Archiv für Thai-TV

Reisbauernträume, Pixel Wichser, Titties & Bier

Posted in Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , , , , on Januar 16, 2012 by pheneas

„Die Zensur ist das lebendige Geständnis der Großen, daß sie nur verdummte Sklaven treten, aber keine freien Völker regieren können.“ 

(Johann Nepomuk Nestroy)

 Gedanken über die seltsame Praxis der Pixilation im Thai TV und den Mangel an gesundem Menschenverstand. Oder- hat vielleicht Kim Jong Un, der als „Genie der Genies“ Nord Koreas bezeichnete Diktator, einen heimlichen Thai-Job als Medienberater? 

 Es erscheint nur vernünftig, wenn Eltern bemüht sind ihre Kinder bewusst vor Gewalt, Drogen, Pornographie, Alkohol und Glücksspiel zu schützen. Fragwürdig erscheint jedoch die Funktionalität der Verbote für Alkohol-und Tabakwerbung im Fernsehen, in einer Gesellschaft, in der gleichzeitig alle Produkte in jedem Regal eines Tante-Emma-Ladens, oder auf offener Straβe, plus entsprechender Werbung ausgestellt sind.

 Halbverweste Leichen, abgerissene Gliedmassen und Gehirnmasse auf Treppenabsätzen, waren bis vor einigen Jahren ein wichtiger Bestandteil der Frontseiten aller thailändischen Tageszeitungen und Yellows. Dagegen erschien BILD wie ein „Händefalt-Flyer“ des Vatikans. Das hat sich inzwischen geändert, auch ohne daß die Auflagen spürbar sanken. 

 Nun sind Thai-Seifenopern und die täglichen Unterhaltungsshows vom Typ Dilettantenstadl das Nonplusultra der Trostlosigkeit, die den künstlerischen Anspruch eines Fremdenlegion-Manövers haben. Da hilft es, wenn die Mehrheit des Publikums so dumm ist, daß sie mit dem Finger in der Nase aufs Gesicht fallen.

 Als Ausländer kann man das nur gähnmanipuliert, sang-somsioniert und erfolgreich humorgenesen ertragen. Diese Art der Unterhaltung, die von vielen im Land auch als Bildungsprogramm missverstanden wird, wurde nur erfunden, damit alles andere menschliche Treiben in der Welt, von Nasenhaar-Makramee, über Cricket, bis zum Sammeln des Inhalts von Überraschungseiern, etwas aufregender wirkt.  Dafür sind die „Soaps“ sauber- und zwar so sauber, da duschen sogar die Kakerlaken!

 Wenn die Puritanismus-Taliban im Pixelministerium so sehr auf authentische Wiedergabe von „Thainess“ und Thai Kultur bedacht sind, warum leben die Darsteller der lokalen TV-Produktionen dann immer in 1500 m² Villen, die selbst die personifizierte Geschmacksverirrung, Donatella Versace (Botox Bagge Bolognese), als zu protzig-kitschig bezeichnen würde? Dazu gehört immer ein Fuhrpark mit Luxuskarossen für jedes Familienmitglied, Designer Klamotten und Goldschmuck wie in den Auslagen des Bazars von Dubai. Diese „Wir da oben- Ihr da unten Message“ wird tagtäglich in die Millionen Bretterbuden des Landes übertragen… 

 Aber was soll der Blödsinn, in alten und neuen Filmen nachträglich Zigaretten, die Flasche Bier in der Hand eines Schauspielers, oder die Pistole in seiner Hand per Bildbearbeitung unkenntlich zu machen? Glauben die Leute, die jemand kürzlich in einem Leserbrief als „Pixel-Wichser“ betitelt hat, dass ein 10-jähriger nicht weiβ, daβ es die (gepixelte) Zigarre im Mund des Akteurs war, die ihn weiβen Rauch ausatmen lässt? Richtig absurd wird die Aktion, wenn im Nachbar-Kabelkanal wie HBO, AXN und anderen, all die Dinge offen zu sehen sind. Erinnert an Shakespeare’s Hamlet, da ist vom „Übermut der Ämter“ die Rede.

 Eine typische Szene in einem lokalen TV-Sender sieht etwa so aus: Ein Mann feiert seinen Geburtstag und einer der Gäste überreicht ihm eine gepixelte Flasche Whisky als Geschenk. Anschlieβend schenkt der Promilleprinz aus der gepixelten Pulle zwei ebenfalls verschwommene Gläser ein und man prostet sich zu. Nicht einmal in Thailand sind die so geschützten Teenager so dämlich zu glauben, der Mann hätte ein Buch über traditionellen Thai-Tanz geschenkt bekommen.

