Archiv für Garküchen

Grund Nr. 5 Lebensmittelhygiene

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Essen & mehr trinken, Gesundheit & Gute Besserung, Reise, Reisen, Relaxed Reisen - Entspannt ankommen, Süd-Ost Asien, Sicherheit, Thailand, Uncategorized with tags , , , , , , , , , , , , on Februar 20, 2012 by pheneas

 Die übergewichtige Frau ist um die sechzig Jahre alt und betreibt eine der kleinen Garküchen, von denen es in Bangkok hunderttausende geben muss. Ihre grüne Schürze ist ebenso schmuddelig, wie die offene Bretterbude von der Größe dreier Telefonzellen. So sieht man eigentlich nur aus, wenn man sich permanent ohne Licht die Garderobe zusammenklaubt. Wenn sie nicht gerade in ihrem Verschlag herumturnt, laufen ihr gelegentlich Ratten über die schmutzigen Füße, die in billigen Plastiksandalen stecken. Nach Feierabend pinkeln die Hunde an ihren Stand, Katzen lecken die Reste der Fischsauce von ihrer Arbeitsfläche, nur die sonst allgegenwärtigen Kakerlaken lassen sich hier nicht blicken, was einem eigentlich schon zu denken geben sollte. Irgendwie erweckt die Küchenfee den Eindruck einer Person, die sich  bereits im Juni freut: noch einmal Duschen und dann ist Weihnachten. Ihre Spezialität ist Som Tam, ein Salat aus grüner (unreifer) Papaya, der so scharf gewürzt ist, daß einem die Flammen aus dem Hals schlagen. Besser gesagt, zunächst nur aus dem Hals.

Som tam unser täglich Afterburner

 Da die Bude schon zur Mittagszeit geöffnet ist und noch nicht vielen Apokalypse-Gourmets der Sinn nach einem zünftigen Geschmacksnerven-Massaker steht, sitzt die Alte gelegentlich mit ihrem feisten Hintern auf der Arbeitsfläche, inmitten diverser Zutaten und pult sich zwischen den Zehen, oder säubert ihre Fingernägel, ausgerechnet mit dem einzigen Küchenmesser in ihrem Rachenraum-Bordell. Manchmal streift sich die Dame auch übers Haupt und lässt eine Portion Scheitelschnee über die Ingredienzien rieseln. Kürzlich hat eine der Katzen wohl eine der Geheimrezeptsaucen umgekippt, die unter dem Ladentisch auf die Straße sickerte. Es stank so gewaltig, daß man in zivilisierten Ländern die Nachbarschaft wegen Bio-Gasalarms evakuiert hätte. Fließendes Wasser gibt es in der Bude nicht und die Teller werden stundenlang in derselben Jauche einer Plastikschüssel „gespült.“

Madame Hühnerfuß in Ohrenschmalz

  Aber auch die Nachbarin, nur ein paar Schritte entfernt hat es in sich, zumindest aus bakteriologischer Sicht gesehen. Auf Ihrer Auslage liegen frittierte Hühnerkeulen, Füße und Flügel in der prallen Sonne, und das bei 34°C. Während sich die Tochter des Unternehmens gelangweilt über KFC’s Alptraum beugt, popelt die Mutter mittels eines Q-tips in ihren Lauschern und wundert sich, wie wohl ihrem Sproß so viel Schlechtigkeit zu Ohren gekommen ist. 

 Die hier beschriebenen Umstände sind bei Weitem keine Einzelfälle und leider nicht nur auf die Garküchen am Straßenrand beschränkt. Das ist, abgesehen von den Nobelrestaurants und  in Luxushotels, Thai Standard- um nicht wieder den ausgeleierten Begriff von „Thainess“ oder gar Thai Kultur zu strapazieren.

Mit freundlichen Grüssen aus Bangkok an die Kollegen vom deutschen Ordnungsamt

 Der berühmte französische Chemiker und Bakteriologe, Louis Pasteur, bekam wahrscheinlich nie eine zweite Einladung zum Essen, weil er jeden Teller vor sich mit einer Lupe inspizierte. Soviel ist sicher: der arme Louis wäre im heutigen Thailand in kürzester Zeit zur Buchenwaldschablone abgemagert! Wer sich jemals eine E-Coli, oder Salmonellenvergiftung eingefangen hat, und ich weiß wovon ich rede, hält fortan einen korrekt platzierten Schlangenbiß, oder den schnellen Verkehrstod unter den Rädern eines pinkfarbenen Bentley, für eine hochwillkommene Alternative!

