Archiv für Thaksin

Neues vom Ministry of Silly Talks

Posted in Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Politik, Sicherheit, Singapur, Thailand with tags , , , , , , , on Oktober 9, 2011 by pheneas

 Eigentlich kaum zu glauben, aber je länger ich in Asien lebe, desto mehr schätze ich einige Grundwerte, die ich in Deutschland immer als normal empfunden habe und die deswegen nie besonderer Beachtung bedurften. Aber mal ehrlich, wer käme zwischen Flensburg und Hindelang auf die Idee, Verona Feldbusch oder ihren Ex-Ehemann Dieter Bohlen, zum Minister für Wissenschaft und Technik zu machen? Niemand? Gut so!

…wahrscheinlich auch bloß wieder so eine lausige Bangkok-Copy

 In Thailand ist so eine Besetzung aber nicht nur möglich, es gibt auch kaum jemanden der eine solche Personalpolitik in Frage stellt. Premier Yingluck Shinawatra, die Marionette ihres großen Bruders Thaksin, behauptete bei der Vorstellung ihres Kabinetts noch großspurig, sie hätte das brillanteste Team zum Regieren des Landes versammelt. Was bisher von der neuen Regierung zu hören war erinnert aber mehr an den berühmten Monty Python Sketch: The Ministry of Silly Walks und würde einer Fortsetzung unter dem Titel The Ministey of Silly Talks gerecht werden. Den vorläufig letzten Höhepunkt des Wahnsinns aus dem Wok lieferte der Minister für (Un-) Wissenschaft und Technik, der Dollar Multimillionär, Plodprasop Surasawadi, ab.

Propeller Cap

 Der Herr Minister wandte sich mit einer Bitte an die Bootsbesitzer der Hauptstadt, sie mögen doch bitte ihre Boote auf dem Chao Phraya River versammeln und dort ihre Schiffsschrauben laufen zu lassen, damit sie das Flutwasser ins Meer treiben. Große Boote die von der Regierung zur Verfügung gestellt werden, sollen ebenfalls  im Fluss verankert werden um die Drainage von Wasser zu beschleunigen. Die Aktion sollte möglichst am 17 und 18 Oktober stattfinden, bevor zum Vollmond die Gezeitenflut des Meeres ansteigt. Bootsbesitzer könnten ihn auf seinem Mobiltelefon anrufen um sich für die Aktion anzumelden. Die Regierung wird die Kosten für den Treibstoff der Boote erstatten. Ich hoffe, der hat auch einen Twitter Account, dann kann er sich hier einmal informieren:

http://www.tulane.ed…iversystems.htm
http://www.tulane.ed…verflooding.htm

 Zum bereits vor Jahren gemachten Vorschlag, mehr große Staudämme zu bauen um Überschwemmungen zu verhindern, sagte der Minister die Sache würde noch untersucht und braucht mehr Zeit zu gründlicher Überlegung. Abwarten und Tee trinken. Um zu bezweifeln, ob die Strategie von der Bevölkerung, der das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht, favorisiert wird, muß man eigentlich kein Minister für Wissenschaft und Technologie sein. da reicht der Verstand eines Fritteningenieurs bei KFC.  

 So eine Bereitschaftsinsuffizienz erlaubt man sich wahrscheinlich nur, solange man selbst kein Flußwasser in der Designer Couch hat und die Kladde mit weiteren Katastrophenschutzmaßnahmen in trockenen Tüchern in einer der Sommerresidenzen verwahrt ist. Und wie steht’s mit etwas Koordination mit dem Verteidigungsminister? Vielleicht wären ausgediente Mississippi-Casino-Raddampfer dem Land tatsächlich nützlicher, als sechs 30 Jahre alte U-Boote aus Deutschland, die fur 6,9 Billion Baht (163.755.000,- €) zum Kauf anstehen.

 Natürlich hat die Propeller Idee einen Thai-style wissenschaftlichen Hintergrund. In einem Experiment auf dem Noi Fluß in Ayutthaya haben 30 Schlepper die Flußgeschwindigkeit um 20% erhöht. Was der Minister verschwieg, ist die Tatsache, daß die „Messungen“ vier Meter hinter den Schiffsschrauben stattfanden. Ausserdem wurde er mit den Worten zitiert: 30 Boote haben die Durchflussmenge  um das Dreifache erhöht, inzwischen spricht er allerdings von 300%.

M.O.S.T. Roadshow?

 Mittlerweile fragen sich einige Leute, wenn schon der Wissenschaft und Technik Minister sooo clever ist, wie hoch ist dann wohl das Intelligenz Niveau der anderen Minister? Vielleicht kommt von weniger technik- und physikbegeisterten Ministern ja auch bald der Vorschlag, die Bevölkerung mit Paddeln an den Flußufern zu versammeln.

