Archiv für Wahrsager

Thailand hat ein neues „Dream Team“

Posted in Aberglaube, Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Glauben & Besserwissen, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , , , , , , , , on August 9, 2015 by pheneas

Alle guten Dinge sind Drei, sagt der Volksmund. Inzwischen lebe ich in Thailand bereits unter dem dritten Premierminister, der an böse Geister, (buddhistischen???) Voodoo Zauber, Hexerei und Vorhersagen von Wahrsagern glaubt und davon leider eben auch sein persönliches Geschick, und nebenbei  das einer ganzen Nation, abhängig macht.

Gestern sah ich im TV zufällig einen Film zu einem fiktiven Thema. Irgendwas mit Los Angeles im Jahr 2100. Das waren schlimme Zustände. Bei dem Gedanken, daß Neugeborene diese Zeit durchaus erleben können, befiel mich ein tiefes Mitleid mit meinen noch zu erwartenden Enkeln.

Thais leben nach ihrer Zeitrechnung im Jahr 2558. Aber die apokalyptischen Zustände gibt es hier schon jetzt. Wie soll das erst in weiteren 100 Jahren aussehen?

Somchai WngsawatAm 31. Juli 2015 (ich kann’s nicht lassen) berichtet die Zeitung „Marichon“ davon, daß ein ehemaliger Premier, Somchai Wongsawasdi, (Schwager seines Vorgängers Thaksin), einen bösen Traum gehabt hat. Hoffentlich erfährt die BILD, deren Redakteure oft ganz vernarrt in derlei journalistischen Beifang sind nichts davon, sonst müssen wir demnächst womöglich die Mittsommernachts-Träume von Miss Murksel lesen. Es muß einer dieser Träume gewesen sein, aus dem Leute wie Arno Dübel erlöst erwachen, wenn sie morgens um halb zehn in Deutschland von der Inkasso-Infantrie der GEZ aus dem Drehbettsofa ihrer Harz IV Höhle geklingelt werden.

Der Mann, der wie viele vor ihm, aus Thailands Politikerzentrifuge geschleudert wurde, inzwischen nur noch zur Bagatellprominenz zählt und auf Fotos den Eindruck vermittelt, daß er garantiert noch mit seiner Briefmarkensammlung bei seiner Mutti wohnt,  legte vor der Presse ein Musterbeispiel für unerklärliche Intelligenzkastration hin. Eine Handvoll Intellektueller im Land muss sich bei der Lektüre gefragt haben: ist das jetzt eine Pressemeldung, oder eher ein Bekennerschreiben?

Nach dem Traum, wahrscheinlich eine unangenehme Begegnung mit intelligenten Wesen außerhalb des Planeten Thailand, lud die verglimmte Nummer Eins seine gesamte Familie und „Anhänger“ zu einem Wandertag der Geistergläubigen in einen Tempel ein und bittet den Abt darum, etwas zu tun, damit seine Träume nicht real werden. Ich frage mich seitdem, ob eventuell seinem Gehirnwartungsexperten  die Couch abgefackelt ist.  Mit der Nummer in einer Krankengeschichte bekäme man uneingeschränkten Einlass und ein Freigetränk im geheimen  Mikro-Brauerei-Bierkeller, im Souterrain jeder geschlossenen Abteilung einer Entzugsklinik. Aber offensichtlich hat der ehemalige Rechtsanwalt und Magister in öffentlicher Verwaltung, ein Ego von der Größe des Wendekreises eines Flugzeugträgers.

Zuerst hat der Träumer dem Abt seine nächtliche Seifenoper erklärt und ihm gesagt, wie schlecht er sich danach fühlte. (Ich frage mich schon an diesem Punkt, was so ein Hilferuf kostet). Dann bat er den (pseudo) buddhistischen Abt, ihn mittels eines Zauber-Rituals von diesen Träumen zu befreien.

