Archiv für Homosexualität

Was tun bei Harndrang in der Twilight Zone?

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Gesellschaft, Gesetz & Recht, Neues aus Wahnsiristan, Thailand with tags , , , , , on Juni 12, 2015 by pheneas

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, daß es in den 70er Jahren eine Kampagne der Mineralölkonzerne gab, die das Image des Bodensatzes ihres Personals aufmöbeln sollte. Ein absolutes Masterpiece dafür, wie „labeling und re-branding“ buchstäblich tröpfchenweise in die Hose gehen können. Die Einfüllstutzen-Koryphäen an den Tankstellen sollten durch Wortschatzinjektion neue Berufsbezeichnungen bekommen, die den Benzol-Schnüfflern etwas Höhenluft verschaffen sollten. Eigentlich völlig legitim, zumindest  in Ländern wo „Weddingplaner“ eine vom Finanzamt anerkannte Berufsbezeichnung ist. Bei Aral war man sich schnell über die Bezeichnung „Die Aralisten“ einig. Shell war begeistert, die hauptberuflichen Scheibenwischer, mit Blick auf den gesellschaftlichen Status der Bayreuther Festspiele, künftig “Die Schellisten“ zu nennen. Das ganze Konzept scheiterte letztlich am vehementen Einspruch der Mitarbeiter von BP…

Soviel also zum Thema neue Labels.

Nachdem man sich, wie in meinem letzten Post beschrieben, dazu entschlossen hat, begeisterungsheischende Uniformen für studentische Lesben und Transen zu kreieren, muß doch an den Unis naturgemäß die Frage auftauchen: wo zum Teufel geht man pissen, wenn man nirgends wirklich dazugehört?

Am nächsten Baum?                 Auf der Hundewiese?                  Oder lieber fernab der Zivilisation?

Am nächsten Baum?  Auf der Hundewiese?  Oder lieber fernab der Zivilisation?

In einem Land in dem Mönchen, egal wie viel Dreck sie am Stecken unter der Robe tragen, Plätze in öffentlichen Verkehrsmitteln reserviert sind, sollte es doch auch Pissoirs für Angehörige der Twilight Zone geben.

Bereits im Jahr 2011 hat eine Schule den Versuch des Vorreiters gemacht. Ausgerechnet im Isan, wo der durchschnittliche IQ der Temperatur einer warmen “Gute Nacht Milch“ entspricht, gibt man sich unerwartet weltoffen.

transexual-toiletDie Kamphaeng School in Si Sa Ket, im Nordosten von Thailand, eröffnete separate WC-Anlagen, um Hunderte von Transgender-Studenten unterzubringen. Der Rektor der Schule, Sitisak Sumontha, der hier den Fäkalmanager gibt schätzt, dass in jedem Jahr zwischen 10% und 20% seiner Schüler sich als Transgender sehen – also Jungen, die lieber Mädchen wären. „Diese Schüler wollen in Frieden aufs Klo gehen, ohne beobachtet, ausgelacht oder begrabscht zu werden“ so der Pädagoge. Nun heißt es also, willkommen beim all inclusive Pinkeln im schuleigenen Tröpfchen Theater.

Na wenigstens malen die "Bengelinnen" keine Klosprüche an die Wand

Na wenigstens malen die „Bengelinnen“ keine Klosprüche an die Wand

Früher wurden die „Jungen“ jedes Mal gehänselt (noch nicht einmal standesgemäß gegretelt), wenn sie Jungen-Toiletten benutzten um die Schenkelkrawatte auszuwringen, so dass sie lieber die Mädchen-Toiletten nutzten. Aber das wildpinkeln führte dazu, daß sich  die Mädchen in ihrem Freigehege unwohl fühlten. „Es machte diese Jungen unglücklich, und fing an, ihre schulischen Leistungen zu beeinflussen,“ so der Schulleiter.