 Eine andere Szene zeigt einen sehr blutigen Kampf zwischen einem Transsexuellen und Mitgliedern einer Streetgang. Man sieht Handfeuerwaffen und Sturmgewehre auf dem Boden liegen. In dem Moment, wenn einer der Schauspieler eine Waffe in die Hand nimmt, wird sie nach den Regeln der Zensur gepixelt. Denn die Vorschrift lautet, dass eine auf Menschen gerichtete Waffe in der Hand einer Person nicht gezeigt werden darf. Hat mal jemand einen Jugendlichen Zuschauer gefragt, warum bricht dann der Kontrahent am Ende des Laufes von Kugeln getroffen zusammen und krümmt sich in einer Blutlache von der Gröβe einer Glühweinwiese?

 Kein Wunder also, dass auch kaum gesunder Menschenverstand zu erwarten ist, wenn es um Nacktheit im Fernsehen geht.

 Alte Illustrationen aus Siam (nicht etwa Vulgarien) zeigen, dass es noch bis ins vergangene Jahrhundert durchaus üblich war, daβ Frauen barbusig durch den Alltag gingen. In ländlichen Gegenden scheren sich die Groβmütter auch heutzutage nicht unbedingt um die westlichen Textilstandards.

 Dennoch kommen die S(T)ittenwächter auf die absurde Idee, nur züchtig bedeckte Frauenbrüste als Teil der siamesischen Kultur auszuweisen. In einem Land in dem ein ansehnlicher Prozentsatz der männlichen Bevölkerung die ersten sexuellen Erfahrungen als Teenager im Bordell sammelt, wo Hardcore Porno DVD’s offen auf der Straβe angeboten werden, und es tagtäglich „working girls“ in den Sois zu sehen gibt, wird kaum ein Jugendlicher vom Anblick nackter Chef Hupen schockiert sein, nicht einmal wenn sie Nippel von der Gröβe eines Traktorenventils aufweisen.

 Gemessen an der Bevölkerungszahl, ist Thailand eine der Nationen mit der gröβten Sex-Industrie auf diesem Planeten, die hauptsächlich von Einheimischen Kunden lebt. Damit ist erwiesen, daβ zügellose Rammelei zu kollektiver Amnesie, zumindest im Bereich eigener Kulturgeschichte führt, wie man auf dem Foto von 1920 aus Chiang Mai sehen kann.

Jede Knarre wird gepixelt. Aber, anläβlich des alljährlichen „Children’s Day“ (15. Januar), lädt die Armee Familien in die Kasernen ein und lässt Sechsjährige für Fotos mit Maschinengewehren posieren und verteilt Spielzeug Kalaschnikows. In der wichtigsten Nachrichtensendung auf Kanal 3 präsentiert die Polizei Dutzende von Kriminellen beschlagnahmte Waffen, Munition, Messer und Handgranaten. Pixilation? Fehlanzeige! 

 Ein Blogger des Thai-Visa Forums schickte folgendes Foto mit Kommentar zum Thema:

„Die Bildschirmaufnahme einer aktuellen Thai TV soap opera zeigt deutlich, wie der Schauspieler in der einen Hand eine Zigarette hält, in der anderen Hand einen Drink, während er mit der nackten Schauspielerin spricht, die nach dem Revolver auf dem Nachttisch greift.”

 Aber was soll’s? Selbst in so genannten zivilisierten Ländern ist man überzeugt davon, daβ in einem Container eingesperrte Leute mit Hormonstau, Karaoke-Krakehler, oder Kakerlaken fressende C-Promis auf Robinson Inseln, unerlässliche Bestandteile fesselnder Fernsehunterhaltung sind.

Sechs Möpse entlarven die „Scheinheiligen”

Posted in Kultur & Moral with tags , , , , , , , on Mai 17, 2011 by pheneas

 Keine der zahllosen allabendlichen “Unterhaltungssendungen” im Thai-TV kommt ohne die obligatorischen, aus dem aktiven Sexbusiness herausgealterten Transen (Katoey), oder als Super-Tunten verkleidete Bartträger aus. Das wird als normal akzeptiert, wenngleich niemand ernsthaft auf die Idee kommt, das inzwischen als festen Bestandteil der so hochgelobten Thai-Kultur zu akzeptieren. Warum eigentlich nicht? Amerika hat einen drittklassigen Barpianisten mit dem Künstlernamen „Liberace“ zum Kultstar werden lassen, Italien leistet sich einen „Hier-ist-der-Bär-los-coni“ als Premier und Deutschland hat schließlich einen Dieter Bohlen zur Ikone der Abendunterhaltung gemacht. Aber der tritt bislang wenigstens nicht als Drag Queen auf. War wohl ein nicht ganz uneigennütziger Tipp von Naddel. Auf deutsches Niveau übertragen hätten demnach Mainzer Büttenreden, Fips Asmussen und Millowitsch-Filme schon eine Legitimation für die Bayreuther Festspiele.