Und wie das bei klerikalen Pyrotechnikern so üblich ist, kramte der hilfreiche Heilige gleich ein ganzes Feuerwerk an zündenden Ideen und Lösungsvorschlägen hervor. Er schlug dem schweißgebadet Erwachten vor, ein „Buddhismus meets Voodoo“ Ritual zum Besten zu geben, um ihn von allen Sünden und Unglück zu befreien. Naja, andernorts befreien die Leute erfolgreich Grönland- vom ewigen Eis.

Der buddhistische(?) Abt, Phra Khru Banoi Tejapanyo, platzierte darauf gesalbte goldene Blätter an neun Stellen auf dem Körper des Verträumten- Gesicht, Stirn, beide Wangen und Handflächen. Ungeachtet der Tatsache, daß auf der Stirn vor der Profi-Kopfballerfrisur reichlich Platz für mehr Lametta vorhanden ist. Danach berührte er, ein Gebet singend, mit dem Wanderstab des verstorbenen Luang Poo Tim, alle markierten Stellen. Als krönenden Abschluss bekam der Patient dann noch eine Statue des Abts Phra Khru Banoi, und ein paar rote Bändchen um die Handgelenke.

Würde Miss Murksel so eine Vorstellung abliefern, würde es  wohl eher die 8 anstatt roter Bändchen um die Handgelenke geben.

Würde Miss Murksel so eine Vorstellung abliefern, würde es wohl eher die 8, anstatt roter Bändchen um die Handgelenke geben.

Nach der Vorstellung, sagte der ehemalige Ministerpräsident Reportern, dass er jetzt 68 Jahre alt sei und er am Mittwochabend Träume hatte, die ihn beunruhigten und er sich sehr unwohl gefühlt hatte. Er war sehr ängstlich, dass sein Traum in Erfüllung gehen würde. Er entschied sich dann den Abt für eine Beratung aufzusuchen. Er sagte weiter, der Abt habe ihm aufgetragen „gut zu denken, gut zu sprechen, und es dabei zu belassen.“ Er fügte hinzu, dass der Rat ihn erleichtert habe und er sich jetzt besser fühle.

Komisch, so eine Manifestation der Geistergläubigkeit wäre genau der Punkt, an dem ich mir ernsthafte Sorgen um meine Psyche gemacht hätte…

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Volksvertreter & Voodoo“Vollchlore“

Posted in Aberglaube, Kultur & Moral with tags , , , , , , , , , , , on Mai 26, 2011 by pheneas

I got my MoJo working…

 Der österreichische Schauspieler Fritz Muliar (Schwejk) brachte es auf den Punkt: „Mit dem Aberglauben ist es so eine Sache. Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der sein dreizehntes Monatsgehalt zurückgegeben hätte.“ Vielleicht ist das einer der Gründe, warum man in Deutschland und anderen Nationen mit Bildungsbürgertum nicht so sehr dem Okkulten, Aberglauben und Überirdischen huldigt. Immerhin erspart das dem Land BILD-Schlagzeilen wie: „Merkel konsultiert Wahrsager wegen Euro-Krise“, oder „Kongo-Schamane soll der FDP beim Wählerfang helfen.“ Mein Favorit wäre allerdings: „Gefälschte Tarot Karten aus China prophezeien Karl-Theodor zu Googleberg ein groβes come back“. Da würde sich mancher fragen, ja merkeln wir noch was? Warum dann nicht gleich die Regierungsgeschäfte an Madame Buchela, Gabriele Hoffmann, oder weil die zurzeit billiger anbieten, an haitianische Voodopriester übertragen? Auβerdem hätte sich die Republik wahrscheinlich bei der Kanzlerwahl 2005 zwischen Elizabeth Teissier, und einer Physikerin (amtierende Miss Hosenanzug)  aus den Beitrittsländern entscheiden müssen…

 In Thailand (wie in ganz Asien) gehen Animismus, so der Fachbegriff für Spökenkiekerei und Hokuspokus, und Politik Hand in Hand. Dort lassen sich Premierminister und Abgeordnete eher von ‘moo doo’ (‘sehende Doktoren‘) und Mönchen mit Direktwahl ins Nirwana beraten, als von Wirtschaftsexperten, Politologen, Pädagogen oder gar Soziologen. Geholfen hat es dem Land bisher wenig. Da muβ man schon aufpassen, daβ man nicht selbst religiös wird- von wegen: „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

