Archiv für Thai-Kultur

Die Crux mit der Thai Kultur

Posted in Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, BilDUNG, Gesellschaft, Glauben & Besserwissen, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , , , , on Dezember 12, 2011 by pheneas
Erziehung ist die organisierte Verteidigung der Erwachsenen gegen die Jugend.
 Mark Twain 

 Man darf feststellen, dass die Zeiten für Kultur-Diktatoren vom Schlage Pol Pots, Mao Tse Tungs, Hun Sens, General Than Shwe, Lee Kuan Yews und Kim Jong Ils schon mal besser waren. In Deutschland weiß man ja noch nicht einmal wohin mit selbsternannten Kulturpäpsten und Moralaposteln wie Reich Ranicki, Michel (Coca) Friedmann, Palazzo Bischof Mixa, oder meinen all time Klassiker, Franz-Josef Wagner.

 Inzwischen ist das Land der Dichter und Denker eine Nation mit über 2,71 Millionen Arbeitslosen (Nov. 2011), die gleichzeitig 1,246.806 ausländische Hartz IV Empfänger und diverse Euro-Schurkenstaaten unterhält, und deren letzte epochale Entdeckung der Maurerbibel und des Unterschichtenfernsehens die war, daß katholische Priester und Pädagogen, die Berufsgruppen mit den meisten Pädophilen sind. Da hat man in einer dazu noch vergreisenden Gesellschaft andere Probleme, als ausgerechnet über Kultur parlieren zu wollen. Aber, immerhin- „Wir sind Papst!“

 Wie sagte der amerikanische Schauspieler, Komiker und Sänger Danny Kaye einst so treffend? „Mit Vegetariern muß man diskutieren, sobald sie eine Wurstfabrik geerbt haben.“

 In solchen Zeiten ist es gut zu wissen, daß es auf der Welt noch eine Enklave gibt, deren Politiker und Vordenker sich wie die Bewohner des berühmten kleinen gallischen Dorfs wehrhaft zeigen und überzeugt sind, sich gegen jegliche Invasion durch ausländische Kultur-Bolschewiki schützen zu  können.

*Eine UNESCO-Definition von „Kultur“ findet Ihr am Ende der Geschichte

H.E.Mrs.Sukumol Kunplome. Herrschaftswissen über Kultur mit dem ganz großen Löffel gefressen?

 Im Land des unaufhaltsam verlegenen Lächelns (von ukrainischen Phuket-Touristen auch Perrrma-Grrins genannt), kam nun die Kultur Ministerin, Frau Sukumol Kunplome, auf die grandiose Idee, Richtlinien zur kulturellen Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu veröffentlichen. Die Unterweisungen der Dame sind in fünf Altersgruppen aufgeteilt und sollen Eltern dazu dienen, ihren Blagen Thai-Kultur einzubläuen um in einer Art kulturellen Strebergarten Designer Kids zu produzieren. Die Politikerin agiert ganz im Stil einer Bürgermeisterin von Mis(s)rata und scheint zu glauben, daß man ohne ihre kulturellen Steilpass-Vorgaben nicht in der Lage ist im landesüblichen Stil auch nur aufrecht sitzen zu können. Gemessen an der aktuellen Situation, erscheint Sisyphos dagegen wie ein Verfechter des Pragmatismus. Würde man dem Wunsch der Ministerin entsprechen und das Rad der Zeit auf das von ihr favorisierte Niveau zurückdrehen, befände man sich in einer Periode, als die Landbevölkerung im Norden und Nord-Osten Siams den ersten nach abendländischen Rezept hergestellten Eiswürfel bestaunte.

 Die meisten von uns leben im Jahre des Euros 2011. Auch wenn die Thais uns nach ihrem Kalender weit voraus sind,- hier schreibt man das Jahr 2554- erinnert die kulturelle Realität des Landes eher an eine Zeit, in der man in Europa noch mit Ablasshandel reich werden konnte, und DSDS Juror Dieter Bohlen gegen die Gaudi einer zünftigen Hexenverbrennung keine Quote erlangt hätte.

Alltag in Bangkok. Hungrig nach Thai-Kultur? Oder eher nicht so?

