Archiv für Stadtverwaltung Bangkok

„Lassen Sie nicht den Betrunkenen ins Parlament“

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , on März 7, 2012 by pheneas

 Die Überschrift ist eine Anleihe, übersetzt aus den Shakespeare Sonetten. Darin heißt es: „Don’t let the drunkard enter parliament.“

Na, darüber läßt sich streiten

 Am 31. August 2011 verkündete, Peerapong Saicheua, Stellvertretender Ständiger Sekretär der Stadtverwaltung Bangkok nüchtern: „Die Stadtverwaltung hat sich entschlossen künftig alkoholfreie Zonen einzurichten, um durch Komasaufen bedingte Gewalttaten einzuschränken. Verkauf, Konsum und Alkoholwerbung werden in den angezeigten Zonen verboten.“

 Naja, das hat schon andernorts nicht geklappt. Ob das eine wirksame Strategie ist, wie angekündigt mehr zahlungskräftige russische Touristen ins Reich der Sinne zu locken, bleibt ebenso unbeantwortet wie die Frage, ob sich der Sekretär vor der Verkündung um welche Verbotszonen es sich handelt,  vielleicht Mut antrinken mußte. Irgendwie klingt die Auswahl schon ein Wenig nach Synapsenfasching oder Reiswein-Tourette: Neben öffentlichen Parks, wurden ausdrücklich Regierungsgebäude und- man höre und staune- Polizeistationen genannt. Wieso fällt mir jetzt ein Ostfriesenfusel mit dem wohlklingenden Namen „Bullenschluck“ ein?

Wie wär’s mit dem stilechten Despoten Geschenkset? Pol Pot-Pflaume und Gaddafi-Breezer sind leider vergriffen

 Wie bei solchen trockenen Vorgaben üblich (siehe Kuala Lumpur), hat die Ankündigung offensichtlich nicht alle relevanten Orte erreicht. Einer davon scheint das Thai Parlament zu sein. Wen wundert‘s, in einem Land, in dem kein Geschäftsvertrag ohne die mit unsichtbarer Tinte geschriebene Signatur eines gewissen Johnny Walker’s zu Stande kommt? Die  Abgeordnete, Rangsima Rodrasmi,  (ehemalige Krankenschwester), hat am 24. Februar keinen geringeren als den Vize Premier Chalerm Yubamrung, ausgerechnet während einer hitzigen Debatte über eine heftig umstrittene Verfassungsänderung bezichtigt, betrunken zu sein. Videos auf YouTube zeigen tatsächlich einen schwankenden Vize, mit träger Artikulation und nach Aussage der Abgeordneten hat sie auch die Fahne gerochen, die dem Stadthalter Thaksins vorausgeflattert sein soll.

Also nun Mal nüchtern betrachtet…

 Berichte über Alkoholkonsum unter den Volksvertretern im Thai Parlament, gab es schon öfter, besonders bei Debatten am späten Abend. Damit zählen Thai Abgeordnete zu Kreisen, die andernorts früher als die besseren galten, in denen regelmäßig gekübelt wird. Natürlich sozial eingebunden. Aber, daß es nun ausgerechnet den selbsternannten Saubermann der Nation erwischt hat, wurde zu einem amüsanten Medienspektakel. Ausgerechnet der Parlamentsvorsitzende und Parteigenosse Paijit Sriworakhan, ist dem Vize in den Rücken gefallen, indem er ein Komitee einberief, daß Maßnahmen zur Verhinderung von Alkoholkonsum im Parlament diskutieren soll. Angeregt wurde sogar der Betrieb von Alkoholtest-Geräten am Eingang der heiligen Halle. Auf Urinproben wird man wohl verzichten, weil Cocktailkirschen und Mescal Würmer erfahrungsgemäß die Reagenzgläser verstopfen würden.

