Archiv für Thaksin Shinawatra

Als Thai würde ich mich in Grund und Boden schämen…

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Essen & mehr trinken, Gesellschaft, Kultur & Moral, Süd-Ost Asien, Uncategorized with tags , , , on Juni 17, 2015 by pheneas

Nach dem Tsunami 2004, schwappte eine internationale Welle der Hilfsbereitschaft über Thailand. Millionen Euro wurden umgehend gespendet, um den Opfern zu helfen. Hier soll nicht die Rede davon sein, wie viel davon in dubiosen Kanälen verschwand, sondern davon, wie schnell man als Empfänger die Hilfe und erfahrene Solidarität mit Notleidenden vergessen kann.

Am 15. Juni wurde öffentlich bekannt gemacht, was viele schon lange wissen. Die Public Warehouse-Organisation (PWO) arbeitet zusammen mit der Polizei daran, herauszufinden wie viel Reis in Thailands Lagern vergammelt. Man hat festgestellt,  daß die aktuell gelagerte und vom Verrotten bedrohte Menge eine Million Tonnen beträgt.

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Davon sind inzwischen 650.000 Tonnen ungeeignet für menschliche und tierische Ernährung. Das „Brot Asiens“ ist so vergammelt, daß es nicht einmal mehr zur Ethanolproduktion taugt. Der Reis kann lediglich als Brennstoff bei der Stromerzeugung eingesetzt werden…

Hier schimmeln also nach „offiziellen“ Zahlen 650’000’000 Kilogramm Reis vor sich hin, während zur gleichen Zeit Menschen verhungern. Allein Im Bürgerkriegsland Südsudan, sind laut einem UN-Bericht, aktuell rund 250.000 Kinder vom Hungertod bedroht.  Hier ist bereits jedes dritte Kind lebensbedrohlich unterernährt. Dabei ist der Sudan bei weitem nicht das einzige Hungerland auf unserem Planeten.

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Kevin Carter, der dieses mit Purlitzer Preis ausgezeichnete Foto gemacht hat, erschoss sich drei Monate nachdem er den Preis entgegengenommen hatte…

Thailand ist eine Nation, in der jeder noch so unterbelichtete Dorfbewohner vor Nationalstolz zu platzen droht. Fragt man aber, worauf er denn so stolz ist, herrscht Schweigen. In einem Land, in dem der Wert eines Menschenlebens immer nur in Relation zum erwarteten Profit bewertet wird, wo man mit einem Bein im Knast steht, sollte man den „guten Ruf und das Ansehen“ des Landes durch einen Bericht über Sklaverei, Menschenhandel, alltägliche Korruption oder Menschenrechtsverletzungen veröffentlichen, hat man damit die einmalige Chance vertan, sich zur Abwechslung mal in einem positiven Licht darzustellen. Aber, im Land der Gierlappen und Bahtisten heißt das Motto: Hilfe und Solidarität sind nur gut, wenn wir sie bekommen, sonst kosten sie nur unnötig unser Geld. Die Welt hätte die Thais gefeiert, wenn sie ihren Mantel st.martinesk mit den hungernden der Welt geteilt hätten!

Sie hätten dazu lediglich ihren nutzlosen Flugzeugträger (für den sie keine Flugzeuge haben) mit Reis beladen auf Übungsfahrt in Richtung der Buchenwaldschablonen Afrika’s schippern lassen brauchen.

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Wie kam es überhaupt zu Thailands „Rotten Riceberg“?

Die Antwort ist kurz und knapp: Durch Gier! Angezettelt durch ein populistisches Wahlversprechens der ehemaligen Thaksin Premiers. Der einstige, fälschlicher Weise als Wohltäter der Armen gefeierte Milliardär, Thaksin Shinawatra, hat sich in seiner eigenen Profitgeilheit einfach verzockt. Aber es gibt immer noch Bauern in diesem Land, die nicht begreifen, daß sie den Wetteinsatz des Zockers bezahlen.

Ursprünglich betrug der Reisberg durch ein, nach wirtschaftlichen Aspekten absolut hirnrissiges Subventionsprogramm an die Bauern, 18 Mio. Tonnen. Eine Menge davon ist, wie in Korruptistan nicht anders zu erwarten, wie von Geisterhand (nur die kann es gewesen sein) vaporisiert. Mit dem System, das inzwischen im Land als „Rice scam“ bezeichnet wird, wäre jeder BWL Student durch sämtliche Klausuren gerauscht. Doch die Shins schlugen zahlreiche Warnungen internationaler Wirtschaftsexperten in den Wind. Der Mann hatte tatsächlich die Cohones, seinen Bauern zu erklären, dass künftige Naturkatastrophen den Reispreis in die Höhe treiben würden. Wäre interessant zu wissen, welcher seiner Astrologen da wieder den Kaffeesatz gelesen hat.

