Archiv für Isan

Thailand endlich wieder Nr. 1 – 10 Millionen Gestörte auf Alk!

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Gesundheit & Gute Besserung, Kultur & Moral, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , on Juni 18, 2015 by pheneas

Willkommen beim „Kulturtrinken“

Daß die Einheimischen in meiner Umgebung konstant von ihrer “Thainess”, kultureller, intellektueller und moralischen Überlegenheit gegenüber anderen Ethnien besoffen sind, habe ich schon vor langer Zeit erfahren. Aber reicht das dem Durchschnitts-Thai wirklich aus, um sich den Tag bunt und fröhlich zu gestalten?

2015-06-18

Offensichtlich nicht. Da muß das Leben doch noch etwas mehr zu bieten haben. Unter den Spritnasen der Nation, die hauptsächlich die Randgebiete im Westen, Norden und Nord-Osten (Isan) des Landes betorkeln, gilt die Devise: Realität ist eine Halluzination, verursacht durch einen Mangel an Alkohol.

Der Isan ist so eine Art Schmelztiegel aus Sodom, Gomorrha, der Bronx und Delmenhorst, wo Hektoliteratur, also das studieren sämtlicher Etiketten der Reisweinflaschen im Regal der Dschungelapotheke, eine der beliebtesten Tagesroutinen ist, bevor sich die Einwohner schon morgens um 10 kollektiv die Nasenrücken faltig saufen und am Nachmittag zum Restesaufen die Gefäße zusammenziehen.

Wenn man, wie im Land des Lächelns, auf nichts so sehr erpicht ist, wie auf den guten Ruf und das Ansehen der Nation, finde ich es ganz schön mutig, sich ausgerechnet ein Department für psychische Gesundheit zu leisten. Den siamesischen Freud’s werden sogar kleine Schelmereien erlaubt, wie etwa 5.000 Gestörte zu befragen und dann auch noch die Ergebnisse zu veröffentlichen. Die dürfen sogar alle fünf Jahre den Zusammenhang zwischen psychiatrischen Erkrankungen und Drogenmissbrauch studieren.

Aber wenn dabei herauskommt, daß es dem Land wieder gelungen ist einen ersten Platz in einer internationalen Rangliste zu machen, tritt der Name der Disziplin selbst, oft in den Hintergrund. Man muß es eben sportlich sehen- gewinnen ist alles.

Nach einer jüngsten Umfrage des Department of Mental Health, ist die Zahl der alkoholbedingten psychischen Störungen in Thailand auf dem Vormarsch. Besonders gefällt mir die Floskel: auf dem Vormarsch. Nüchtern betrachtet würde ich sagen, die rasen in Warpgeschwindigkeit auf die karierte Fahne am Ende des Parcours zu.

Die Umfrage ergab, dass die Prävalenz von Thais mit psychischen Problemen bei 1,9 Prozent oder 1 Million Menschen liegt. Aber damit nicht genug. Die Liga im Millionen-Club der Blaublütigen, wird auch noch in verschiedene Güteklassen eingeteilt. 1,8 Prozent (900.000) der Mitglieder leiden auch noch an Depressionen. 1,6 Mio. leiden an Angstzuständen und rund 500.000 Erwachsene haben posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD). Wie viele sich dabei für ein Triathlon der Disziplinen qualifizieren ist nicht bekannt. Willkommen im Land der Norman Bates Doubles!

Die alarmierende Entdeckung in der Umfrage ist die Tatsache, dass die Prävalenz von Leuten mit psychischen Problemen, die sich den Hals blutig saufen bei 19,6 Prozent oder 10,1 Millionen Menschen liegt. Nicht schlecht bei einer Bevölkerungszahl von knapp 70 Millionen. Dabei zählt man das Heer der Durchschnittsgestörten noch nicht mal dazu. Aber das Ergebnis dürfte sogar jedem klar sein, der sich lediglich zweimal im Jahr eine Tageszeitung kauft. Es muß irgendwie am Klima liegen, denn was sich Besoffene (egal ob Thai oder Ausländer) beim Kulturtrinken hier so täglich abkneifen, geschieht in anderen Gegenden nur in Kriegen,- drei Tage vor der Kapitulation. Das Spektrum reicht von leichter Skurriliose bis zu Freddie Krüger Stunts.

Im Vergleich zu anderen Ländern der Welt, schwankt Thailand im Kollektiv auf dem Siegertreppchen. Da ist aber ´ne Magnum Pulle Flamingopisse (Champagner) fällig, wie bei der Formel 1. Vor den nächsten Stufen des Siegerpodests liegen abgeschlagen  die Ukraine, die USA, Südafrika und Japan.

