Archiv für Thailands Isan

Isan – Dagegen waren Sodom und Gomorra Feriendörfer

Posted in Aberglaube, Gesellschaft, Gesetz & Recht, Kultur & Moral, Süd-Ost Asien, Thailand with tags , , , on September 3, 2011 by pheneas

Zerstörung von Sodom und Gomorra

 Das Alte Testament erzählt eine Geschichte, deren Kurzfassung etwa so lautet: Gott suchte Abraham in Gestalt dreier Männer bzw. Engel auf, um ihm mitzuteilen, er plane, die Städte Sodom und Gomorra zu zerstören, wenn das sündige Verhalten ihrer Bewohner tatsächlich so schlimm sei, wie ihm zu Ohren gekommen war. Leider geben weder die Bibel, das groβe Zuschlage-Werk, noch VatikanLeaks, den Namen der Petze preis. 

 Atheismus ist eine „Non-Prophet Organisation” und als überzeugter Atheist, komme ich zu der Überlegung, wenn jemand dem virtuellen Boss Benedikts ein paar aktuelle Begebenheiten aus dem Isan zu Ohren kommen lieβe, besäβe Thailand heute den gröβten brandgerodeten Parkplatz zwischen Portugals Cabo de Roca und  dem Kap Deschnjow auf der Tschuktschen-Halbinsel in Ostsibirien.

 Auch diese Geschichte handelt vornehmlich von drei Männern, denen zwar so manches zu wachsen scheint, aber bei Leibe keine Flügel.

 Die Familien A und B wohnen in einem 500 Seelen Ort unweit der Provinzhauptstadt Surin. Die A’s haben ein schmuckes Häuschen mit kleinem Grundstück für den Gemüseanbau. Sie besitzen einen Pickup-Truck und bekommen jeden Monat Geld von arbeitenden Verwandten aus Bangkok, die ihre Kinder bei der Familie im Isan „geparkt” haben, was hier so üblich ist. Darunter sind zwei behinderte Mädchen eines 14, das andere 3 Jahre alt und eine 16-jährige, die in Surin zur Oberschule geht.

 In der rund 100m entfernten Bretterbude von Familie B wohnte nur noch der 71-jährige Groβvater, der gelegentlich von seinem Sohn, der mit einer Angehörigen von Familie A verheiratet ist und seinem 16-jährigen Enkel besucht wurde. Die Groβmutter der Familie verstarb vor über einem Jahr und dem einsamen alten Mann stand der Sinn nach Einsamen. Mit Keksen und Süssigkeiten lockte er die 14-jährige Behinderte, deren einziges Lebensziel die Nahrungsaufnahme zu sein scheint, in seine Bude und vergewaltigte sie so brutal, daβ sie sich blutüberströmt nachhause schleppte. Man brachte sie ins Krankenhaus, wo man zwar den  brutalen Geschlechtsverkehr diagnostizierte, aber weder ein DNA Sample anlegte, noch die Behörden verständigte.

 Es dauerte gut drei Tage, bis das Mädchen in der Lage war ihren Angehörigen zu berichten was passiert war und nach langem Drängen war sie bereit, der Familie zu zeigen wo alles stattgefunden hat. Unter Weinkrämpfen und völlig verstört zeigte sie wiederholt auf die Bretterbude von Familie B. Die A’s erstatteten nach reiflicher Überlegung Anzeige bei der Polizei.

 In den Wochen danach wurde die Behinderte von der Polizei verhört, es wurde ein unabhängiger Arzt hinzugezogen, der zu dem Ergebnis kam, das Mädchen sei geistig nicht in der Lage, sich so eine Geschichte auszudenken und in allen Befragungen dieselben Details zu erfinden. Der alte Mann stritt alles ab und sein Sohn drohte der Familie des Mädchens mit Mord und deren Haus anzuzünden. Gleichzeitig verkaufte er die Bretterbude und einige Grundstücke, um sich bei einer eventuellen Schadenersatzklage als mittellos auszugeben. Er geriet mit seiner Frau (aus Familie A) in Streit über die Anklage gegen seinen Vater und verprügelte und vergewaltigte sie mehrfach, worauf sie ihre Sachen packte und nach Bangkok zog.