Willkommen im Gasthaus zum schmutzigen Löffel

 Als besonders paradox empfinde ich die Tatsache, daß Thais in jedem Palmwedel, Reisgarbe, in Amuletten und nahezu allen Elementen Geister vermuten, aber zu ignorant sind, die Gegenwart von Mikroben und Bakterien zu akzeptieren, weil man sie nicht sehen kann. Wenn ich meinem Nachbarn die Tatsache erkläre, daß auf jedem Quadratzentimeter seiner Haut 100 000 Bakterien grasen, hält er entweder mich für bekloppt, oder sich selbst für klinisch tot.

 Ausgerechnet zur Hauptreisezeit, den Feiertagen um das Songkranfest, kommt nun ein Report ans Licht, wonach das Essen auf Bahnhöfen und an Bus-Terminals gesundheitsgefährdend, wenn nicht gar hoch toxisch ist. In einem Test wurden in 32 von 81 Proben E-Coli nachgewiesen, sechs weitere enthielten Staphylococcus-aureus-Bakterien, Salmonellen und vier hatten einen Vibrio parahaemolyticus Befall, wie der stellvertretende Gesundheitsminister, Surawit Khonsomboon, am 10 April verkündete. Er appellierte an die Verbraucher, Eis oder Trinkwasser immer in Behältern mit einem Sicherheitstempel der Food and Drugs Administration zu kaufen. Wer jemals in Thailand einen Eisbeutel mit Gütesiegel gesehen hat, bekommt von mir eine Anstaltspackung Imodium.  Einen echten Insidertipp hat der selbsternannte Vorkoster der Nation dann auch noch auf Lager: Er forderte die Softdrinkbrigade dazu auf, nur in Plastik verschweiste Strohhalme zu benutzen. Damit wäscht der Herr seine Hände in Unschuld über die Tatsache, daß es in Thailand so gut wie keine Lebensmittelgesetze gibt.

 Was der Multitasking-Demenz Volksvertreter zu erwähnen vergaß,  waren die Namen der Orte mit Massenkeimhaltung und Hygienephobie. Ein Sprecher schob nach, daß die Untersuchungen in drei großen Busterminals und einem großen Bahnhof  stattfanden. Da ist es hilfreich zu wissen, daß es in Bangkok nur drei große Busterminals und zwei große Bahnhöfe gibt. Wer selbst eine Art Sagrotan-Opfer ist und vor einer Mahlzeit, oder nach dem Besuch der Bahnhofstoiletten seinem Waschzwang nachgibt, sei Vorgewarnt: heißes Wasser, oder Seife- Fehlanzeige!

Hier noch ein paar aktuelle Gourmet-Impressionen:

Auch Freund Low ist das Thema schon sauer aufgestossen:

http://hinterindien.com/2015/09/29/kulinarische-koestlichkeiten-in-thailand-2/

Essen Sie sich zum multiplen Orgasmus (hardcore)

Posted in Asien, China, Essen & mehr trinken, Reise, Reisen, Süd-Ost Asien, Thailand with tags , , , , , , , , , , , , , on Juli 22, 2011 by pheneas

Feinschmecker Region, oder organisiertes Erbrechen?

Mal wieder was Scharfes essen?

 Eine thailändische Bekannte von mir kam kürzlich mit ihrem Mann von einem längeren Geschäftsaufenthalt in verschiedenen chinesischen Regionen zurück. Ergebnis: Sie hungerte sich von 40 auf weniger als 35 Kilo herunter. Der Grund dafür lag weniger im chinesischen Speiseangebot, das selbst für andere Asiaten außerordentlich „exotisch“ erscheint. Selbst wenn bei Weitem nicht alles was auf den Menükarten zwischen Chiang Rai und Hat Yai angeboten wird, Ausländern als ess,- oder gar gnießbar erscheint.