Die Erkenntnis die Thailands Freizeit-Freud’s aus der Umfrage zogen, gaben sie auch breitwillig bekannt: „Alkohol kann zur Entwicklung von psychischen Problemen, sowie Verschärfung bereits bestehender psychischer Schwierigkeiten beitragen. Er kann auch Hemmungen reduzieren…“

Da war der der alte Konfusius schon einen Schritt weiter: „Bei leichter Depression hilft ein Bad mit ätherischen Ölen, bei schwerer ein Bad mit Fön.“

Isan-Shake

Interessant, daß sich die moralischen „Weight Watcher“, Gralshüter von Sitte, Anstand und Moral vom Culture Watch Office of the Culture Ministry, noch nicht zu dem Thema gemeldet haben. Aber die sind eben immer etwas bedächtig, weil sie wahrscheinlich den ganzen Tag damit beschäftigt sind sich zu geißeln, um ihren eigenen Pressdurst und Sexualtrieb zu unterdrücken.

Waren seine verrückten Eltern beim T-Shirtkauf auch noch besoffen?

Waren seine verrückten Eltern beim T-Shirtkauf auch noch besoffen?

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Vorher nur dicht dran- nun endgültig dicht!

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Essen & mehr trinken, Gesellschaft, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , , on Januar 8, 2014 by pheneas

Ich werde nie verstehen warum Thais generell davon überzeugt sind, sie müßten ständig der oder die Erste, die Nummer Eins sein. Das gilt jedoch nur wenn sich das auf bequeme Weise einrichten lässt. Vielleicht liegt es am Einfluß der zahllosen chinesischen Einwanderer, die im Lauf der Geschichte das Land überrollt und die ethnische Abgrenzung unterwandert haben. Aber Chinesen haben wenigstens einen Begriff für die Macke, die eine Spazierfahrt auf den Strassen Singapurs  zum Überlebenskampf macht: Kiasu!

Für Thais gilt es als optimal, wenn der Run auf die Poolposition im T.E.A.M. erreicht werden kann. Wobei das Wort für „Toll Ein Anderer Machts“ steht.

Tagtäglich wird in den Medien gemeldet, dass die Nation entweder bestrebt ist in Rekordzeit der Hub für alles Mögliche zu sein, oder es schon ist. Dass dieser Anspruch in einem Schwellenland nur selten in allgemein als positiv eingeschätzten Disziplinen zu realisieren ist, scheint zwischen Hat Yai und Chiang Mai so gut wie unbekannt zu sein.

Aber Gestern hatte die geplagte Nation endlich einen Grund ausgelassen zu feiern. Noch vor vier Tagen wurde in den Zeitungen verkündet, dass Thailand weltweit den 3ten Rang bei jährlichen Verkehrstoten hält. Nun ja, immerhin die Bronze Medaille.

Nur einen Tag später ging es jedoch aufwärts: Thailand belegt den 2ten Platz unter den asiatischen Ländern in der Disziplin Teenager-Schwangerschaften. 54 Schwangerschaften unter 1.000 Mädchen unter 18 Jahren. Gestern überraschten die Medien nun endlich mit einer Platzierung auf dem Siegertreppchen: Thailand Nummer 1 im Alkoholkonsum unter den ASEAN Staaten.

Endlich No. One!

Endlich No. One!

Damit dürfte auch geklärt sein, wie es zu den anderen zwei Platzierungen gekommen ist. Die unter den Mädels so beliebeten Dosenöffner Bacardi Breezer und Spy, Post-alkoholische Geilheit (PaG), in Kombination mit der Tatsache, dass die Buben gern die allgegenwärtigen Plastiktüten für Suppen als Kondome benutzen, helfen dem Isan  das Problem der vorzeitigen Vergreisung zu umgehen.

Promille-Prinzen, die wie Wirrtuosen gut im vergorenen Reiswasser liegend über die Landstrassen brettern, legen das Fundament für den 3ten Rekord. Alles nach dem IKEA-Motto: Entdecke die Möglichkeiten. Oder auch: Juhu, wir sind wieder nüchtern! Das muss gefeiert werden!

Wenn das kein Grund zum Feiern ist...