Der aus dem Land geflüchtete Ex Premier hatte die Idee, die durch überhöhte Preise an die Bauern erlangten 18 Mio. Tonnen Reis so lange zurückzuhalten, bis sich durch Verknappung der Preis verdreifachen würde. Hat nicht geklappt. Es muß in seinem Exil in Dubai eine Menge Leute geben, die mit ihm gerne eine Partie Poker spielen würden. Insgesamt hat das Risotto-Roulette des Ex-PM die Steuerzahler 288 Mio. Euro gekostet,- ausgegeben für Reis der nun verrottet.

Und so sehen die meisten Thai Blagen in meiner Nachbarschaft aus:

Selber essen macht fett

Selber essen macht fett

Thailand: Auf der Suche nach hierarchischer Demokratie

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Korruption, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , on Januar 26, 2014 by pheneas

Es gibt Eltern, die ihre Kinder autoritär, gleichwohl zur Unselbständigkeit erziehen. Die Blagen werden ständig bevormundet, aber mit der Möglichkeit im Alter von 25 Jahren mietfrei im Kinderzimmer zu wohnen, während Mutti die Klamotten wäscht und das Essen auf den Tisch stellt.

Wächst die Brut zu allem Unglück auch noch in einer dörflichen Gemeinschaft auf, die sich einer Lebensweise unter bestimmten kulturellen und religiösen Regeln verschrieben hat, ist Zappen duster.

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Wenn die männlichen Nachkommen sich dann später in ihrer eigenen Familie wie die Paschas aufführen, während die Mädels dem Prinzessinnen-Syndrom anheimfallen, braucht man sich nicht wundern. Ihr Leben betreffende Entscheidungen werden zumeist von anderen getroffen. Sie leben weiterhin unter einer Glocke der Bequemlichkeit, unfähig von anderen zu lernen, eigene Wege zu gehen und sich vom Dasein des Befehlsempfängers zu emanzipieren.

Im übertragenen Sinn ist die Thai-Gesellschaft so ein Problemkind.

Immer wieder tauchen in den Medien Berichte auf, in denen der Versuch gemacht wird, den Split in der Bevölkerung zwischen arm und reich, oder den Amart (übersetzt:aristokratisch/Elite) und den Prai (einfache Bürger) wie man es hier nennt, nicht als Wurzel der gegenwärtigen Proteste darzustellen. Das gelingt selten. Man gibt dem hierarchischen System, genannt „Belamy“, dass jedem Thai bereits in der Familie, im Tempel und der Schule eingebläut wird, lediglich einen anderen Namen.

Das Prinzip „Wir hier oben- ihr da unten“ bleibt von der Namensänderung unberührt, denn für die mit Geld und Einfluß funktioniert es wunderbar. Der Rest ordnet sich unter, oder im besten Fall ein. So lebt man eben unter derselben bequemen Glocke, wie die zuvor erwähnten Kinder.

Seit Abschaffung der absoluten Monarchie im Jahr 1932, haben nacheinander verschiedene Familien-Clans und deren Unterstützer die Macht im Land übernommen. Sie nutzten die anerzogene Obrigkeitshörigkeit und daraus resultierenden Fatalismus, während assistierende Aufkleriker den religiösen Faktor „Karma“ übernehmen, wonach ohnehin alles im Leben vorbestimmt ist. Damit ist gewährleistet, dass eine überschaubare Elite in Reichtum und dementsprechend unantastbar schalten und verwalten kann. Kaum einer der Abgeordneten im Parlament hat eine weiße Weste und kaum einer im Clan der Superreichen, ist auf legale Weise zu immensem Vermögen gelangt. Andererseits zahlen unter meinen Prai-Nachbarn, von denen nun viele nach einem Ende der Korruption schreien und einen Regierungswechsel fordern, auch keine Steuern. Das alles ist Teil dessen, was man im Land unter  dem Begriff„Thainess“ versteht.

Wer genug Geld verdient, muß sich nicht auch noch Respekt verdienen

Nach außen wird das Hierarchie-System nicht nur durch die Begrüßung der Thais untereinander sichtbar. Das gilt zumindest für Thailandkenner und aufmerksame Beobachter.

