Archiv für Yingluck Shinawatra

Thailand: Auf der Suche nach hierarchischer Demokratie

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Korruption, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , on Januar 26, 2014 by pheneas

Es gibt Eltern, die ihre Kinder autoritär, gleichwohl zur Unselbständigkeit erziehen. Die Blagen werden ständig bevormundet, aber mit der Möglichkeit im Alter von 25 Jahren mietfrei im Kinderzimmer zu wohnen, während Mutti die Klamotten wäscht und das Essen auf den Tisch stellt.

Wächst die Brut zu allem Unglück auch noch in einer dörflichen Gemeinschaft auf, die sich einer Lebensweise unter bestimmten kulturellen und religiösen Regeln verschrieben hat, ist Zappen duster.

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Wenn die männlichen Nachkommen sich dann später in ihrer eigenen Familie wie die Paschas aufführen, während die Mädels dem Prinzessinnen-Syndrom anheimfallen, braucht man sich nicht wundern. Ihr Leben betreffende Entscheidungen werden zumeist von anderen getroffen. Sie leben weiterhin unter einer Glocke der Bequemlichkeit, unfähig von anderen zu lernen, eigene Wege zu gehen und sich vom Dasein des Befehlsempfängers zu emanzipieren.

Im übertragenen Sinn ist die Thai-Gesellschaft so ein Problemkind.

Immer wieder tauchen in den Medien Berichte auf, in denen der Versuch gemacht wird, den Split in der Bevölkerung zwischen arm und reich, oder den Amart (übersetzt:aristokratisch/Elite) und den Prai (einfache Bürger) wie man es hier nennt, nicht als Wurzel der gegenwärtigen Proteste darzustellen. Das gelingt selten. Man gibt dem hierarchischen System, genannt „Belamy“, dass jedem Thai bereits in der Familie, im Tempel und der Schule eingebläut wird, lediglich einen anderen Namen.

Das Prinzip „Wir hier oben- ihr da unten“ bleibt von der Namensänderung unberührt, denn für die mit Geld und Einfluß funktioniert es wunderbar. Der Rest ordnet sich unter, oder im besten Fall ein. So lebt man eben unter derselben bequemen Glocke, wie die zuvor erwähnten Kinder.

Seit Abschaffung der absoluten Monarchie im Jahr 1932, haben nacheinander verschiedene Familien-Clans und deren Unterstützer die Macht im Land übernommen. Sie nutzten die anerzogene Obrigkeitshörigkeit und daraus resultierenden Fatalismus, während assistierende Aufkleriker den religiösen Faktor „Karma“ übernehmen, wonach ohnehin alles im Leben vorbestimmt ist. Damit ist gewährleistet, dass eine überschaubare Elite in Reichtum und dementsprechend unantastbar schalten und verwalten kann. Kaum einer der Abgeordneten im Parlament hat eine weiße Weste und kaum einer im Clan der Superreichen, ist auf legale Weise zu immensem Vermögen gelangt. Andererseits zahlen unter meinen Prai-Nachbarn, von denen nun viele nach einem Ende der Korruption schreien und einen Regierungswechsel fordern, auch keine Steuern. Das alles ist Teil dessen, was man im Land unter  dem Begriff„Thainess“ versteht.

Wer genug Geld verdient, muß sich nicht auch noch Respekt verdienen

Nach außen wird das Hierarchie-System nicht nur durch die Begrüßung der Thais untereinander sichtbar. Das gilt zumindest für Thailandkenner und aufmerksame Beobachter.

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Thai „Wai“ und Indiens „Namastee“

Der „Wai“, ist die allgemeine Begrüßung unter den Thais. Dabei werden zuerst die Ranghöchsten und Ältesten begrüßt, danach diejenigen, die sozial gleichgestellt sind. Dabei werden die Handflächen bei einer gleichzeitigen leichten Verbeugung flach vor dem Körper aneinandergelegt. Je höher der Rang des Gegenübers, um so höher Wandern die Hände in Richtung Kopf und Stirn. Der Gruß von einer niedriger gestellten Person hingegen wird lediglich mit einem Lächeln oder einem Nicken erwidert, denn ein Wai als Antwort wäre der blanke Hohn. Aber es gibt eine ganze Reihe Varianten dieser Prozedur, wer, wem, wann diesen Gruß erweist. Die müssen hier nicht beschrieben werden. Das ist für Ausländer eher eine Art Lokalkolorit, wenn man von einigen Kuriositäten in diesem Zusammenhang absieht. Etwa als der ehemalige Premier Thaksin nach dem Kauf des englischen Fußballclubs Manchester City verlangte, dass ihm die Fans des Clubs bei seinem Erscheinen im Stadion den Wai erweisen sollten, waren viele Mancunians eher geneigt den Zeigefinger an die Stirn zu tippen.

