Archiv für Mönche

Von Religion und Bierverkauf

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Glauben & Besserwissen, Kultur & Moral, Thailand with tags , , , , on Dezember 16, 2015 by pheneas

Wow, das war vielleicht doch etwas knapp. Aber manchmal hat man eben Glück und erfährt es erst im Nachhinein. Wären die Thais der deutschen Sprache mächtig, hätten sie mich heute wahrscheinlich wegen Respektlosigkeit gehexelt. Und das kam so:

Ich habe fast unzählige schwarze T-Shirts aus aller Welt im Schrank, weil die im Gegensatz zu den weißen auf dem Motorrad länger frisch bleiben und ausgerechnet am 16. Dezember entschied ich mich spontan und ohne blasphemische Absichten für dieses Shirt:

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Wenn in BangCock nix los ist, fahr ich gerne U-Bahn und lass mich anrempeln. Aber Heute waren die meisten Rempler in Schwarz gewandet. Da fiel mir ein, dass ich vor zwei Wochen für den Tag eine Presseeinladung zu einer Beerdigung bekommen hatte. Nun, ich gehe grundsätzlich nicht zu Beerdigungen  solange es nicht meine eigene ist und auch nicht zu Hochzeiten, weil da für mich schon aus rein steuerlicher Sicht kaum ein Unterschied besteht. Wieder-Jungeselle-Abende finde ich akzeptabel. Dabei fällt mir ein, wieso wird in Deutschland eigentlich auf die Kosten für Opas Beerdigung Mehrwertsteuer erhoben?

Heute wurde also der ehemals oberste Patriarch der Thai-Buddhisten gen Himmel geschickt. Das wird hier drei Tage lang gefeiert. In meiner näheren Nachbarschaft befindet sich eine Bande von korrupten Beamten, Glücksspiel-Organisatoren, Zuhältern, Quartalssäufern, Nutten und Drogendealern. Nichts Aufregendes, eher so die bunte Mischung des Landes. Hier heißt das Motto: Volkssport Beschiss. Als ich von meiner Rempeltour und Einkaufsbummel zurückkam, saßen mindesten zehn von denen, in schwarzen Klamotten, mit gefalteten Händen (wo die sich das wohl abgeguckt haben) auf dem Parkplatz vor einem Fernseher und sahen die farbenfrohe Masse der orange Gekleideten, untermalt von dem traurigen Gesummse der Mönche. Allerdings erst, nachdem man die am 16. fälligen Lotteriezahlen bekannt gegeben hatte.

Ich halte es da mit Beisenherz- Mein religiöses Symbol ist das Fadenkreuz und ich versuche nicht die Religiösen zu verstehen, denn sie hassen sich alle gegenseitig. Aber etwas geschockt war ich schon, als ich mir im Mum&Pop Shop meine Abendbrotration an Hopfen-Smoothies kaufen wollte. Die zwei Flaschen Bier wurden mir zunächst verweigert, weil man wegen des Ablebens des Patriarchen keinen Alkohol konsumieren darf. Da wurde aber die Grenze des freundlichen Miteinanders stark überschritten. Erstens bin ich kein Buddhist und wenn ich mir ansehe, was unter der Egide des Patriarchen alles so an unbuddhistischem Treiben „übersehen“ wurde (Äbte mit eigenem Fuhrpark, Helikoptern, millionenschweren Konten, Privatjets, Amulett und Lotterienummern verkaufende Mönche an jeder Straßenecke,- um nur einige zu nennen), dann finde ich es nicht OK, wenn man mir mein abendländisches Abendbrot verweigert, nur weil der Chef der Truppe den Löffel abgegeben hat. Schliesslich ist die Bar in den Katakomben des Vatikans 24/7 geöffnet, wenn die den dritten Pabst wählen sollen…

Und damit taucht die These auf, wenn es ein entscheidendes Unglücksereignis auf diesem Planeten gab, ist es womöglich das Erscheinen von Religionsprovidern?

Endergebnis: natürlich habe ich als zahlender Farrang mein tägliches Abendbrot in dem Laden erhalten. Fein eingewickelt in zwei blütenweiße DinA4 Bögen, da es nur durchsichtige Plastiktüten gab und um einen Eklat auf den 10m zum Fahrstuhl zu vermeiden. So ist es eben wenn Bahtismus über Buddhismus siegt.

Zum Schluss noch zwei Zitate.

Christoph Lehmann (um 1570 – 1638): Wären alle Träume und Wünsche wahr, dann wär‘ kein Mönch mehr da.

Und etwas abgewandelt von William Shakespeare (1564 – 1616): Die Glatze macht den Mönch nicht aus.

