britische Touristen ermordet wurden, wollte General Prayuth sicherzustellen, dass die thailändischen Behörden die Sache ernst nahmen, oder es zumindest so aussehen zu lassen. Aber Sie können erraten, was passiert ist…

„Es gibt immer Probleme mit touristischer Sicherheit. Sie denken, unser Land ist schön und sicher, so dass sie alles tun können, was sie wollen. Sie glauben Bikinis tragen zu können wo immer sie herumlaufen“ sagte Premierminister Prayuth Chan-OCHA, der auch der Armeechef ist, gegenüber Regierungsbeamten. Aber „können sie in Bikinis sicher sein, es sei denn sie sind nicht schön?“ Sagte er, als Antwort auf die Frage nach touristischer Sicherheit in einer Rede, die  live im Fernsehen übertragen wurde.

„Prayut gesteht, er hat ´multiple Persönlichkeiten´“, The Nation, November 3, 2014

In einer seiner berüchtigtsten Aussagen, räumt Gen. Prayuth ein, daß er möglicherweise mehr als nur eine Person ist:

„Er antwortete nach Anregungen der Medien, die ihn baten, seine Persönlichkeit zu verbessern: „Ich möchte mich für Warnungen und Anregungen [der Medien] bedanken. Ich will meine Persönlichkeit nicht ändern, denn ich bin ein Mensch mit multiplen Persönlichkeiten „, sagte Prayut. Thai Psychologen enthielten sich bisher ihrer Stimme dazu …

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Wir werden wahrscheinlich Journalisten, die nicht die Wahrheit berichten töten, sagte der Thai Führer, Reuters, March 25, 2015

Der Beitrag wurde inzwischen vom englischen „Guardian“ entfernt…

Die Webseite der britischen Daily Mail, wurde gleich ganz in Thailand blockiert.

Am Ende sieht es so aus, als hätte der der gute alte (eigentlich pensionierte) General seine eigenen Ansichten über Wahrheit und Journalismus. Als er von Reportern gefragt wurde, was die Regierung mit Journalisten vor hat, die nicht die offizielle Linie unterstützten, antwortete Prayuth, ohne zu lächeln:

„Wir werden sie wahrscheinlich exekutieren.“

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So,- und wenn Ihr in Zukunft nix mehr über Wahnsinn aus dem Wok erfahrt, dann sitze ich wahrscheinlich einem Uniformierten gegenüber, der mich über ein eventuelles Vergehen gegen das Gesetz zur Computerkriminalität belehrt, weil ich mit meiner nicht ganz so 100%tig regierungskonformen Schilderung über den derzeitigen Führer des Landes, jemanden verärgert habe.

Spaßig wird es dann erst wieder, wenn ich darüber berichte, wie mir die Thai-Anwälte, denen ich Deutschunterricht gab, auf meinen Hilferuf aus dem Fahrradsattel, oder vom Laufband des klimatisierten Fitness-Studios Textmitteilungen geschickt haben, wonach sie sich gerade Arme und Beine gebrochen haben und  deswegen in meinen Fall leider nicht helfen können…

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Erwacht Singapur aus Orwells 24/7 Big Brother Alptraum?

Posted in Gesellschaft with tags , , , , , , , , on Mai 18, 2011 by pheneas

country iconSingapurs Peoples Action Party (PAP) hat in der 2011 Wahl sechs Parlamentssitze an die Opposition abgeben müssen. Seit 2001 hat Lee Kuan Yew’s Alles und Jeden dominierende PAP 15% der Wähler verloren. Besonders die jüngere Generation scheint von der staatlichen Überwachung und Einmischung, selbst in die privatesten Bereiche des Lebens, die Nase voll zu haben. Wen wunderts? Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Demonstrationsrecht, freie Gewerkschaften, einheitliches Arbeitsrecht, Gleichberechtigung? Fehlanzeige!

Solidarność Sing Style?

 Die am häufigsten in der Presse des pseudodemokratischen Singapurs zitierten Personen sind Mr. und Mrs. Tan. Wann immer sich jemand traut ein öffentliches Statement abzugeben, steht in der Zeitung stets die Bemerkung: „Quote by a person only wanted to be known as Mr./ Mrs. Tan.“ Die vom großen Bruder ausgegebene Maxime lautet seit 40 Jahren gleich: Hinsetzen und Klappe halten! Also machen wir uns die nicht gerade von Zivilcourage geprägte Tradition zu Eigen und nennen wir den Akteur in diesem Stück Mr. Tan.