Gebetsmühlenartige Standardantwort der Mönche: Allet wird juuut! Dauert nur eben etwas

 Natürlich gibt es Phänomene zwischen Himmel und Erde, für die es (noch) keine rationalen Erklärungen zu geben scheint. Während des Mittelalters gehörten Kometen, Regenbogen, Polarlichter; und selbst die Gezeiten dazu, aber die haben sich inzwischen aufgeklärt. Das Problem mit unerklärlichen Phänomenen ist, daβ sie immer von Sektierern, Demagogen, Klerikern, auf Herrschaftswissen pochende Wissenschaftler und heutzutage sogar von Werbeagenturen, mit zum Teil haarsträubenden Erklärungen für den jeweiligen (immer aber kommerziellen) Zweck interpretiert und ausgenutzt werden.

Wahrsager Soraccha Mulyu. Vorhersehbare Konflikte prophezeien ist kein Kunststück. Wüsste er die Lottozahlen, bräuchte er nicht mehr arbeiten…

 Thailands drittgröβte Tageszeitung, Matichon, scheint eine Standleitung zu „fortune-tellern“ wie Soraccha Mulyu zu haben. Schon im November letzten Jahres prophezeite er laut der Zeitung: „Kambodscha’s Truppen  werden Thailand angreifen und viele Thais töten und das führt Thailand in den ersten erklärten Krieg mit einem Nachbarland für sehr lange Zeit“. Vielleicht brauchte er aber auch weder eine Kristallkugel, oder Hühnerknochen für seine Voraussage. Denn es erscheint nicht unwahrscheinlich, daβ wenigstens einer der sieben Thais, die im Dezember die Grenze überquerten und damit den schwelenden Konflikt befeuerten, den berühmtesten Wahrsager des Landes nach dem Ausgang ihres Vorhabens befragt haben…

 In Singapur, wo man politische Dinge zwangsläufig etwas pragmatischer betrachtet, hier wird ohnehin alles von Familie Lee vorbestimmt, veröffentlichte die Straits Times (nicht ohne verdeckte Häme) einen Artikel ihres Thailand Korrespondenten zum Thema. Demnach trägt einer der Thai Politiker seinen Scheitel rechts, weil er glaubt es würde ihm Glück bringen. Aus gleichem Grund trägt ein ehemaliger Vize Premier täglich ein Hemd in einer anderen Farbe. Das hat ihm allerdings nicht geholfen vor einem Gerichtsurteil wegen Verschweigens persönlichen Besitzes zu fliehen. Wieder andere konsultierten Mönche und Wahrsager, um zu erfahren welches denn die besten Zeiten für sie wären zur Arbeit zu erscheinen. Seitdem erscheint der Vize Landwirtschaftsminister jeden Montag um Punkt fünf Uhr morgens im Ministerium, um den „Regengott“ um seinen Segen zu bitten. 5 gilt als die Glückszahl des Ministers. Bei der gegenwärtigen metereologischen Situation scheint der Herr aber etwas übertrieben zu haben, nachdem die halbe Nation „Land unter“ meldet.

 Ein ehemaliger Premierminister lieβ zwei riesige Elefantenstatuen vor seinem Büro aufstellen, nachdem ihm ein Wahrsager dazu geraten hat. Egal ob es sich um Heiratspläne, Umzüge oder Bekleidungswahl handelt- es entscheidet immer der Schamane. Nun braucht man sicher keine Sterne oder sein MoJo belästigen, um Antwort auf die Frage zu finden, ob das denn wohl die einzigen „wichtigen“ Entscheidungen sind, die von den Zauberlehrlingen getroffen, oder zumindest beeinfluβt werden.