 Was bei meiner Bekannten eher Ekel und Abscheu erregten, waren die Essgewohnheiten der Chinesen. Bei dem Anblick ziehen es weniger manierenresistente Besucher vor, sich sich lieber vom Zahnbelag zu ernähren. In europäischen Restaurants sind schon Leute wegen weit geringerer Mißachtung zivilisierter Tischsitten im Tiefflug aus der Tür von Nobelrestaurants, Dorfgasthöfen und sogar Berliner Falaffel-Buden geflogen. In Thai Restaurants kann man Leute beobachten, die in chirurgischer Fligranarbeit Krabben mit Löffel und Gabel von der Außenhaut befreien. Das sind die Lipizzaner unter den Knigge-Kaspern!

China

 Wer sich vor Ort bei kantonesischer Küche mal richtig die Kante geben will, muß darauf gefaßt sein, daß am Nebentisch, lautstark gerotzt, geschmatzt, gefurzt, gerülpst, gespuckt, geschlürft, gesabbert, gesaugt und geröchelt wird! Wie sagt man hier? Ein trauriger Mund kann nicht lustig rülpsen!

Die Tagessuppe hört sich gut an…

 Ein Universitäts-Professor aus Beijing behauptete zum Höhepunkt der SARS-Epidemie: „Chinesen haben eine 3000 Jahre alte Kultur des Spuckens!“ Meine These geht eher in die Richtung, daß es dort eine 5000 Jahre alte manifestierte Tradition gibt, kultivierte Basis-Tischmanieren zu ignorieren. Es wäre unfair zu behaupten, daß es gar keine Regeln bei Tisch gibt, aber die betreffen eher wie man protokollgemäß Reiskörner aufspießt, wer am Tisch das Sagen hat und wie man die Reisschüssel halten muß, um in Sekundenschnelle Riesenportionen zu „inhalieren“. Am besten gefällt mir diese Regel Chopsticks müssen vom Benutzer immer exakt nebeneinander gelegt werden. Wer die Regel mißachtet, riskiert später im Sarg ebenfalls durcheinandergewürfelt zu werden! 

zzzzz Na, noch’n Apfel zum Nachtisch?

 Es wird grundsätzlich mit offenem Mund gekaut und gleichzeitig palavert, was einen konstanten Monsun-Regen von Reiskörnchen auf die Tischplatte prasseln läßt. Wenn Chinesen ihre Suppe oral verklappen, ist man zu der Bemerkung geneigt: „Wow, die Vogelnester-Plörre hört sich Heute aber gut an!“ Und ausgerechnet in so einer Umgebung muß man immer um ein Treffen mit der Geschäftsleitung bitten, damit ein paar Servietten in Reichweite gelangen. Wenn der Nebenmann am Tisch während des Dinners in der Nase popelt, oder sich die Ohren reinigt, ist das auch kein Grund die Brauen hoch zu ziehen. Eigentlich wartet man jeden Moment auf die Frage: Kannst du mir mal deinen Slip leihen, damit ich mir die Schweissperlen von der Stirn wischen kann?

 Wenn Chinas Familien den Tisch verlassen, dann bleiben Flecken auf dem Tischtuch, daß man sich fragt, wann wohl im Zimmer mit Holzfußboden darüber, dieses grässliche Massaker stattgefunden hat. Auf den Tisch gespuckte Gräten und Knochen sind bei Restaurantbesuchen untrügliche Zeichen dafür, daß es den Gästen bei Rachenfasching, knorpelsprühendem Tischfeuerwerk mit alkoholbedingeter Gehirnkirmes gemundet hat! Vielleicht haben die ja Recht- eine Milliarde Chinesen können sich doch nicht so irren, oder?

Konfuzius sagt: Wenn Gott gewollt hätte daß wir keine Tiere essen, hätte er sie nicht aus Fleisch gemacht!

