Archiv für Pheu Thai

Thailand: Auf der Suche nach hierarchischer Demokratie

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Korruption, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand with tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , on Januar 26, 2014 by pheneas

Es gibt Eltern, die ihre Kinder autoritär, gleichwohl zur Unselbständigkeit erziehen. Die Blagen werden ständig bevormundet, aber mit der Möglichkeit im Alter von 25 Jahren mietfrei im Kinderzimmer zu wohnen, während Mutti die Klamotten wäscht und das Essen auf den Tisch stellt.

Wächst die Brut zu allem Unglück auch noch in einer dörflichen Gemeinschaft auf, die sich einer Lebensweise unter bestimmten kulturellen und religiösen Regeln verschrieben hat, ist Zappen duster.

spoilt-brats-II_500

Wenn die männlichen Nachkommen sich dann später in ihrer eigenen Familie wie die Paschas aufführen, während die Mädels dem Prinzessinnen-Syndrom anheimfallen, braucht man sich nicht wundern. Ihr Leben betreffende Entscheidungen werden zumeist von anderen getroffen. Sie leben weiterhin unter einer Glocke der Bequemlichkeit, unfähig von anderen zu lernen, eigene Wege zu gehen und sich vom Dasein des Befehlsempfängers zu emanzipieren.

Im übertragenen Sinn ist die Thai-Gesellschaft so ein Problemkind.

Immer wieder tauchen in den Medien Berichte auf, in denen der Versuch gemacht wird, den Split in der Bevölkerung zwischen arm und reich, oder den Amart (übersetzt:aristokratisch/Elite) und den Prai (einfache Bürger) wie man es hier nennt, nicht als Wurzel der gegenwärtigen Proteste darzustellen. Das gelingt selten. Man gibt dem hierarchischen System, genannt „Belamy“, dass jedem Thai bereits in der Familie, im Tempel und der Schule eingebläut wird, lediglich einen anderen Namen.

Das Prinzip „Wir hier oben- ihr da unten“ bleibt von der Namensänderung unberührt, denn für die mit Geld und Einfluß funktioniert es wunderbar. Der Rest ordnet sich unter, oder im besten Fall ein. So lebt man eben unter derselben bequemen Glocke, wie die zuvor erwähnten Kinder.

Seit Abschaffung der absoluten Monarchie im Jahr 1932, haben nacheinander verschiedene Familien-Clans und deren Unterstützer die Macht im Land übernommen. Sie nutzten die anerzogene Obrigkeitshörigkeit und daraus resultierenden Fatalismus, während assistierende Aufkleriker den religiösen Faktor „Karma“ übernehmen, wonach ohnehin alles im Leben vorbestimmt ist. Damit ist gewährleistet, dass eine überschaubare Elite in Reichtum und dementsprechend unantastbar schalten und verwalten kann. Kaum einer der Abgeordneten im Parlament hat eine weiße Weste und kaum einer im Clan der Superreichen, ist auf legale Weise zu immensem Vermögen gelangt. Andererseits zahlen unter meinen Prai-Nachbarn, von denen nun viele nach einem Ende der Korruption schreien und einen Regierungswechsel fordern, auch keine Steuern. Das alles ist Teil dessen, was man im Land unter  dem Begriff„Thainess“ versteht.

Wer genug Geld verdient, muß sich nicht auch noch Respekt verdienen

Nach außen wird das Hierarchie-System nicht nur durch die Begrüßung der Thais untereinander sichtbar. Das gilt zumindest für Thailandkenner und aufmerksame Beobachter.

