Archiv für Tischsitten

Leute, die es einfach mal vom Tisch fegen sollte

Posted in Aus Aller Welt, Ausland, Essen & mehr trinken, Gesellschaft, Kultur & Moral, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , , , on Mai 28, 2014 by pheneas

Während das Land der Demokratieunfähigen so langsam in einem immer größer werdenden Chaos versinkt, hier einmal etwas Positives über meine Wahlheimat Thailand, aus dem Bereich Food und Dollerei. Genauer gesagt, geht es um Tischsitten und persönliche Macken (meine eigenen).

Thais sind in gewisser Weise mit ihrem Essen ziemlich pingelig. Das betrifft weniger die hygienischen Umstände. Mit Formalin und Insektiziden besprühtes Gemüse gehört auf jedem Wetmarket, als im Preis enthaltene Dreingabe, zum Alltagsgeschäft. Ebenso wie in der Sonnenglut zur Schau gestellte Fleischwaren und Fisch, da kann man eigentlich gleich auf die Salmonellen fahren. Wie bereits in anderen Geschichten berichtet, gibt es auch kaum irgendwelche Hemmschwellen, wenn es darum geht was man isst. Aber wehe, man begeht den Fehler, die ungeschriebenen Gesetze zu missachten, die das „wie man isst“ regeln. Das kommt einem gesellschaftlichen Suizid durch Löffel und Gabel gleich.

Im Gegensatz zu einer Milliarde Chinesen verzichten Thais gänzlich darauf, beim Essen zu rülpsen, zu furzen, die Knochen und Gräten auf den Tisch zu spucken, oder sich in der Nase zu popeln und sich gleichzeitig einen Löffel in den Mund und Q-Tipps in die Ohren zu stopfen. Das ist doch schon mal was.

Sie verfallen auch nicht in postprandiale Somnolenz, so die wissenschaftliche Umschreibung der Schläfrigkeit nach einem üppigen Essen. Unter Kellnern in China-Restaurants auch als Fressnarkose bekannt. Und das, obwohl eine Thaimahlzeit im Restaurant oft schon in eine schweißtreibende Tätigkeit ausartet. Etwa, wenn man ein gutes Dutzend Garnelen auf dem Teller hat, die allesamt darauf warten fachgerecht mit Löffel und Gabel enthäutet zu werden, bevor sie sich mit den Geschmacksknospen (Caliculi gustatorii) vereinigen.

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Ähnlich wie die Stammesangehörigen europäischer Gebirgsvölker, essen Thais gerne in großer Gemeinschaft vom selben Teller. Auch wer zufällig vorbeischaut, sucht sich aus was er braucht. Um sich seinen Nahrungsanteil zu sichern, wird mit Holzspießchen oder Gabeln und Löffeln etwas ausgewählt, um es zwischen den Zähnen zu platzieren. Die Lippen dürfen dabei nicht das Esswerkzeug berühren, das gilt als Banausentum und beugt gleichzeitig einer gefürchteten Schluckmuskelüberlastung vor. Die „Ein Teller für alle Prozedur“ wirft häufig die Frage auf: Kann man das essen, oder spielt man das zu viert?

In meinen Beziehungen mit Angehörigen der anderen Bioeinheit, habe ich beim Essen oft kuriose Verhaltensweisen erfahren. Etwa wenn ich für zwei Personen gekocht habe und mein Gegenüber sich mit der Gabel zum dritten Mal mit der Bemerkung: „Kann ich Mal deins probieren“ etwas von meinem Teller zerrt. Da vergeht mir der Appetit!