Bangkok und Pattaya 2026. Jetzt weiß man endlich warum die einen Flugzeugträger gekauft haben fur den sie keine Flugzeuge haben.

 Ich könnte der Regierung auch folgende Thai-style Einstein-Award Idee verkaufen: Woher kommen die Überflutungen? Vom anhaltenden Regen. Warum dann nicht alle Flugzeuge des Landes vor einem Tiefdruckgebiet in Stellung bringen, dann den Befehl zu vollem Schub geben, um die Regenwolken zurück zu blasen?

 Nun gibt es auch in anderen Ländern Halbkreis-Ingenieure mit Minister Posten. Brisant wird es jedoch wenn man bedenkt, daß die Nation seit Jahren Ambitionen hegt, Atomkraftwerke zu bauen. Ob dann dieser Herr Minister geeignet ist, um die Aufsicht über solche Projekte zu führen, hat bisher keiner gefragt. Man hofft lediglich auf eine strahlende Zukunft. Es gibt Leute die sagen,  über den Köpfen in der Region schwebt  eine Damokles Atombombe.

 Abgesehen von der letzten Nummer, hat der Herr Minister auch schon mit anderen grandiosen Ideen auf sich aufmerksam gemacht: 

 Bei einem früheren Besuch in Singapoor, war ich zu einem Besuch im Zoo eingeladen. Das Team um den damaligen Direktor, Bernhard Harrison, eröffnete den ersten Night-Safari Zoo der Welt. Eine der Attraktionen war ein „Lunch mit Löwen“ bei dem man nur durch eine Glasscheibe von den Königen der Savannen getrennt seine Mahlzeit genießen konnte. Als Thaksin Shinawatra den Zoo in Chiang Mai 2005, im Norden Thailands, als weit größere Kopie der Singapoor Night-Safari eröffnete, war kein geringerer als Plodprasop Suraswadi der Projekt Direktor.

Das Original: Singapoor’s Lunch-with-Lions

 Aber auch damals muß der Herr irgendetwas in den falschen Hals bekommen haben, als er zum Entsetzen von Tierschützern, Pädagogen und Environmentalisten im Chiang Mai Safari Park das Motto von „Lunch mit Löwen“ in „Verspeist die Löwen“ umwandelte. Im Vareekunchorn Restaurants des Zoo wurde ein „Exotic Buffet“ aus Giraffen,- Löwen,- Tiger,- und Elefantenfleisch zum Preis von 4.500 Baht pro Person (das entsprach mehr als 3 Wochen Lohn eines Thai Fabrikarbeiters) angeboten.

Plodprasop Suraswadi′s Chiang Mai Copy: „Verspeist die Löwen”

 „Wir werden auch einheimisches Krokodil und Hundefleisch aus der Sakon Nakhon Provinz anbieten“ sagte Plodprasop auf einer Pressekonferenz, bevor Thaksin den Vorsitz über die Soft Opening Zeremonie übernahm.

 Ironischerweise sagte der damalige Ministerpräsident, der Zoo hätte zum Ziel, das öffentliche Bewusstsein für Naturwissenschaft und Wildtiere zu erhöhen.

 Die über 40, illegal in Indonesien gefangenen und nach Thailand exportierten Orang Utans, mußten auf Anordnung der Behörden an Indonesien zurückgegeben werden. Bevor es dazu kam, ist allerding die Hälfte der Tiere in Thai-Abschiebehaft verreckt…

 Aber mit einem Empfehlungsschreiben von Thaksin, sind auch solche faux pas in der Vita kein Problem, um Minister für Wissenschaft und Technik zu werden. Vielleicht bekomme ich in der Kao San Road ja so einen Zettel für den Job als Pressesprecher des Ministers???

 Letzte Nachricht: Inzwischen haben sich 1.000 Bootsbesitzer gemeldet, die am 11. Oktober dem Aufruf des Ministers folgen wollen. Wenngleich das kaum die Wassermassen aus den Überschwemmungsgebieten vertreibt, eines ist gewiss: die Boote werden auf ein paar Kilometern eine Riesenwelle machen die logischer Weise was bewirkt? Richtig ! Eine unnötige weitere  Überschwemmung der Flussufer.

