Archiv für Computer Crime Act

Per ‚Like Button‘ hinter Gitter

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Gesetz & Recht, Thailand, world wide web with tags , , , , , , , , , , , , , on August 13, 2013 by pheneas

Like button Thailand

Vom Überwachungsstaat zur Gesinnungspolizei ist es offenbar nur ein kleiner Schritt, der einigen Gehirngewaschenen Konformisten sogar als logische Konsequenz erscheint. Vor rund zwei Jahren wurde in Thailand ein mehr als € 9,5 Mio. teures Internet-Überwachungssystem angeschafft. Damit wurde ein Netz geschaffen, in dem man Leute einfangen will, die sich der unter Strafe stehenden lese majeste (Majestätsbeleidigung) im Web schuldig gemacht haben. Nun ist Thailands König aber zweifelsfrei die beliebteste und verehrteste lebende Person im Königreich. Da kann man sich fragen, ob die Jagd nach einer Handvoll verirrter Masochisten, die wegen Kritik an der Monarchie mindestens 5 Jahre in einem Thaiknast, dazu noch mit königstreuen Mithäftlingen riskieren, wirklich verhältnismäßig ist.

Unter Leitung des damaligen Vizepremiers, Chalerm Yubamrung, (der mit den Ohrenproblemen), wurde in Zusammenarbeit zwischen der Technology Crime Suppression Division der Polizei und dem Ministry of Information and Communication Technology, dieses System eingeführt. Der stellvertretende Leiter der Division erklärte damals: „Um Angst abzubauen, möchte ich betonen, dass das System unter Berücksichtigung geltenden Rechts angewandt wird, und von einem Gericht genehmigt werden muss. Es gibt also keine Notwendigkeit, Verletzungen der Rechte zu fürchten „, sagte er.

Police Maj Gen Pisit Pao-inDas erinnert an den alten Spruch: Gestern standen wir am Rand eines Abgrunds, heute sind wir schon einen Schritt weiter! Denn nun haben die Jünger Schwester Zensursulas wieder zugeschlagen. Police Maj Gen Pisit Pao-in,  Kommandeur der Technologie Crime Suppression Division, verteidigte vor der Presse seine Agentur gegen Kritik über ihre Drohung, rechtliche Schritte gegen Facebook-Nutzer, die „like button“ zu bestimmten Nachrichten politischer Natur anklicken. Klingt irgendwie als wurde das in einem Trendbüro der Gedankenpolizei (Stasi 2.0) ausgeheckt.

Was das Computer Crime Act Gesetz sagt:

„Das Strafgesetzbuch und der Computer Crime Act kann gegen Leute, die „like“ und „share“ Buttons auf Facebook-Nachrichten klicken vorgehen, wenn diese von der Polizei als rechtswidrig eingestuft werden“, so der Technologie Crime Suppression Divisionskommandeur.

Auf die Frage, ob „like“ anklicken nun gegen das Gesetz verstößt antwortete er:

Es wird ungesetzlich sein, wenn Sie ‚like‘ zu einer Nachricht klicken, die als schädlich für die nationale Sicherheit angesehen wird. Wenn Sie ‚Gefällt mir‘ drücken, bedeutet dies, Sie akzeptieren diese Botschaft, was gleichbedeutend mit der Unterstützung ist. Auf diese Weise helfen Sie, die Glaubwürdigkeit der Nachricht zu unterstützen und daher sollten Sie auch verantwortlich gemacht werden. Wie das Gesetz (computer crime act) bestimmte Nachrichten politischer Natur definiert, bleibt diffus. Ebenso, wer berechtigt ist, eine gepostete Nachricht als Bedrohung der nationalen Sicherheit zu klassifizieren. Es wäre schon interessant, wer da als Profilstalker und Internetblockwart die Twitternachtsspitzen absaugt.

Hätte der Kim Jong Il der Meinungsfreiheit diese Erklärung auf facebook gepostet, würde ihm das wahrscheinlich mehr Klicks auf den „unlike button“ einbringen, als ein deutscher Spendenaufruf zur Deckung der Anwaltskosten für kriminelle Asylbewerber aus dem Libanon.