shit hits the fan

Wegen der Nummer habe ich als Junger Maat schon einmal eine Massenschlägerei in der Kantine des Schulschiffs „Deutschland“ ausgelöst. Kurz vor dem Einlaufen in San Franzisco saßen alle bereits in ihrer weißen Gala-Uniform an der Back. Es gab Riesenbuletten in Unmengen brauner Soße. Nachdem mein Tischnachbar (es gab auch bei der Marine Leute mit dem berüchtigten Bahlsen-Syndrom, die einen an der Waffel haben und jedem auf den Keks gehen) zum dritten Mal auf meinem Teller herumstocherte, habe ich mit der flachen Hand auf seinen Klops gehauen und wir sahen alle aus wie – after shit hits the fan. Er haut mir seinen Löffel auf die Hand, ich schmierte meine Gabel an seiner weißen Uniformhose ab- und Schwupps war der Streit da.

eating-habitEine andere Spezies, die es verdient hätte in einer der Garküchen in den Slums BangCocks bei lebendigem Leib mit einem Holzlöffel ausgeweidet zu werden, sind die „Hin-und Her Schieber.“ Man sitzt in einem Restaurant und muss ansehen, wie sein Gegenüber kontinuierlich die Kartoffeln von links nach rechts schiebt, das Gemüse quer über den Teller, und das Fleisch vertikal herum platziert. Das erinnert an Napoleon vor seinem Lageplan, wie er die Zinnsoldaten auf der Europakarte in Position schubst. Was ist los mit diesen Leuten, die den Ober nach einer geduldigen Lammkeule fragen? Haben die Gourmet-Strategen das Neandertal-Gen nicht überwunden und brauchen das Gefühl, dass was immer sie auf dem Teller haben zumindest noch irgendwie lebendig wirken muß?

Die nächste Gattung unter den Tischsitten-Taliban, sind die Schnorchler der „Rüsselsheimer im Reisrand-Fraktion.“ Jeder Bissen wird erst einmal beschnüffelt, wie das Hinterteil einer läufigen Pudeldame. Das geht rein, wie Gottes Wort in eine Nonne. Man fühlt sich ständig genötigt die Leute zu fragen: „Bist du zum essen hierhergekommen, oder veranstaltest du dein persönliches Schnupperwochenende?“ Warum bestellen die nicht gleich ihr Goulasch im Inhalator? Ist es denn wirklich so schwer, Filet Wellington rein optisch von einem knoblauchgeschwängerten Straßentheater zu unterscheiden?

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Eine Gruppe, die mit warmen Eisbergsalat gepeitscht werden sollte, bis die Funken sprühen, sind die Eiswasser-Fetischisten. Zu jeder Mahlzeit saufen die einen, oder mehr Liter Eiswasser, sodass man darauf gespannt ist, ob sie bei der nächsten Bestellung der Bedienung mitteilen: „Ich nehme die Flugente, aber bitte on the rocks“, wobei allein die Aussicht auf diesen Schmaus dazu führt, dass sie vor Freude ihre Schlübber mit Urin Tröpfchen benetzen.

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Zu den Neuerscheinungen unter den Vollpfosten mit fehlenden Chromosomen, die man von mir aus laut schreiend aus einem fliegenden Helikopter schmeißen kann zählen Leute, die mich über Facebook und Twitter belästigen. Die fühlen sich verpflichtet, jeden Teller bei ihrem Restaurantbesuch in High Definition Format mit ihrer 8 Megapixel  Kamera zu fotografieren. Was passiert, wenn der Rest der Menschheit darüber nicht mehr in Ekstase gerät? Erhalten wir dann Fotos, im geschmackvollen Renaissance-Dekor-Rahmen, von ihrer Kloschüssel am Morgen danach?

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Von all diesen Verfehlungen, im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme, bleibe ich in Thailand verschont. Hier konzentriert man sich mehr auf die Grundbedürfnisse, wie etwa in Parallelen zwischen Essen und Sex. Man sagt vor dem Sex brav: Guten Appetit und danach, mach mal so,- Du hast da noch was am Mund…

imageNeulich im Sushi Restaurant: Ich hätte da gerne noch etwas Bukkake zum Dessert…

Essen Sie sich zum multiplen Orgasmus (hardcore)

Posted in Asien, China, Essen & mehr trinken, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand with tags , , , , , , , , , , , , , on Juli 22, 2011 by pheneas

Feinschmecker Region, oder organisiertes Erbrechen?