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Thai „Wai“ und Indiens „Namastee“

Der „Wai“, ist die allgemeine Begrüßung unter den Thais. Dabei werden zuerst die Ranghöchsten und Ältesten begrüßt, danach diejenigen, die sozial gleichgestellt sind. Dabei werden die Handflächen bei einer gleichzeitigen leichten Verbeugung flach vor dem Körper aneinandergelegt. Je höher der Rang des Gegenübers, um so höher Wandern die Hände in Richtung Kopf und Stirn. Der Gruß von einer niedriger gestellten Person hingegen wird lediglich mit einem Lächeln oder einem Nicken erwidert, denn ein Wai als Antwort wäre der blanke Hohn. Aber es gibt eine ganze Reihe Varianten dieser Prozedur, wer, wem, wann diesen Gruß erweist. Die müssen hier nicht beschrieben werden. Das ist für Ausländer eher eine Art Lokalkolorit, wenn man von einigen Kuriositäten in diesem Zusammenhang absieht. Etwa als der ehemalige Premier Thaksin nach dem Kauf des englischen Fußballclubs Manchester City verlangte, dass ihm die Fans des Clubs bei seinem Erscheinen im Stadion den Wai erweisen sollten, waren viele Mancunians eher geneigt den Zeigefinger an die Stirn zu tippen.

Unterwürfig bis zum Kniefall

Aber die Respektsbezeugung von Prais gegenüber den Amart, geht in Thaksins Heimat noch tiefer. Genauer gesagt, bis auf den Boden. Bei offiziellen Meetings mit anwesenden Ministern wird vom Servierpersonal erwartet, dass sie in der Lobby Getränke und Häppchen auf den Knien servieren. Diese Art der Abgrenzung zwischen oben und unten braucht man wohl in einem Land, in dem man sich Respekt nicht verdienen muß,- er wird erkauft und folglich vorausgesetzt. Für Ausländer stellt sich sie Frage, ob diese zur Schau getragene Unterwürfigkeit, egal in welcher Kultur, im 21. Jahrhundert wirklich angemessen ist. Au Weia, mag sich manch „Westerner“ dabei denken. Zumindest das läßt sich nicht unter den Teppich kehren.

Ausländern und besonders Journalisten, die in westlichen Kulturkreisen und Demokratien aufgewachsen sind, wird immer wieder vorgeworfen, sie verstünden nicht was Thais unter dem Begriff „Thainess“ verstehen. Kein Wunder, denn darunter fällt auch alles, was von Fremden mit westlicher Bildung und entsprechendem Selbstverständnis gar nicht verstanden werden soll.

Selbst wenn etwas absolut aus dem Ruder gerät, hält man sich unter Thais mit jeglicher Kritik zurück, damit niemand das Gesicht verliert. Gleiches Verhalten wird jedoch auch von Ausländern erwartet, wenn sie sich das Leben im Land nicht unnötig erschweren wollen. Alles unter dem Motto Thais werden nicht böse, sondern süß sauer! Leider fallen sämtliche Verfehlungen von Lügen, über die allgegenwärtige Korruption, Betrug, bis hin zum Mord, ebenfalls unter den Mantel des Schweigens. Dass man als „Farrang“ eventuell ein Problem damit hat, wird von Thais nicht verstanden, oder gar toleriert.

Eine Abac-Umfrage unter 1.561 Personen in Bangkok ergab:

Lügen ist OK!

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87,5 Prozent der Befragten in Bangkok gaben an, Lügen sind akzeptabel, wenn sie dem eigenen Vorteil dienen. Allerdings werden selbst die haarsträubendsten Variationen gerne damit gerechtfertigt, dass weder der Belogene noch der Lügner das Gesicht verliert. Auch das ist „Thainess.“

80 Prozent gaben zu in den vergangenen 12 Monaten Beamte bestochen zu haben.

92 Prozent der Schüler und Studenten kopierten ihre Hausaufgaben von Kommilitonen.

74 Prozent betrügen bei den Examen. Sogar bei der Aufnahmeprüfung zum Polizeidienst

88 Prozent glauben, dass alle Ämter und Behörden korrupt sind.

Spricht man Thais direkt auf die Tatsache an, dass die Nation in einem Jahr von Platz 88 auf 102 im internationalen Korruptionsindex gelandet ist, bekommt man verblüffende Antworten. Eine davon ist die, dass die Idee zur Bestechung erst mit den chinesischen Einwanderern ins Land kam, deren „Tea-Money-Kultur“ nun eben zum Teil der eigenen Kultur wurde. Wenn etwas anrüchig wird, sind Thais immer in der Lage Auslandseinflüsse dafür verantwortlich zu machen. Wie heisst es so treffend? Patriotismus ist die Tugend der Boshaften.