Die Welt Gesundheits Organisation (WHO) hat die Lorbeer Wacholder-Daten vom Center for Alcohol Studies (CAS) zusammenfliessen lassen. Nach dieser Rechnung stehen 31.5 %, oder 17 Millionen Thais über 15 Jahre, regelmäßig unter Strom. Geht man jedoch von der aktuellen Einwohnerzahl von 64 Mio. Bürgern aus, werden wohl sogar 20,1 Millionen Spritliebhaber im Land of Smiles herumtorkeln.

Die Mitglieder im Rekord-Club der Erdbeernasen zogen sich 2013 die stattliche Menge von 7,1 Litern reinen Alkohols durch die Kiemen. Das entspricht, etwas konsumfreundlicher ausgedrückt, 226 Flaschen Bier, oder 25 Flaschen Randalierwasser mit mindestens 38 Volt.

Zum Vergleich: Deutschland hat 80,5 Mio. Einwohner von denen insgesamt 7,4 Millionen Bundesbürger mehr als die von Experten empfohlene Höchstmenge trinken.

Mit besonderem Stolz kann die Nation nun auch endlich auf die sonst eher als Abklingbecken angesehene Provinz Isan, im Nord-Osten an den Grenzen zu Laos und Kambodscha, blicken. Die einzig blühenden Landschaften sind dort die Glühweinwiesen. In der Heimat Boozillas gibt es 6,7 Millionen Krass-Alkis, die 40 % Anteil am Rekord haben. Dagegen wirkt Bangkok, mit geschätzten 20 Millionen Einwohnern, von denen sich nur 1,3 Millionen (8%) Kampftrinker gewohnheitsmäßig anschädeln, wie ein Trockendock. Immerhin werden in der Hauptstadt Designer-Marken wie  Black und Red Lable bevorzugt hinter den Knorpel gegossen. Im Isan stammen die Tuschwasser für dehydrierte Reisbauern oft aus dubiosen Quellen und wenn gar nichts mehr geht- aus Muttis Sato-Eimer.

Die Spitzenposition des Isan, wirft nüchtern betrachtet (aber wer macht das hier schon?) doch eine Frage auf: Wie ist es möglich, dass in einer der ärmsten Regionen des Landes so viele Buddhisten gleichzeitig Buddellisten werden und sich permanent einen Hirsch ins Geweih saufen? Ich gebe zu, dass die Tristesse dieses Landstrichs schon einen gewissen Suffdruck („Champagne For The Pain“) erzeugen kann. Aber auch hier muß selbst der letzte Gossenchiller für ein Fläschchen Brandbeschleuniger die Kopeken ´raustun. Die Horde der herangezüchteten Nachwuchs-Säufer lebt nach der Devise: Arbeit ist Scheisse- da kannste Pappi fragen.

Chalerm

Die heitere Seite des Land of Smiles

Die sozialen Probleme des Isan, die die Provinz umgeben wie das dazugehörige Mäntelchen des Schweigens, wenn es um charakterliche, oder moralische Verfehlungen geht, sorgen jedoch für ein gewisses Verständnis und Toleranz gegenüber Randgruppen. So wird es verständnisvoll hingenommen, dass der ehemalige Vize Premierminister und aktuell Arbeitsminister der Übergangsregierung, Chalerm Yubamrung, gelegentlich Lall,- und Torkeleinlagen im Parlament mit der Einnahme von Ohrenmedizin erklärt. Aber was soll man schon erwarten, wenn jemand in einem Ort geboren wurde, dessen Namen man eher auf dem Etikett einer Flasche Absinth erwartet hätte: Bang Bon!

Nach einem offiziellen Besuch im moslemischen Malaysia gab er zu, bei einem Empfang betrunken gewesen zu sein. Er schob sogar noch die Statistik hinterher: 5 Personen hätten zum gegebenen Anlaß 8 Flaschen Rotwein konsumiert. In Isans fröhlichen Dörfern, wo man nach 2 Flaschen erst anfängt zu trinken, wird sowas mit dem Spruch kommentiert: Alkohol in kleinen Dosen ist Verschwendung!