 Nach Ansicht der Ministerin wurde das Programm zur „kulturellen Entwicklung unserer Kinder“ nötig, weil eine Umfrage ergab, daß Jugendliche bereits mit 15 Jahren Drogen, Zigaretten und Alkohol konsumieren. Als Gründe dafür wurden Lernschwierigkeiten, familiäre und finanzielle Probleme angegeben. Damit steht fest, dass sich Thailand tatsächlich noch auf diesem real existierenden Planeten befindet. Aber wie immer sind ausländische Einflüsse am moralischen Verfall, kollektiven Komasutra-Saufen der Teenager und der schwindenden Besinnung auf Thai Werte, schuld an der abwechslungsreichen Sozialprognose. Allein in Bangkok sind, auch ohne Auslandsimporte, täglich so große Mengen Amphetaminpillen und „Yah Bah“ im Handel, daß man damit einen Supermarkt Parkplatz pflastern könnte.

 Der Drolligkeitsfaktor des Programms legt den Verdacht nahe, es könnte von „Lernschwester United“ stammen, die gerade ihren Abschluß in Mädcheninformatik und inneres Blumenpflücken,  in einem Kloster unter Leitung tibetanischer Wimpelschwenker erworben hat. Wer seine Wurzeln in Neufünfland hat und trotzdem an dieser Stelle schmunzelt, sei daran erinnert, daß er aus einer Gegend kommt, in der aus reinem Mangel an kultureller Identität, Drehtüren „Vereinzelungsanlagen“ genannt wurden, um nicht wieder nur das Beispiel der „Jahresendzeitfiguren“ für Weihnachtsengel zu strapazieren!

 Was setzt man nun der drohenden Entwicklung von Barbarei und Drogenkonsum zur Dekadenz, ohne Umweg über die Kultur, entgegen? Hier ein kleiner Ausschnitt der Übersetzung ins Englisch des Programms zum Anklicken.

Quiz für das Heer der "Kulturtouristen." Na, watt is denn nu "Traditional Thai Dancing"?

Im 21ten Jahrhundert gibt es kaum noch eine „reine“ Kultur,- nicht einmal mehr in Joghurt oder Bier!

 Hat man einige Zeit im Land gelebt, fragt sich zwangsläufig, wieso die Themen „Thainess“, „Thai Werte“ und „Thai Kultur“ überhaupt an die große Glocke gehängt werden, wenn die Alltagskultur lediglich durch eklatante Mängel gekennzeichnet ist. Wer die hier genannten Beispiele aus den Bereichen Rechtssystem, Ehtik & Moral, Bildung, Menschenrechte, Religion, Geschichte, Sprache, überhaupt in die Rubrik einer eigenständigen Kultur einreiht, sollte vielleicht erwägen zumindest „zeitweilige Abstinenz“ in die guten Vorsätze für das neue Jahr einzuschließen.

Rechtssystem:

  • Im ehemaligen Siam ist das Rechtssystem so korrupt und planlos wie eh und je. In vielen Umfragen in südostasiatischen Ländern, belegen nur Burma und Indonesien konstant Plätze hinter Thailand, wenn nach Korruption in der Justiz gefragt wird. „Einflußreiche Personen“ kommen nach Mord mit Zahlung einer Summe an die Opferfamilien frei, die eher das Niveau von “Bearbeitungsgebühren” erreicht. Gleichzeitig wird ein arbeitsloser Familienvater über Jahre inhaftiert, weil er aus dem Müll gesammelte, nicht lizensierte CD’s verkauft hat! Inzwischen gehören Begriffe wie „Kultur der Straffreiheit” bereits zur Umgangssprache.

Ehtik & Moral:

  • Kaum eine Lokalzeitung hat ein Problem damit Anzeigen zu drucken, in denen damit geworben wird, daß die „Tänzerinnen“ in einschlägigen Etablissements „Pussy Without Attitude“ anbieten, während Prostitution im Land verboten ist. Dabei gilt die Vermietung von Genitalien nach dem Reishandel als einer der größten Wirtschaftsfaktoren.
  • 72 Passanten schauten zu, wie ein sturztrunkener und vollgedopter Stubenadolf auf der Strasse seinen Sohn mit einer Dachlatte verprügelt bis sie zerbrach. Auch die Polizei schreitet nicht ein. Einhellige Meinung der Passanten und Beamten: Das ist sein Sohn, mit dem kann er machen was er will. Nachdem die Polizei die Szene verließ, befahl der Schläger dem 15-jährigen, ihm eine neue Dachlatte zu reichen. Der tat wie ihm befohlen wurde und verneigte sich vor seinem Peiniger…
  • Ärzte weisen schwerverletzte Patienten in Krankenhäusern ab und verweigern selbst Erste Hilfe-Maßnahmen, wenn die Betroffenen kein Bargeld oder eine Kreditkarte im Brustbeutel tragen.
  • Nach Unfällen oder Verbrechen stehen oft ganze Dorfbevölkerungen vor Ort, nicht etwa um zu helfen, sondern um Auto,- Haus,- oder Zimmernummern der Opfer für die Lotterie zu notieren (Ying & Yang).
  • Landeskinder mit dunkler Hautfarbe, die sie als Angehörige der Landbevölkerung ausweist, werden als zweitklassig angesehen und entsprechend behandelt.