 So langsam wird sichtbar, was alles hinter dem Vorhang „Thainess“ steckt.

Anhänger der PDRC* Protestbewegung fordern Demokratie und ein Ende der Korruption

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Weiss er wirklich, was er da herbeipfeift?

Es ist nur verständlich, wenn man als Ausländer die Frage stellt: ach, wirklich? Zu tief scheint unter Thailands Buddhisten der Brauch verankert zu sein, in Tempeln und auf Hausaltären Opfergaben unter die Stauen Buddhas, Ganesh oder König Rama V zu platzieren. Der Begriff Opfergabe wird allerdings weithin ad absurdum geführt, da das „Opfer“ ausnahmslos als Bestechung für die Erfüllung persönlicher Wünsche angesehen wird. Je mehr man gibt, um so höher die Erwartung. Wen wundert es da, wenn man die Taktik auch auf das Alltagsleben überträgt und als legitim empfindet. Wenigstens diesen Aspekt von „Thainess“ habe ich begriffen.

76.5 Prozent der Altersgruppe 20-29 finden Korruption akzeptabel, solange sie selbst davon profitieren. Schwer zu glauben, dass sie nun eine Gruppe unterstützt, die die gegenwärtige Shinawatra Übergangsregierung allein wegen Korruption aus dem Amt jagen möchte. Also fällt auch noch das Messen mit zweierlei Maßstäben unter „Thainess.“

Buddhismus und Bahtismus sind für Thais durchaus kompatibel

Wenn also ein Premierminister, wie Thaksin Shinawatra, korrupt ist und sein Amt zur eigenen Vermögensbildung mißbraucht, wird das von den einfachen Bürgern akzeptiert. Erstens steht er in den Augen der Prai, ebenso wie jede andere reiche Person, ohnehin über dem Gesetz und zweitens gilt es als für sie als erwiesene Tatsache, dass niemand in die Thai-Politik einsteigt, ohne sich bereichern zu wollen. Erstaunlich ist nur, dass sich gleichzeitig alle für gute Buddhisten und Staatsbürger halten.

Im Thai-Alltag sieht es so aus: Ein Dorf-Chef, der aufrecht und ehrlich seinen Aufgaben nachgeht, der keine „Geschenke“ zur Vorteilsgewährung annimmt und daher dementsprechend bescheiden lebt, hat keine Chance gegen einen neuen Bewerber für das Amt, wenn dieser im Mercedes vorfährt und Stimmen für seine Wahl erkauft. Wenn er anschließend als erste Amtshandlung mit Geldern des Dorfbudgets die einzige asphaltierte Straße zu seinem Haus bauen läßt, wird das akzeptiert. Er bekommt stets den Wai zur Begrüßung und im Provinzhotel wird ihm der Tee in der Lobby auf Knien serviert. Man verbeugt sich im Grunde genommen vor jeder goldenen Rolex, schwarzen Limousine, Amts- und Würdenträgern, selbst wenn man weiß, dass sein Gegenüber reichlich Dreck am Stecken hat. Thainess eben.

Unterwürfigkeit vor Geld und Einfluß kennt keine Grenzen. Wenn der Besitzer meines Apartmenthauses vom Parkplatz fährt, rennen die Securityguards auf die Straße, um den Verkehr zu stoppen, damit der Herr freie Fahrt hat. Dennoch weist, bis auf den Lexus seiner Frau, jedes seiner zwölf Autos Beulen und Schrammen auf, weil er offensichtlich andernorts nicht in seiner Stellung erkannt wird, um standesgemäß aus der Parklücke gewunken zu werden.

Thailands Elite kreierte für sich einen Staat der Kleptokratie (persönliche Bereicherung durch Ausnutzen gesellschaftlicher Privilegien).  Davor verbeugt man sich im „Land of Smiles.“

Um  den Status Quo zu halten, leistet man sich Institutionen wie etwa das „Ministry of Culture“, dass mittels Zensur und bindende Vorgaben an Bildungseinrichtungen, als eine Art Benehmen- und Gedankenpolizei fungiert.