Meine persönliche Lehre daraus:

Ich trinke nur noch allein, oder in guter Gesellschaft. Aber nie wieder im Isan-

und

Der Fisch stinkt vom Kopf

Der Fisch stinkt vom Kopf

Isan III – Mit dem Furchen-Ferrari im Tal der Fehlzündungen

Posted in Asien, Gesellschaft, Kultur & Moral, Thailand with tags , , , , , , , , , on Juni 22, 2011 by pheneas


 Ich habe einen Kumpel, der ist als Geschäftsmann ungefähr so versiert, dass er sogar mit einer Trinkhalle im Partykeller einer Sucht-Klinik pleitegehen würde. Andererseits schafft er es immerwieder lukrative Jobs an Land zu ziehen, die er leider nur solange behält, bis seine Arbeitgeber herausfinden, daß seine Mitarbeit ungefähr den Ertragswert von 100 m DDR-Feldweg hat. Ein Kollege hat seine Geschäftsbriefe einmal abfällig aber treffsicher als „Griffel-Goulasch“ und seine Powerpoint-Präsentationen als „Folien-Karaoke“ bezeichnet. Und so lebt er aus einer mal mehr oder weniger gefüllten Wundertüte in Form von Gehaltsabrechnungen mit rapide wechselnden Geschäftsadressen und bescheiβt Anleger mit seinen Luftgeschäften.

 Karl-Heinz (Name geändert), ist eigentlich ein netter, umgänglicher Typ. Er sieht etwa so aus wie Helmut Kohl nach einem viermonatigen Weihnachtsessen-Marathon und scheint zu hoffen, dass die alte Bauernregel: Ein guter Ficker wird nicht dicker, zumindest ein Quentchen Wahrheitsgehalt hat.

Gewichtstsunami trifft halben Spargel

 Genitalgesteuert sieht er sich in den thailändischen Fleischwaren-Fachgeschäften um; und findet nach angemessenem Studium und ausgedehnter mündlicher Prüfung auch die Frau für’s Leben: Ming, 22 und gelegentlich ledig!

  Die beiden verbringen fast ein Jahr zusammen, in denen Ming wegen ihrer zierlichen Figur den Satz: „und wenn er mich wirklich liebt, lässt er mich oben liegen“ in ihr allabendliches Gutenachtgebet einschliesst. Ming sieht etwa so aus wie Olivia, die Freundin des lustigen Seemanns Popeye. Wer die beiden zusammen sieht, denkt zwangsläufig an Formulierungen wie- Gewichtstsunami trifft halben Spargel. Böse Zungen behaupten, sie erinnert etwas an Nieselregen in Guantanamo und wär‘ selbst für den Elbschlosskeller zu hässlich. Kalli findet sie schön,- und so soll es ja auch sein.

 Den Job im Erektions-Management hat Ming nun aufgegeben und ein Marketing-Studium angefangen. Danach hat sie sich als Wahrsagerin, Tarot Karten Legerin, Expertin für Haarverlängerung und Kosmetikerin versucht. Aber in Niedersachsen, wo sie inzwischen mit Kalli wohnt, ist man ziemlich nachsichtig mit Exoten, die ausnahmsweise nicht aus Lybien oder Somalia stammen.

 Es gibt unzählige Geschichten darüber, wie „geschäftstüchtige“ Thai-Frauen männliche Erwerbstätige aus den entwickelten Ländern kurz vor der Renten-Zielgeraden über den Bartresen ziehen. Kalli‘s panische Angst in naher Zukunft dem Sensenmann, ohne den wohlgmeinten Schubs einer hinter ihm stehenden Thai-Gattin entgegenzutreten, macht ihn zum begehrten Objekt. Darüber vielleicht mehr an anderer Stelle.

 Ming hat ihren Kalli zunächst lediglich gebeten, doch einmal über ein wenig Entwicklungshilfe für ein paar Familienangehörige in ihrem Heimatdorf im unterentwickelten Isan nachzudenken… Nun war Karl Heinz grosszügig und einfältig genug, Ming’s Mutter 5000 US Dollar zu geben, um eventuell einen kleinen Laden, oder ein Restaurant in ihrem Heimatdorf zu eröffnen. Ein feiner Zug- von dem Kalli annahm, daß er ihm den Einstieg in seine neue Familie erleichtern würde, dessen unverhoffte Auswirkung auf das Entwicklungsgebiet allerdings eher zum Blut lachen anregt.

Mutters Courage füllt die Garage

 Die Mutter ist die Ausgeschlafenste in Mings Familie. Östrogenbesoffen sitzt sie im Haus wie die Bienenkönigin im Honig, verwaltet die Kohle und sagt allen Befehlsempfängern wo Bartels den Reiswein holt. Sie nimmt die 5000 Dollar und kauft damit Reis von jenen benachbarten Bauern, die bis zu den Hüften bei Kredithaien und Grosshändlern in der Kreide stehen. Nun schlurft sie jeden Morgen zum Tempel und hofft, dass eine Wagenladung Räucherstäbchen, abgefackelt zu Ehren von St. Spekulatius dazu führt, einen satten Gewinn beim Verkauf der kleinen Körnchen einzustreichen. Alles klappt wie geplant und die Alte macht einen Gewinn von weiteren 5000 Dollar!