Wai-Namastee_500

Thai „Wai“ und Indiens „Namastee“

Der „Wai“, ist die allgemeine Begrüßung unter den Thais. Dabei werden zuerst die Ranghöchsten und Ältesten begrüßt, danach diejenigen, die sozial gleichgestellt sind. Dabei werden die Handflächen bei einer gleichzeitigen leichten Verbeugung flach vor dem Körper aneinandergelegt. Je höher der Rang des Gegenübers, um so höher Wandern die Hände in Richtung Kopf und Stirn. Der Gruß von einer niedriger gestellten Person hingegen wird lediglich mit einem Lächeln oder einem Nicken erwidert, denn ein Wai als Antwort wäre der blanke Hohn. Aber es gibt eine ganze Reihe Varianten dieser Prozedur, wer, wem, wann diesen Gruß erweist. Die müssen hier nicht beschrieben werden. Das ist für Ausländer eher eine Art Lokalkolorit, wenn man von einigen Kuriositäten in diesem Zusammenhang absieht. Etwa als der ehemalige Premier Thaksin nach dem Kauf des englischen Fußballclubs Manchester City verlangte, dass ihm die Fans des Clubs bei seinem Erscheinen im Stadion den Wai erweisen sollten, waren viele Mancunians eher geneigt den Zeigefinger an die Stirn zu tippen.

Unterwürfig bis zum Kniefall

Aber die Respektsbezeugung von Prais gegenüber den Amart, geht in Thaksins Heimat noch tiefer. Genauer gesagt, bis auf den Boden. Bei offiziellen Meetings mit anwesenden Ministern wird vom Servierpersonal erwartet, dass sie in der Lobby Getränke und Häppchen auf den Knien servieren. Diese Art der Abgrenzung zwischen oben und unten braucht man wohl in einem Land, in dem man sich Respekt nicht verdienen muß,- er wird erkauft und folglich vorausgesetzt. Für Ausländer stellt sich sie Frage, ob diese zur Schau getragene Unterwürfigkeit, egal in welcher Kultur, im 21. Jahrhundert wirklich angemessen ist. Au Weia, mag sich manch „Westerner“ dabei denken. Zumindest das läßt sich nicht unter den Teppich kehren.

Ausländern und besonders Journalisten, die in westlichen Kulturkreisen und Demokratien aufgewachsen sind, wird immer wieder vorgeworfen, sie verstünden nicht was Thais unter dem Begriff „Thainess“ verstehen. Kein Wunder, denn darunter fällt auch alles, was von Fremden mit westlicher Bildung und entsprechendem Selbstverständnis gar nicht verstanden werden soll.

Selbst wenn etwas absolut aus dem Ruder gerät, hält man sich unter Thais mit jeglicher Kritik zurück, damit niemand das Gesicht verliert. Gleiches Verhalten wird jedoch auch von Ausländern erwartet, wenn sie sich das Leben im Land nicht unnötig erschweren wollen. Alles unter dem Motto Thais werden nicht böse, sondern süß sauer! Leider fallen sämtliche Verfehlungen von Lügen, über die allgegenwärtige Korruption, Betrug, bis hin zum Mord, ebenfalls unter den Mantel des Schweigens. Dass man als „Farrang“ eventuell ein Problem damit hat, wird von Thais nicht verstanden, oder gar toleriert.

Eine Abac-Umfrage unter 1.561 Personen in Bangkok ergab:

Lügen ist OK!

Pino1

87,5 Prozent der Befragten in Bangkok gaben an, Lügen sind akzeptabel, wenn sie dem eigenen Vorteil dienen. Allerdings werden selbst die haarsträubendsten Variationen gerne damit gerechtfertigt, dass weder der Belogene noch der Lügner das Gesicht verliert. Auch das ist „Thainess.“

80 Prozent gaben zu in den vergangenen 12 Monaten Beamte bestochen zu haben.

92 Prozent der Schüler und Studenten kopierten ihre Hausaufgaben von Kommilitonen.

74 Prozent betrügen bei den Examen. Sogar bei der Aufnahmeprüfung zum Polizeidienst

88 Prozent glauben, dass alle Ämter und Behörden korrupt sind.

Spricht man Thais direkt auf die Tatsache an, dass die Nation in einem Jahr von Platz 88 auf 102 im internationalen Korruptionsindex gelandet ist, bekommt man verblüffende Antworten. Eine davon ist die, dass die Idee zur Bestechung erst mit den chinesischen Einwanderern ins Land kam, deren „Tea-Money-Kultur“ nun eben zum Teil der eigenen Kultur wurde. Wenn etwas anrüchig wird, sind Thais immer in der Lage Auslandseinflüsse dafür verantwortlich zu machen. Wie heisst es so treffend? Patriotismus ist die Tugend der Boshaften.