Die derzeitigen Proteste der “PDRC”*, ebenso wie die vergangenen der „Redshirts“, sind weniger ein Ausdruck der Bevölkerung gegen Korruption, oder die Unfähigkeit  und Verfehlungen der jeweiligen Regierung. Sie stammen eher aus Rivalitäten verschiedener Clans und Gruppierungen innerhalb der Elite, bei dem Versuch die eigenen Festungen zu sichern.  Ihre Gelder machen es dem einen Clan möglich, Reisbauern-Hausfrauen aus dem Isan zu einem bezahlten Ausflug in die Hauptstadt einzuladen. Klingt nach Kaffeefahrt ohne Heizdecken, dafür aber mit Fear-Faktor Demo Handgranaten-Feuerwerk und brennenden Banken und Shopping Malls. Auf der Gästeliste des anderen Lagers stehen Angestellte und gut betuchte Bürger aus Bangkok, denen man den Alltag mit Entertainment, freier Verpflegung und etwas Taschengeld zu versüßen sucht, um sie vor ihren Polit-Karren zu spannen. Neun Todesopfer und über 500 Verletzte, verursacht durch Schiessereien und Handgranaten, wurden dabei seit Dezember 2013 in Kauf genommen.

Die Partei von Thaksins Schwester Yingluck (Pheu Thai), scheint derweil die alte Küchenweisheit, wonach ein Soufflé nicht zweimal aufgeht, zu vergessen. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie die von ihrer Übergangsregierung anvisierten Wahlen gewinnen würde. Fraglich ist nur, ob sie stattfinden und ihr die Reisbauern, die seit Monaten auf ihr Geld des von der Regierung zu weit überhöhten Preisen gekauften Reis warten, noch einmal ihre Stimme geben.

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Rothemden und PDRC- Same Same but different?

Der Ruf nach „Demokratie“ kommt in beiden Lagern gleich gut an. Das Problem scheint zu sein, dass niemand in der protestierenden Masse wirklich versteht, welche Version von Demokratie den Initiatoren der Demonstrationen vorschwebt. Woher soll das Verständnis auch kommen, in einem Land in dem Elternhaus, Schule, Kultur- und Religionshüter lediglich unbedingten Gehorsam gegenüber Älteren, Lehrern, Amtsträgern und Mitgliedern der reichen Elite verlangen? Ohne eine Revolutionierung der kulturellen Mentalität (Thainess), bleibt dieses Land ohne Chance auf dauerhaften Frieden. Solange die Prai die bestehende hierarchische Gesellschaftsform anerkennen und als unabänderlichen Teil ihrer Kultur akzeptieren, regieren „Thainess“ und deren Interpreten, nicht aber Demokratie im Land.

Flächendeckende Aufklärung, Erziehung zur Selbständigkeit, zu kritischem Denken, zum Hinterfragen und  Förderung von Selbstvertrauen kommender Generationen, wären Ansätze in Thailand Demokratie zu erlangen. Aber dafür stehen die Zeichen nach wie vor schlecht, solange Einfluß in Thailand bedeutet, genug Geld und Macht zu besitzen, um genau das zu verhindern.

*„People’s Democratic Reform Committee“

Wer beschließt, sein Leben der Politik zu widmen, weiß, dass Geld zu verdienen, nicht die oberste Priorität ist…

Angela Merkel

Per ‚Like Button‘ hinter Gitter

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Gesetz & Recht, Thailand, world wide web with tags , , , , , , , , , , , , , on August 13, 2013 by pheneas

Like button Thailand

Vom Überwachungsstaat zur Gesinnungspolizei ist es offenbar nur ein kleiner Schritt, der einigen Gehirngewaschenen Konformisten sogar als logische Konsequenz erscheint. Vor rund zwei Jahren wurde in Thailand ein mehr als € 9,5 Mio. teures Internet-Überwachungssystem angeschafft. Damit wurde ein Netz geschaffen, in dem man Leute einfangen will, die sich der unter Strafe stehenden lese majeste (Majestätsbeleidigung) im Web schuldig gemacht haben. Nun ist Thailands König aber zweifelsfrei die beliebteste und verehrteste lebende Person im Königreich. Da kann man sich fragen, ob die Jagd nach einer Handvoll verirrter Masochisten, die wegen Kritik an der Monarchie mindestens 5 Jahre in einem Thaiknast, dazu noch mit königstreuen Mithäftlingen riskieren, wirklich verhältnismäßig ist.