Mal wieder was Scharfes essen?

 Eine thailändische Bekannte von mir kam kürzlich mit ihrem Mann von einem längeren Geschäftsaufenthalt in verschiedenen chinesischen Regionen zurück. Ergebnis: Sie hungerte sich von 40 auf weniger als 35 Kilo herunter. Der Grund dafür lag weniger im chinesischen Speiseangebot, das selbst für andere Asiaten außerordentlich „exotisch“ erscheint. Selbst wenn bei Weitem nicht alles was auf den Menükarten zwischen Chiang Rai und Hat Yai angeboten wird, Ausländern als ess,- oder gar gnießbar erscheint.

 Was bei meiner Bekannten eher Ekel und Abscheu erregten, waren die Essgewohnheiten der Chinesen. Bei dem Anblick ziehen es weniger manierenresistente Besucher vor, sich sich lieber vom Zahnbelag zu ernähren. In europäischen Restaurants sind schon Leute wegen weit geringerer Mißachtung zivilisierter Tischsitten im Tiefflug aus der Tür von Nobelrestaurants, Dorfgasthöfen und sogar Berliner Falaffel-Buden geflogen. In Thai Restaurants kann man Leute beobachten, die in chirurgischer Fligranarbeit Krabben mit Löffel und Gabel von der Außenhaut befreien. Das sind die Lipizzaner unter den Knigge-Kaspern!

China

 Wer sich vor Ort bei kantonesischer Küche mal richtig die Kante geben will, muß darauf gefaßt sein, daß am Nebentisch, lautstark gerotzt, geschmatzt, gefurzt, gerülpst, gespuckt, geschlürft, gesabbert, gesaugt und geröchelt wird! Wie sagt man hier? Ein trauriger Mund kann nicht lustig rülpsen!

Die Tagessuppe hört sich gut an…

 Ein Universitäts-Professor aus Beijing behauptete zum Höhepunkt der SARS-Epidemie: „Chinesen haben eine 3000 Jahre alte Kultur des Spuckens!“ Meine These geht eher in die Richtung, daß es dort eine 5000 Jahre alte manifestierte Tradition gibt, kultivierte Basis-Tischmanieren zu ignorieren. Es wäre unfair zu behaupten, daß es gar keine Regeln bei Tisch gibt, aber die betreffen eher wie man protokollgemäß Reiskörner aufspießt, wer am Tisch das Sagen hat und wie man die Reisschüssel halten muß, um in Sekundenschnelle Riesenportionen zu „inhalieren“. Am besten gefällt mir diese Regel Chopsticks müssen vom Benutzer immer exakt nebeneinander gelegt werden. Wer die Regel mißachtet, riskiert später im Sarg ebenfalls durcheinandergewürfelt zu werden! 

zzzzz Na, noch’n Apfel zum Nachtisch?

 Es wird grundsätzlich mit offenem Mund gekaut und gleichzeitig palavert, was einen konstanten Monsun-Regen von Reiskörnchen auf die Tischplatte prasseln läßt. Wenn Chinesen ihre Suppe oral verklappen, ist man zu der Bemerkung geneigt: „Wow, die Vogelnester-Plörre hört sich Heute aber gut an!“ Und ausgerechnet in so einer Umgebung muß man immer um ein Treffen mit der Geschäftsleitung bitten, damit ein paar Servietten in Reichweite gelangen. Wenn der Nebenmann am Tisch während des Dinners in der Nase popelt, oder sich die Ohren reinigt, ist das auch kein Grund die Brauen hoch zu ziehen. Eigentlich wartet man jeden Moment auf die Frage: Kannst du mir mal deinen Slip leihen, damit ich mir die Schweissperlen von der Stirn wischen kann?