 Nach fast vier Monaten kommt es zur Verhandlung gegen den Alten und er wird als schuldig zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

 Erwähnenswert ist vielleicht noch eine kleine Vorgeschichte. Rund zwei Monate vor der Vergewaltigung der Behinderten, hat der Enkel des Alten mit zwei Kumpels die 16-jährige Schülerin nach einer Feier vergewaltigt. Zur Rede gestellt, bot er der Familie an, wenn sie von einer Anzeige absehen würde, ware er bereit das Mädchen zu heiraten! Wow! Selbst im Isan würde wohl kaum jemand seine 16-jährige Tochter in eine Familie von permanent geilen Dreibeinern geben. Das sind Zustände, die man eigentlich eher in einer Strauss-Kahn/Berlusconi Wohngemeinschaft  erwarten würde!

 Bei jedem Schnitt in den Finger beim Gemüseputzen, wenn in einer Woche drei Hühner überfahren werden und ein Verwandter bei einem Verkehrsunfall stirbt, wittert Familie A nun Voodo-Zauber als Rache der B’s dahinter und gibt ein Vermögen für „Gegenzauber” aus!

 Diese Geschichte ist bei weitem kein Einzelfall! Tja, und immer noch träumen Euro-Rentner davon, sich mit ihrem ausgemusterten Bargirl in Thailands Antwort auf Sodom und Gomorra niederzulassen. Den Leuten sei gesagt: Mit der Errichtung einer Missionsstation der Zeugen Jehovas in Kandahar, hättet Ihr bessere Chancen auf einen geruhsamen Lebensabend!

Thailands Isan - vielleicht doch nicht der geruhsamste Altersruhesitz

Gourmetreise ins Isan- „Iss deinen Skorpion auf! In Indien hungern die Kinder!“

Posted in Asien, Essen & mehr trinken, Kultur & Moral, Thailand with tags , , , , , , , , , , on Juni 17, 2011 by pheneas

Thailands Isan – immer gut für Objektstudien von Gerontologen

 Die Idee, sich als Euro-Rentner nach 40 Jahren harter Arbeit mit seiner Thai Frau im Alter der eigenen Enkel ausgerechnet im Isan niederzulassen, kann einem eigentlich nur kommen, wenn in der Quecksilbersäule des Fieberthermometers bereits Blasen aufsteigen. Dennoch findet man in nahezu jedem Dorf einen deutschen Überlebenden des Kessels von Stalingrad, einen Amerikaner vergessener Offensiven um Da Nang, oder den französischen Ex-Fremdenlegionär aus der Schlacht um Dien Bien Vu, deren Drang nach fragwürdigen Abenteuern ungebrochen ist. Beliebte Antwort auf die Frage, haben Sie noch Großväter? Ja, einer lebt, der andere  ist im Isan!

…hier ist Damenwahl im Neandertal

 Ian Flemming, der Autor der James Bond Geschichten, schrieb zum Thema Sex in sein Tagebuch: „Ältere Damen sind am Besten, denn sie denken immer, sie würden’s zum letzten Mal machen.“ Daß dies auch umgekehrt gilt, beweisen die unzähligen pensionierten Bargirls, die es geschafft haben einen Viagra-Greis aus dem Westen hierher zu locken, um ein wetterfestes Haus zu bauen und seine Rente für einen Pickup-Truck, Hühner, Enten, Wasserbüffel, Porzellantoiletten, Warmwasserboiler, Tabletten für Omas Arthrose, die Schuluniformen für die Blagen der 6ten Nichte und wöchentliche Einkaufsfahrten in den 48 km entfernten Departmentstore zu verbraten. Ein bemoster Sugar Daddy unter den Spätaussiedlern trug dabei sogar ein „Hansa Pils“ T-Shirt, bei deutschen Senioren immer ein Zeichen fortgeschrittener Demenz. Man muss mit siebzig Jahren schon einen gewaltigen Rochus auf die eigene erbgeile Verwandtschaft hegen, um ausgerechnet hier die Begegnung mit dem Sensenmann zu erwarten. Immerhin gelingt es, sich erfolgreich davor zu drücken, bis zum Ende seiner Tage drei Monate im Jahr Schnee zu schippen, während einen andernorts schon vor dem Frühstück, Melanome fördernder Sonnenbrand beschert wird. Selbst unter Thais gilt der Osten als eine siamesische Variante der Area 51. Offen gesagt, war der Isan mit 20 Millionen Einwohnern, 19 Provinzen mit 14 verschiedenen Sprachen, dem Rest der Thais immer unwesentlich wichtiger als Bananen, aber bei weitem nicht so wichtig wie Papaya-Salat.