Unter Leitung des damaligen Vizepremiers, Chalerm Yubamrung, (der mit den Ohrenproblemen), wurde in Zusammenarbeit zwischen der Technology Crime Suppression Division der Polizei und dem Ministry of Information and Communication Technology, dieses System eingeführt. Der stellvertretende Leiter der Division erklärte damals: „Um Angst abzubauen, möchte ich betonen, dass das System unter Berücksichtigung geltenden Rechts angewandt wird, und von einem Gericht genehmigt werden muss. Es gibt also keine Notwendigkeit, Verletzungen der Rechte zu fürchten „, sagte er.

Police Maj Gen Pisit Pao-inDas erinnert an den alten Spruch: Gestern standen wir am Rand eines Abgrunds, heute sind wir schon einen Schritt weiter! Denn nun haben die Jünger Schwester Zensursulas wieder zugeschlagen. Police Maj Gen Pisit Pao-in,  Kommandeur der Technologie Crime Suppression Division, verteidigte vor der Presse seine Agentur gegen Kritik über ihre Drohung, rechtliche Schritte gegen Facebook-Nutzer, die „like button“ zu bestimmten Nachrichten politischer Natur anklicken. Klingt irgendwie als wurde das in einem Trendbüro der Gedankenpolizei (Stasi 2.0) ausgeheckt.

Was das Computer Crime Act Gesetz sagt:

„Das Strafgesetzbuch und der Computer Crime Act kann gegen Leute, die „like“ und „share“ Buttons auf Facebook-Nachrichten klicken vorgehen, wenn diese von der Polizei als rechtswidrig eingestuft werden“, so der Technologie Crime Suppression Divisionskommandeur.

Auf die Frage, ob „like“ anklicken nun gegen das Gesetz verstößt antwortete er:

Es wird ungesetzlich sein, wenn Sie ‚like‘ zu einer Nachricht klicken, die als schädlich für die nationale Sicherheit angesehen wird. Wenn Sie ‚Gefällt mir‘ drücken, bedeutet dies, Sie akzeptieren diese Botschaft, was gleichbedeutend mit der Unterstützung ist. Auf diese Weise helfen Sie, die Glaubwürdigkeit der Nachricht zu unterstützen und daher sollten Sie auch verantwortlich gemacht werden. Wie das Gesetz (computer crime act) bestimmte Nachrichten politischer Natur definiert, bleibt diffus. Ebenso, wer berechtigt ist, eine gepostete Nachricht als Bedrohung der nationalen Sicherheit zu klassifizieren. Es wäre schon interessant, wer da als Profilstalker und Internetblockwart die Twitternachtsspitzen absaugt.

Hätte der Kim Jong Il der Meinungsfreiheit diese Erklärung auf facebook gepostet, würde ihm das wahrscheinlich mehr Klicks auf den „unlike button“ einbringen, als ein deutscher Spendenaufruf zur Deckung der Anwaltskosten für kriminelle Asylbewerber aus dem Libanon.

Eigentlich ein alter Hut, sollte man meinen...

Eigentlich ein alter Hut, sollte man meinen…

Verklickt und zugenäht! Es ist nicht auszudenken, was ein unbedarfter Internet-User zu durchleben hat, wenn er aus Versehen den falschen Button drückt…

Thaksin facebookThailands aus dem Amt geputschter Ex-Premier Thaksin Shinawatra, dessen Schwester nun das remotegesteuerte Zepter im Land führt und der für diverse Gesetzesverstöße angeklagt und zum Teil rechtmäßig verurteilt wurde, unterhält eine website und postet auf diversen Medien Aufrufe zu Protestveranstaltungen seiner „Redshirts.“ Daß jemand beim Klick auf like buttons seiner website angeklagt wird, scheint ziemlich unwahrscheinlich. Aber vielleicht wird das System ja bald für das Aufspüren nonkonformistischer Klicks auf „unlike buttons“ erweitert.

Nun haben Thailands Polizisten, von denen ohnehin kaum jemand der englischen Sprache mächtig ist, nicht gerade den Ruf, sich bei erfolgreicher Kriminalitätsbekämpfung hervorzutun und schon bei der Verkehrsüberwachung eklatante Schwächen zeigen. Da bleibt einem nur zu hoffen, daß nicht etwa ein Cop mit Kreisligaverstand die Stasileiste mit Anti-Ironie Detektor in Schwung bringt und facebook in Thailand endgültig zur Klowand des Internets wird.