Obwohl überwiegend buddhistisch, ist Thailand äußerst tolerant gegenüber Homosexualität und Bangkok gilt als globales Zentrum für Geschlechtsumwandlungen. Trotzdem verliefen bisher alle Versuche, die Gemischtwarenpinkelei einheitlich zu regeln, im Sand. Der Zentralrat der Moralisten, wehrt sich vehement gegen Triathlon-Keramikabteilungen. Wer angesichts der horrenden Zahlen von Teenager-Schwangerschaften in Thailand nach Lümmeltüten aus dem Campus-Automaten verlangt, macht sich schlagartig so unbeliebt, als würde man bei einer Swingerparty mit Helga Feddersen-Doubles das Licht anknipsen. Die moralhütenden Gegner fragen sich, was kommt als nächstes? Naja, immerhin wurden in jüngster Zeit getrennte Toiletten für Chinesen in Tempeln und der Nähe von Touristenattraktionen errichtet.

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Da gibt’s doch noch Spielräume…

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…sogar für neue Berufsgruppen

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An Kaliforniens Unis ist die Einrichtung von Triathlon-Keramikabteilungen dagegen seit Jahren gesetzlich vorgeschrieben.

California here it comes...

California here it comes…

Am besten beschreibt eine gängige französische Redensart die Situation: „c’est comme si je pissais dans un violon“. Übersetzt: Das ist als ob ich in eine Geige pissen würde. Was bedeutet, dass man etwas getan hat, das völlig vergeblich war.

So etwas kann nur in einem Land passieren, in dem es grundsätzlich nur imprägnierte Geschirrhandtücher zu kaufen gibt, die garantiert kein Wasser aufnehmen…

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Malaysia- KZ-Schnupperwochenende für Teenager unter Schwulenverdacht

Posted in Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Gesellschaft, Gesetz & Recht, Kultur & Moral, Malaysia, Reise, Reisen with tags , , , , , , , , on Oktober 5, 2011 by pheneas

 Der Gedanke, als Homosexueller in Malaysia Urlaub zu machen, ist eigentlich so absurd wie das Ansinnen, in Hoyerswerda eine Asylanten-Disco zu eröffnen, solche Ideen bekommt der Normalbürger eigentlich erst ab 40 Grad Fieber! Die einzige Ausnahme gilt vielleicht für Crossdresser, denen Burkabaden den letzten Kick gibt.

Badespaß für Crossdresser. Nur der nackte Kerl im Bild versaut die Idylle

„Malaysia Truly Asia“ heißt der Tourismus-Slogan des Archipels zwischen Thailands Süden und Singapur. So ein Spruch kann einem eigentlich nur einfallen, wenn man das Land durch die berühmte rosarote Brille betrachtet. Aber genau da fängt das Problem an. Eigentlich hat das Land alles, um ein erstklassiges, tropisches Urlaubsparadies zu sein: menschenleere idyllische Strände, erstklassige Tauchbedingungen, sattgrünen Dschungel und Regenwälder, kleine Insel-Paradiese, historische Städte wie Malakka und eine gute touristische Infrastruktur. Aber,- die Selbstdarstellung als Schmelztiegel verschiedener asiatischer Kulturen (Malay, Chinese, Indian), ist bereits die erste potemkinsche Fassade, hinter die der aufmerksame Besucher im Lande blickt.

PR-Stunt: Die Mannschaft von Eintracht Kuala Lumpur

 Was man in Malaysia nicht vorfindet ist: Toleranz! Die ethnischen Gruppen des Landes sind nicht erst seit den Unruhen nach den Parlamentswahlen 1969 untereinander zutiefst verfeindet, ein Zwist der bis heute, wenngleich unterschwellig anhält. Vorurteile wie, Chinesen stinken, Inder klauen wie die Raben und Malaien sind Sektierer und religiöse Fanatiker sind überall zu hören. Was die Bevölkerung vereint, ist eine an Absurdität grenzende, meist mit moslemischen Konservatismus begründete Verabscheuung, all dessen, was dem Imam nicht ins Konzept passt. Da gehen Basis-Menschenrechte und nicht zuletzt jegliche Toleranz, nicht nur an malerischen Stränden, baden.