Feuchter Alptraum zum Jahreswechsel

 Im April fand das thailändische Neujahrsfest „Songkran“ statt, daß im eigentlichen Sinn ein buddhistisches Fest ist. Ok, ich gebe es zu, ab einem gewissen Punkt bin ich ignorant und arrogant, wenn es um Gebräuche fremder Völker geht. Einer davon ist der, daβ ich nicht verstehen kann, wie man 360 Tage im Jahr daraufhin fiebert, 5 Tage lang 12 Stunden strudelduhn an einer Straβenecke zu stehen, um Passanten mit Kübeln von Eiswasser zu übergießen und deren Gesichter mit einem Schleim aus Babypuder zu beschmieren. Wer das für Kultur hält, dem kann ich auch ein Zwiegespräch mit der ältesten Yoghurt-Kultur in meinem Kühlschrank anbieten.

Wenn der Sensenmann Mähdrescher fährt…

 Nun haben aber die Kids einen enormen Spaß, weil man zu Songkran schon Mal  Vier gerade sein läβt (für Fünf reicht’s dann wohl doch nicht). Der Alkohol fließt in Strömen, die Zahl der Verkehrsunfälle steigt in dieser Zeit drastisch an. Bilanz der letzten Festwoche:  271 Tote, 3,476 Verletzte in 3,215 Unfällen! Wer am dritten Tag des Neujahrsfestes noch tanzt, hat bloß kein Geld mehr zum Saufen!

 Da man sich wegen der Verkehrstoten schon lange nicht mehr beunruhigt, muβte also ein anderer Aufreger her: Drei weibliche Teenager zwischen 14 und 16 Jahren hatten es gewagt, während einer Massenveranstaltung auf der Silom Road in Bangkok „oben-ohne“ zu tanzen und sind dabei von anderen Besuchern gefilmt worden. Was in aufgeklärten Nationen bei Loveparades, Gay-Karnevals, Springbreak und Biker Partys kaum noch ein Hingucker ist und höchstens noch bei 12-jährigen Klosterschülern zu einer skrotalen Kernschmelze führt, ist im Land der Scheinheiligen ein handfester Skandal! Der zuständige District Chief (so eine Art Landrat) erstattete Anzeige gegen das Trio und dessen Unterstützer, sowie gegen die Person, die den Video-clip der tanzenden Mädchen auf YouTube veröffentlicht hat. Die Mädels muβten bei der Polizei antreten, wo sie wegen „Obszönität in der Öffentlichkeit“ um jeweils 500 Baht (11,50 €) Strafe gebeten wurden. Dafür bekommt man in den diversen Pussy-Show Bars gerade mal 2 Bier zur Happy Hour.

Gefahr für den guten Ruf des Landes?

Die Angeklagten züchtig verkleidet. Sind das die Fotos die das Image des Landes aufpolieren?

 Wem die Geschichte bisher noch nicht skandalös genug ist, wie wär’s hiermit: Denjenigen, die das Video veröffentlicht haben, droht unter dem „Computer Crime Act“ eine Haftstrafe von bis zu 5 Jahren und Geldstrafe bis zu 100.000 Baht (2300 €), das entspricht dem 16-fachen eines Polizistengehalts! Auf die Idee so ein Strafmaß zu verhängen, kommt man wahrscheinlich dann, wenn sich der eigene Lendenfrühling schon in den Spät-Herbst verschoben hat.

 Bei so einer Interpretation von Recht und Unrecht, könnte man da nicht auch den Busfahrer verhaften, der einen Bankräuber zum Tatort transportiert hat? In Amerika fällt so etwas unter die Rubrik: „Don’t shoot the messenger!“

 Inzwischen hatte sich auch der Kultur Minister zu dem Skandal geäußert. Er erklärte der Presse, daβ der Clip einen negativen Einfluss auf das Ansehen der Thai-Kultur habe und alle Beteiligten bestraft werden müssen. Er bat die Polizei darum den Fall ernst zu nehmen, weil er den Ruf des Landes zerstört. Er forderte den Anklagevertreter dazu auf, neben der Strafe auch noch „Community work“ anzuordnen, etwa mindestens drei Vorlesestunden über das Songkran-Fest im Kindergarten…

 Es müssen schon eine Menge solcher Bagatellen sein, um die sich der Minister kümmern muβ. Wie sonst konnte ihm entgehen, daβ sein eigenes Ministerium auf der offiziellen Webseite noch kurz vor Songkran mit nackten Möpsen für das Fest geworben hat? Der Maler Sompop Budtarad, nahm sich des Themas an und produzierte eine Serie von Gemälden der Songkran goddess of the year 2011, Kirinee Dhevi.