 So langsam wird sichtbar, was alles hinter dem Vorhang „Thainess“ steckt.

Anhänger der PDRC* Protestbewegung fordern Demokratie und ein Ende der Korruption

DSC00110

Weiss er wirklich, was er da herbeipfeift?

Es ist nur verständlich, wenn man als Ausländer die Frage stellt: ach, wirklich? Zu tief scheint unter Thailands Buddhisten der Brauch verankert zu sein, in Tempeln und auf Hausaltären Opfergaben unter die Stauen Buddhas, Ganesh oder König Rama V zu platzieren. Der Begriff Opfergabe wird allerdings weithin ad absurdum geführt, da das „Opfer“ ausnahmslos als Bestechung für die Erfüllung persönlicher Wünsche angesehen wird. Je mehr man gibt, um so höher die Erwartung. Wen wundert es da, wenn man die Taktik auch auf das Alltagsleben überträgt und als legitim empfindet. Wenigstens diesen Aspekt von „Thainess“ habe ich begriffen.

76.5 Prozent der Altersgruppe 20-29 finden Korruption akzeptabel, solange sie selbst davon profitieren. Schwer zu glauben, dass sie nun eine Gruppe unterstützt, die die gegenwärtige Shinawatra Übergangsregierung allein wegen Korruption aus dem Amt jagen möchte. Also fällt auch noch das Messen mit zweierlei Maßstäben unter „Thainess.“

Buddhismus und Bahtismus sind für Thais durchaus kompatibel

Wenn also ein Premierminister, wie Thaksin Shinawatra, korrupt ist und sein Amt zur eigenen Vermögensbildung mißbraucht, wird das von den einfachen Bürgern akzeptiert. Erstens steht er in den Augen der Prai, ebenso wie jede andere reiche Person, ohnehin über dem Gesetz und zweitens gilt es als für sie als erwiesene Tatsache, dass niemand in die Thai-Politik einsteigt, ohne sich bereichern zu wollen. Erstaunlich ist nur, dass sich gleichzeitig alle für gute Buddhisten und Staatsbürger halten.

Im Thai-Alltag sieht es so aus: Ein Dorf-Chef, der aufrecht und ehrlich seinen Aufgaben nachgeht, der keine „Geschenke“ zur Vorteilsgewährung annimmt und daher dementsprechend bescheiden lebt, hat keine Chance gegen einen neuen Bewerber für das Amt, wenn dieser im Mercedes vorfährt und Stimmen für seine Wahl erkauft. Wenn er anschließend als erste Amtshandlung mit Geldern des Dorfbudgets die einzige asphaltierte Straße zu seinem Haus bauen läßt, wird das akzeptiert. Er bekommt stets den Wai zur Begrüßung und im Provinzhotel wird ihm der Tee in der Lobby auf Knien serviert. Man verbeugt sich im Grunde genommen vor jeder goldenen Rolex, schwarzen Limousine, Amts- und Würdenträgern, selbst wenn man weiß, dass sein Gegenüber reichlich Dreck am Stecken hat. Thainess eben.

Unterwürfigkeit vor Geld und Einfluß kennt keine Grenzen. Wenn der Besitzer meines Apartmenthauses vom Parkplatz fährt, rennen die Securityguards auf die Straße, um den Verkehr zu stoppen, damit der Herr freie Fahrt hat. Dennoch weist, bis auf den Lexus seiner Frau, jedes seiner zwölf Autos Beulen und Schrammen auf, weil er offensichtlich andernorts nicht in seiner Stellung erkannt wird, um standesgemäß aus der Parklücke gewunken zu werden.

Thailands Elite kreierte für sich einen Staat der Kleptokratie (persönliche Bereicherung durch Ausnutzen gesellschaftlicher Privilegien).  Davor verbeugt man sich im „Land of Smiles.“

Um  den Status Quo zu halten, leistet man sich Institutionen wie etwa das „Ministry of Culture“, dass mittels Zensur und bindende Vorgaben an Bildungseinrichtungen, als eine Art Benehmen- und Gedankenpolizei fungiert.