Wenn's um Geld geht Schlafkasse!

 Eines Tages zerrt sie die Knete aus dem Kopfkissen-Depot, schnappt sich den jüngsten Sohn und fährt mit ihm in die Stadt, um einen Traktor zu kaufen. Zuhause wird der Furchen-Ferrari von allen begutachtet doch Mutters Tagesbefehl, mit dem Ding nun Lohnarbeiten für die umliegenden Bauern auszuführen, wird vom Vater und dem älteren Sohn nur mitleidig belächelt. In der DDR wären die Beiden Sitzkissenmelker als IM „Kundschafter für das Liegen“ geführt. Also verdingt sich der jüngste Sproß der Familie nun als Transport- und Pflug-Unternehmer.

Kain und Abel im Reisfeld

Betriebsversammling Isan Style

 Der Jüngste freut sich ein Loch in die Mütze, denn er macht mit seinem neuen Job 200 Baht Gewinn am Tag- von denen Mutter die Hälfte einstreicht- er kann es sich nun leisten, am Wochenende in der Wellblech-Ballerbude seine Kumpels zu Reiswein vom Typ Bangkoks-Brückenglück und Wacky Tobaccy Zigaretten einzuladen. Dem älteren Bruder ist dieses Imponiergehabe ein Dorn im plattgesessenen Hintern und er verpasst seinem neureichen Angehörigen eine Unternehmensberatung nach Isan-Bauerntradition. Mit dem Kieferbruch, blauem Auge und geschwollenem Knie kann der Kleine tagelang nicht Arbeiten. Mutter hält ein Familiengericht ab und trifft die salmonellische Entscheidung, daß die Jungs nun abwechselnd als Traktoristen arbeiten. Abwechselnd legt der Ältere jedoch so aus: er fährt zweimal der Jüngere einmal. Für die nächsten zwei Monate geht alles gut.

Unter Geiern

 Vermeintlicher Reichtum und Familienbande sind auch im Isan nicht unbedingt kompatibel. Mutter hält Banken und deren Angestellte für so vertrauenswürdig wie griechische Investmentberater. Sie bewahrt ihre Königsportraits mit den kunstvoll aufgedruckten Zahlen in ihrem Kopfkissen auf und glaubt seit Jahren, dass ihr Kopeken-Depot der Familie unbekannt ist. Irgendwie ist das Bankgeheimnis der Alten jedoch durch die Familienhirarchie gesickert. Die Ehefrau des älteren Sohnes hat schon seit langer Zeit die Nase voll von ihrem stinkefaulen Gatten, der die wenigen durch Treckertouren erlangten Baht, dazu benutzt sich regelmäßig einen in die Rüstung zu knistern. Also entschliesst sich die Angeheiratete in einer Art Coup der guten Hoffnung, in Abwesenheit der Alten, einen unbefristeten Kopfkissen-Kredit aufzunehmen. Sie verschwindet in einer Nacht und Nebel-Aktion nach Bangkok und hüpft nun barbusig an den Stangen in Patpong und wartet auf Freier.

Ein reicher Thai hat Baht für zwei

Alles neu dank "mia noi"

 Vater ahnt nichts von der diebischen Elster und Mutters Sparstrumpf ist nach einigen Monaten dank des stählernen Ackergauls auch wieder schwanger. Unter betuchten männlichen Thais ist es durchaus üblich, sich eine Zweitfrau (Mia Noi) zu halten. Der Alte lacht sich also in der Provinzhauptstadt ein junges Perlhun an, das er gelegentlich mit Kleidergeld versorgt wenn er zum Entsaften bei ihr aufprallt. Die Trecker-Omi kriegt Wind davon und beordert ihre Tochter aus der Stadt zurück auf die heimische Erdscholle, um dem Alten Abstiegshilfe von seiner Konkubine zu geben. Die Tochter kommt auf die geniale Idee, den Traktor als Ursprung allen Übels, mit einer Kette am Scheunentor zu verhaften. Die Geldquelle für Vaters Seniorennachmittage versiegt und der Hirnfried kehrt mit eingezogenem Schwanz in den Schoß von Mutter Courage zurück.