Wenn Mr. Tan allmorgendlich zur Arbeit fährt, wird er auf dem Weg von seiner Haustür bis zu seinem Büro von bis zu 86 Kameras überwacht. Orwell’s Big Brother ist allgegenwärtige Realität, im Bus, der U-Bahn, auf jedem Bahnhof, in jeder Unterführung, jedem Fahrstuhl und den meisten Büros wachen die elektronischen Augen über ihn. In vielen Fällen entgeht man dem Blick des großen Bruders nur mit einem Lächeln in die Kamera vor der Tür zum- hoffentlich- „Stillen Örtchen.“ Da könnte man sich, trotz tropischen Klimas, ja fast für’s Burkatragen erwärmen…

Stilles Örtchen goes GovTube?

 Selbst wenn Tan das private Auto nehmen würde, passiert er auf dem Expressway alle 200 Meter eine Überwachungskamera. Anhand des elektronischen Fahrausweises lässt sich zudem jederzeit kontrollieren wann Tan wo, und auf welcher Strecke, öffentliche Verkehrsmittel benutzt hat.

 Das ERP-System, das den Zugang aller Fahrzeuge in den Innenstadtbereich kontrolliert, und mittels eines Senders von einer aufladbaren Cashcard den fälligen Eintritt für jedes Fahrzeug kassiert, speichert gleichzeitig alle Daten des Fahrzeughalters.

Nun hört mal auf zu träumen!

 Ob die Tatsache, dass jede sechste Wohnung in einem HDB-Block (Behausung für den größten Teil der Bevölkerung des Inselstaats – auch schon mal gerne als Proleten-Silo bezeichnet) für einen Polizisten reserviert ist, und ebenfalls zum „Total Security-System“ gehört, hat hier noch niemand hinterfragt. Der Blockwart lässt grüßen! So ist das eben, wenn die regierende Schönwetterelite bereits bei der Namensgebung ins „Paranoya Taufbecken“ geplumpst zu sein scheint. Nüchtern betrachtet könnte man jedoch sagen, der Bedarf an Bespitzelung ist erst mal gedeckt.

 Wer ein öffentliches Gebäude im Business District im Stadtzentrum betritt, muss an der Rezeption einen Hausausweis oder seine Identitätskarte vorlegen, die dann eingescannt wird. Die Nummer auf der ID Karte bleibt dem Besitzer, ebenso wie die über alles entscheidende Sozialversicherungsnummer in den USA, auf Lebenszeit erhalten. Gegenwärtig wird daran gearbeitet, die Karten zukünftiger Generationen mit bionischen Daten des Besitzers zu ergänzen, wobei Iris-scan, Fingerabdruck und Stimm-Codierung das System perfektionieren werden.

 Sollten dann noch Lücken bei der Rekonstruktion im Tagesablauf von Mr. Tan auftauchen, ließen sich diese mit Hilfe seiner Kreditkarte, der Medi-Card für den Arztbesuch und der SIM Karte seines Mobil-Telefons schnell schließen.

The Marabout is watching you!

 Die Sichtbaren Formen der Überwachung hat man Mr. Tan als notwendige Sicherheitsmaßnahmen gegen die Bedrohung von außen verkauft. Das macht besonders vor dem Hintergrund Sinn, dass Singapurs bereits inhaftierter einziger Renommier-Terrorist durch ein Toilettenfenster entkam und monatelang auf der nahezu hermetisch abgeriegelten Insel nicht zu finden war. Und das in Zeiten, in denen Dank Google Earth kein Grashalm auf dem Fussballfeld des Changi Gefängnisses unentdeckt bleibt.  Natürlich schluckt jeder brave und zur Kritikunfähigkeit erzogene Staatsbürger das Argument der Bedrohung. Demgemäβ bleibt die  Frage, wer profitiert eigentlich von jeder Art des Terrorismus am Meisten, unbeantwortet. Die weitreichenden, verborgenen Lauschereien, enthält man den Bürgern vor. Man geht wohl davon aus, dass in einem Land mit einer der höchsten Selbstmordraten, eine zusätzlich erzeugte Paranoia eher negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten- und in Konsequenz auf das Rentenversicherungs-System der Massen haben könnte.

 Ob dieser aus europäischer Sicht „Orwellsche Alptraum“, Mr. Tan’s Leben sicherer macht, sei nach den Anschlägen im WTC, den Nahverkehrszügen in Madrid und in der Londoner Untergrundbahn in Frage gestellt. Nahezu jeder der Selbstmordattentäter wurde auf Video aufgenommen und später identifiziert- aber eben erst nachdem sie ihr mörderisches Vorhaben in die Tat umgesetzt haben.