Unterwürfig bis zum Kniefall

Aber die Respektsbezeugung von Prais gegenüber den Amart, geht in Thaksins Heimat noch tiefer. Genauer gesagt, bis auf den Boden. Bei offiziellen Meetings mit anwesenden Ministern wird vom Servierpersonal erwartet, dass sie in der Lobby Getränke und Häppchen auf den Knien servieren. Diese Art der Abgrenzung zwischen oben und unten braucht man wohl in einem Land, in dem man sich Respekt nicht verdienen muß,- er wird erkauft und folglich vorausgesetzt. Für Ausländer stellt sich sie Frage, ob diese zur Schau getragene Unterwürfigkeit, egal in welcher Kultur, im 21. Jahrhundert wirklich angemessen ist. Au Weia, mag sich manch „Westerner“ dabei denken. Zumindest das läßt sich nicht unter den Teppich kehren.

Ausländern und besonders Journalisten, die in westlichen Kulturkreisen und Demokratien aufgewachsen sind, wird immer wieder vorgeworfen, sie verstünden nicht was Thais unter dem Begriff „Thainess“ verstehen. Kein Wunder, denn darunter fällt auch alles, was von Fremden mit westlicher Bildung und entsprechendem Selbstverständnis gar nicht verstanden werden soll.

Selbst wenn etwas absolut aus dem Ruder gerät, hält man sich unter Thais mit jeglicher Kritik zurück, damit niemand das Gesicht verliert. Gleiches Verhalten wird jedoch auch von Ausländern erwartet, wenn sie sich das Leben im Land nicht unnötig erschweren wollen. Alles unter dem Motto Thais werden nicht böse, sondern süß sauer! Leider fallen sämtliche Verfehlungen von Lügen, über die allgegenwärtige Korruption, Betrug, bis hin zum Mord, ebenfalls unter den Mantel des Schweigens. Dass man als „Farrang“ eventuell ein Problem damit hat, wird von Thais nicht verstanden, oder gar toleriert.

Eine Abac-Umfrage unter 1.561 Personen in Bangkok ergab:

Lügen ist OK!

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87,5 Prozent der Befragten in Bangkok gaben an, Lügen sind akzeptabel, wenn sie dem eigenen Vorteil dienen. Allerdings werden selbst die haarsträubendsten Variationen gerne damit gerechtfertigt, dass weder der Belogene noch der Lügner das Gesicht verliert. Auch das ist „Thainess.“

80 Prozent gaben zu in den vergangenen 12 Monaten Beamte bestochen zu haben.

92 Prozent der Schüler und Studenten kopierten ihre Hausaufgaben von Kommilitonen.

74 Prozent betrügen bei den Examen. Sogar bei der Aufnahmeprüfung zum Polizeidienst

88 Prozent glauben, dass alle Ämter und Behörden korrupt sind.

Spricht man Thais direkt auf die Tatsache an, dass die Nation in einem Jahr von Platz 88 auf 102 im internationalen Korruptionsindex gelandet ist, bekommt man verblüffende Antworten. Eine davon ist die, dass die Idee zur Bestechung erst mit den chinesischen Einwanderern ins Land kam, deren „Tea-Money-Kultur“ nun eben zum Teil der eigenen Kultur wurde. Wenn etwas anrüchig wird, sind Thais immer in der Lage Auslandseinflüsse dafür verantwortlich zu machen. Wie heisst es so treffend? Patriotismus ist die Tugend der Boshaften.

 So langsam wird sichtbar, was alles hinter dem Vorhang „Thainess“ steckt.

Anhänger der PDRC* Protestbewegung fordern Demokratie und ein Ende der Korruption

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Weiss er wirklich, was er da herbeipfeift?