Thailand got talent...?

  • Kaum eine Fernsehshow kommt ohne extrem Schwuchteln, Transen, Kleinwüchsige und Freaks aus, auf deren Kosten man gerne die etwas derberen Späße macht. 
  • Ein Armee General, hatte 2008 kein Problem damit, vom Hubschrauber aus Giftschlangen auf Demonstranten abwerfen zu lassen.
  • Während der Flut in Bangkok, legten Fuhrunternehmer Nagelketten auf überschwemmte Fahrbahnen, um dann gegen Gebühr die Frachten der Rettungsfahrzeuge mit platten Reifen zu übernehmen.

            Korruption

  • Eine der regelmäßigen Abac Umfragen ergab wieder einmal, 64% der Thais und sogar 70% der unter 20-jährigen glauben Korruption sei akzeptabel, oder profitieren selbst vom System, das unter Namen wie „ging maung“ (den Staat essen), oder „nam jai“ (Gabe des guten Willens) bekannt ist. Das läßt andere Bereiche wie etwa Musik, Literatur, Kunsthandwerk etc. wie Bagatell-Kultur erscheinen, da sie bei Weitem nicht so eine allgemeine Akzeptanz erfahren!

    Kultur der Rechtschaffenheit ist weniger beliebt

     Im Sept. 2011 schätzt man, daß 30% der Gelder aller staatlichen Investitionen bereits durch Korruption innerhalb der Regierung verloren gehen. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, daß es leider keine Kultur der Transparenz, oder gar der Rechenschaftspflicht gibt!

     Zu den beliebtesten kulturellen Aktivitäten der Thais, mit gigantischen Umsätzen, scheinen Glücksspiel, Prostitution, Drogen-, und Menschenhandel, Handel mit Schmuggelware und Waffen, sowie Schmuggel von Diesel zu gehören. Die Polizei erweist sich hier, für Schutzgebühren zwischen 5 und 20 Prozent, als der wahre Gralshüter dieser „Kultur.“

    Kleine Zwischenfrage: 

    Na, Frau Minister, klingelts langsam irgendwo?

Grundrechte des Menschen: 

  • Die Menschenrechtskommission des Landes wurde erst 1990 gegründet!
  • Die in demokratischen Ländern allgemein gültige Ansicht, wonach alle Menschen von Geburt aus die gleichen Rechte haben, ist kaum mit der hierarchischen Struktur Thailands kompatibel.
  • Noch bis 2003 wurden zum Tode verurteilte Delinquenten hinter einem Vorhang an ein Holzkreuz gefesselt, bevor man ihnen „im Raum wo alles Leiden endet“ mit einem Sturmgewehr in den Rücken schoß. (Gehören geradezu groteske Ambitionen nach  Humanismus etwa auch noch zur Kultur?)
  • Das „Ministry of Information and Communication Technology“ (MICT), blockierte bereits 74,686 URL’s von Webseiten und beantragte im November 2011 die Löschung von 10.000 Facebook Seiten. Selbst das Anklicken eines „Like Buttons“ auf unerwünschten ausländischen Seiten erwirkt inzwischen strafrechtliche Konsequenzen.

Neue Touristen Attraktion: Thailands great new Firewall

  • Pressefreiheit- 2010 stürzte Thailand um 23 Ränge im World Press Freedom Index auf Platz 153 unter 178 Ländern ab. Kommentar der Bangkok Post dazu: Der freie Fall stellt die Gültigkeit der Studie in Frage! Noch Fragen? Vielleicht an den convenience editor?