 Hochburg der erzkonservativen Scheinheiligkeit, quasi das Altötting Asiens, ist Terrengganu. Die Provinz erstreckt sich vom Nord-Westen an der Grenze zu Thailand mit 225 Kilometer Küstenlinie bis in die Mitte des Malaiischen Archipels, hat jedoch einen überproportionalen religiösen Einfluss auf  den Rest des Landes.

 Kein Wunder also, wenn hier Aktionen gestartet werden, die mehr als Kopfschütteln hervorrufen. Bereits im Juli haben Lehrer an Schulen 66 muslimische Knaben als „zu weibisch“ identifiziert und sie zu einem viertägigen Aufenthalt in ein „Camp“ geschickt, um ihnen maskulines Verhalten beizubringen, damit sie bloß  nicht schwul werden.

Dancing Boys- Pashtunen Plesir

 Nebenbei bemerkt, wenn „schwul sein“ so unislamisch ist wie etwa Drachensteigen und Radio hören in Afghanistan, oder Pool Billard und Ballroom Dancing in Terrengganu, dann sollte sich Pakistan besser von der Liste der islamischen Staaten streichen lassen. Im Land der Reinen“, so die Übersetzung des Namens, gab es bei meinem letzten Besuch „offiziell alkoholfreie Bars“ mit Hinterzimmern, in denen minderjährige Jungs, bekannt als „dancing boys“, geschminkt und in Frauenkleidern zur Unterhaltung der lokalen Lustgreise tanzten. Alles unter dem grenzübergreifenden Pashtunen-Motto: „Women are for reproduction, boys are for pleasure.“

KZ – Ein spanischer Exportschlager: Der spanische General Valeriano Weyler, hat als erster reconcentrados oder „Konzentrations Zentren“ auf Kuba errichtet, um 1895 einen Aufstand zu unterdrücken.

 Die 66 in Malaysia von ihren Lehrern denunzierten Jungs zwischen 13 und 17 Jahren, wurden in ein „Boot Camp“ gesteckt, weil sie verweichlichte Manierismen zeigten, sagte Razali Daud der staatliche Bildungsdirektor Terrengganu‘s. Dort würden sie Motivationstraining, Sport- und religiösen Unterricht erhalten, um sie auf den rechten Weg zurückzuführen, bevor sie den „Point of no return“ erreichten, weil ihr verweichlichtes Verhalten unnatürlich sei und ihr Studium sowie die gesamte Zukunft betreffen würde. Er äußerte die Bemerkung, die bei weitem nicht als Entschuldigung gedacht war, gegenüber der Associated Press. 

Traum des Terrengganu Bildungsdirektors: Machos ohne Ende!

 Etwa zeitgleich warnte die Botschaft Malaysias in Vietnam ihre Landsleute davor, sich mit den Ladyboys in HCM City einzulassen, um nicht über den Löffel barbiert zu werden! 

 Daß Religion keine Therapie gegen Homosexualität ist, beweist das Kloster in Irland, in dem jahrelang schwule und pädophile katholische Priester vom Vatikan „geparkt” wurden, um Anklagen gegen die katholische Kirche zu entgehen.

 Ich habe selbst ein Jahr lang in Malaysia gelebt und niemals zuvor täglich so viele Zeitungsberichte gelesen, in denen es um Vergewaltigung, Kindesmissbrauch und Inzest ging wie hier. Berichte über Großväter, die über ihre Enkel herfallen und Bohmohs (Heiler und Seher), die ihre Patienten vergewaltigen, sind an der Tagesordnung. (mehr dazu hier). Aber offiziell findet keine Variante von Sex im Land überhaupt statt. Man gewinnt den Eindruck, daß in dieser asexuellen Gesellschaft Vergewaltigung und Inzest klammheimlich als Ventil gegen den Hormonstau, zwar nicht erlaubt, aber zumindest als notwendiges Übel betrachtet wird.