 Zeit für eine Warnung: Wer sich zuhause gern gemütlich ein romantisches Candlelight-Döner gönnt, ab und an aufkeimenden Bulettendurst löscht, in der Kantine eher den Schimanski-Teller bestellt oder sich sogar gelegentlich der gebändigten Cuisine beim Restjugo, italienischen Spaghettibändiger, oder gar Nahkampfkochen im Sukiyaki Restaurant zuwendet und hier die Grenze für gastronomische Abenteuer setzt, sollte nicht weiterlesen. Auf Chinas Speisekarten findet man Sachen, die bestellt man nur mit  Diagnose: akute Dioptrienvergiftung:

Chinas Endlösung für das Kampfhund-Problem

Essen auf Rädern

 Hundefleisch-Goulasch, Hirsch- Schafs- und Ochsenpenis, rohes Schweinehirn, Schlangen, Meerschweinchen, Zibetkatzen, Käfer, Lurche, Heuschrecken, Schaben, Ratten, Salamander, nebst Innereien-Ragout aller zuvor genannten Spezies, die mit einem Tässchen potenzförderndes Schlangenblut heruntergespült werden. Eigentlich wird hier alles gegessen, was auf Schleimspuren glitscht, hinter Baumrinden wohnt, oder andernorts zu organischem Dünger verarbeitet wird. Zur Erlebnisgastronomie gehören Fische, die von „Feinschmeckern“ lebendig am Kopf gehalten, am Tisch in siedendes Öl getaucht werden und noch zappelnd den ersten herzhaften Biß erwarten. Wem das alles zu ekelig erscheint, der sollte jedoch nicht vergessen, daß zur Zeit Friedrich des Großen und in späteren Krisen, Hunde als „Blockade-Hammel“ in Deutschland verzehrt wurden und der Verkauf von Hundefleisch erst 1986 verboten wurde! Vielleicht wird das Verbot ja auch wieder aufgehoben, wenn sich der nächste Pitbull mit Migrationshintergrund auf dem Kinderspielplatz verbeißt. 

Japan 

„Herr Obeeer, da ist eine Spinne in der Suppe! Na und? Was verzehrt so ein kleines Tier denn schon?”

 Sushi und Sashimi sind inzwischen auch in Europa etabliert und allgemein als Yuppie- oder „Berater Pommes“ bekannt. Aus „Rahmen”, der in Japan allgegenwärtigen Brühe für jede Art von Suppen, machen die Kochtopf-Samurai bei der Herstellung fast eine religiöse Handlung und bewerten den Sud wie ein Produkt der Weltraumforschung. Man kann die dünne Suppe auch als Sündersüppchen bezeichnen, weil sie aussieht wie der dritte Aufguß vom Jasminteebeutel.

Klingt wie WC-Spülung in Stereo

 Weniger ehrfurchtsvoll geht es beim Verzehr zu. Die Nudeln in der Suppe sind so lang, daß sie vom Gaumen bis in den Dickdarm reichen und nur mit Schlürfen an der Dezibelgrenze auch dorthin gelangen. Trotzdem gibt es auch hier Benimmregeln. Mein Favorit: Der Gast muß mit dem Essen warten, bis der Gastgeber einen zum dritten Mal dazu aufgefordert hat. Zum worst case scenario kommt es, wenn man mit Kohldampf am Tisch sitzt und der Gastgeber an Demenz leidet, oder nicht bis Drei zählen kann. Aber auch hier geraten Westler in Lokale, die man besser wenigstens mit zartem Sake-Schwanken betritt, bevor man die Speisekarte studiert. Für die Kamekaze-Gourmets Nippons zählen in Nudelsuppen schwimmende Schaben, „Gaudi Gnocci“ als Madensuppe und Insekten-Sushi zu einer ordentlichen Anorexieprohylaxe. Immer wieder gern gesehen in Nippons Kochtöpfen sind auch Thunfischaugen von der Größe einer Boccia Kugel. Immerhin, in japanischen Restaurants ist es jedoch ausnahmslos so sauber, da tragen sogar die Ratten Haarnetze.

Philippinen

Absolute Hardcore! Das schaffen nur die BangBrothers Gourmets!

