Archiv für Verkehrstote-Thailand

Blood, Sweat & Beers

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Bangkok, Gesellschaft, Gesetz & Recht, Süd-Ost Asien, Sicherheit, Thailand with tags , , , , , , , on April 24, 2014 by pheneas

Durchschnittlich 330 Verkehrstote in

Thailands 7 wahnsinnigen Tagen!

Bei der alljährlichen Songkran-Kaltverformung der Produkte von Firmen wie Toyota, Suzuki, Chevrolet oder Ford, beweisen Thais, dass sie in etwa ebenso phantasiebegabt sind, wie der Designer der japanischen Flagge… Bild1

Thailands Statistiken, besonders wenn sie aus „offiziellen Quellen“ stammen, sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Glaubt man zum Beispiel den wöchentlich gebetsmühlenartig in der Presse erscheinenden Zahlen und Prognosen der Tourismusbehörde, müsste es im Land unabhängig der Saison, fast mehr Auslandsbesucher als Einheimische geben. Statistiken gelten erst dann als gelungen, wenn sie wie beim Lotto die „richtigen“ Zahlen aufweisen. Aber in den meisten Ländern Asiens gilt- wer mit einem Fuß auf der Herdplatte steht und mit dem anderen im Eimer mit Eiswasser, hat statistisch gesehen warme Füße.

Eine erbauliche Story zum Thema „Lotto in Thailand‘ findet ihr auf Low’s Blog.

Gesichtsverlust wird im Land meist schon mit Blasphemie gleichgestellt. Es gilt das alte Sprichwort: Statistik ist eine Hure,- und damit sollte man sich hier ja nun wirklich auskennen, selbst wenn es sich dabei um rein theoretisches Wissen handelt, da Prostitution im Land ja verboten ist. Das soll sogar für die Kondom-Condominiums in Pattaya gelten.

Am 18. April erschien eine Meldung zu einer Untersuchung, wonach Thailand beim Alkoholkonsum weltweit den vierten Platz belegt. Sicher, da gibt es Nachfülllbedarf, aber das schlucken die Thais locker ‘runter.

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Links, die vorläufig letzte „offizielle“ Unfall-Statistik. Sie zeigt Zahlen von 2 Tagen an, obwohl die Orgie bis einschliesslich 17. April stattfindet. Das sieht doch schon viel besser aus als im Vorjahr, könnte man glauben. Aber genau das soll die kreative Zahlendreherei wohl auch vermitteln, denn die große Rückreisewelle wird erst zum kommenden Wochenende (18/19/20 April) erwartet und da lassen es die Lenkradbeißer und Fluchtwagenfahrer nach einer Woche Flatrate Saufen gewiss noch einmal heftig krachen. Es ist also anzunehmen, dass man auf der Zielgeraden nicht hinter den Verkehrstoten des letzten Jahres herhinken wird. Zu Songkran heißt es hier: „wer vor der Kurve bremst, war auf der Geraden ´ne Schwuchtel!“

Wollte man die Zustände auf Thailands Straßen, gegen die das Wagenrennens in „Ben Hur“ wie eine Fiakerfahrt im Wiener Prater wirkt, in Filmtiteln widerspiegeln kommt einem folgendes in den Sinn :

Ein Käfig voller Narren

Auf dem Highway ist die Hölle los

Hunde wollt ihr ewig leben

The fast and Führerscheinlos.

Die letzten Zahlen vom 22. April beweisen, es gelang in mehrfacher Hinsicht den „Pegel“ des Vorjahres zu halten: 322 Tote in 7 Tagen – 46 pro Tag! Nicht in der Statistik enthalten, die vorläufig „Untoten“ unter den 3,225 Verletzten, die den Tag nach der Erhebung wohl nicht erlebten. Schätzungen gehen davon aus, die Zahl der Todesopfer könnte nach einiger Zeit durchaus 500 betragen.

Hier ein paar Ungereimtheiten zum Thema:

In der von ´convenience Journalisten´ beherrschten Presse, steht häufig zu lesen, dass es viele Todesopfer bei den Unfällen gibt, weil Motoradfahrer keinen Helm tragen. Man hat kein Problem damit, das Ergebnis vor die Tatsache zu stellen, dass die Unfälle zumeist von sturzbetrunkenen Fahrern verursacht wurden.