Es ist nur verständlich, wenn man als Ausländer die Frage stellt: ach, wirklich? Zu tief scheint unter Thailands Buddhisten der Brauch verankert zu sein, in Tempeln und auf Hausaltären Opfergaben unter die Stauen Buddhas, Ganesh oder König Rama V zu platzieren. Der Begriff Opfergabe wird allerdings weithin ad absurdum geführt, da das „Opfer“ ausnahmslos als Bestechung für die Erfüllung persönlicher Wünsche angesehen wird. Je mehr man gibt, um so höher die Erwartung. Wen wundert es da, wenn man die Taktik auch auf das Alltagsleben überträgt und als legitim empfindet. Wenigstens diesen Aspekt von „Thainess“ habe ich begriffen.

76.5 Prozent der Altersgruppe 20-29 finden Korruption akzeptabel, solange sie selbst davon profitieren. Schwer zu glauben, dass sie nun eine Gruppe unterstützt, die die gegenwärtige Shinawatra Übergangsregierung allein wegen Korruption aus dem Amt jagen möchte. Also fällt auch noch das Messen mit zweierlei Maßstäben unter „Thainess.“

Buddhismus und Bahtismus sind für Thais durchaus kompatibel

Wenn also ein Premierminister, wie Thaksin Shinawatra, korrupt ist und sein Amt zur eigenen Vermögensbildung mißbraucht, wird das von den einfachen Bürgern akzeptiert. Erstens steht er in den Augen der Prai, ebenso wie jede andere reiche Person, ohnehin über dem Gesetz und zweitens gilt es als für sie als erwiesene Tatsache, dass niemand in die Thai-Politik einsteigt, ohne sich bereichern zu wollen. Erstaunlich ist nur, dass sich gleichzeitig alle für gute Buddhisten und Staatsbürger halten.

Im Thai-Alltag sieht es so aus: Ein Dorf-Chef, der aufrecht und ehrlich seinen Aufgaben nachgeht, der keine „Geschenke“ zur Vorteilsgewährung annimmt und daher dementsprechend bescheiden lebt, hat keine Chance gegen einen neuen Bewerber für das Amt, wenn dieser im Mercedes vorfährt und Stimmen für seine Wahl erkauft. Wenn er anschließend als erste Amtshandlung mit Geldern des Dorfbudgets die einzige asphaltierte Straße zu seinem Haus bauen läßt, wird das akzeptiert. Er bekommt stets den Wai zur Begrüßung und im Provinzhotel wird ihm der Tee in der Lobby auf Knien serviert. Man verbeugt sich im Grunde genommen vor jeder goldenen Rolex, schwarzen Limousine, Amts- und Würdenträgern, selbst wenn man weiß, dass sein Gegenüber reichlich Dreck am Stecken hat. Thainess eben.

Unterwürfigkeit vor Geld und Einfluß kennt keine Grenzen. Wenn der Besitzer meines Apartmenthauses vom Parkplatz fährt, rennen die Securityguards auf die Straße, um den Verkehr zu stoppen, damit der Herr freie Fahrt hat. Dennoch weist, bis auf den Lexus seiner Frau, jedes seiner zwölf Autos Beulen und Schrammen auf, weil er offensichtlich andernorts nicht in seiner Stellung erkannt wird, um standesgemäß aus der Parklücke gewunken zu werden.

Thailands Elite kreierte für sich einen Staat der Kleptokratie (persönliche Bereicherung durch Ausnutzen gesellschaftlicher Privilegien).  Davor verbeugt man sich im „Land of Smiles.“

Um  den Status Quo zu halten, leistet man sich Institutionen wie etwa das „Ministry of Culture“, dass mittels Zensur und bindende Vorgaben an Bildungseinrichtungen, als eine Art Benehmen- und Gedankenpolizei fungiert.