 Wenn Chinas Familien den Tisch verlassen, dann bleiben Flecken auf dem Tischtuch, daß man sich fragt, wann wohl im Zimmer mit Holzfußboden darüber, dieses grässliche Massaker stattgefunden hat. Auf den Tisch gespuckte Gräten und Knochen sind bei Restaurantbesuchen untrügliche Zeichen dafür, daß es den Gästen bei Rachenfasching, knorpelsprühendem Tischfeuerwerk mit alkoholbedingeter Gehirnkirmes gemundet hat! Vielleicht haben die ja Recht- eine Milliarde Chinesen können sich doch nicht so irren, oder?

Konfuzius sagt: Wenn Gott gewollt hätte daß wir keine Tiere essen, hätte er sie nicht aus Fleisch gemacht!

 Zeit für eine Warnung: Wer sich zuhause gern gemütlich ein romantisches Candlelight-Döner gönnt, ab und an aufkeimenden Bulettendurst löscht, in der Kantine eher den Schimanski-Teller bestellt oder sich sogar gelegentlich der gebändigten Cuisine beim Restjugo, italienischen Spaghettibändiger, oder gar Nahkampfkochen im Sukiyaki Restaurant zuwendet und hier die Grenze für gastronomische Abenteuer setzt, sollte nicht weiterlesen. Auf Chinas Speisekarten findet man Sachen, die bestellt man nur mit  Diagnose: akute Dioptrienvergiftung:

Chinas Endlösung für das Kampfhund-Problem

Essen auf Rädern

 Hundefleisch-Goulasch, Hirsch- Schafs- und Ochsenpenis, rohes Schweinehirn, Schlangen, Meerschweinchen, Zibetkatzen, Käfer, Lurche, Heuschrecken, Schaben, Ratten, Salamander, nebst Innereien-Ragout aller zuvor genannten Spezies, die mit einem Tässchen potenzförderndes Schlangenblut heruntergespült werden. Eigentlich wird hier alles gegessen, was auf Schleimspuren glitscht, hinter Baumrinden wohnt, oder andernorts zu organischem Dünger verarbeitet wird. Zur Erlebnisgastronomie gehören Fische, die von „Feinschmeckern“ lebendig am Kopf gehalten, am Tisch in siedendes Öl getaucht werden und noch zappelnd den ersten herzhaften Biß erwarten. Wem das alles zu ekelig erscheint, der sollte jedoch nicht vergessen, daß zur Zeit Friedrich des Großen und in späteren Krisen, Hunde als „Blockade-Hammel“ in Deutschland verzehrt wurden und der Verkauf von Hundefleisch erst 1986 verboten wurde! Vielleicht wird das Verbot ja auch wieder aufgehoben, wenn sich der nächste Pitbull mit Migrationshintergrund auf dem Kinderspielplatz verbeißt. 

Japan 

„Herr Obeeer, da ist eine Spinne in der Suppe! Na und? Was verzehrt so ein kleines Tier denn schon?”

 Sushi und Sashimi sind inzwischen auch in Europa etabliert und allgemein als Yuppie- oder „Berater Pommes“ bekannt. Aus „Rahmen”, der in Japan allgegenwärtigen Brühe für jede Art von Suppen, machen die Kochtopf-Samurai bei der Herstellung fast eine religiöse Handlung und bewerten den Sud wie ein Produkt der Weltraumforschung. Man kann die dünne Suppe auch als Sündersüppchen bezeichnen, weil sie aussieht wie der dritte Aufguß vom Jasminteebeutel.

Klingt wie WC-Spülung in Stereo

 Weniger ehrfurchtsvoll geht es beim Verzehr zu. Die Nudeln in der Suppe sind so lang, daß sie vom Gaumen bis in den Dickdarm reichen und nur mit Schlürfen an der Dezibelgrenze auch dorthin gelangen. Trotzdem gibt es auch hier Benimmregeln. Mein Favorit: Der Gast muß mit dem Essen warten, bis der Gastgeber einen zum dritten Mal dazu aufgefordert hat. Zum worst case scenario kommt es, wenn man mit Kohldampf am Tisch sitzt und der Gastgeber an Demenz leidet, oder nicht bis Drei zählen kann. Aber auch hier geraten Westler in Lokale, die man besser wenigstens mit zartem Sake-Schwanken betritt, bevor man die Speisekarte studiert. Für die Kamekaze-Gourmets Nippons zählen in Nudelsuppen schwimmende Schaben, „Gaudi Gnocci“ als Madensuppe und Insekten-Sushi zu einer ordentlichen Anorexieprohylaxe. Immer wieder gern gesehen in Nippons Kochtöpfen sind auch Thunfischaugen von der Größe einer Boccia Kugel. Immerhin, in japanischen Restaurants ist es jedoch ausnahmslos so sauber, da tragen sogar die Ratten Haarnetze.