Geschichte: 

  • Auch wenn man kontinuierlich die eigene Landesgeschichte verfälscht, wird sie damit nicht zwangsläufig Teil der Landeskultur. 1941 besetzten japanische Soldaten das Land, was aber in Schul,- und Geschichtsbüchern verschwiegen wird. „Offiziell“  ist Thailand nie okkupiert worden. So spart man sich die Notlüge, die Japaner wären lediglich zu einem gemeinsamen Manöver aufgeprallt. Tatsache ist: Die japanische Invasion in Thailand ereignete sich am 8. Dezember 1941 und endete 1945. Trotz heftiger Kämpfe in Süd-Thailand, dauerte der Thai Widerstand nur ein paar Stunden. Am Ende wurde in Bangkok ein Waffenstillstand vereinbart. Erinnert an den Spruch: Tja, wir konnten ja nur bis Stalingrad kommen…

Mehr zur Geschichte in Thai Schulbüchern hier

Bildung:

Buddha sagt:

„Man solle nicht in allem nur auf die Autorität der Lehrer und der Älteren vertrauen.“

 Das einzig Gute an einer Thai-Schulausbildung ist die Tatsache, daß sie irgendwann 20 Jahre hinter einem liegt. In den Schulen geht es nicht darum zum selbständigen Denken und Lernen anzuregen, Fragen zu stellen, oder gar kritisch zu analysieren, sondern um Gehorsam und auswendiglernen. Bevor die erste Schulstunde beginnt verbeugt man sich vor dem Bild des Königs, dann vor dem Lehrer und dann vor seinem Buch. Ein Hinterfragen dieser Prozedur ist nicht erlaubt. Wer beim Lernen, oder besser gesagt bei der Reproduktion von Inhalten, nicht den vorgeschriebenen Weg einhält, hat das Unterrichtsziel verfehlt, selbst wenn er dabei zum richtigen Ergebnis kommt. So ist zumindest gewährleistet, daß der Lehrer nicht das Gesicht verliert. Obwohl man den meisten von ihnen zutraut, sie würden mit ´nem Seil Billard spielen und viele die Qualifikation zum Beruf schlichtweg gekauft, oder als „summa cum fraude“ erworben haben.

 Selbst in der Uni wird Studenten eingetrichtert: Du bist ein Niemand von dem man lediglich Gehorsam erwartet! Wenn Du ein Problem hast, wende Dich an Deine Lehrer (nach dem Unterricht), denn nur diese sind in der Lage es zu lösen. Ergebnis: Auch im späteren Berufsleben gilt Hierarchie mehr als Qualifikation im Yes-Boss Geschwader talentfreier Arbeitskräfte. Clever, sitzt auf der Ersatzbank! Aber immerhin,  wenn einer Geld hat und für seine Position bezahlt, darf er dumm sein, wie er will.

 Sogar das Bildungsministerium gab zu, daß ein großer Teil der Lehrer die Tests in ihren eigenen Unterrichtsfächern nicht bestanden. Das betrifft 88 Prozent im Fach Computer-Studien, 84 Prozent für Mathematik, 86 Prozent in Biologie und 71 Prozent in Physik!

 Folglich rangieren Thailands Schüler und Studenten seit Dekaden unter den letzten in Asien, wenn es um Wissensstand und Lernfähigkeit geht. Was man vorfindet sind:

  • Niedriger akademischer Standard, niedriger als in Hongkong , Singapur, oder Taiwan. Hochschulabsolventen haben nur geringe Kenntnisse der englischen Sprache (Lübke Englisch)
  • Fehlendes Verständnis von Grundkonzepten der Demokratie unter den Hochschullehrern, den Angestellten sowie Studenten.
  • Mitglieder der Fakultäten sind engstirnig, hierarchiehörig und können kaum als Team zusammen arbeiten.
  • Obwohl die Universität eine Gemeinschaft von Lehrenden ist, hat die Fakultät eine Sklavenmentalität.
  • In Schulen und Universitäten ist es nicht üblich Lehrenden Fragen zu stellen, damit der Lehrer bei fehlenden Antworten nicht das Gesicht verliert.
  • Eine 9-jährige Schülerin kommt aus der Schule im Isan nachhause und will wieder in Bangkok zur Schule gehen. Begründung: Die Lehrer sind faul, erklären nichts und gute Noten bekommen nur die Schüler, die einmal wöchentlich Geschenke für die Lehrer mitbringen… 

 Wen wundert es da noch, wenn der ehemalige Premierminister, Banharn Silpa-archa, (im Amt 13. Juli 1995 -24. November 1996)  in Bezug auf die britische Königin von “Queen Elizabeth Taylor”  sprach? Vielleicht lag es auch nur daran, daß er „Kleopatra“ nicht aussprechen konnte

Sprache:

 Von einer einheitlichen Sprachkultur zu sprechen ist in Thailand auch ziemlich vermessen. Wenngleich die rund 65 Millionen Einwohner die offizielle Thai-Sprache, die sehr ans Lao angelehnt ist. mehr oder weniger beherrschen, spricht ein großer Teil zuhause eine andere der insgesamt 74 Sprachen im Land. Daher erinnert viel Kauderwelsch an den Turmbau zu Babel.