Die derzeitigen Proteste der “PDRC”*, ebenso wie die vergangenen der „Redshirts“, sind weniger ein Ausdruck der Bevölkerung gegen Korruption, oder die Unfähigkeit  und Verfehlungen der jeweiligen Regierung. Sie stammen eher aus Rivalitäten verschiedener Clans und Gruppierungen innerhalb der Elite, bei dem Versuch die eigenen Festungen zu sichern.  Ihre Gelder machen es dem einen Clan möglich, Reisbauern-Hausfrauen aus dem Isan zu einem bezahlten Ausflug in die Hauptstadt einzuladen. Klingt nach Kaffeefahrt ohne Heizdecken, dafür aber mit Fear-Faktor Demo Handgranaten-Feuerwerk und brennenden Banken und Shopping Malls. Auf der Gästeliste des anderen Lagers stehen Angestellte und gut betuchte Bürger aus Bangkok, denen man den Alltag mit Entertainment, freier Verpflegung und etwas Taschengeld zu versüßen sucht, um sie vor ihren Polit-Karren zu spannen. Neun Todesopfer und über 500 Verletzte, verursacht durch Schiessereien und Handgranaten, wurden dabei seit Dezember 2013 in Kauf genommen.

Die Partei von Thaksins Schwester Yingluck (Pheu Thai), scheint derweil die alte Küchenweisheit, wonach ein Soufflé nicht zweimal aufgeht, zu vergessen. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie die von ihrer Übergangsregierung anvisierten Wahlen gewinnen würde. Fraglich ist nur, ob sie stattfinden und ihr die Reisbauern, die seit Monaten auf ihr Geld des von der Regierung zu weit überhöhten Preisen gekauften Reis warten, noch einmal ihre Stimme geben.

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Rothemden und PDRC- Same Same but different?

Der Ruf nach „Demokratie“ kommt in beiden Lagern gleich gut an. Das Problem scheint zu sein, dass niemand in der protestierenden Masse wirklich versteht, welche Version von Demokratie den Initiatoren der Demonstrationen vorschwebt. Woher soll das Verständnis auch kommen, in einem Land in dem Elternhaus, Schule, Kultur- und Religionshüter lediglich unbedingten Gehorsam gegenüber Älteren, Lehrern, Amtsträgern und Mitgliedern der reichen Elite verlangen? Ohne eine Revolutionierung der kulturellen Mentalität (Thainess), bleibt dieses Land ohne Chance auf dauerhaften Frieden. Solange die Prai die bestehende hierarchische Gesellschaftsform anerkennen und als unabänderlichen Teil ihrer Kultur akzeptieren, regieren „Thainess“ und deren Interpreten, nicht aber Demokratie im Land.

Flächendeckende Aufklärung, Erziehung zur Selbständigkeit, zu kritischem Denken, zum Hinterfragen und  Förderung von Selbstvertrauen kommender Generationen, wären Ansätze in Thailand Demokratie zu erlangen. Aber dafür stehen die Zeichen nach wie vor schlecht, solange Einfluß in Thailand bedeutet, genug Geld und Macht zu besitzen, um genau das zu verhindern.

*„People’s Democratic Reform Committee“

Wer beschließt, sein Leben der Politik zu widmen, weiß, dass Geld zu verdienen, nicht die oberste Priorität ist…

Angela Merkel

+++ Thailand Flut update 14. Okt. 2011+++

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Sicherheit, Thailand with tags , , , , , , , , , , , on Oktober 13, 2011 by pheneas

Inzwischen gibt auch das Fremdenverkehrsamt Thailands updates zur Flutsituation unter:

http://www.tatnews.org/latest_update/index.asp 

Nicht nur nach Aussagen des Direktors des International Environmental Park Energy for Environment Centres, Seree Supharatid, steht es aus wissenschaftlicher Perspektive fest, daß Bangkok zur Liste der neun asiatischen Städte gehört, die in der nächsten Dekade permanent überflutet sein werden. Für das kommende Wochenende 15./16./17. rechnet man mit dem Schlimmsten.  Bereits in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag kam es wieder zu schweren Regenfällen  die sich auch am Freitag fortsetzten.

 Sollten durch  die Flüsse der Stadt in Zukunft, wie erwartet, 4.100 Kubikmeter Wasser pro Sekunde fließen, und der Monsunregen nur um 5 Prozent ansteigen (aktuell sind es 50% Plus), führt das zu einer Absenkung der Stadt um 4 Millimeter pro Jahr und einem Anstieg des Golfs von Thailand um 1,3 Zentimeter. Die Rede ist hier von einer Metropole, die ohnehin in einem Sumpfgebiet errichtet wurde, deren ursprüngliche Drainagewege (die Klongs) größtenteils zum Straßenbau asphaltiert wurden. Rund 680.000 Einwohner in 1,16 Millionen Gebäuden wären, besonders in den Stadtteilen Bang Khun Thian, Bang Bon, Bang Khae und PhraSamut Jedi, von der Gefahr betroffen. 