Die derzeitigen Proteste der “PDRC”*, ebenso wie die vergangenen der „Redshirts“, sind weniger ein Ausdruck der Bevölkerung gegen Korruption, oder die Unfähigkeit  und Verfehlungen der jeweiligen Regierung. Sie stammen eher aus Rivalitäten verschiedener Clans und Gruppierungen innerhalb der Elite, bei dem Versuch die eigenen Festungen zu sichern.  Ihre Gelder machen es dem einen Clan möglich, Reisbauern-Hausfrauen aus dem Isan zu einem bezahlten Ausflug in die Hauptstadt einzuladen. Klingt nach Kaffeefahrt ohne Heizdecken, dafür aber mit Fear-Faktor Demo Handgranaten-Feuerwerk und brennenden Banken und Shopping Malls. Auf der Gästeliste des anderen Lagers stehen Angestellte und gut betuchte Bürger aus Bangkok, denen man den Alltag mit Entertainment, freier Verpflegung und etwas Taschengeld zu versüßen sucht, um sie vor ihren Polit-Karren zu spannen. Neun Todesopfer und über 500 Verletzte, verursacht durch Schiessereien und Handgranaten, wurden dabei seit Dezember 2013 in Kauf genommen.

Die Partei von Thaksins Schwester Yingluck (Pheu Thai), scheint derweil die alte Küchenweisheit, wonach ein Soufflé nicht zweimal aufgeht, zu vergessen. Es gilt als wahrscheinlich, dass sie die von ihrer Übergangsregierung anvisierten Wahlen gewinnen würde. Fraglich ist nur, ob sie stattfinden und ihr die Reisbauern, die seit Monaten auf ihr Geld des von der Regierung zu weit überhöhten Preisen gekauften Reis warten, noch einmal ihre Stimme geben.

Protest_500

Rothemden und PDRC- Same Same but different?

Der Ruf nach „Demokratie“ kommt in beiden Lagern gleich gut an. Das Problem scheint zu sein, dass niemand in der protestierenden Masse wirklich versteht, welche Version von Demokratie den Initiatoren der Demonstrationen vorschwebt. Woher soll das Verständnis auch kommen, in einem Land in dem Elternhaus, Schule, Kultur- und Religionshüter lediglich unbedingten Gehorsam gegenüber Älteren, Lehrern, Amtsträgern und Mitgliedern der reichen Elite verlangen? Ohne eine Revolutionierung der kulturellen Mentalität (Thainess), bleibt dieses Land ohne Chance auf dauerhaften Frieden. Solange die Prai die bestehende hierarchische Gesellschaftsform anerkennen und als unabänderlichen Teil ihrer Kultur akzeptieren, regieren „Thainess“ und deren Interpreten, nicht aber Demokratie im Land.

Flächendeckende Aufklärung, Erziehung zur Selbständigkeit, zu kritischem Denken, zum Hinterfragen und  Förderung von Selbstvertrauen kommender Generationen, wären Ansätze in Thailand Demokratie zu erlangen. Aber dafür stehen die Zeichen nach wie vor schlecht, solange Einfluß in Thailand bedeutet, genug Geld und Macht zu besitzen, um genau das zu verhindern.

*„People’s Democratic Reform Committee“

Wer beschließt, sein Leben der Politik zu widmen, weiß, dass Geld zu verdienen, nicht die oberste Priorität ist…

Angela Merkel

Urlaub bei Familie Ballermann

Posted in Gesellschaft, Sicherheit with tags , , , , , , , , , on Dezember 16, 2010 by pheneas

country icon“The farther we get away from the land, the greater our insecurity.” (Henry Ford)

 Ich sitze im Ferienflieger, habe mich aus Sicherheitsgründen ordungsgemäss angeschnallt und beobachte gerade das Stewardessenballett beim obligatorischen Blowjob an der Schwimmweste. Kurz vor der Starterlaubnis, legen plötzlich sämtliche Saftschubser einen Fallschirm an. Auf meine Frage, ob das vielleicht ein schlechter Scherz als Bestandteil innovativer Bordunterhaltung sein soll, bekomme ich die Antwort: „Nein mein Herr, es gibt uns aber ein besseres Gefühl, denn wir trauen diesem Flieger nicht so recht…“ Gottseidank wache nach diesem Satz schweissgebadet aus meinem Alptraum auf. Na, wie würdet Ihr Euch in so einer Situation fühlen? Tja, das Schlimme daran ist, sie beschreibt punktgenau die Sicherheitslage im Urlaubsparadies Thailand.