Volksvertreter & Voodoo“Vollchlore“

Posted in Aberglaube, Kultur & Moral with tags , , , , , , , , , , , on Mai 26, 2011 by pheneas

I got my MoJo working…

 Der österreichische Schauspieler Fritz Muliar (Schwejk) brachte es auf den Punkt: „Mit dem Aberglauben ist es so eine Sache. Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der sein dreizehntes Monatsgehalt zurückgegeben hätte.“ Vielleicht ist das einer der Gründe, warum man in Deutschland und anderen Nationen mit Bildungsbürgertum nicht so sehr dem Okkulten, Aberglauben und Überirdischen huldigt. Immerhin erspart das dem Land BILD-Schlagzeilen wie: „Merkel konsultiert Wahrsager wegen Euro-Krise“, oder „Kongo-Schamane soll der FDP beim Wählerfang helfen.“ Mein Favorit wäre allerdings: „Gefälschte Tarot Karten aus China prophezeien Karl-Theodor zu Googleberg ein groβes come back“. Da würde sich mancher fragen, ja merkeln wir noch was? Warum dann nicht gleich die Regierungsgeschäfte an Madame Buchela, Gabriele Hoffmann, oder weil die zurzeit billiger anbieten, an haitianische Voodopriester übertragen? Auβerdem hätte sich die Republik wahrscheinlich bei der Kanzlerwahl 2005 zwischen Elizabeth Teissier, und einer Physikerin (amtierende Miss Hosenanzug)  aus den Beitrittsländern entscheiden müssen…

 In Thailand (wie in ganz Asien) gehen Animismus, so der Fachbegriff für Spökenkiekerei und Hokuspokus, und Politik Hand in Hand. Dort lassen sich Premierminister und Abgeordnete eher von ‘moo doo’ (‘sehende Doktoren‘) und Mönchen mit Direktwahl ins Nirwana beraten, als von Wirtschaftsexperten, Politologen, Pädagogen oder gar Soziologen. Geholfen hat es dem Land bisher wenig. Da muβ man schon aufpassen, daβ man nicht selbst religiös wird- von wegen: „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

Gebetsmühlenartige Standardantwort der Mönche: Allet wird juuut! Dauert nur eben etwas

 Natürlich gibt es Phänomene zwischen Himmel und Erde, für die es (noch) keine rationalen Erklärungen zu geben scheint. Während des Mittelalters gehörten Kometen, Regenbogen, Polarlichter; und selbst die Gezeiten dazu, aber die haben sich inzwischen aufgeklärt. Das Problem mit unerklärlichen Phänomenen ist, daβ sie immer von Sektierern, Demagogen, Klerikern, auf Herrschaftswissen pochende Wissenschaftler und heutzutage sogar von Werbeagenturen, mit zum Teil haarsträubenden Erklärungen für den jeweiligen (immer aber kommerziellen) Zweck interpretiert und ausgenutzt werden.

Wahrsager Soraccha Mulyu. Vorhersehbare Konflikte prophezeien ist kein Kunststück. Wüsste er die Lottozahlen, bräuchte er nicht mehr arbeiten…

 Thailands drittgröβte Tageszeitung, Matichon, scheint eine Standleitung zu „fortune-tellern“ wie Soraccha Mulyu zu haben. Schon im November letzten Jahres prophezeite er laut der Zeitung: „Kambodscha’s Truppen  werden Thailand angreifen und viele Thais töten und das führt Thailand in den ersten erklärten Krieg mit einem Nachbarland für sehr lange Zeit“. Vielleicht brauchte er aber auch weder eine Kristallkugel, oder Hühnerknochen für seine Voraussage. Denn es erscheint nicht unwahrscheinlich, daβ wenigstens einer der sieben Thais, die im Dezember die Grenze überquerten und damit den schwelenden Konflikt befeuerten, den berühmtesten Wahrsager des Landes nach dem Ausgang ihres Vorhabens befragt haben…

 In Singapur, wo man politische Dinge zwangsläufig etwas pragmatischer betrachtet, hier wird ohnehin alles von Familie Lee vorbestimmt, veröffentlichte die Straits Times (nicht ohne verdeckte Häme) einen Artikel ihres Thailand Korrespondenten zum Thema. Demnach trägt einer der Thai Politiker seinen Scheitel rechts, weil er glaubt es würde ihm Glück bringen. Aus gleichem Grund trägt ein ehemaliger Vize Premier täglich ein Hemd in einer anderen Farbe. Das hat ihm allerdings nicht geholfen vor einem Gerichtsurteil wegen Verschweigens persönlichen Besitzes zu fliehen. Wieder andere konsultierten Mönche und Wahrsager, um zu erfahren welches denn die besten Zeiten für sie wären zur Arbeit zu erscheinen. Seitdem erscheint der Vize Landwirtschaftsminister jeden Montag um Punkt fünf Uhr morgens im Ministerium, um den „Regengott“ um seinen Segen zu bitten. 5 gilt als die Glückszahl des Ministers. Bei der gegenwärtigen metereologischen Situation scheint der Herr aber etwas übertrieben zu haben, nachdem die halbe Nation „Land unter“ meldet.