P.S. Ich komme nicht umhin, Euch auf einen Blog-Artikel meines Freundes Low hinzuweisen. Er trifft mal wieder präzise den G-Punkt der Liebeskasper: http://hinterindien.com/2014/06/04/frostschutz-in-thailand/#comment-4516

Sterben kann durchaus Freude bereiten…

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Glauben & Besserwissen, Kultur & Moral, Neues aus Wahnsiristan, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Uncategorized with tags , , , , on August 6, 2014 by pheneas

Mit „Freunden“ ist das so eine Sache. Von einigen wird man schlichtweg nur ausgenutzt, während andere sich nach zig Jahren und langer Recherche darüber, wo man eigentlich abgeblieben ist, melden und aus heiterem Himmel fragen, wie es einem geht. Das habe ich selbst vor kurzer Zeit erfahren, als sich ein alter Marine-Kamerad nach Jahrzehnten bei mir gemeldet hat. Ab wann weiß man eigentlich, welche richtige Freunde sind- und welche nicht? Immerhin gibt es Lebensweisheiten wie: Wahre Freunde sitzen im Knast neben dir und sagen: „Geile Aktion!“ Oder den Spruch aus der gegenüberliegenden Ecke des Rings: Zu deiner Beerdigung kommen die Leute doch nur, um sicher zu gehen dass du auch wirklich tot bist.

Herr Samran Meejai, ein 82-jähriger pensionierter thailändischer Armee Hauptmann, der in Korea und Vietnam gedient hat, wollte es genau wissen und kam auf eine ziemlich skurrile Idee, um herauszufinden, ob er neben Heckler&Koch und Teflar tatsächlich noch andere Freunde hat.  Im Werbeslogan der Bundeswehr heißt es immerhin: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ – von Fadenkreuz in Afghanistan ist da nicht die Rede, wenn es heißt: Klappspaten frei!“ Meejai inszenierte seine eigene Beerdigung mit kremationstauglicher Grillmucke und allem Drum und Dran, um die Spreu vom Reis zu trennen. Vielleicht wollte der Beerdigungs-Da Vinci bei diesem Themenabend der besonderen Art, an dem 20 Mönche teilnahmen, auch nur in die Gesichter von Erbschleichern und  Kameradenimitatoren blicken, bevor man ihn tatsächlich unter den Rasen schiebt.

Erinnert an den alten Karnevalsschlager: "Du altes A-Loch, du lebst ja immer noch"

Erinnert an den alten Karnevalsschlager: „Du altes A-Loch, du lebst ja immer noch“

Sein Sarg wurde, dem Ritual entsprechend, dreimal im Uhrzeigersinn um den Kremationsplatz getragen, bevor er kurz vor der normalerweise folgenden Feuerprobe, wie der sprichwörtliche Kai aus der Kiste die Anwesenden begrüßte.

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Wenn Jesus angeblich im Ausland auferstanden ist, hat Thailand wenigstens seinen Kai aus der Kiste

Zu der Grubenparty, mit der üblichen posthumen Charakterveredelung, kamen eine Menge Leute, die lediglich erstaunt darüber waren, dass der Körper Meejai’s  in voller Gala-Uniform nur zum „Probeliegen mit Vorführeffekt“ in der Kiste lag. Einige waren wohl enttäuscht darüber, dass kein echter „Weichzielverlust“ vorlag, wie man es in der Armee gerne nennt, wenn einer ins Gras beißt. Andere reisten zu der Veranstaltung an und trugen standesgemäß das Wort „Tränentourismus“ im Antlitz.

Immerhin hat der alte Mann wohl eine Menge Spaß bei dem Spektakel gehabt. Nicht umsonst sagt man ja: Spaß muss sein bei der Beerdigung, sonst geht keiner hin!“ Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass ihm niemand vorwerfen kann, er würde selbst zu seiner eigenen Beerdigung zu spät kommen.

Und wie üblich waren die Gewinner so einer „religiös getünchten Aktion“ die Mönche, die neben ihrem üblichen Stundenlohn von Meejai für die Scharade auch noch einen ordentlichen Spendenbetrag für eine lokale Schule und den Tempel erhalten haben.

Wer immer noch glaubt, sterben sei die ultimative Spaßbremse, war nie in Thailand dem Land des letzten Lächelns.

Wurstgurgeln im Tempel

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Gesellschaft, Glauben & Besserwissen, Neues aus Wahnsiristan, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , , , on August 3, 2014 by pheneas

Als praktizierender Atheist, hatte ich bisher immer Schwierigkeiten mit klerikalen Praktiken. Eine der kuriosesten davon, den Ablasshandel, ein von der katholischen Kirche geregelter Gnadenakt, durch den nach kirchlicher Lehre zeitliche Sündenstrafen gegen Bares erlassen (nicht dagegen die Sünden selbst vergeben wurden), konnte ich schon als Teenager nur belächeln.  Wenn ich mir allerdings über eine aktuelle Geschichte aus Thailand Gedanken mache,- auf die Floskel „sich etwas durch den Kopf gehen zu lassen“ verzichte ich lieber, komme ich zu dem Schluss, dass der Ablasshandel vielleicht doch ein beinahe ehrlicher Handel war.