 Als direkte Antwort auf die Anschuldigung sagte er der Abgeordneten: „Ich bin nicht betrunken von Alkohol, ich bin trunken vor Liebe.“ Ist nicht ganz so cool wie die Antwort: Ich bin nicht besoffen, ich lebe einen alternativen Lebensstil. Was danach von Chalerm zur Verteidigung vorgebracht wurde, kann man eigentlich nur als einen Rausch der Verwirrung bezeichnen, nachdem er vorschnell zugegeben hatte, zuvor auf einer Hochzeit ein paar Drinks konsumiert zu haben. Naja, beim all-you-can-drink-Buffet einer Hochzeit schaufelt man sich ja auch nicht nur die Oliven ins Glas. Man bekam den Eindruck: Der erhellt keine Dunkelkammer. Um die Maß voll zu machen, sagte er dann noch, daß es für einen gestandenen Mann absolut normal ist Alkohol zu trinken. Klingt wie eine Bewerbung für Thailands next topple model. 

 Was fehlte, war eigentlich nur der Spruch: Ein intaktes Familienleben mit reizenden Nachkommen und ein gepflegter Freundeskreis, neutralisieren sogar 15 Gläschen Rachenputzer täglich.

 Der Presse verkündete er: „Ich bitte alle Agenturen meine Moral zu untersuchen. Die schlechten Leute sind die, die Ehebruch begehen, die sind schlecht. Mir wirft man vor, ein rotes Gesicht gehabt zu haben. Wie könnte ich denn ein ´dunkles Gesicht´ (Thai Synonym für Schatten schlechter Energie) haben?“ 

Was nimmt man da gegen Ohrenleiden?

 In späteren Interviews gab er dann noch zum Besten, daß sein Gesicht vom Körpertraining rot gewesen sei. Schwer zu glauben, von einem Mann, der sich nicht einmal ohne Hilfe schnürsenkellose Schuhe von den Füßen streifen kann. Auf sein Torkeln angesprochen, erklärte er dies mit einem alten Ohrenleiden als Ursache. Die promilleverdächtige Antwort kommt wohl nur bei Leuten an, die Zuhause Radio Alzheimer auf Kurzwellensender hören. Mehr Missverständnis durch Demenz Dementi geht nicht! Ein cleverer Politiker hätte sicher eine bessere Antwort für die Presse gehabt. Etwa so wie diese: 

„Wer Freiheit liebt und Einigkeit, der trinkt auch mal ’ne Kleinigkeit!”

Einige Oppositionspolitiker machten dann auch noch einen erstaunlichen Fund in einer der Mülltonnen des Parlaments. Die Tonne enthielt 20 Flaschen Sodawasser, 2 Flaschen Hochprozentiges und 5 Flaschen Wine Cooler. Die Fotos dazu wurden auf einer Pressekonferenz präsentiert.

Alte CIA-Weisheit: Mülltonnen sagen mehr als 1000 Worte

 Im Nachspiel hat Chalerm noch zum großen Rundumschlag ausgeholt und sieben Zeitungen, die der Opposition nahestehen, wegen ihrer Berichte über den Vorfall  wegen Verleumdung verklagt.

 Die Frage ist seitdem: War er nun „stramm“ oder nicht? Vielleicht ist der Kommentar des Redakteurs, Tulsathit Taptim, von der Zeitung The Nation, die fairste Einschätzung der Situation. Er schrieb: Für viele Menschen gibt es ohnehin kaum eine Trennlinie zwischen nüchternen und betrunkenen Vergehen…

Das geht aber nun wirklich zu weit

Lachnummer mit Lümmeltüten

Posted in Gesundheit & Gute Besserung, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Thailand with tags , , , , , on April 2, 2011 by pheneas

 Manchmal ist man von der Thai-Gesellschaft so frustriert wie ein Pyromane, den man mit nassen Streichhölzern allein über Nacht  in einem IKEA-Shop eingesperrt hat. Hier ein paar aktuelle Beispiele aus einer Nation, die sich immer wieder durch diverse Ungereimtheiten hervortut:

Gib Gummi Alter!