Eigentlich ein alter Hut, sollte man meinen...

Eigentlich ein alter Hut, sollte man meinen…

Verklickt und zugenäht! Es ist nicht auszudenken, was ein unbedarfter Internet-User zu durchleben hat, wenn er aus Versehen den falschen Button drückt…

Thaksin facebookThailands aus dem Amt geputschter Ex-Premier Thaksin Shinawatra, dessen Schwester nun das remotegesteuerte Zepter im Land führt und der für diverse Gesetzesverstöße angeklagt und zum Teil rechtmäßig verurteilt wurde, unterhält eine website und postet auf diversen Medien Aufrufe zu Protestveranstaltungen seiner „Redshirts.“ Daß jemand beim Klick auf like buttons seiner website angeklagt wird, scheint ziemlich unwahrscheinlich. Aber vielleicht wird das System ja bald für das Aufspüren nonkonformistischer Klicks auf „unlike buttons“ erweitert.

Nun haben Thailands Polizisten, von denen ohnehin kaum jemand der englischen Sprache mächtig ist, nicht gerade den Ruf, sich bei erfolgreicher Kriminalitätsbekämpfung hervorzutun und schon bei der Verkehrsüberwachung eklatante Schwächen zeigen. Da bleibt einem nur zu hoffen, daß nicht etwa ein Cop mit Kreisligaverstand die Stasileiste mit Anti-Ironie Detektor in Schwung bringt und facebook in Thailand endgültig zur Klowand des Internets wird.

Sechs Möpse entlarven die „Scheinheiligen”

Posted in Kultur & Moral with tags , , , , , , , on Mai 17, 2011 by pheneas

 Keine der zahllosen allabendlichen “Unterhaltungssendungen” im Thai-TV kommt ohne die obligatorischen, aus dem aktiven Sexbusiness herausgealterten Transen (Katoey), oder als Super-Tunten verkleidete Bartträger aus. Das wird als normal akzeptiert, wenngleich niemand ernsthaft auf die Idee kommt, das inzwischen als festen Bestandteil der so hochgelobten Thai-Kultur zu akzeptieren. Warum eigentlich nicht? Amerika hat einen drittklassigen Barpianisten mit dem Künstlernamen „Liberace“ zum Kultstar werden lassen, Italien leistet sich einen „Hier-ist-der-Bär-los-coni“ als Premier und Deutschland hat schließlich einen Dieter Bohlen zur Ikone der Abendunterhaltung gemacht. Aber der tritt bislang wenigstens nicht als Drag Queen auf. War wohl ein nicht ganz uneigennütziger Tipp von Naddel. Auf deutsches Niveau übertragen hätten demnach Mainzer Büttenreden, Fips Asmussen und Millowitsch-Filme schon eine Legitimation für die Bayreuther Festspiele.

Feuchter Alptraum zum Jahreswechsel

 Im April fand das thailändische Neujahrsfest „Songkran“ statt, daß im eigentlichen Sinn ein buddhistisches Fest ist. Ok, ich gebe es zu, ab einem gewissen Punkt bin ich ignorant und arrogant, wenn es um Gebräuche fremder Völker geht. Einer davon ist der, daβ ich nicht verstehen kann, wie man 360 Tage im Jahr daraufhin fiebert, 5 Tage lang 12 Stunden strudelduhn an einer Straβenecke zu stehen, um Passanten mit Kübeln von Eiswasser zu übergießen und deren Gesichter mit einem Schleim aus Babypuder zu beschmieren. Wer das für Kultur hält, dem kann ich auch ein Zwiegespräch mit der ältesten Yoghurt-Kultur in meinem Kühlschrank anbieten.