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Ablasshandel  war seit dem 5. Jahrhundert, die beste finanzielle Energiequuelle  der römisch-katholischen Kirche. Seit 1562 ist er verboten, obwohl inzwischen einige technische Verbesserungen zur Verfügung stünden…

Die neueste Nummer, die es aus einem buddhistischen Tempel direkt in die youtube Charts geschafft hat, übertrumpft eigentlich alles, was sich die Apfelsinen-Roben Barfüsser bisher so abgekniffen haben. An Handtäschchen schwenkende Mönche, rauchende, geschminkte, herumschwuchtelnde, biertinkende Kuttenkallis, oder heilige Männer mit Mercedessammlung und Privat-Jets, hat man sich ja mit der Zeit gewöhnt. Ebenso an eine millionenschwere Porsche fahrende Nonne, die in weißer Robe mit Louis Vitton Taschen durch die Shopping Mall schlendert.

Porsche-Nonne

Forsche Porsche-Nonne im standesgemäß weißen  Cayenne

Ob sexuelle Enthaltsamkeit für einen gesunden Menschen wirklich geeignet ist, ihm religiöse Erleuchtung zu verschaffen, sei einmal dahingestellt. Ich frage mich, wie oft unter klerikalen Vortänzern das Stoßgebet: „Oh Herr, verschaff‘ mir Ablass!“ durch Tempel und Kirchengemäuer gehallt ist. Oder, wie viele Mönche und Pfarrer sich, mehr oder weniger heimlich, einen ganz besonderen Platz an der Nonne verschafft haben. Oder, wie viele Nonnen sich lewinskymäßig in der klerikalen Hierarchie hochgeblowjobt, oder sich hinter Klostermauern in der Kemenate „Latte Vibrato“, dem elektrischen Hausfreund hingegeben haben.

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Mascara Mönche

Nun kann man ja, selbst bei akutem Geweihjucken, nicht mal eben in Talar oder Mönchskutte gewandet die nächste Erlöserkirche aufsuchen, wo die Zeugen Tequilas  am Tresen warten und gegen einen kleinen Obolus skrotalen Ablass gewähren. Und wie soll das auch gehen, in einem Land, in dem Prostitution illegal ist?

Aber, wenn sich ein Mönch mitten in einem buddhistischen Tempel von einer- was auch immer- Gläubigen, die Falten aus der Kutte pusten läßt, ist die Grenze des guten Geschmacks vielleicht doch etwas überschritten. Wie sagt der Volksmund so richtig? „Guter Sex findet im Kopf statt“. Der Zusatz: im Kopf einer devoten Gläubigen- kommt ihm dabei nicht über die Lippen. Vielleicht hat sich das Mönchlein auch nur gedacht, die Luft fühlt sich einfach ganz anders an, wenn man im Tempel die Kutte aufreißt. Was der Frau, (ich will sie aus Gründen der Diskretion einmal Heinz nennen) als sie mit dem Mund zu Tale fuhr, neben dem Zauberknochen des Erleuchtungsuchenden noch so durch den

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Madonna im Tempel?

„When I get down on my knees, it is not to pray

Kopf ging, weiß wiedermal keine Sau. Man könnte meinen, die muß schon ein ernstzunehmendes Guthaben auf ihrem Sündenkonto haben, wenn sie einem heiligen Mann, vor dem frühmorgens beim Almosensammeln alle auf die Knie fallen, bei Zahnfleischgymnastik den Nachwuchs abtrinkt. Erzeugerabfüllung sozusagen. Wäre auch interessant zu wissen, was sie sich von ihrer Aktion erhoffte, etwa die üblichen Lotter-ie Nummern? Da bekäme der Begriff „Wirkungsblasen“ eine völlig neue Bedeutung. Ob die Fotos von einer Überwachungskamera stammen, oder von einem anderen nach Heil und Zuspruch dürstenden Tempelbesucher gemacht wurden, ist nicht bekannt. Mein erster Gedanke beim Betrachten der Fotos war, ob da nicht die Mutter aller Kontaktanzeigen vorangeganen ist: „Suche Mann mit Pferdeschwanz- Frisur egal.“

Interessant ist, dass weder die Behörden, das Buddhist council, noch die buddhistische Bevölkerung im Land, den sonst wegen kleinster Vergehen zu vernehmenden Aufschrei anstimmt. Man stelle sich die öffentliche Diskussion in den Medien vor, hätte sich Deutschlands Protzbischof in Schlechtwetter-Baupausen unter dem Altar-Kruzifix von seiner Haushälterin auch noch den Schaft beschnattern lassen…

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