 Ein ehemaliger Premierminister lieβ zwei riesige Elefantenstatuen vor seinem Büro aufstellen, nachdem ihm ein Wahrsager dazu geraten hat. Egal ob es sich um Heiratspläne, Umzüge oder Bekleidungswahl handelt- es entscheidet immer der Schamane. Nun braucht man sicher keine Sterne oder sein MoJo belästigen, um Antwort auf die Frage zu finden, ob das denn wohl die einzigen „wichtigen“ Entscheidungen sind, die von den Zauberlehrlingen getroffen, oder zumindest beeinfluβt werden.

Um in den Handflächen der meisten Thais zu lesen, braucht man keine hellseherischen Fähigkeiten,- man liest immer dasselbe…

 Nahezu alles in Thailand unterliegt entweder der Astrologie, Feng Shui, Numerologie oder- Handlesen! Das gilt leider nicht nur In Gegenden, wo der IQ des gröβten Bevölkerungsanteils von dem einer Vorabendserie begrenzt wird, oder wo die Fähigkeit eine eigene Idee zu entwickeln einen neurochirurgischen Eingriff voraussetzt.

 Was den Altmeister Thaksin angeht, gehen die Meinungen über seine Einstellung zum Aberglauben auseinander. Vor vielen Jahren wurde er kritisiert weil, er zu einem der Dämonengötter- „Rahu“ gebetet hat. Er antwortete darauf, er wäre nicht ignorant gegenüber solchen Sachen, er sei aber auch nicht davon verblendet. Trotzdem halten sich hartnäckig Gerüchte, die das Gegenteil behaupten.

Lediglich böses Joujou ist bilateral

 Nun ist das ganze Thema beileibe nicht auf Thailand beschränkt. Wenngleich Thailand nicht gerade für seine freundlichen Beziehungen zu den Anrainerstaaten bekannt ist, so treffen sich die Reichen und Mächtigen des Landes schon oft mit den verhaβten Nachbarn in Myanmar, beim gemeinsamen Blick in die Zukunft durch die Augen von Myanmars Zauberfee, die allgemein als ET bekannt ist. Das erinnert viele Besucher kurioser Weise an Spielbergs Figur eines Auβerirdischen ohne Telefonkarte. Sie heiβt eigentlich E Thi, ist taub und kommuniziert nur über ihre Schwester, da sonst niemand ihre Vorhersagen versteht. Sie kassiert 356,68 Myanmar Kyat (39 €) für eine 35 Minuten Konsultation, während das Jahres Durchschnittseinkommen bei 1,420.80 Myanmar Kyat (154 €) liegt!

ET- Ohne ihren Rat würden viele Politiker nicht einmal einen Gebrauchtwagen kaufen

 Die Dame  gilt als enge Beraterin von General Than Shwe, dem Herrscher über eine der ärmsten Regionen Asiens. Bei ihr reichen sich Angehörige der indonesischen und anderer Botschaften sowie Thailands Politiker die Klinke in die Hand. Seit Jahren wird gemunkelt, daβ Thaksin nebst Ehefrau ebenso wie seine Widersacher, die den Militärputsch gegen ihn führten, zu den Kunden der Madame gehören. Wenn Asiens Reiche und Mächtige in die Zukunft schauen möchten, tun sie das mit den Augen von E Thi. Besonders in Myanmar (ehemals Burma), lassen es die Regierenden schon mal richtig im diffusen Bereich des Okkultismus krachen.

 Da muβ man sich nicht wundern, wenn plötzlich eine irreführende Null an der Spitze steht. Aber das gilt auch für Christen von den Philippinen, Muslime aus Malaysia und Buddhisten aus der Region. Wen würde es da noch wundern, wenn Kabinettssitzungen während Vollmondnächten im Fackelschein, Kriegsbemalung und traditionellen Gewändern stattfinden? Immerhin veranstaltete die feine britische Gesellschaft noch im vergangenen Jahrhundert zur allgemeinen Erheiterung Lachgasabende.

Zu den speziellen Stunts von E Thi gehört eine wirklich zirkusreife Nummer: beim ersten Besuch neuer Kunden sagt sie brav die Nummer eines der Geldscheine auf, die der Betreffende in der Geldbörse hat, meist jedoch mit plus / minus zwei Fehlern…

So,- und nun wird es Zeit für ein Geständnis. Auch ich bin nicht ganz unbeeinfluβt von Zukunftsvorhersagen. Soeben hat mir mein ganz persönlicher Glückskeks prophezeit: „Wenn Du bis heute Abend nicht endlich den Abwasch gemacht hast, geht hier die Burg hoch!“

In 99,9% treffen ihre Vorhersagen tatsächlich ein!