Wenn der Sensenmann Mähdrescher fährt…

 Nun haben aber die Kids einen enormen Spaß, weil man zu Songkran schon Mal  Vier gerade sein läβt (für Fünf reicht’s dann wohl doch nicht). Der Alkohol fließt in Strömen, die Zahl der Verkehrsunfälle steigt in dieser Zeit drastisch an. Bilanz der letzten Festwoche:  271 Tote, 3,476 Verletzte in 3,215 Unfällen! Wer am dritten Tag des Neujahrsfestes noch tanzt, hat bloß kein Geld mehr zum Saufen!

 Da man sich wegen der Verkehrstoten schon lange nicht mehr beunruhigt, muβte also ein anderer Aufreger her: Drei weibliche Teenager zwischen 14 und 16 Jahren hatten es gewagt, während einer Massenveranstaltung auf der Silom Road in Bangkok „oben-ohne“ zu tanzen und sind dabei von anderen Besuchern gefilmt worden. Was in aufgeklärten Nationen bei Loveparades, Gay-Karnevals, Springbreak und Biker Partys kaum noch ein Hingucker ist und höchstens noch bei 12-jährigen Klosterschülern zu einer skrotalen Kernschmelze führt, ist im Land der Scheinheiligen ein handfester Skandal! Der zuständige District Chief (so eine Art Landrat) erstattete Anzeige gegen das Trio und dessen Unterstützer, sowie gegen die Person, die den Video-clip der tanzenden Mädchen auf YouTube veröffentlicht hat. Die Mädels muβten bei der Polizei antreten, wo sie wegen „Obszönität in der Öffentlichkeit“ um jeweils 500 Baht (11,50 €) Strafe gebeten wurden. Dafür bekommt man in den diversen Pussy-Show Bars gerade mal 2 Bier zur Happy Hour.

Gefahr für den guten Ruf des Landes?

Die Angeklagten züchtig verkleidet. Sind das die Fotos die das Image des Landes aufpolieren?

 Wem die Geschichte bisher noch nicht skandalös genug ist, wie wär’s hiermit: Denjenigen, die das Video veröffentlicht haben, droht unter dem „Computer Crime Act“ eine Haftstrafe von bis zu 5 Jahren und Geldstrafe bis zu 100.000 Baht (2300 €), das entspricht dem 16-fachen eines Polizistengehalts! Auf die Idee so ein Strafmaß zu verhängen, kommt man wahrscheinlich dann, wenn sich der eigene Lendenfrühling schon in den Spät-Herbst verschoben hat.

 Bei so einer Interpretation von Recht und Unrecht, könnte man da nicht auch den Busfahrer verhaften, der einen Bankräuber zum Tatort transportiert hat? In Amerika fällt so etwas unter die Rubrik: „Don’t shoot the messenger!“

 Inzwischen hatte sich auch der Kultur Minister zu dem Skandal geäußert. Er erklärte der Presse, daβ der Clip einen negativen Einfluss auf das Ansehen der Thai-Kultur habe und alle Beteiligten bestraft werden müssen. Er bat die Polizei darum den Fall ernst zu nehmen, weil er den Ruf des Landes zerstört. Er forderte den Anklagevertreter dazu auf, neben der Strafe auch noch „Community work“ anzuordnen, etwa mindestens drei Vorlesestunden über das Songkran-Fest im Kindergarten…

 Es müssen schon eine Menge solcher Bagatellen sein, um die sich der Minister kümmern muβ. Wie sonst konnte ihm entgehen, daβ sein eigenes Ministerium auf der offiziellen Webseite noch kurz vor Songkran mit nackten Möpsen für das Fest geworben hat? Der Maler Sompop Budtarad, nahm sich des Themas an und produzierte eine Serie von Gemälden der Songkran goddess of the year 2011, Kirinee Dhevi.