Um in den Handflächen der meisten Thais zu lesen, braucht man keine hellseherischen Fähigkeiten,- man liest immer dasselbe…

 Nahezu alles in Thailand unterliegt entweder der Astrologie, Feng Shui, Numerologie oder- Handlesen! Das gilt leider nicht nur In Gegenden, wo der IQ des gröβten Bevölkerungsanteils von dem einer Vorabendserie begrenzt wird, oder wo die Fähigkeit eine eigene Idee zu entwickeln einen neurochirurgischen Eingriff voraussetzt.

 Was den Altmeister Thaksin angeht, gehen die Meinungen über seine Einstellung zum Aberglauben auseinander. Vor vielen Jahren wurde er kritisiert weil, er zu einem der Dämonengötter- „Rahu“ gebetet hat. Er antwortete darauf, er wäre nicht ignorant gegenüber solchen Sachen, er sei aber auch nicht davon verblendet. Trotzdem halten sich hartnäckig Gerüchte, die das Gegenteil behaupten.

Lediglich böses Joujou ist bilateral

 Nun ist das ganze Thema beileibe nicht auf Thailand beschränkt. Wenngleich Thailand nicht gerade für seine freundlichen Beziehungen zu den Anrainerstaaten bekannt ist, so treffen sich die Reichen und Mächtigen des Landes schon oft mit den verhaβten Nachbarn in Myanmar, beim gemeinsamen Blick in die Zukunft durch die Augen von Myanmars Zauberfee, die allgemein als ET bekannt ist. Das erinnert viele Besucher kurioser Weise an Spielbergs Figur eines Auβerirdischen ohne Telefonkarte. Sie heiβt eigentlich E Thi, ist taub und kommuniziert nur über ihre Schwester, da sonst niemand ihre Vorhersagen versteht. Sie kassiert 356,68 Myanmar Kyat (39 €) für eine 35 Minuten Konsultation, während das Jahres Durchschnittseinkommen bei 1,420.80 Myanmar Kyat (154 €) liegt!

ET- Ohne ihren Rat würden viele Politiker nicht einmal einen Gebrauchtwagen kaufen

 Die Dame  gilt als enge Beraterin von General Than Shwe, dem Herrscher über eine der ärmsten Regionen Asiens. Bei ihr reichen sich Angehörige der indonesischen und anderer Botschaften sowie Thailands Politiker die Klinke in die Hand. Seit Jahren wird gemunkelt, daβ Thaksin nebst Ehefrau ebenso wie seine Widersacher, die den Militärputsch gegen ihn führten, zu den Kunden der Madame gehören. Wenn Asiens Reiche und Mächtige in die Zukunft schauen möchten, tun sie das mit den Augen von E Thi. Besonders in Myanmar (ehemals Burma), lassen es die Regierenden schon mal richtig im diffusen Bereich des Okkultismus krachen.

 Da muβ man sich nicht wundern, wenn plötzlich eine irreführende Null an der Spitze steht. Aber das gilt auch für Christen von den Philippinen, Muslime aus Malaysia und Buddhisten aus der Region. Wen würde es da noch wundern, wenn Kabinettssitzungen während Vollmondnächten im Fackelschein, Kriegsbemalung und traditionellen Gewändern stattfinden? Immerhin veranstaltete die feine britische Gesellschaft noch im vergangenen Jahrhundert zur allgemeinen Erheiterung Lachgasabende.

Zu den speziellen Stunts von E Thi gehört eine wirklich zirkusreife Nummer: beim ersten Besuch neuer Kunden sagt sie brav die Nummer eines der Geldscheine auf, die der Betreffende in der Geldbörse hat, meist jedoch mit plus / minus zwei Fehlern…

So,- und nun wird es Zeit für ein Geständnis. Auch ich bin nicht ganz unbeeinfluβt von Zukunftsvorhersagen. Soeben hat mir mein ganz persönlicher Glückskeks prophezeit: „Wenn Du bis heute Abend nicht endlich den Abwasch gemacht hast, geht hier die Burg hoch!“

In 99,9% treffen ihre Vorhersagen tatsächlich ein!