Philippinen

Absolute Hardcore! Das schaffen nur die BangBrothers Gourmets!

 Eines der abscheulichsten Produkte unter lokalen Gaumenschmeichlern ist zweifellos  „Balut“. Angebrütete Enteneier, die in Essig eingelegt wurden. Ich war mit einem Journalisten der London Times in Manila unterwegs, der sich zu dem abenteuerlichen „Genuss“ überreden ließ. Er hat das „Überraschungsei“ tatsächlich im Fahrstuhl-Effekt heruntergewürgt und sich danach Übergeben als wäre er seit einer Woche Seekrank. Als er wieder Sprechen konnte, sah er mich mit einer furchterregenden Grimasse an und sagte nur kurz: „Ich hab‘ die Federn und den Schnabel zwischen den Zähnen gespürt“, bevor er sich erneut die Seele aus dem Leib kotzte. Noch drei Tage später behauptete er, allein bei dem Gedanken an das Ei fühle sich sein Mund an als hätte eine Katze drin geschlafen. Die Lokals behaupten, der Verzehr sei potenzfördernd. Nun ja, wenn man meint, daß Federn im Mund und anhaltender Brechreiz als unerlässliche Begleiter zu einem gelungenen Geschlechtsakt gehören, oder man unter einer Viagra-Allergie leidet…

Singapur

Singapur- Geburtsort der Büffetfräsen

 Der Stadtstaat ist zwar berühmt für seine Food-Festivals mit einer großen Auswahl an verschiedenen Cuisines und HiSo-Restaurants, es gibt jede Menge Speisesäle in denen man für bombastisch beschriebene Beinahe-Mahlzeiten und enttäuschend verkochte Gerichte den Wochenlohn einer Verkäuferin berappen muss. Aber auch hier gibt es eine dunkle Seite der Gastronomie. Sie beginnt mit dem Service. Wer hier keinen Bürojob hat, oder wenigstens in einer Bank oder bei einem Anwalt arbeitet, steht schon am Ende der Schlange. Jemandem das Essen zu servieren, oder gar für Fremde zu kochen, ist gleichbedeutend mit einem Job beim Karottenballet, wo Menschen in orangenen Overalls Mülltüten einsammeln. Eltern fragen ihre

Laksa. Um das Zeug zu lieben muß man hier geboren sein

 Söhne mit Berufswunsch Koch: Willst Du etwa ein Sandkorn in der Servicewüste werden? Zum Thema Hygiene außerhalb der Nobelschuppen paßt die Bemerkung: Wenn man hier eine Bombe in die Hawkerstalls schmeißt, bleiben zwar der Dreck und das Chaos, aber das Gemecker hört auf! Die Chinamann-Outlets haben ähnliche Schweinereien auf der Menükarte wie die Originale vom chinesischen Mutterland. Die Malayische Küche ist eher etwas für Leute die es gern süß haben, selbst bei der Lammkeule. Dafür gibt’s in der ersten Autobahnraststätte außerhalb Singapurs knusprig gegrillte Fledermäuse. Das heimliche Nationalgericht der Insel ist Laksa, eine Nudelsuppe mit Kokosnussmilch, Currypowder und allerlei undefinierbarem Zeug darin. Geschmacksrichtung: feuchter Bierdeckel im Staubsaugerbeutel. Die Futterkrippen Little Indias bieten dagegen sehr schmackhafte und preiswerte Gerichte. Sie sind das Paradies für die Liga der Extra-scharf-beim-Inder-Besteller.