Religion:

Neue Räucherstäbchen von Javanse Jongens?

Buddhisten in Thailand 95% – Christen 3,8% – Hindus 0,1% – Andere 0,6% (1991)

 Nicht nur durch die Tatsache, daß es unter den orangenen Robenträgern ein gerüttelt Maß an schwarzen Schafen gibt, ist Religion ein heikles Thema. Deshalb nur eine kurze Anmerkung. Einige doch recht substantielle Teile der Lehren Buddhas, der Theravada (Schule der Ältesten), der ältesten noch existierenden Schultradition des Buddhismus, werden in Thailand nicht gelehrt! 

„Thai Werte“ : 

Das Alter spielt keine Rolle

 Was die viel beschworenen Thai Werte angeht, steht der Betrachter zunächst einmal vor der Frage welche denn tatsächlich für korrupte Polizisten, Politiker, Beamte, Lehrer und  Unternehmer Bedeutung haben. Der einzige omnipotente Wert scheint der Baht zu sein. Denn Geld bedeutet in Thailand Macht und Ansehen und zwar in weit höherem Maß als anderorts.

 Eltern schicken zu Zehntausenden ihre jugendlichen Nachkommen in die Prostitution, um sich Konsumgüter zu kaufen, die ihnen auch der angepeilte Mindest (Hunger-) Lohn von 300 Baht pro Tag nicht bescheren wird.   

Wie die Child Protection Foundation am 12 Dez. 2011 bekanntgab, gehen selbst in ländlichen Gebieten bereits 15-jährige anschaffen. Die meisten Mädchen gehen in die Prostitution, weil sie Geld für Kosmetika, Kleidung, Handys oder andere modische Accessoires, brauchen, sagte Montri Sinthawichai, Generalsekretär der Stiftung.

Artikel in Englisch aus der Bangkok Post hier 

 Da auf dem platten Land jedoch der Sextourismus keine Rolle spielt, kann man wohl kaum Ausländer verantwortlich machen. Laut CPF liegt das Hauptproblem darin, daß es den Thai-Freiern egal ist, ob es sich bei den Sexworkern um minderjährige Jugendliche, oder Erwachsene handelt.

 Die Stiftung hat im letzten Monat zwei 12-jährige Mädchen in Maha Sarakham gerettet, die in die Prostitution gelockt wurden. Eines der Mädchen wurde von einem Verwandten auf den Strich geschickt und eine Freundin überredete das andere Mädchen auch anzuschaffen. Ein Polizist wurde als Freier der Mädchen identifiziert.

 Besonders schockierend ist jedoch die Haltung der Eltern, von denen die Ministerin glaubt, sie wären in der Lage und hätten ein Interesse daran, mit den Blagen zu Tempelaufführungen zu gehen. Oder, 100 Jahre alte Musik- und traditionellen Tanz-Unterricht zu geben, bei dem die Akteure mit den Armen Hubschrauber mit verbogenen Rotorblättern imitieren.  Inzwischen glaube ich auch, daß die berühmten Obst- und Gemüseschnitzereien in der iPhone Generation eher zu den Spaßbremsen des 21ten Jahrhunderts zählen.

 Laut Montri waren die Mitarbeiter der Stiftung erstaunt, daß es kaum einem der Eltern leid tat, daß ihre Töchter anschaffen gehen. Die meisten gaben zwar an, daß die Kinder den falschen Weg gehen, aber dagegen könnten (wollten) sie nichts unternehmen.

Soviel zu den „Werten“ innerhalb der Thai Gesellschaft.  

Was wäre die Thai Kultur ohne Pixel? Pleite! Siehe Beispiel Griechenland!

 Wer nun noch immer etwas verwirrt darüber ist, was denn nun Thai-Kultur ist und was nicht, braucht sich nicht grämen! Selbst im Ministry of Culture scheint man sich da nicht ganz sicher zu sein, wie das größte ministerielle Eigentor aus 2010 beweist. Noch bis zum Beginn des Songkran Festes, warb das Ministerium auf seiner Webseite mit barbusigen Thailändereinnen. Als drei Girls dem Beispiel ihrer Großmütter folgten, wurden sie verhaftet und sorgten für einen landesweiten Aufschrei unter den Moralisten.