 Was machen Teenager wenn bei ihnen die Geschlechtsreife einsetzt? Nun, die reichen Blagen freuen sich auf ihren ersten Violinen Unterricht und fiedeln sich einen, die Mädchen treffen sich in Handarbeitszirkeln und stopfen was zu stopfen ist, während IT begeisterte Knaben darauf brennen stundenlang am PC alle Geheimnisse über Mitbewerber des Familienbetriebs auf Facebook zu lüften. Und die weniger Betuchten sammeln halt erste Erfahrungen im Schamhaar-Makramee. So ist das eben, wenn Hormonspiegel erstmalig durch die Gel-Frisuren schiessen. Das, so scheint es, ist zumindest die Ansicht von vielen Eltern, Pädagogen, Ministern und religiösen Traditionalisten in Thailand: Siams Jugendliche bumsen nicht,- und damit Basta! Das System ist vordergründig so moralisch, dass es nicht von Dauer sein kann. Nur zur Erinnerung, die Rede ist hier von einem Land in dessen Hauptstadt es mehr Nutten unter 20 gibt als Taxifahrer!

 Am 13. Februar, hat ein Sprecher der Stadtverwaltung Ban Cocks erklärt, daβ die ursprünglich von der Administration aufgestellten  Kondom-Automaten aufgrund elterlicher Beschwerden wieder aus allen Schulen entfernt werden. Die Eltern sind der Meinung, die „Präser für Pennäler“ Aktion würde unnötig ungezügelte sexuelle Interessen bei den Kids wecken. Mit der  Begründung kann man auch gleich den Sexualkundeunterricht verbieten: wenn die Blagen erst mal wissen wie’s geht, werden die später pausenlos ‚rummachen. Das ist Quatsch, wie man am Beispiel Mathematikunterricht sehen kann.

Man(n) kann nie genug Sicherheit haben...

 Laut Presseberichten haben die Oberschüler im Isan den Braten wohl schon vorher gerochen und sparen sich die 10 Baht. Das ist Konsumverweigerung, hinter der konservative Volksvertreter die „Geiβel des Bolschewismus“ aus Nachbarstaaten wie Laos oder Vietnam vermuten. Wie sonst ist es zu erklären, daβ sich das Gesundheitsministerium  im Februar zu folgender Warnung veranlasst sah:

„Eine Studie hat gezeigt, dass einige Mathayom 1 Studenten im Nordosten des Landes Plastiktüten verwenden, um Schwangerschaften und sexuell übertragbare Krankheiten zu verhindern. Plastiktüten statt Kondome beim Sex zu benutzen würde Jugendliche der Gefahr von sexuell übertragbaren Krankheiten und schweren vaginalen Verletzungen aussetzen.“ Was kommt als Nächstes, eine 2,000.000 Baht Studie zum Thema wie gefährlich sind Sackhüpfen und Eierlauf beim Kindergeburtstag?

Hier knallts aber richtig!

 Nun sind männliche Asiaten ja nicht unbedingt dafür bekannt, ein Zentralmassiv in der Hose durch die Gegend zu tragen, deshalb scheinen die Suppentüten (Hot Bags), dazu noch für Teenager, etwas überdimensioniert. Hier scheint auch die Floskel „man wächst mit der Aufgabe“ etwas überdehnt zu werden. Andererseits eröffnen sich da völlig ungeahnte Nischengeschäft-Überlegungen: wie wär’s mit der Produktion von „gefühlsechten“ Weichraumcontainern mit Geschmacksrichtungen von Tom Yam über Durian bis Red Bull? Solange sie mit einem Warnhinweis ausgestattet sind etwa wie: „Zu riesigen Nebenwirkungen fragen Sie den Arzt Ihres Apothekers“, sollte dem doch nichts im Wege stehen.

Aktuelles Quiz unter Thai Teens: Wer erkennt das Original?