  Wer sich einmal die Mühe macht, die shop houses in den alten Stadtteilen genauer unter die Lupe zu nehmen, wird beobachten können, daß die Straßen und Fußwege davor bereits um mehrere Handbreit tiefer liegen.

 Bangkoks Gouverneur, Sukhumbhand Paribatra, hat am 13. Oktober den Bewohnern der Stadt erklärt, die Behörden würden alles Mögliche versuchen, um eine Überschwemmung des Stadtzentrums zu vermeiden. Dazu werden Kanäle geöffnet, die die Wassermassen in den Westen und Osten der Stadt umleiten sollen. Sollte jetzt ein 14-jähriger Realschüler auf die Idee kommen zu fragen, ob denn dort keine Leute wohnen, fliegt er wahrscheinlich von der Schule.

  Hinter vorgehaltener Hand fragen sich einige Anwohner der Stadt bereits, ob es bei all diesem Hype um „Rettet die Hauptstadt“ nicht eher darum geht, die Pfründe der Banken, Shopping Malls und Hotels zu retten, als die alten Shophouses und Eigenheime der Bewohner in den Randgebieten.

 Wer mit den Besitzverhältnissen in der Stadt der Engel vertraut ist und eine vage Idee davon hat, wem denn eine Menge erster Sahne Grundstücke mit internationalen Hotels, Banken, Firmen und High Society Apartments gehören, wundert sich nicht mehr über die ungleichmäßige Verteilung des Unabwendbaren. Aber das ist auch gleichzeitig der Punkt, an dem man in Thailand keine weiteren Fragen mehr stellt.

 Die Armee ist unter Anderem damit beschäftigt Kanäle und Klongs von Müll und Wasserhyazinthen zu reinigen, um den Abfluss zu beschleunigen.  Auf die Idee, daß man das vielleicht regelmäßig machen sollte, kommt man mit trockenen Füßen in Bangkok  nicht.

Vorsicht, wenn sich der Minister für Wissenschaft und Technik zu Wort meldet! 

Zeit für einen der beliebten "Reshuffles"?

 Man kann sich nur an den Kopf fassen. Wieder einmal hat der neue Minister für Wissenschaft und Technik, Plodprasop Suraswadi, (der mit der Propeller Idee und dem Löwenmenü im Chiang Mai Safari Park) einen Beweis dafür abgeliefert, daß er in dem Job eine krasse Fehlbesetzung ist. Er forderte die Bewohner der Bangkok Bezirke Pathum Thani, Klong Luang, Lamlukka , Thammasat Universität Rangsit Campus und der nördlichen Teile des Don Muang Bezirks und Rangsit dazu auf, wegen eines gebrochenen Schleusentors in Klong Ban Phrao unverzüglich ihre Häuser zu verlassen und sich zum Don Mueng Flughafen zu begeben. „Die Regierung kann nicht sagen, wie viele Stunden bleiben“, sagte Herr Plodprasop, um damit eine Panik auszulösen. Kurz darauf wurde von Polizei General, Pracha Promnok, der den Vorsitz des Fluthilfe Zentrums hat, der vorerst letzte Stunt  Plodprasops als falscher Alarm entlarvt!

 Wie durch ein ungenanntes Kabinettsmitglied bekannt wurde, waren Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra und Mitglieder des Kabinetts, äußerst bestürzt über den Fehlalarm.

 Die Quelle gab weiter an, daß, während eine Fluthilfe Sitzung mit der Premierministerin und anderen Ministern im Gange war, Herr Plodprasop aus dem Sitzungssaal stürzte, um den Alarm zum späteren Schock der Ministerpräsidentin und anderer Minister, auszulösen.

 Das National Flood Relief Centre hat den derzeitigen Wasserabfluß auf 18 Milliarden Kubikmeter geschätzt, die mehr als 20 Tage brauchen werden, um aus 14 Bezirken ins Meer zu gelangen.

 Justizministerin, Pracha Promnok, sagte daß allein bei Nakhon Sawan 8 Milliarden Kubikmeter abfliessen müßten. Die Kapazität des Chao Phraya beträgt lediglich 550 Millionen Kubikmeter pro Tag.