———-

*„Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertesysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“

Im engeren Sinne versteht man unter der Kultur eines Volkes auch folgende Bereiche: Sprache, Geschichte, Religion und Ethik, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung.

Treffen Menschen aus verschiedenen Kulturen aufeinander, neigen sie dazu, das Verhalten ihres Gegenübers anhand ihrer eigenen Werte und Einstellungen zu interpretieren. Fair enough- würde ich sagen.

Thailand Wahl- Wählerstimmen aus dem Sarg oder der Wahlurne?

Posted in Aberglaube, Neues aus Wahnsiristan, Thailand with tags , , , , , , , , , , , on Juni 4, 2011 by pheneas

country iconEene Meene Miste, es rappelt in der Kiste! Jedenfalls wenn Volksvertreter in den Startlöchern schon mal „Probeliegen“, weil das good luck für den Wahlausgang bedeuten soll. Viele Ausländer haben herzlich über diese Meldung gelacht, woraufhin einige Thai-Kommentatoren in Foren sich dahingehend zu der Nummer äuβerten, daβ man doch etwas mehr Respekt gegenüber der Thai-Kultur walten lassen möchte. Nunja, so ist das mit der Kultur, oder dem- was man dafür hält. In zivilisierten Ländern würde man den Möchtegern-Abgeordneten wohl eher raten gleich liegen zu bleiben, weil sie offensichtlich schon hirntot sind.

Ist es nicht das, was man von weltoffenen Volksvertretern erwartet?

Die Abgeordneten der aktuellen Oppositionspartei in Nonthaburi, Nitad Srinon, Udomdetch Ratanasatien, Walaiporn Archariyaprasit, Montri Tungcharoentavorn, und Chalong Riewrang, legten sich bei einem Ritual im Bangkruay Bezirk schon mal in Särge, weil sie davon überzeugt sind, daβ es ihnen Glück bei der Wahl am 3. Juli bringt! Gleichzeitig baten sie in dem Tempel, der solche Aktionen als Wiedergebuts-Ritual anbietet, auch noch um Amulette, die sie vor Gewalt während ihrer Wahlkampagnen beschützen sollen. Reichen also die zum Aldi-Preis verkauften Handfeuerwaffen an Abgeordnete doch nicht aus? Viele der potentiellen Wähler glauben ebenfalls, daβ die vorzeitige Ablage in der finalen Kiste Unglück in Glück verwandeln kann. Wie heiβt es im Englischen so richtig: „Great minds think alike!“

Das blieb uns wenigstens in 16 Jahren Kohl-Regierung erspart

Auf dem internationalen Parkett findet Thailand schon lange keinen Tanzpartner mehr, wenn man einmal von Veranstaltungen wie dem Musikfestival in der Ammerländer Provinz absieht. Aber vielleicht sieht man danach Ammerländer Bauern beim Probeliegen in ihren Kartoffelkisten, um Kartoffel,- Salat,- und Gurkengrippchen vorzubeugen…

Angie wird's schon richten...

Die Bunga Bunga Kiste gibts nicht mehr

Sechs Möpse entlarven die „Scheinheiligen”

Posted in Kultur & Moral with tags , , , , , , , on Mai 17, 2011 by pheneas

 Keine der zahllosen allabendlichen “Unterhaltungssendungen” im Thai-TV kommt ohne die obligatorischen, aus dem aktiven Sexbusiness herausgealterten Transen (Katoey), oder als Super-Tunten verkleidete Bartträger aus. Das wird als normal akzeptiert, wenngleich niemand ernsthaft auf die Idee kommt, das inzwischen als festen Bestandteil der so hochgelobten Thai-Kultur zu akzeptieren. Warum eigentlich nicht? Amerika hat einen drittklassigen Barpianisten mit dem Künstlernamen „Liberace“ zum Kultstar werden lassen, Italien leistet sich einen „Hier-ist-der-Bär-los-coni“ als Premier und Deutschland hat schließlich einen Dieter Bohlen zur Ikone der Abendunterhaltung gemacht. Aber der tritt bislang wenigstens nicht als Drag Queen auf. War wohl ein nicht ganz uneigennütziger Tipp von Naddel. Auf deutsches Niveau übertragen hätten demnach Mainzer Büttenreden, Fips Asmussen und Millowitsch-Filme schon eine Legitimation für die Bayreuther Festspiele.