 Eines der abscheulichsten Produkte unter lokalen Gaumenschmeichlern ist zweifellos  „Balut“. Angebrütete Enteneier, die in Essig eingelegt wurden. Ich war mit einem Journalisten der London Times in Manila unterwegs, der sich zu dem abenteuerlichen „Genuss“ überreden ließ. Er hat das „Überraschungsei“ tatsächlich im Fahrstuhl-Effekt heruntergewürgt und sich danach Übergeben als wäre er seit einer Woche Seekrank. Als er wieder Sprechen konnte, sah er mich mit einer furchterregenden Grimasse an und sagte nur kurz: „Ich hab‘ die Federn und den Schnabel zwischen den Zähnen gespürt“, bevor er sich erneut die Seele aus dem Leib kotzte. Noch drei Tage später behauptete er, allein bei dem Gedanken an das Ei fühle sich sein Mund an als hätte eine Katze drin geschlafen. Die Lokals behaupten, der Verzehr sei potenzfördernd. Nun ja, wenn man meint, daß Federn im Mund und anhaltender Brechreiz als unerlässliche Begleiter zu einem gelungenen Geschlechtsakt gehören, oder man unter einer Viagra-Allergie leidet…

Singapur

Singapur- Geburtsort der Büffetfräsen

 Der Stadtstaat ist zwar berühmt für seine Food-Festivals mit einer großen Auswahl an verschiedenen Cuisines und HiSo-Restaurants, es gibt jede Menge Speisesäle in denen man für bombastisch beschriebene Beinahe-Mahlzeiten und enttäuschend verkochte Gerichte den Wochenlohn einer Verkäuferin berappen muss. Aber auch hier gibt es eine dunkle Seite der Gastronomie. Sie beginnt mit dem Service. Wer hier keinen Bürojob hat, oder wenigstens in einer Bank oder bei einem Anwalt arbeitet, steht schon am Ende der Schlange. Jemandem das Essen zu servieren, oder gar für Fremde zu kochen, ist gleichbedeutend mit einem Job beim Karottenballet, wo Menschen in orangenen Overalls Mülltüten einsammeln. Eltern fragen ihre

Laksa. Um das Zeug zu lieben muß man hier geboren sein

 Söhne mit Berufswunsch Koch: Willst Du etwa ein Sandkorn in der Servicewüste werden? Zum Thema Hygiene außerhalb der Nobelschuppen paßt die Bemerkung: Wenn man hier eine Bombe in die Hawkerstalls schmeißt, bleiben zwar der Dreck und das Chaos, aber das Gemecker hört auf! Die Chinamann-Outlets haben ähnliche Schweinereien auf der Menükarte wie die Originale vom chinesischen Mutterland. Die Malayische Küche ist eher etwas für Leute die es gern süß haben, selbst bei der Lammkeule. Dafür gibt’s in der ersten Autobahnraststätte außerhalb Singapurs knusprig gegrillte Fledermäuse. Das heimliche Nationalgericht der Insel ist Laksa, eine Nudelsuppe mit Kokosnussmilch, Currypowder und allerlei undefinierbarem Zeug darin. Geschmacksrichtung: feuchter Bierdeckel im Staubsaugerbeutel. Die Futterkrippen Little Indias bieten dagegen sehr schmackhafte und preiswerte Gerichte. Sie sind das Paradies für die Liga der Extra-scharf-beim-Inder-Besteller.

Sie können den Hals nicht voll kriegen

 Wer jedoch,- ohne zu essen- in LKY’s Betriebskantinen richtig Spaß haben will, sollte unbedingt in einen der Läden mit „all you can eat“ Büffets‚ ′reinschauen. Man muß es einfach erlebt haben, wenn die Unterschicht aus den HDB-Margarine-Siedlungen auf dufte macht, eine halbe Stunde lang die Karte studiert, um dann die Bedienung mit Sprüchen wie: „Ich interessiere mich für ein Brötchen, was bieten Sie dazu als Beilage“, zu erschrecken. Singapurianer sind in ganz Asien als „Büffetfräsen“ berüchtigt! Wer im Steakhouse sitzt, soll nicht mit Slimfast werfen! Nicht umsonst ist es die einzige Enklave in der man aus gutem Grund einen Aufschlag für übrig gebliebene Speisen auf dem Teller bezahlen muß. Sie basteln sich armlange Pisa-Türme der Speisen selbst auf die Untertassen. Alles unter der Devise: Schmecken muß es nicht, VIEL muß es sein! Nicht selten werden von den Raub-Gourmets nach der dritten Panik-Attacke auf das Büffet mit Plastiktüten ausgekleidete Handtaschen auf dem Schoß platziert, um Shrimps neben Lammkotteletts, Röstkartoffeln und Eiersalat als „Singapurer Allerelei“ nachhause zu tragen. Da wird der Biergarten zum Giergarten. Aber an der Kasse der Restaurants outen sich die Schaufelbagger als Kleingeldrührer. 