Eine der Ursachen für das unerwartete, aber einkalkulierte vorzeitige Ableben auf  Thailands Straßen, liegt in der laschen und korruptionsbehafteten Handhabung der Fälle durch die Polizei. Während man in zivilisierten Ländern von Promille-Prinzen verursachte Unfälle mit tödlichem Ausgang heftig bestraft, geht es hier mehr um die Frage, ob die eigene Familie wichtig genug ist, um nicht unnötig mit Lapalien belästigt zu werden und sich ein paar Verkehrstote leisten kann. Ein aktuelles Beispiel:

Die damals 16-jahrige Orachorn „Praewa“ Thehasadin na Ayudhya, Spross eines reichen Bangkok-Elite Clans, fuhr ohne Führerschein 9 Menschen in den Tod. Sie bekam eine Bewährungsstrafe…

Die Chance nach einem Unfall mit nicht imminenter tödlicher Verletzung am Straßenrand unter Millionen Fruchtfliegen von der Besatzung einer der rollenden Schaschlikbuden aufgelesen zu werden, stehen eher schlecht. Unabhängig von Dezibel der Sirenen, oder Anzahl der Flashlights auf dem Dach, macht hier kein Mensch Platz für einen Unfallwagen, um nicht seine Pole-Position vor dem Hintermann aufzugeben. Man greift hinter dem Lenkrad schnell an seine Amulette und setzt ein Stoßgebet ab: „Lass‘ es keinen meiner Familie treffen. Aber wenn es denn unvermeidlich ist, lass‘ es den reichen Erbonkel sein.“

Vorher nur dicht dran- nun endgültig dicht!

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Essen & mehr trinken, Gesellschaft, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , , on Januar 8, 2014 by pheneas

Ich werde nie verstehen warum Thais generell davon überzeugt sind, sie müßten ständig der oder die Erste, die Nummer Eins sein. Das gilt jedoch nur wenn sich das auf bequeme Weise einrichten lässt. Vielleicht liegt es am Einfluß der zahllosen chinesischen Einwanderer, die im Lauf der Geschichte das Land überrollt und die ethnische Abgrenzung unterwandert haben. Aber Chinesen haben wenigstens einen Begriff für die Macke, die eine Spazierfahrt auf den Strassen Singapurs  zum Überlebenskampf macht: Kiasu!

Für Thais gilt es als optimal, wenn der Run auf die Poolposition im T.E.A.M. erreicht werden kann. Wobei das Wort für „Toll Ein Anderer Machts“ steht.

Tagtäglich wird in den Medien gemeldet, dass die Nation entweder bestrebt ist in Rekordzeit der Hub für alles Mögliche zu sein, oder es schon ist. Dass dieser Anspruch in einem Schwellenland nur selten in allgemein als positiv eingeschätzten Disziplinen zu realisieren ist, scheint zwischen Hat Yai und Chiang Mai so gut wie unbekannt zu sein.

Aber Gestern hatte die geplagte Nation endlich einen Grund ausgelassen zu feiern. Noch vor vier Tagen wurde in den Zeitungen verkündet, dass Thailand weltweit den 3ten Rang bei jährlichen Verkehrstoten hält. Nun ja, immerhin die Bronze Medaille.

Nur einen Tag später ging es jedoch aufwärts: Thailand belegt den 2ten Platz unter den asiatischen Ländern in der Disziplin Teenager-Schwangerschaften. 54 Schwangerschaften unter 1.000 Mädchen unter 18 Jahren. Gestern überraschten die Medien nun endlich mit einer Platzierung auf dem Siegertreppchen: Thailand Nummer 1 im Alkoholkonsum unter den ASEAN Staaten.

Endlich No. One!

Endlich No. One!

Damit dürfte auch geklärt sein, wie es zu den anderen zwei Platzierungen gekommen ist. Die unter den Mädels so beliebeten Dosenöffner Bacardi Breezer und Spy, Post-alkoholische Geilheit (PaG), in Kombination mit der Tatsache, dass die Buben gern die allgegenwärtigen Plastiktüten für Suppen als Kondome benutzen, helfen dem Isan  das Problem der vorzeitigen Vergreisung zu umgehen.

Promille-Prinzen, die wie Wirrtuosen gut im vergorenen Reiswasser liegend über die Landstrassen brettern, legen das Fundament für den 3ten Rekord. Alles nach dem IKEA-Motto: Entdecke die Möglichkeiten. Oder auch: Juhu, wir sind wieder nüchtern! Das muss gefeiert werden!