 Auch nach den vorläufig beendeten Protesten der Rot-Hemden, meldet die Presse des Öfteren von Waffendiebstählen aus Armeedepots, bei denen die Diebe unbemerkt ganze Wagenladungen Sturmgewehre und Rocket Propelled Grenades (RPG’s) einsammeln. Erst im September stahl eine Bande 9.000 Runden M60 schwere Maschinengewehr Munition und 39 RPG -2 Granaten aus dem Arsenal in der Provinz Lop Buri. Das läβt Thailands immer wieder geäuβerte Ambitionen, in den Club der Atomkraftwerksbetreiber einzusteigen, in einem besonderen Licht erstrahlen.

Eine Medienumfrage der Nonviolence International ergab:

 „Minimale Einschränkungen ermöglichten es, dass bis zum Jahr 2000 rund 4 Millionen Schusswaffen legal erworben und registriert wurden. Allerdings geben Experten an, dass eigentlich niemand wirklich weiß, wie viele Schusswaffen, legal oder illegal, im Land sind.“

Jedoch kann man davon ausgehen, dass 10 Jahre nach dieser alten Statistik und den Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit wesentlich mehr Waffen im Land sind. Besonders wenn man die Zahlen der angemeldeten Waffen, im Zeitraum 2000 bis 2002 von 158.983 stählernen Argumentationshilfen, hochrechnet!

http://www.smallarmssurvey.org/files/portal/spotlight/country/asia_pdf/asia-thailand-2005.pdf

 In der zweiten Novemberhälfte 2009 berichteten die Medien über ein neues Projekt, das vom thailändischen Innenministerium ins Leben gerufen wurde: Allen Angestellten des Ministeriums und sämtlichen Abgeordneten, wurde der Kauf von Waffen zum persönlichen Gebrauch zum 50% reduzierten Schnäppchenpreis angeboten! Die „Ballermann zum Aldi-Preis Initiative“ wurde von den Volksvertretern bejubelt, denn die politische Situation im Land war nicht sehr vielversprechend. Sakda Khongpej, Vorsitzender des Ausschusses für die Angelegenheiten des Abgeordnetenhauses und Pheu Thai Abgeordneter, wurde mit den Worten zitiert: „Wenn Minister nächtliche Treffen mit Dorfbewohnern haben kann es sehr gefährlich werden. Politisch motivierte Gewalt kann jederzeit Ausbrechen.“ Tja, und so kam es ja dann auch nur fünf Monate später, als einkommensferne Schichten, halb Bangkok lahmlegten.

 Der Umstand, dass sich der Herr allerdings im Schutze der Nacht, auf dem platten Land seines Wahlkreises mit Dorfhäuptlingen treffen muss, erklärt mir endlich wie und wo hier Politik gemacht wird. In diesem Punkt könnte der Mann viel von westlichen Politikern lernen, die Wählerstimmen im Helikopter Management Stil – Kurz reinfliegen, viel Wind machen und schnell wieder rausfliegen – einsammeln.

 Allerdings wirft die Bemerkung eine weitere Frage auf. Thai Minister reisen ja nun nicht wie Kreti & Pleti im Überlandbus, oder auf der Ladefläche von Pickup-Trucks durch die Städte und Provinzen. Hier steht der Verkehr still, wenn gepanzerte Limousinen mit Bodyguards, Motorrad Eskorte und Polizeiwagen im Konvoi über rote Ampeln fegen. Wenn diese Art von „bequem reisen, entspannt ankommen“ schon für Volksvertreter als unsicher gilt, wie sicher ist das Land dann für Einheimische und Touristen?