Thailand

Chill(i) out in Thailand – das gibt ordentlich Himbeeren am Auspuff

 Das ehemalige Siam hat sich mit seiner auf Ausländer getrimmten Küche in Thai-Restaurants von Oslo bis Auckland einen sehr guten Ruf erworben. Wer aber nach einem anständigen Happen im Land sucht, stößt gelegentlich auch hier an die Grenzen des guten Geschmacks. Eingefleischte Müsli-Möger und Dinkelkornbrot-Streichler stehen hier auf verlorenem Posten, denn Thai-Trennkost ist, wenn man das Undefinierbare vom Reis trennt! In Bangkok, wie überall im Land, findet man auf 80 Meter langen Sois allabendlich ein Dutzend Garküchen, von denen viele allerdings von amateurhaften Enthusiasten betrieben werden. Unter den ca. 500.000 Garküchen und Speiseanbietern auf den Straßen der 15 Millionen Metropole gibt es nur etwa 100, die einen Westerner mit ihrem Angebot begeistern würden. Es sei denn man steht auf frisch gepflückte Käfer, Salat aus lebenden Krabben, Ratten, Frösche, Schaben, Maden, gekochte oder BBQ-Hühnerfüße, Grashüpfer, Blutsuppen, Ameiseneier-Salat, gedünstete Kutteln, alles in Saucen, die riechen als würden sie parfümiert aus der Sickergrube kommen, oder so scharf gewürzt sind, daß einem die Flammen aus dem Hals schlagen.

 Aber im Leben eines Thais gibt es ohnehin nur Vier wichtige Dinge: Geld, Essen, Schlafen und die Familie,- und zwar in genau dieser Reihenfolge. Meine Frau, die kein Problem damit hat Skorpione, Schaben, Ratten, Heuschrecken oder Mistkäfer zu essen, die sie sich genüsslich mit zum Himmel stinkender fermentierter Fischpaste und rohem Gemüse einverleibt, wandte sich kürzlich angeekelt ab, als ich herzhaft in ein Hackfleischbrötchen biß! Was soll man da sagen? Schließlich gibt’s auch im Westen einige kulinarische Ungereimtheiten:  

Solange ein Rektum Fetischist dafür bezahlt. Ich warte jetzt nur noch auf das Dessert: Schließmuskel in Sahnesauce…

Nix als Geld am Kopp

Posted in Aberglaube with tags , , , , , , on Mai 14, 2011 by pheneas

country icon thHand auf’s Herz. Wer von uns ist schon so ganz ohne Aberglauben aufgewachsen, oder Dinge die man in Norddeutschland schlechthin als „Spökenkiekerei“ bezeichnet? Schwarze Katzen die einem über den Weg laufen, unter Leitern herumspazieren. Solcherlei Ignoranz des Überirdischen soll ja geradezu das Unglück herausfordern. Oder wie wärs mit orakelnden Barfrauen die behaupten: “Mir juckt die Brust- heute gibt’s noch Sekt.“ Und wer erinnert sich nicht gerne an Taxifahrer, die sich vor dem Euro geweigert haben 5-DM Scheine anzunehmen (Die Lappen ham die Pest ey)? Läuft alles unter der Rubrik- Wer’s glaubt wird selig. Und wer glaubt, derlei mittelalterliche Weisheit sei nicht zu toppen, sollte unbedingt Asien besuchen.

Chain Gang Thai-style

In meiner Nachbarschaft gibt es Motoradtaxi-Fahrer, deren halbe Körper mit buddhistischen Tätowierungen, zum Schutz gegen alles von Alzheimer bis Zwangsvollstreckung, gepeikert sind und die ein gutes Kilo Amulette um denn Hals tragen. Dagegen gelten deutsche Schützenkönige und selbst Nordkoreas Kim Jong Il als geradezu armeselig dekoriert. Einige Glücksanhänger sollen laut klerikalen Herstellern sogar das sensibelste Rippenfell gegen Messerstiche immunisieren… Alles für „Good Luck“. Ich frage mich, wieviele der Moped-Jockey’s sich inzwischen selbst bei kleineren Unfällen mittels der schweren Talismannketten stranguliert haben?