Wenn das kein Grund zum Feiern ist...

Die Welt Gesundheits Organisation (WHO) hat die Lorbeer Wacholder-Daten vom Center for Alcohol Studies (CAS) zusammenfliessen lassen. Nach dieser Rechnung stehen 31.5 %, oder 17 Millionen Thais über 15 Jahre, regelmäßig unter Strom. Geht man jedoch von der aktuellen Einwohnerzahl von 64 Mio. Bürgern aus, werden wohl sogar 20,1 Millionen Spritliebhaber im Land of Smiles herumtorkeln.

Die Mitglieder im Rekord-Club der Erdbeernasen zogen sich 2013 die stattliche Menge von 7,1 Litern reinen Alkohols durch die Kiemen. Das entspricht, etwas konsumfreundlicher ausgedrückt, 226 Flaschen Bier, oder 25 Flaschen Randalierwasser mit mindestens 38 Volt.

Zum Vergleich: Deutschland hat 80,5 Mio. Einwohner von denen insgesamt 7,4 Millionen Bundesbürger mehr als die von Experten empfohlene Höchstmenge trinken.

Mit besonderem Stolz kann die Nation nun auch endlich auf die sonst eher als Abklingbecken angesehene Provinz Isan, im Nord-Osten an den Grenzen zu Laos und Kambodscha, blicken. Die einzig blühenden Landschaften sind dort die Glühweinwiesen. In der Heimat Boozillas gibt es 6,7 Millionen Krass-Alkis, die 40 % Anteil am Rekord haben. Dagegen wirkt Bangkok, mit geschätzten 20 Millionen Einwohnern, von denen sich nur 1,3 Millionen (8%) Kampftrinker gewohnheitsmäßig anschädeln, wie ein Trockendock. Immerhin werden in der Hauptstadt Designer-Marken wie  Black und Red Lable bevorzugt hinter den Knorpel gegossen. Im Isan stammen die Tuschwasser für dehydrierte Reisbauern oft aus dubiosen Quellen und wenn gar nichts mehr geht- aus Muttis Sato-Eimer.

Die Spitzenposition des Isan, wirft nüchtern betrachtet (aber wer macht das hier schon?) doch eine Frage auf: Wie ist es möglich, dass in einer der ärmsten Regionen des Landes so viele Buddhisten gleichzeitig Buddellisten werden und sich permanent einen Hirsch ins Geweih saufen? Ich gebe zu, dass die Tristesse dieses Landstrichs schon einen gewissen Suffdruck („Champagne For The Pain“) erzeugen kann. Aber auch hier muß selbst der letzte Gossenchiller für ein Fläschchen Brandbeschleuniger die Kopeken ´raustun. Die Horde der herangezüchteten Nachwuchs-Säufer lebt nach der Devise: Arbeit ist Scheisse- da kannste Pappi fragen.

Chalerm

Die heitere Seite des Land of Smiles

Die sozialen Probleme des Isan, die die Provinz umgeben wie das dazugehörige Mäntelchen des Schweigens, wenn es um charakterliche, oder moralische Verfehlungen geht, sorgen jedoch für ein gewisses Verständnis und Toleranz gegenüber Randgruppen. So wird es verständnisvoll hingenommen, dass der ehemalige Vize Premierminister und aktuell Arbeitsminister der Übergangsregierung, Chalerm Yubamrung, gelegentlich Lall,- und Torkeleinlagen im Parlament mit der Einnahme von Ohrenmedizin erklärt. Aber was soll man schon erwarten, wenn jemand in einem Ort geboren wurde, dessen Namen man eher auf dem Etikett einer Flasche Absinth erwartet hätte: Bang Bon!

Nach einem offiziellen Besuch im moslemischen Malaysia gab er zu, bei einem Empfang betrunken gewesen zu sein. Er schob sogar noch die Statistik hinterher: 5 Personen hätten zum gegebenen Anlaß 8 Flaschen Rotwein konsumiert. In Isans fröhlichen Dörfern, wo man nach 2 Flaschen erst anfängt zu trinken, wird sowas mit dem Spruch kommentiert: Alkohol in kleinen Dosen ist Verschwendung!

Meine persönliche Lehre daraus:

Ich trinke nur noch allein, oder in guter Gesellschaft. Aber nie wieder im Isan-

und

Der Fisch stinkt vom Kopf

Der Fisch stinkt vom Kopf