Isan Triathlon: Schöner wohnen, schneller vögeln, weniger arbeiten

 Auf der staubigen Dorfstrasse von Rao Na Khon, etwa 50km von Prasat und 16 km von der kambodschanischen Grenze entfernt, herrscht emsiges Treiben. Neben gelegentlichen Evakuierungen wegen des andauernden Tempeltanzes zwischen Thailand und Kambodscha, mit Granatenbeschuβ von beiden Seiten, gibt es noch andere Höhepunkte im ansonsten eintönigen Alltag. Hier fand gerade das wöchentliche Müllfestival statt, bei dem die Bürger sich die Zeit abknapsen mit Nudelsuppentütchen, Plastikflaschen und gebrauchten Kondomen die Sandpiste zu verzieren. Das Dorf gilt unter Polyethylen-Fetischisten als fehlendes Glied in der Kette der Welt-Plastik-Kulturerbe.

 Alte Frauen in Sarongs, FlipFlops und dicken Jacken schlurfen über den Sand und halten hier und da an, für ein Schwätzchen mit ausgemergelten Typen in Armeejacken, Shorts und Strickmützen. Die Morgensonne scheint durch die Kokospalmen, aber es ist kühl, so um die 12 Grad. Im Januar ist es tagsüber so heiss, dass schon ein unachtsam verfolgter warmer Gedanke das Gras um einen herum entzündet. Nachts ist es so kalt, dass man sich über die schlechten Skibedingungen wundert. Hier und da steigen Rauchschwaden von den morgendlichen Auftaufeuern zwischen den Holzhäusern, Bretterbuden und mit blauen Plastiksäcken überdachten Behelfsbehausungen auf. Bis zehn Uhr qualmt und riecht es überall nach verbrannten Palmenstämmen, was nicht zuletzt dafür sorgt, dass einem die Tränen in den Augen stehen.  Wer hier nach 25 Jahren keinen Bluthusten hat, atmet eben nicht richtig durch.

Meet the parents in Isan? Think twice!

 Inzwischen hat der Dorf Funk auch schon wieder die langersehnte Nachricht verbreitet, dass diverse BP-Mädels, samt ihrer ausländischen- Voll,- oder Teilzeitbekanntschaften, aus Bangkok oder Pattaya angereist sind. BP steht hier nicht für die Feuerwerksfirma, die den Golf von Mexico nachhaltig umgestaltet hat, sondern für- Blowjob Provider. Nun tauchen im Minutentakt die zahnlosen alten Weiber mit verdorrter Leber und Pressdurst auf, um allen Besuchern ihrer Enklave gelbe oder orangene Wollfäden (khal mue) ums Handgelenk zu binden. Das geschieht unter ständigem Gemurmel und soll den Besuchern Glück bringen. Genaugenommen ist das aber nichts anderes, als die Kopie des von All-Inklusive Clubs bekannten Prinzips: Die mit dem Armband haben bezahlt und saufen umsonst. Natürlich erwarten die vom „mah pluh“ kauen rot geränderten Münder, in weiss gepuderten Gesichtern, die aussehen als hätten sie soeben eine Explosion in einer Reismühle überlebt, dafür immer einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Wer ein Dutzend von den Bändchen am Handgelenk trägt, wird allerseits sofort als derjenige mit der Caritas-Hose