Sie können den Hals nicht voll kriegen

 Wer jedoch,- ohne zu essen- in LKY’s Betriebskantinen richtig Spaß haben will, sollte unbedingt in einen der Läden mit „all you can eat“ Büffets‚ ′reinschauen. Man muß es einfach erlebt haben, wenn die Unterschicht aus den HDB-Margarine-Siedlungen auf dufte macht, eine halbe Stunde lang die Karte studiert, um dann die Bedienung mit Sprüchen wie: „Ich interessiere mich für ein Brötchen, was bieten Sie dazu als Beilage“, zu erschrecken. Singapurianer sind in ganz Asien als „Büffetfräsen“ berüchtigt! Wer im Steakhouse sitzt, soll nicht mit Slimfast werfen! Nicht umsonst ist es die einzige Enklave in der man aus gutem Grund einen Aufschlag für übrig gebliebene Speisen auf dem Teller bezahlen muß. Sie basteln sich armlange Pisa-Türme der Speisen selbst auf die Untertassen. Alles unter der Devise: Schmecken muß es nicht, VIEL muß es sein! Nicht selten werden von den Raub-Gourmets nach der dritten Panik-Attacke auf das Büffet mit Plastiktüten ausgekleidete Handtaschen auf dem Schoß platziert, um Shrimps neben Lammkotteletts, Röstkartoffeln und Eiersalat als „Singapurer Allerelei“ nachhause zu tragen. Da wird der Biergarten zum Giergarten. Aber an der Kasse der Restaurants outen sich die Schaufelbagger als Kleingeldrührer. 

Thailand

Chill(i) out in Thailand – das gibt ordentlich Himbeeren am Auspuff

 Das ehemalige Siam hat sich mit seiner auf Ausländer getrimmten Küche in Thai-Restaurants von Oslo bis Auckland einen sehr guten Ruf erworben. Wer aber nach einem anständigen Happen im Land sucht, stößt gelegentlich auch hier an die Grenzen des guten Geschmacks. Eingefleischte Müsli-Möger und Dinkelkornbrot-Streichler stehen hier auf verlorenem Posten, denn Thai-Trennkost ist, wenn man das Undefinierbare vom Reis trennt! In Bangkok, wie überall im Land, findet man auf 80 Meter langen Sois allabendlich ein Dutzend Garküchen, von denen viele allerdings von amateurhaften Enthusiasten betrieben werden. Unter den ca. 500.000 Garküchen und Speiseanbietern auf den Straßen der 15 Millionen Metropole gibt es nur etwa 100, die einen Westerner mit ihrem Angebot begeistern würden. Es sei denn man steht auf frisch gepflückte Käfer, Salat aus lebenden Krabben, Ratten, Frösche, Schaben, Maden, gekochte oder BBQ-Hühnerfüße, Grashüpfer, Blutsuppen, Ameiseneier-Salat, gedünstete Kutteln, alles in Saucen, die riechen als würden sie parfümiert aus der Sickergrube kommen, oder so scharf gewürzt sind, daß einem die Flammen aus dem Hals schlagen.

 Aber im Leben eines Thais gibt es ohnehin nur Vier wichtige Dinge: Geld, Essen, Schlafen und die Familie,- und zwar in genau dieser Reihenfolge. Meine Frau, die kein Problem damit hat Skorpione, Schaben, Ratten, Heuschrecken oder Mistkäfer zu essen, die sie sich genüsslich mit zum Himmel stinkender fermentierter Fischpaste und rohem Gemüse einverleibt, wandte sich kürzlich angeekelt ab, als ich herzhaft in ein Hackfleischbrötchen biß! Was soll man da sagen? Schließlich gibt’s auch im Westen einige kulinarische Ungereimtheiten:  

Solange ein Rektum Fetischist dafür bezahlt. Ich warte jetzt nur noch auf das Dessert: Schließmuskel in Sahnesauce…