Feuchter Alptraum zum Jahreswechsel

 Im April fand das thailändische Neujahrsfest „Songkran“ statt, daß im eigentlichen Sinn ein buddhistisches Fest ist. Ok, ich gebe es zu, ab einem gewissen Punkt bin ich ignorant und arrogant, wenn es um Gebräuche fremder Völker geht. Einer davon ist der, daβ ich nicht verstehen kann, wie man 360 Tage im Jahr daraufhin fiebert, 5 Tage lang 12 Stunden strudelduhn an einer Straβenecke zu stehen, um Passanten mit Kübeln von Eiswasser zu übergießen und deren Gesichter mit einem Schleim aus Babypuder zu beschmieren. Wer das für Kultur hält, dem kann ich auch ein Zwiegespräch mit der ältesten Yoghurt-Kultur in meinem Kühlschrank anbieten.

Wenn der Sensenmann Mähdrescher fährt…

 Nun haben aber die Kids einen enormen Spaß, weil man zu Songkran schon Mal  Vier gerade sein läβt (für Fünf reicht’s dann wohl doch nicht). Der Alkohol fließt in Strömen, die Zahl der Verkehrsunfälle steigt in dieser Zeit drastisch an. Bilanz der letzten Festwoche:  271 Tote, 3,476 Verletzte in 3,215 Unfällen! Wer am dritten Tag des Neujahrsfestes noch tanzt, hat bloß kein Geld mehr zum Saufen!

 Da man sich wegen der Verkehrstoten schon lange nicht mehr beunruhigt, muβte also ein anderer Aufreger her: Drei weibliche Teenager zwischen 14 und 16 Jahren hatten es gewagt, während einer Massenveranstaltung auf der Silom Road in Bangkok „oben-ohne“ zu tanzen und sind dabei von anderen Besuchern gefilmt worden. Was in aufgeklärten Nationen bei Loveparades, Gay-Karnevals, Springbreak und Biker Partys kaum noch ein Hingucker ist und höchstens noch bei 12-jährigen Klosterschülern zu einer skrotalen Kernschmelze führt, ist im Land der Scheinheiligen ein handfester Skandal! Der zuständige District Chief (so eine Art Landrat) erstattete Anzeige gegen das Trio und dessen Unterstützer, sowie gegen die Person, die den Video-clip der tanzenden Mädchen auf YouTube veröffentlicht hat. Die Mädels muβten bei der Polizei antreten, wo sie wegen „Obszönität in der Öffentlichkeit“ um jeweils 500 Baht (11,50 €) Strafe gebeten wurden. Dafür bekommt man in den diversen Pussy-Show Bars gerade mal 2 Bier zur Happy Hour.

Gefahr für den guten Ruf des Landes?

Die Angeklagten züchtig verkleidet. Sind das die Fotos die das Image des Landes aufpolieren?

 Wem die Geschichte bisher noch nicht skandalös genug ist, wie wär’s hiermit: Denjenigen, die das Video veröffentlicht haben, droht unter dem „Computer Crime Act“ eine Haftstrafe von bis zu 5 Jahren und Geldstrafe bis zu 100.000 Baht (2300 €), das entspricht dem 16-fachen eines Polizistengehalts! Auf die Idee so ein Strafmaß zu verhängen, kommt man wahrscheinlich dann, wenn sich der eigene Lendenfrühling schon in den Spät-Herbst verschoben hat.

 Bei so einer Interpretation von Recht und Unrecht, könnte man da nicht auch den Busfahrer verhaften, der einen Bankräuber zum Tatort transportiert hat? In Amerika fällt so etwas unter die Rubrik: „Don’t shoot the messenger!“

 Inzwischen hatte sich auch der Kultur Minister zu dem Skandal geäußert. Er erklärte der Presse, daβ der Clip einen negativen Einfluss auf das Ansehen der Thai-Kultur habe und alle Beteiligten bestraft werden müssen. Er bat die Polizei darum den Fall ernst zu nehmen, weil er den Ruf des Landes zerstört. Er forderte den Anklagevertreter dazu auf, neben der Strafe auch noch „Community work“ anzuordnen, etwa mindestens drei Vorlesestunden über das Songkran-Fest im Kindergarten…

 Es müssen schon eine Menge solcher Bagatellen sein, um die sich der Minister kümmern muβ. Wie sonst konnte ihm entgehen, daβ sein eigenes Ministerium auf der offiziellen Webseite noch kurz vor Songkran mit nackten Möpsen für das Fest geworben hat? Der Maler Sompop Budtarad, nahm sich des Themas an und produzierte eine Serie von Gemälden der Songkran goddess of the year 2011, Kirinee Dhevi.