„khal mue” Isan’s all inclusive super V.I.P backstage pass

identifiziert. Ich schaue also in den nächsten Stunden in ein gutes Dutzend zerfurchter Freibiergesichter, die mich ständig an ein jüdisches Sprichwort erinnern: „Alle Zähne sollen Dir ausfallen,- bis auf einen für Zahnschmerzen!“ Nachdem alle Mitglieder der Methusalem-Meute schon durch diverse Flaschen Duschwein brummen wie ‘ne Trafohütte, soll ich das Alter einer der Omis erraten. Klappt nicht, sie ist 74, was in dieser Gegend einem medizinischen Wunder gleichkommt. „Aber sie hat noch tolle Möpse“ tönt es aus der Menge. Daraufhin zerrt Omi ihre Bluse hoch und lässt zum Beweis, unter allgemeinem Gejohle die Pracht baumeln und deutet mir an ich könnte gerne mal hinlangen. Das ist so als wenn einem sein Gesprächspartner von seiner Darmkrebsoperation erzählt und einen auffordert, doch mal den warmen Beutel der aus der Hüfte ragt, zu streicheln… 

Tagesmenü: Rat-atouille an Sumpfpetersilie in Urwald-Maggi Parfait

 Plötzlich, ich vermeide hier absichtlich die Floskel vom heiteren Himmel, baumelt mir etwas vor der Nase. Eine mit spitzen Fingern am Schwanz gehaltene feiste Ratte, die selbst in der Klasse der Riesenobjekte Gardemass aufwies. Der Spassvogel hinter mir, der aussieht als hätte er einen Stammbaum wie ein Kreis, deutet auf seine Jagdtrophäe und fragt mich, ob er sie mir zum Frühstück braten soll. Immerhin, bei den Locals gilt auch das rohe Fleisch als Delikatesse. Auf meinen Unterarmen breitet sich langsam eine gut sichtbare Erpelfolie aus während  das halbe Dorf insgeheim Wetten abschliesst, ob sich der Farrang zur Einladung zum organisierten Erbrechen überreden lässt. Mich überkam eine plötzliche Frühstücksmüdigkeit  und ich ließ ihm übersetzen, dass ich inzwischen ein Alter erreicht habe, in dem man mal eine Mahlzeit auslassen kann, was anstandslos akzeptiert wird. Ich schaue ihn an und denke: ich bestell´ lieber schnell nochmal ‘ne Runde, bevor Du unbedingt mit mir Brüderschaft-Essen willst. Damit war dann auch die Ratte aus meinem Blick verschwunden. Um mich herum saufen sie weiter wie die Kreiselpumpen und sehen langsam aus wie Leute, die sich so fühlen wie die Akteure im Afri-Cola Werbespot.

Inzwischen ist es Mittag, die Sonne erwirkt in den vorgeglühten Häuptern des Altweiberclubs einen Schub Restalkohol und man zieht sich zur Siesta zurück, um auf der Reismatte dem nächsten Rausch entgegen zu dämmern. Ein ziemlich aussichtloses Unterfangen, denn mitten auf der Dorfstrasse hat man zur bevorstehenden Hochzeitsparty eine LKW-grosse Lautsprecheranlage aufgebaut. Von nun an gibt’s im ganzen Dorf auf unbestimmte Zeit heftig Haue auf die Ohren. Die Bässe wummern durch die Palmen und selbst in der abgelegensten Bretterbude sorgt sie für einen konstanten Schaumpegel auf der Molle. Bei Thai, und besonders „Lock ‚n Lao Musik“ („Mor Lam“), gibt es eigentlich nur Bässe und Holztröten zu hören, die gelegentlich von geklauten Gerhard Wendland Melodien untermalt sind. danach kamen noch Weisen aus dem Programm „Partytime im Pflegeheim.“ Wer als Westerner in seinem Leben richtig auf die Tonne gehauen und auch vor Meuchelmord, Versicherungsbetrug und Oral-Sex mit dem zahnlosen Blindenhund des Nachbarn nicht zurückschreckte, der wird in Thailand als Bassist wiedergeboren. So sind eben die beinharten Regeln der Reinkarnation!