 Ein Abgeordneter der Chart Thai Partei Pattana, der bereits über ein paar Waffen verfügt, bestellte gleich drei weitere für seine persönliche Sicherheit. Besonders nach den Nachrichten von den Philippinen stellt sich die Frage, wie viele Waffen braucht es, damit sich ein ohnehin privilegiertes Individuum sicher fühlen kann? Der gleiche MP propagierte dann noch seine Idee, den (Buy One Get One for free) Waffenhandel, auch Normalbürgern zugänglich zu machen. Bei ganz wilder Spekulation kommt die Frage auf, wer denn wohl in seinem Wahlkreis als Erster eine Lizenz für den Waffenverkauf beantragt? Bei dieser Art von Berlusconismus wäre ja wohl endgültig ein Schuhwurf fällig!

Auf der Suche nach einem Namen für die Ballermann-Verkaufsbuden würden wir vorschlagen: „7 o ‚Glock“.

 Auf Deutschland bezogen würde ich sagen, wenn Angie und Westerwilly sich aus Angst vor Volkszorn der Wähler bewaffnen, ist es Zeit entweder den Übersee-Umzug zu erwägen, oder schon mal damit anzufangen statt Weihnachtskrippen Dynamitgürtel zu basteln.

Phase 2: Two in One Security Set

Pheu Thai MP Anan Sripan, geht davon aus, dass 70% der MP’s bereits ihr emergency shopping hinter sich haben.

Er selbst rechtfertigte seinen Schnäppchenkauf gegenüber der Presse mit den Worten: „Wir wissen nie, wer unsere Feinde sind. Wir könnten jederzeit angegriffen werden, also sollten wir eine Waffe haben, um unser Leben zu schützen.“ Nachdem sich niemand daran stört, dass Nachrichtensprecher im Fernsehen bereits mit Sponsoren-Aufnähern geschmückt sind wie sprechende Litfasssäulen, warum dann nicht auch Anzüge mit gestickten „Protected by Smith & Wesson“ Aufnähern auf den Abgeordnetenbänken?

Gegen die Rummelringer in Süd-Korea, die nebenbei auch noch einen Abgeordnetenposten bekleiden, geht es im Thai Parlament noch geruhsam zu, wenn man von gelegentlichen Rangeleien absieht. Bisher hat noch keiner im Parlament die Waffe gezückt. Allerdings wurde schon mal eine vom Eingangsscanner entdeckt. Entschuldigung des Besitzers: Er wollte die Waffe nicht im Auto lassen…

...und dann gäbe es ja auch noch die russische Alternative

Die Tourism Authority of Thailand erklärt auf ihrer Website: „Thailand hat mehr als seinen fairen Anteil an Betrügereien, aber die meisten können leicht mit einem Minimum an gesundem Menschenverstand vermieden werden.“ In Zeiten politischer Unsicherheit, in einer Nation geteilt in zwei gleich starke Bewegungen, die für gewalttätige Aktivitäten in der jüngsten Vergangenheit bekannt sind, ist es dann wohl der gesunde Menschenverstand, Waffen zum Schleuderpreis an die Massen verkaufen zu wollen.

Im Augenblick scheint der Alltag in Bangkok wieder normal zu sein. Eine Garantie, dass dies so bleibt gibt es jedoch nicht. Bisher haben sich Rot- und Gelbhemden lediglich zu angemeldeten friedlichen Demonstrationen versammelt. Dennoch empfiehlt es sich für Besucher sich davon fernzuhalten.

Wer trotz Wiki-Leaks noch den Statements der Diplomaten vertraut, kann sich auf diversen websites zum Stand der offiziellen Sicherheitseinschätzungen informieren:

Österreich:
http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/buergerservice/reiseinformation/a-z-laender/thailand-de.html?dv_staat=172.
Schweiz:
http://www.eda.admin.ch/eda/de/home/reps/asia/vtha/rhtha.html
Deutschland:

Der link zur deutschen Botschaft ist erneuert worden: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/ThailandSicherheit.html