Thais lieben Thais? Aber klar doch- wenn sie genug Bares haben!

Bevor sich keiner mehr Sardinenbüchsen leisten kann...

 Während vielerorts Nahrungsmittel Bekleidung, Toilettenartikel etc. für die Flutopfer gesammelt werden, nimmt die wachsende Gier vieler Profiteure der Flutkatastrophe erschreckende Ausmaße an. Der Rak Prathet Thai Party Chef, Chuwit Kamolvisit, warnte bereits vor Chaos und möglichen Plünderungen, da Flutopfer bereits steigende Preise für Konsumgüter und den Mangel an notwendigen Utensilien beklagen. Die Preise für ein kleines Paket der beliebten Instant Nudeln sind in den betroffenen Gebieten bereits von 5 auf 30 Baht gestiegen. Kleine Flaschen Trinkwasser kosten inzwischen ebenfalls fast 30 Baht anstatt 7. Mauersteine, um die Hauseingänge zu schließen, sind nun 200% teurer als vor der Flut und die Kosten für Sandsäcke sind wegen Verknappung auf 80 bis 100 Baht pro Stück explodiert! Auch Bootsbesitzer, die Habseligkeiten und Flutflüchtlinge bergen langen kräftig hin und verlangen bis zu 500 Baht für eine Fuhre, beklagte Chuvit gegenüber der Presse. Da erscheint der Name von Thaksins ehemaliger Partei „Thai rak Thai“ (Thais lieben Thais), wie der blanke Hohn.

Inzwischen zählt das Land 283 Todesopfer durch die Fluten und über 1000 Fabriken (darunter Toyota und Honda), sowie unzählige kleine Produktionsstätten stehen unter Wasser. 

Aber wie bereits gesagt, die thailändische Tourismuszentrale in Frankfurt gab ja schon Entwarnung für Touristen, die das Land besuchen wollen. Für einen Badeurlaub in von Reptilien verseuchten Flüssen,- oder wie von den Kollegen in München propagiert- um das Königreich auf seinen Wasserwegen zu entdecken, herrschen beste Bedingungen.

Thailand: Wahl-Watching-Urlaub unter Hardcore Bedingungen?

Posted in Gesellschaft with tags , , , , , , , , , , on Mai 22, 2011 by pheneas

...aber besser nicht im Juli!

 Es gibt Abenteuer-Urlauber, die bei diversen Extremsportarten ein gewisses Maβ an gut kalkulierbarem Risiko, mit entsprechendem Nervenkitzel suchen. Daneben gibt es Risiko-Urlauber, die in diesen Zeiten auch nicht davor zurückschrecken in Krisengebiete wie Marokko, Tunesien oder Algerien zu reisen. Und dann gibt es noch die Spezies der „Hans-guck-in-die-Luft-Touristen“, die erst auf dem Transfers vom Airport zum Hotel bemerken, daβ sie einen Urlaub im Katastrophengebiet gebucht haben. Aber so ist das eben mit Leuten, die ihr Abitur in Fächern wie Religion und Werken & Nadelarbeit gemacht haben.

 Zu den Top 10 Zielen der letzten Kategorie zählen unter anderem: Japan, mit Besuchen bei den GAU-Leitern in Betroffenheitsblaumännern, Haiti als Destination zum ultimativen Test des eigenen Immunsystems, oder ein verlängertes „rauchende Colts“ Wochenende am Karakorum-Highway. Wer dazu so einen Urlaub auch noch in Form eines Geschenkgutscheins, mit Flugtickets von Philippine Airlines, Air Madagascar, Kyrgyzstan Airlines, oder Iran Air zum Geburtstag erhält, sollte seinen engsten Familienkreis vielleicht noch einmal auf potentielle Erbschleicher durchleuchten.

 Es kann auch kein Zufall sein, daβ die folgende Weisheit ausgerechnet aus dem alten Persien (heutigem Iran) stammt: „Das Beste, was man von Reisen nach Hause bringt, ist die heile Haut.“ Man braucht jedoch keine Kristallkugel, um vorherzusehen, daβ ein Thailand-Urlaub im Juli 2011 ziemlich sicher als Neueinsteiger in die Top 10 Kategorie aufgenommen wird.