Nang Songkran von Sompop Budtarad

Mit dem Gemälde der Göttin Nang Songkran des Künstlers Sompop Budtarad, warb die website des Kultur Ministeriums für das Neujahrsfest. Nach dem Tanz der drei Mädels verschwand es…

Wenn also sechs nackte Teenager Brüste die Landeskultur zerstören und den Ruf Thailands schädigen, sollten einige brennende Fragen erlaubt sein:

  • Die „Hobby-Filmer“ haben während einer öffentlichen Veranstaltung das Geschehen gefilmt. In- und ausländische Fernsehsender haben den Clip weltweit in den Nachrichten ausgestrahlt, dort allerdings mit gepixelten Brüsten. Müssen die Redakteure von CNN und Co. jetzt auch mit 5 Jahren Knast und Geldstrafen rechnen?
  • In einer Umfrage unter Erwachsenen in Bangkok zu dem Fall,  gaben 80% an, die Strafen für „unmoralische Akte in der Öffentlichkeit“ sollten härter sein.Warum hat man nicht die Reisbauern im Isan darüber befragt, deren  Töchter und Söhne seit Generationen zu Hunderttausenden als Sexworker und Nackttänzer die Familien unterstützen?
  • 91% der Befragten glauben, daβ die Thai Kultur langsam verkommt. Hat mal jemand gefragt, wie hoch der Prozentsatz von denen ist, die erklären können was sie eigentlich unter Thai Kultur verstehen?
  • Wie steht es denn mit dem Saubermann Image, wenn in den Bars von Patpong und der Soi Cowboy (von denen einige Polizisten gehören) allabendlich, nackte und halbnackte „Tänzerinnen“ und Ladyboys als Chromepole Molester und in Ping-Pong Shows auftreten?
  • Wo bleibt die Sorge um das Image angesichts der Jet-Ski scams unter Beteiligung der Polizei und der Machtlosigkeit der Behörden gegenüber der Tuc Tuc Mafia?
  • Es gibt hunderte von Clips auf YouTube, aufgenommen in den Girliebars, werden die Hobbyfilmer nun alle mit bis zu 5 Jahren Knast und 100.000 Baht bestraft?
  • Zugegeben, die Mädels sind noch recht jung, aber in einigen Bars gehen auch 16-jährige unbehelligt anschaffen. Das heiratsfähige Alter wurde auf 17 Jahre festgelegt. Für „offizielle Verlobungen“ gibt es keine Altersbeschränkung. Und wie lange ist es eigentlich her, daβ in thailändischen Dörfern die letzten Minderjährigen, nach ungewollten Schwangerschaften verheiratet wurden?

Ein Kommentar unter Bloggern, die einen nicht mit geradezu grotesken Ambitionen nach Moral nerven:

„500 Baht für topless Tanzen, 100.000 Baht oder 5 Jahre für das Hochladen der Videos auf YouTube! Die Botschaft ist, dass es keine große Sache ist in der Öffentlichkeit oben ohne zu tanzen – solange  es niemand erfährt. Ziemlich genau wie thailändische Politik …”„„

P.S.

Wie die Zeitung „The Nation“ berichtet, wurde ein Polizei-Oberst, Leiter der  Pho Kaew Polizeiwache, versetzt, weil er einem Entertainment-Veranstaltungsort in seiner Zuständigkeit erlaubte, über die Polizeistunde geöffnet zu bleiben und das Lokal Minderjährigen zugänglich gemacht zu haben.

Polizeisprecher Maj-General Prawut Thawonsiri sagte, daβ eine  Razzia durchgeführt wurde nachdem junge Mädchen beim topless Tanz in der Nähe der Silom Road während des Songkran Festivals erwischt wurden.  Diese erzählten der Polizei, dass der Full Moon Pub kostenlose Getränke angeboten hat, um Mädchen dazu zu ermuntern, ihre Brüste zu zeigen.

Drinnen fanden die Polizei und Beamte aus dem Büro der Public SectorAnti-Korruptions-Kommission mehr als 300 Gäste unter 18 Jahren. Der Jüngste war gerade 14. Ein Raum in der Kneipe wurde auch als Spielhölle betrieben.

Aufzeichnungen des Full Moon Pubs zeigten, die Betreiber bezahlten je 500 Baht an bis zu 20 Polizisten täglich…

Was schadet dem Image eines Landes eigentlich mehr,- nackte Titties, oder korrupte Cops?

photo credits: wiki/CNN/The Nation/Sompop