Airflown meat. Hier prallen die Käfer auf die Zivilisation

 Ich schlendere ein wenig durchs Dorf, schleiche um die dröhnende LKW-Ladung Lautsprecher herum zum Haus eines Nachbarn, bei dem die Neujahrs,- und Hochzeitsfeierlichkeiten stattfinden sollen. Der Platz wurde ausgewählt, weil sein Sohn am 2. Januar heiratet und die Vorbereitungen für zwei Gelage in einem Abwasch erledigt werden können. Im Hof des Hauses ist der Teufel los. Ein gutes Dutzend Frauen ist mit der Zubereitung des Sylvester-Mahls und Hochzeitsschmauses beschäftigt. Zu den drei beliebtesten Titeln für Bücher die nie geschrieben werden gehören zweifellos: „500 Jahre deutscher Humor“ „Enzyklopädie Italienischer Heldensagen“ und natürlich der „Gourmetführer Isan“. Ich mache mir nicht viel aus der Küche des Isan, nicht dass es mir an Respekt für einheimische Spezialitäten fehlt, aber ich kann mir die Blätter von Sumpfpflanzen samt Froschkönig aus dem trüben Wasser des Dorfweihers, und mit Hilfe nächtlicher Neonbeleuchtung heimtückisch angelockt, und gegen Wellblech geprallter Käfer, auch selbst zusammensammeln.

Jetzt bloß nicht in die Suppe steppen!

 Frauen und Kinder sitzen auf einem riesigen Podest, schneiden Tonnen von Zwiebeln, sodass sie durch die Tränen beinahe in Pfützen sitzen, pulen Knoblauch der ausreicht, um sämtliche Höhlen im Amazonasgebiet von Vampiren zu befreien und Kochen Suppen auf Holzkohlenfeuer, in Kochtöpfen die an Jaccuzzi erinnern. Ich denke noch, na wenigstens guckt kein Missionar heraus. Man lädt mich ein, bei einem Bier dem Treiben zuzuschauen, wie fast alle Männer des Dorfes es so machen. Zwischendurch schütten sich die Kochtopf-Virtuosinnen eimerweise „Sato“ in den Hals. Das ist vergorenes Reiswasser und ähnelt in Trübheit und sogar Geschmack dem „Federweissen“. Natürlich beschert es einem eine ordentliche Gehirnkirmes und sorgt am nächsten Tag für ein Gefühl, als meisselt sich ein Specht sein Nest unter dem Toupet. Von allem was inzwischen fertig gekocht wurde, bekommen die Zuschauer eine Kostprobe. Leider missinterpretiert man meine höfliche Anteilnahme beim Beobachten der Zubereitung von Ameisensalat als ungezügelten Appetit. Ich verfüge aber über so viel Selbstdisziplin, dass es mir durchaus gelingt, diesen Lebensmittelorgasmus einfach mal auszulassen!

Miss Piggy’s last-minute

 Von lautem „Aaah“ und „Oooh“ begleitet, wird nun eine an den Beinen gefesselte eineinhalb Zentner Sau im Bollerwagen an die Gourmet-Bühne geführt. Ich will hier das anschliessende Massaker nicht in allen Einzelheiten beschreiben. Nur so viel,- hätte ein Euro-Fleischermeister die Sauerei mit der Sau beobachtet, wäre in ihm wahrscheinlich der Wunsch, zukünftig nur noch Hausfrau und Mutter zu sein, aufgekeimt. Ebenso wäre der Anblick des Gemetzels durchaus geeignet, selbst in einem Erzbischof den Gedanken an eine Konvertierung zum Muslimen, nicht mehr völlig auszuschliessen. Bis auf die Kotelette-Stränge wird die Sau von der Nase bis zum Ringelschwänzchen von drei Männern in mundgerechte Häppchen zerhackt, dass die Funken sprühen, während ein Vierter versucht sich nicht in den Därmen zu verheddern.