 Bevor Thailands Orgasmus-Assistentinnen aus den Lapdance-Schuppen, im gürtelbreiten Supermini „ohne Schlübber“ an der Stange hüpfen, klatschen sie sich zuhause vor dem Hausaltar kniend oder in einer Ecke der Bar erstmal den dicksten Geldschein aus dem kopierten „TonLui“ (Thainame für Louis Vitton) Portemonnaie an die Stirn. Auch das soll Good Luck bringen und zwar in Form eines Freiers aus der Rubrik „small dick- big wallet“. Len sak – heist die Zeremonie bei der sich die Girls selbst, oder die Arbeitsstätte segnen. Aber es kommt buchstäblich noch fetter.

PingPong, König der Tupferparties

 Vor meinem Haus verkauft mein Kumpel „Ping-Pong“ von seinem wackeligen Campingtisch aus kleine Spiesse mit Fisch- und Fleischbällchen. Eine Bezeichnung, die in etwa so absurd ist wie „Nazis gegen Rechts“, da die Dinger zu 89% aus Sojamehl bestehen und zur Aroma-Entwicklung vielleicht einmal neben richtigem Fleisch und Fisch gelegen haben. Selbstverständlich ist er als Thai ebenfalls glühender Anhänger des „Erstmal die Kohle an die Stirn klatschen Rituals“. Denn wenn schon das Abfackeln heugarbengrosser Bündel Räucherstäbchen die Fressbudenkonjunkur nicht belebt, dann hilft nur eins: Zack, den Fuffi an die Birne!

Er nimmt also ein kleines Bündel 50 Baht Scheine und tupft es an die Stirn. Geht ja noch. Aber nun gibt Ping-Pong richtig Gas und tupft mit den Königsbildchen das gesamte Unternehmen ab, inklusive Campingtisch und fettglänzende Spiesschen in der Vitrine. Natürlich geht das nur in der voran beschriebenen Reihenfolge, sonst würde ja seine Birne glänzen wie die Tür vom Café Keese.

In meinem Appartment-Komplex ist wegen der zur Regenzeit herrschenden „arktischen Temperaturen“ (nachts 25°C) jeder Dritte am Husten und manchen sprudelt der Rotz aus den Nüstern wie einem Trakehner Hengst auf der Flucht vor den Kosaken.

Letzte Statistiken besagen, es gab „offiziell“ mehr als 2000 Leute in Thailand, die den mexikanischen Schweinegrippchen Virus beherbergten. Sieben davon werden sowieso nie wieder nach Ping-Pong’s Tupfer-Spiesschen fragen. Inzwischen grassiert ein saisonal auftauchender Magen-Darm Virus. Der bereitet unglaubliche Schmerzen in den Kaldaunen seines Gastgebers und führt nicht selten zu Entzündungen verschiedener Organe. Wenn man sich den einfängt, ist das eben „Bad Luck“  und wie man das verhindern kann wisst Ihr ja nun. Das hat mit Basis-Hygiene nix zu tun!

Keine Ahnung, ob man sich um das zu verhindern, die Beipackzettel aus der Hausapotheke, oder doch lieber gleich den Rezeptblock beim Doktor an die Stirn reiben muss…

Wenigstens sind die Scheinchenzähler in der Bank alle mit Mundschutz und Chirurgenhandschuhen ausgestattet.

P.S. Soeben durfte ich beobachten, wie sich Ping Pongs Nachbarunternehmerin genüsslich zwischen den Zehen pulte, um danach ihre Fingernägel mit dem einzigen Küchenmesser in ihrer Bude zu säubern. Fliessendes Wasser hat sie leider nur wenn es regnet… Um ihr Somtam ohne Notarzt zu überstehen braucht man schon ein Immunsystem wie eine Bahnhofsnutte in Bukarest!

Mahlzeit!

hawker stall