Schwule Urlauber seien davor gewarnt, daß in fast jedem Ferienhotel Angestellte als „undercover“ Blockwarts der Religionspolizei „RELA“ unterwegs sind, deren 17-jährige freie Mitarbeiter nicht einmal davor zurückschrecken, Ehepaare in den 60gern aufzufordern, im Auslandsurlaub den Rotznasen ihre Heiratsurkunde vorzulegen, da sie sich ein Hotelzimmer teilen.

Kiss die Hand meine Sultanine

 Nun ist Malaysia nicht unbedingt als Heimat des „Machismo“ bekannt, dennoch ist Homophobie allgegenwärtig. Wer sich etwa im Internet outet, erhält Todesdrohungen und wer bei homosexuellen Handlungen erwischt wird, muss mit 20 Jahren Knast rechnen, wenngleich das Gesetz nicht konsequent angewandt wird. Immerhin reichte es aus, Anwar Ibrahim, Familienvater und erfolgreichster Anwärter auf den Posten des Premierministers, einen Gefängnisaufenthalt und das vorläufige Ende seiner politischen Karriere zu bescheren, obwohl es bisher auch nach jahrelanger Untersuchung keine eindeutigen Beweise für eine Homosexualität des Politikers gibt. Das ist vergleichbar mit der thailändischen Praxis, vom politischen Gegner bis hin zum ungeliebten Nachbarn, jeden mit Hilfe des Gesetzes wegen Majestätsbeleidigung loszuwerden. Hey, und um einmal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen, die Rede ist hier von einem Land in dem Männer bei offiziellen Anlässen in glitzernden Pyjamas herumlaufen die andernorts als Tunten-Fummel bezeichnet würden. Von der üblichen malaysischen Prozedur, anderen Männern in der Öffentlichkeit Handküsse zu geben, einmal ganz abgesehen.

Für Rosa Winkel auf den Unterhosen war wohl die Zeit zu knapp

 33 der Teenager beschwerten sich bei den Behörden. Sie gaben nach ihrer Rückkehr an, daß sie ziemlich geschockt waren, als sich herausstellte, daß das „Camp“ für ihr angebliches Motivationstraining ein Gefängnis im Bundesstaat Johor, an der Grenze zu Singapur war. Sie wurden bis auf die Unterwäsche entkleidet, mit Handschellen gefesselt, von den Gefängniswärtern geschlagen und es wurden ihnen die Köpfe rasiert. Begründet wurde diese Tortur von der Gefängnisleitung mit der Bemerkung: Man wolle die Jungs zu gesetzestreuen Bürgern erziehen, indem man ihnen einen Einblick in den Gefängnisalltag vermittelt. Drei begleitende Lehrer sahen dem Treiben teilnahmslos zu. Später bestritten die Gefängnis-Behörden die Vorwürfe, verteidigten jedoch gleichzeitig das Lager als eine wirksame Abschreckung vor einem Leben in Kriminalität. Um den Jungs in Nazi-Manier „Rosa Winkel“ auf die Unterhosen zu nähen, reichten die vier Lagertage offensichtlich nicht aus.

 Ob gemäß dieser Logik nun die Verantwortlichen, allen voran der Bildungsdirektor Terrengganus, zu einem Bildungsseminar mit kostenfreiem neurochirurgischem Eingriff in eine Klinik geschickt werden, um ihnen gesunden Menschenverstand einzutrichtern, war nicht zu ermitteln. Ebenso wenig, ob es weitere KZ-Schnupperwochenenden für Teenager unter dem Verdacht auf Homosexualität geben wird.

 Donna Guest, stellvertretende Direktorin des Asien-Pazifik-Programms von Amnesty International, beklagte die Aktion, die lediglich „geschlechtsspezifische Rollenklischees und Homophobie fördert.“ Wow, was für eine „verweichlichte“ Kritik!