Freddie Krüger war mein Azubi!

 Bei meiner zweiten Maurerbrause angekommen und nach diversen Schlückchen „Sato“, stört mich auch das Tok Tok Tok nicht mehr, das man vernimmt, wenn zwei Meter neben einem ein extrem hackbeilresistenter Schweineschädel zerlegt wird. Danach sieht das Podest aus, als wären während einer Notamputation im Lazarettzelt ein paar Blutkonserven explodiert. Sehr zur Freude der Dorfköter, die das herumspritzende Blut von der Hauswand lecken. Bei der dritten Hopfenknolle und nach noch mehr „Sato“, denke ich darüber nach- was versteht man in Europa eigentlich unter dem Begriff „Erlebnis-Gastronomie“?

Wer wird denn wegen seines Sternzeichens hier pingelig werden?

 Plötzlich gellen spitze Schreie aus dem Haus in dem ebenfalls gekocht wird. Es klingt, als hätte man in der Ankleidekabine von Supermodels einen Karton mit lebenden Ratten geöffnet. Zwei der gut 15cm langen schwarzen Skorpione, ist es gelungen kurz vor dem Tauchgang in siedendes Öl auf den Küchenboden zu hüpfen, wo sie mit erigiertem Schwanz ihren Giftstachel zur Geltung bringen. Einer der Jungen eilt zur Hilfe, hält den ersten Überlebenden mit einer Gabel am Boden und hackt mit dem Löffel den Giftstachel der Kreatur ab. Der zweite Flüchtling ist inzwischen ins Freie gelangt und krabbelt auf dem Rasen vor dem Haus irgendwo zwischen den Beinen der mittlerweile zahlreichen Besucher, die sich vom herumgereichten Teller die Verwandten des Entkommenen schmecken lassen.

Der Schwanz ist das beste Stück

 

 Auf der Menükarte des Isaan stehen einige Leckereien, bei denen allein die unsachgemässe Zubereitung einen langen Aufenthalt an lebenserhaltenden Infusionsschläuchen in Aussicht stellt. Schlangen, oder faustgrosse Schnecken, von denen man nicht mehr als zwei essen sollte, um sich nicht zu vergiften, gehören in diese Kategorie. Wer bei solchen kulinarischen Abenteuern die kleingedruckten Warnungen auf dem Waschzettel ignoriert, und nach stundenlanger Fahrt auf der Ladefläche eines Pickups ins Provinz-Krankenhaus kommt, wird dort wenigstens nicht mit lateinischen Bezeichnungen für den Grund seiner toxikologisch bedingten Himmelfahrt  belästigt.

 Inzwischen wird überall zwischen den Häusern irgendetwas gegrillt. Ratten, Frösche, Mini-Krebse, Fische und gelegentlich greift sich jemand eine Ente oder ein Huhn aus dem Vorgarten, die kurz danach neben frittierter Froschhaut (Isaans Antwort auf Kartoffelchips) auf dem Büffet landen. Kurz gesagt, die einheimische Küche ist eher etwas für Leute, die auch auf Eisbein Hawaii, Haferflocken Byriani oder Matjes mit Erdbeeren stehen. Dazu gibt es Pasten und Soβen deren Geruch an Omi ganz unten erinnert. Aber hier spricht man nur von einer gelungenen Mahlzeit, wenn selbst der Rülpser nach dem Essen schmeckt, als hätte man herzhaft in den vor Monaten verschollenen, Gorgonzola im grünen Pelz aus dem untersten Fach des Kühlschranks gebissen. So, das sollte wohl reichen, um zu verhindern daß sich langvermisste Freunde aus Europa bei mir zum Abendessen mit der Familie einladen…

Der tägliche Überlebenskamf im Senioren-Paradies

Das ist K E I N Fischbrötchen – und von sowas traumt man in der Nacht!