Wolf unter Wölfen

 Einer der Reisbauern mietet den Trecker samt Fahrer für eine ganze Woche. Als Preis für die Aktion werden 4000 Baht vereinbart. Der Ältere Bruder zieht also zehn Stunden am Tag seine Furchen und erhält die abgemachte Summe. Zum Abschluss der Arbeiten lädt ihn der Bauer sogar noch zu einem zünftigen Gelage mit Vollkornsprudel, Thekenköpper und Karaoke ein. In der Genickschussdiele, wo die Beiden sich abwechselnd als Kneipen-Pavarottis betätigen sitzen neben anderen Gästen auch sechs jugendliche Moped-Rocker die allesamt aussehen, als wären sie schon im Krabbelalter in den Drogenkessel gefallen. Die Mannschaft teilt sich drei Bier mit Strohhalmen und Eiswürfeln und geht gelegentlich nach draussen, um sich dem berauschenden Gefühl hinzugeben, das einen überkommt wenn man den Rüssel nur lange genug in die Industriepackung mit Teppichkleber hält. Eine der Isan Maximen heiβt: Wer sich verheizt fühlt, ist meistens auch versucht, mit Alkohol zu löschen.

 Um zwei Uhr morgens ist der Furchenzieher nach der oralen Verklappung besoffen wie eine polnische Maurerkolonne, klettert auf seinen Traktor und schlängelt nachhause. Der Bauer setzt sich an den Tisch der Moped-Gang und sagt knapp: „Der Typ auf dem Trecker hat 4000 Baht in der Tasche. Hälfte für Euch, der Rest kommt zu mir!“ Die sechs Mopeds haben den Promilleprinz schnell eingeholt und die Jungs zerren ihn vom Trecker. Er schafft es zwar noch eine Eisenstange unter dem Sitz hervorzuziehen, aber zum Einsatz kommt das Migränestäbchen nicht mehr, weil ihn ein kräftiger Hieb mit einem Parang (Machete zum Zuckerrohr schneiden) den Arm aufschlitzt. Nach der kurzen Attacke verschwinden die Jungs mitsamt den 4000 Baht in die Nacht. Der Traktorist schleppt sich nachhause und verbringt 14 Tage in der Klinik.

Der herausstehende Nagel bekommt den Hammer – jap. Sprichwort

 Mit dem Wohlstand auf dem Dorf ist das so eine Sache, lässt man die neidischen Nachbarn bis zu einem gewissen Grad daran teilhaben, Zigaretten, ein Fläschen Reisbauerngold oder eine die Einladung sich doch mal am Familientrog als Buffetfräse zu betätigen, wirken da Wunder. Bleiben diese Nettigkeiten aus, gibt es schnell wegen geringster Kleinigkeiten Rabatz.

 Eines Morgens springt der Trecker nicht an, man probiert alles aus, aber die Mühle entwickelt sich zum AEG-Gerät (Aufsteigen – Einschalten – Geht nicht). Auch der Dorfmechaniker ist ratlos. Also muss der Acker-Porsche in die nächstgelegene Werkstatt abgeschleppt werden. Benzinleitung austauschen, Vergaser reinigen, das bedeutet eine Woche Stillstand. Soetwas spricht sich herum und erzeugt hier und da hämisches Grinsen. Nun hat aber der Dorfdepp in der Nacht zuvor gesehen, wie sich die Nachbarn an dem Traktor zuschaffen machten und steckt es den neureichen Brüdern. Ursache für die Betriebsstillegung: Zucker im Tank! Es kommt zur obligatorischen Massenprügelei mit diversen Gravitationsopfern zwischen den Familien, wobei das gesamte Dorf sich um die Logenplätze streitet. Nun kann man ja nicht ewig aufeinander einschlagen und geht deshalb mit gut aufgewürzter Wut nachhause. Da die Reisfelder der Familien direkt aneinander angrenzen, ist es mit einem wiederbelebten Trecker kein Problem, den Wasserkanal umzuleiten und somit den Körnchenanbau- und Ernte der zuckersüssen Nachbarschaft zu verhindern…

 Vielleicht hätte Khun Karl-Heinz der Familie doch lieber einen LCD Fernsher kaufen sollen. Eventuell wäre dann seine Ming auch ins Isan zurückgekehrt, um sich tagein tagaus dem thailändischen Fortbildungsprogramm in Form von Soap-Operas hinzugeben und nicht etwa ihrem neuerworbenen jugendlichen Thai-Liebhaber.

 Das Einzige was mich noch wundert ist, wie halten die hier die Eingeborenen lange genug vom Alkohol und Teppichkleber fern, damit sie die Trecker-Fahrprüfung bestehen?