Redshirt Demo am 19.Mai beim Central World Center, Bangkok

 Eine Thailandreise im Juli, empfiehlt sich lediglich für Liebhaber des „Wahl-Watchings“ unter hardcore Bedingungen. Unzufriedene Generäle bescherten der konstitutionellen Monarchie seit 1932 immerhin 18 Staatsstreiche, einschließlich der Machtübernahme vor fünf Jahren, in deren Folge 90.000 Reisende in der Hauptsaison (November) für mehrere Tage auf Bangkoks neuem Flughafen festsaβen. Und wer erinnert sich nicht an die Redshirt Proteste im Mai 2010, die immerhin 91 Personen in einen ästhetisch eher mangelhaften, aber weltweit medientauglichen Tod befördert haben.

 Wie die Erfahrung aus vergangenen Wahlen in Thailand zeigt, ist nicht auszuschlieβen, daβ es auch vor dem 3. Juli wieder zu massiven Stimmenkäufen kommt. Der aktuelle Preis für eine Wahlstimme ist zwischenzeitlich von 200 auf 500 Baht (4,60 / 11,50 €) gestiegen. Hinzu kommt, daβ die Partei der Redshirts (Pheu Thai Party), deren Fäden der im Exil lebende Ex-Premier Thaksin Shinawatra fest in der Hand hält, nun ausgerechnet seine jüngere Schwester Yingluck Shinawatra zur Spitzenkandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten gemacht hat. Sollte sie die Wahl gegen den amtierenden Demokraten, Premier Abhisit Vejjajiva, gewinnen, würde sich der Kreis schlieβen und für die Gelbhemden wäre alles wie vor dem Putsch gegen den ehemaligen thailändischen Ministerpräsidenten. Da hilft vielleicht die neue Zugverbindung zum Suvarnabhumi Airport…

Yellow Protest August 2008

 Gewinnt jedoch Abhisit, werden die Proteste der Rothemden mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder aufflackern, wie eine Gedenkveranstaltung an den „Roten Sonntag“ in der vergangenen Woche ahnen lieβ. In so einer Situation haben lediglich die Versicherungen in Thailand noch starkes Wachstumspotenzial, denn Glasfassaden und deren natürlichen Feinde wie Red- oder Yellowshirts, wird es hier noch lange geben.

Fakten zur Wahl:

  • Auch kurz vor der Wahl sind die Gerüchte um einen neuen Militärputsch nicht verstummt.
  • Zur Wahl am 3.Juli sind insgesamt 30 (!) Parteien angetreten. Die gröβten Blöcke bilden die Regierungspartei der Demokraten und das Oppositionsbündnis der Pheu Thai.
  • 76 % der Bevölkerung fühlen sich weder zu den „red shirts“ oder „yellow shirts hingezogen.“ *
  • Bei einer Abac Umfrage im Januar, durchgeführt von der Assumption-Universität und erstmalig veröffentlicht von der Bangkok Post, gaben 80 % der Befragten 2.604 Wahlberechtigten in 18 Provinzen von Thailand an, daβ bei vergangenen Wahlen Stimmenkauf in ihrer Kommune stattgefunden hat.

Text: Bestechung annehmen und Stimmenkauf sind schlecht

  • 53,2% gaben zu, sie würden das angebotene Geld für ihre Stimme annehmen.
  • 40,2% würden die Bestechungsgelder nicht annehmen.
  • 70% der Wähler mit den offenen Händen stammten aus dem Nordosten, dem Kernland der Redshirts.

 Unter solchen Bedingungen ist das Chaos eigentlich vorprogrammiert. Da läβt man besser für eine Weile sein „Kofferset Pattaya“ im Keller und meidet auf geplanten Geschäftsreisen einen Zwischenstopp in Bangkok, der Stadt des zornigen Bürgertums. Auβerdem fällt der Wahltermin sowieso in die Regenzeit (Juni – Oktober) und für alle anderen gilt wie immer das Motto:

Welcome to Thailand- leave your money and now go home!

Ergänzend zum Thema: Urlaub bei Familie Ballermann und

114 Auftragskiller erwarten Ihr Angebot

* Quelle: Asia Foundation
Photo credits: Blanchard Publishing / Wiki commons