Nang Songkran von Sompop Budtarad

Mit dem Gemälde der Göttin Nang Songkran des Künstlers Sompop Budtarad, warb die website des Kultur Ministeriums für das Neujahrsfest. Nach dem Tanz der drei Mädels verschwand es…

Wenn also sechs nackte Teenager Brüste die Landeskultur zerstören und den Ruf Thailands schädigen, sollten einige brennende Fragen erlaubt sein:

  • Die „Hobby-Filmer“ haben während einer öffentlichen Veranstaltung das Geschehen gefilmt. In- und ausländische Fernsehsender haben den Clip weltweit in den Nachrichten ausgestrahlt, dort allerdings mit gepixelten Brüsten. Müssen die Redakteure von CNN und Co. jetzt auch mit 5 Jahren Knast und Geldstrafen rechnen?
  • In einer Umfrage unter Erwachsenen in Bangkok zu dem Fall,  gaben 80% an, die Strafen für „unmoralische Akte in der Öffentlichkeit“ sollten härter sein.Warum hat man nicht die Reisbauern im Isan darüber befragt, deren  Töchter und Söhne seit Generationen zu Hunderttausenden als Sexworker und Nackttänzer die Familien unterstützen?
  • 91% der Befragten glauben, daβ die Thai Kultur langsam verkommt. Hat mal jemand gefragt, wie hoch der Prozentsatz von denen ist, die erklären können was sie eigentlich unter Thai Kultur verstehen?
  • Wie steht es denn mit dem Saubermann Image, wenn in den Bars von Patpong und der Soi Cowboy (von denen einige Polizisten gehören) allabendlich, nackte und halbnackte „Tänzerinnen“ und Ladyboys als Chromepole Molester und in Ping-Pong Shows auftreten?
  • Wo bleibt die Sorge um das Image angesichts der Jet-Ski scams unter Beteiligung der Polizei und der Machtlosigkeit der Behörden gegenüber der Tuc Tuc Mafia?
  • Es gibt hunderte von Clips auf YouTube, aufgenommen in den Girliebars, werden die Hobbyfilmer nun alle mit bis zu 5 Jahren Knast und 100.000 Baht bestraft?
  • Zugegeben, die Mädels sind noch recht jung, aber in einigen Bars gehen auch 16-jährige unbehelligt anschaffen. Das heiratsfähige Alter wurde auf 17 Jahre festgelegt. Für „offizielle Verlobungen“ gibt es keine Altersbeschränkung. Und wie lange ist es eigentlich her, daβ in thailändischen Dörfern die letzten Minderjährigen, nach ungewollten Schwangerschaften verheiratet wurden?

Ein Kommentar unter Bloggern, die einen nicht mit geradezu grotesken Ambitionen nach Moral nerven:

„500 Baht für topless Tanzen, 100.000 Baht oder 5 Jahre für das Hochladen der Videos auf YouTube! Die Botschaft ist, dass es keine große Sache ist in der Öffentlichkeit oben ohne zu tanzen – solange  es niemand erfährt. Ziemlich genau wie thailändische Politik …”„„

P.S.

Wie die Zeitung „The Nation“ berichtet, wurde ein Polizei-Oberst, Leiter der  Pho Kaew Polizeiwache, versetzt, weil er einem Entertainment-Veranstaltungsort in seiner Zuständigkeit erlaubte, über die Polizeistunde geöffnet zu bleiben und das Lokal Minderjährigen zugänglich gemacht zu haben.

Polizeisprecher Maj-General Prawut Thawonsiri sagte, daβ eine  Razzia durchgeführt wurde nachdem junge Mädchen beim topless Tanz in der Nähe der Silom Road während des Songkran Festivals erwischt wurden.  Diese erzählten der Polizei, dass der Full Moon Pub kostenlose Getränke angeboten hat, um Mädchen dazu zu ermuntern, ihre Brüste zu zeigen.

Drinnen fanden die Polizei und Beamte aus dem Büro der Public SectorAnti-Korruptions-Kommission mehr als 300 Gäste unter 18 Jahren. Der Jüngste war gerade 14. Ein Raum in der Kneipe wurde auch als Spielhölle betrieben.

Aufzeichnungen des Full Moon Pubs zeigten, die Betreiber bezahlten je 500 Baht an bis zu 20 Polizisten täglich…

Was schadet dem Image eines Landes eigentlich mehr,- nackte Titties, oder korrupte Cops?

photo credits: wiki/CNN/The Nation/Sompop