Nang Songkran von Sompop Budtarad

Mit dem Gemälde der Göttin Nang Songkran des Künstlers Sompop Budtarad, warb die website des Kultur Ministeriums für das Neujahrsfest. Nach dem Tanz der drei Mädels verschwand es…

Wenn also sechs nackte Teenager Brüste die Landeskultur zerstören und den Ruf Thailands schädigen, sollten einige brennende Fragen erlaubt sein:

  • Die „Hobby-Filmer“ haben während einer öffentlichen Veranstaltung das Geschehen gefilmt. In- und ausländische Fernsehsender haben den Clip weltweit in den Nachrichten ausgestrahlt, dort allerdings mit gepixelten Brüsten. Müssen die Redakteure von CNN und Co. jetzt auch mit 5 Jahren Knast und Geldstrafen rechnen?
  • In einer Umfrage unter Erwachsenen in Bangkok zu dem Fall,  gaben 80% an, die Strafen für „unmoralische Akte in der Öffentlichkeit“ sollten härter sein.Warum hat man nicht die Reisbauern im Isan darüber befragt, deren  Töchter und Söhne seit Generationen zu Hunderttausenden als Sexworker und Nackttänzer die Familien unterstützen?
  • 91% der Befragten glauben, daβ die Thai Kultur langsam verkommt. Hat mal jemand gefragt, wie hoch der Prozentsatz von denen ist, die erklären können was sie eigentlich unter Thai Kultur verstehen?
  • Wie steht es denn mit dem Saubermann Image, wenn in den Bars von Patpong und der Soi Cowboy (von denen einige Polizisten gehören) allabendlich, nackte und halbnackte „Tänzerinnen“ und Ladyboys als Chromepole Molester und in Ping-Pong Shows auftreten?
  • Wo bleibt die Sorge um das Image angesichts der Jet-Ski scams unter Beteiligung der Polizei und der Machtlosigkeit der Behörden gegenüber der Tuc Tuc Mafia?
  • Es gibt hunderte von Clips auf YouTube, aufgenommen in den Girliebars, werden die Hobbyfilmer nun alle mit bis zu 5 Jahren Knast und 100.000 Baht bestraft?
  • Zugegeben, die Mädels sind noch recht jung, aber in einigen Bars gehen auch 16-jährige unbehelligt anschaffen. Das heiratsfähige Alter wurde auf 17 Jahre festgelegt. Für „offizielle Verlobungen“ gibt es keine Altersbeschränkung. Und wie lange ist es eigentlich her, daβ in thailändischen Dörfern die letzten Minderjährigen, nach ungewollten Schwangerschaften verheiratet wurden?

Ein Kommentar unter Bloggern, die einen nicht mit geradezu grotesken Ambitionen nach Moral nerven:

„500 Baht für topless Tanzen, 100.000 Baht oder 5 Jahre für das Hochladen der Videos auf YouTube! Die Botschaft ist, dass es keine große Sache ist in der Öffentlichkeit oben ohne zu tanzen – solange  es niemand erfährt. Ziemlich genau wie thailändische Politik …”„„

P.S.

Wie die Zeitung „The Nation“ berichtet, wurde ein Polizei-Oberst, Leiter der  Pho Kaew Polizeiwache, versetzt, weil er einem Entertainment-Veranstaltungsort in seiner Zuständigkeit erlaubte, über die Polizeistunde geöffnet zu bleiben und das Lokal Minderjährigen zugänglich gemacht zu haben.

Polizeisprecher Maj-General Prawut Thawonsiri sagte, daβ eine  Razzia durchgeführt wurde nachdem junge Mädchen beim topless Tanz in der Nähe der Silom Road während des Songkran Festivals erwischt wurden.  Diese erzählten der Polizei, dass der Full Moon Pub kostenlose Getränke angeboten hat, um Mädchen dazu zu ermuntern, ihre Brüste zu zeigen.

Drinnen fanden die Polizei und Beamte aus dem Büro der Public SectorAnti-Korruptions-Kommission mehr als 300 Gäste unter 18 Jahren. Der Jüngste war gerade 14. Ein Raum in der Kneipe wurde auch als Spielhölle betrieben.

Aufzeichnungen des Full Moon Pubs zeigten, die Betreiber bezahlten je 500 Baht an bis zu 20 Polizisten täglich…

Was schadet dem Image eines Landes eigentlich mehr,- nackte Titties, oder korrupte Cops?

photo credits: wiki/CNN/The Nation/Sompop