INGSOC (Kunstwort für „English Sozialismus“) ist die politische Ideologie der totalitären Regierung von Ozeanien in George Orwell's Science-Fiction-Roman „1984”

 Wie akzeptabel die Einheimischen die totale Überwachung selbst empfinden, lässt sich am boomenden Absatz von so genannten Survaillance Cameras in den Elektronik-Warenhäusern ablesen. Niemand findet etwas dabei, wenn die in den meisten Haushalten angestellten ausländischen Maids mit versteckten Kameras bespitzelt werden. Man kann nie genug Sicherheit haben…

Die Schrift im Schaufenster sagt: “On the day we can fully trust each other- there will be peace on earth” Scientology’s L. Ron Hubbard

 Aber auch Ausländer bedienen sich gern solcher Methoden. Der deutsche Hersteller von Zahnersatz etwa, der monatelang seine zum Teil behinderten Mitarbeiter, für deren Beschäftigung er sogar Anspruch auf steuerliche Vergünstigungen hat, heimlich via Kamera bei der Arbeit beobachtet hat. In demokratisch regierten Ländern würde man sagen: Da weht aber ein eiskalter Wind durch den Arbeitsvertrag! Was er wahrscheinlich nicht ahnte, daß auch er seinerseits bereits Opfer eines, oder mehrerer Lauschangriffe geworden ist, da nach Aussagen eines Polizisten einer Spezialabteilung, ohnehin die Gespräche von Ausländern auf der Insel abgehört werden dürfen, und zwar ohne lästigen Gerichtsbeschluss, Nachweis eines Tatverdachts, Prävention eines Verbrechens, oder anderen juristischen Kinkerlitzchen westlicher Länder. So gesehen, ist das Inselchen eher eine Art Zuschauerdemokratie.

Der Inselstaat als Sahel-Zone der Privatsphäre 

Singapurbesucher 2020?

 Von der Duldungsstarre der Einwohner gegenüber staatlicher Überwachung, ist es nur ein kleiner Schritt zur fatalistischen Akzeptanz. Von diesem Standpunkt aus gesehen erscheint es vielen eben nur natürlich, wenn man selbst zum Lauscher und somit freiwilligen Blockwart der totalen Kontrolle wird. Zugegeben, im DIN-genormten Europa können einige Regelungen und juristische Spitzfindigkeiten einem schon ein gewisses Maß an Toleranz abfordern. Immerhin hat ein EU-Bürger ein paar verbriefte Rechte, wenn es um seine Privatsphäre geht. Auf unserer kleinen Insel sieht das etwas anders aus. Mir ist ein Fall in Erinnerung geblieben, über den in der lokalen Presse berichtet wurde. Ein junger Mann war es gewohnt nackt zu schlafen. Nachdem er aufwachte, ging er allmorgendlich von seinem Schlafzimmer aus splitterfasernackt in sein Bad. Von einem gut 80 Meter entfernten  gegenüberliegenden Häuserblock beobachtete ihn eine Hausfrau bei seinen Nacktwanderungen in seiner eigenen Wohnung und führte penibel Buch über das Datum und Uhrzeit. Nach einiger Zeit legte sie ihre Spanner-Daten der Polizei vor, die dem Mann eine Anzeige wegen unanständigen Verhaltens präsentierte. In so einer Gesellschaft ist selbst das eine Meldung in den Nachrichten. Auf die Idee, jemanden für das Spannen in fremde Wohnungen zu belangen, kommt hier niemand…

Wie sagt man so schön? Um unglücklich zu sein, ist es  nicht zwingend notwendig Angehörige in Singapur zu haben…

„Between being loved and being feared, I have always believed Machiavelli was right. If nobody is afraid of me, I’m meaningless.”

Lee Kuan Yew 06.10.1997.

Bevor nun aber jemand ausserhalb Singapurs auf die Idee kommt, auf Lee Kuan Yew’s Überwachungsstaat mit dem Finger zu zeigen, hier ein paar Zitate von grossen Brüdern und Schwestern in Europa:

„Eigentlich läuft alles ganz prima, aber trotzdem brauchen wir mehr Überwachung.“

~Angela Merkel, Bundeskanzlerin~

„Ehrliche Menschen haben nichts zu befürchten.“

~Franco Frattini, Vizepräsident der Europäischen Kommission~

„So etwas wie der Warnschussarrest wird irgendwann genauso normal sein, wie die Videoüberwachung.“

~Angela Merkel, Bundeskanzlerin~

„Das Argument, dass auch die Daten Unschuldiger gespeichert werden, interessiert mich nicht.“

~Joerg Ziercke, BKA-Chef~