Archiv für Auftragskiller

Drastische Inflation beim Preis für ein Menschenleben in Thailand

Posted in Aktuell, AKTUELLES, Asien, Aus Aller Welt, Ausland, Bangkok, Gesellschaft, Gesundheit & Gute Besserung, Neues aus Wahnsiristan, Sicherheit, Thailand with tags , , , , , , , , , , , on Juli 2, 2012 by pheneas

Der bei Weitem am häufigsten angeklickte Blogbeitrag der letzten zwölf Monate ist:

Euthanasie Tourismus – Killing me softly, oder Last Exit Bangkok

Nembutal- der finale „Absacker“

 Nun bin ich mir nicht sicher, ob es da drauβen im web so viele Suizidgefährdete gibt, die sich für schlappe 39 Euro mit dem Nembutal-Ticket auf die letzte Reise begeben wollen, oder ob es in der Welt von potentiellen Meuchelmördern nur so wimmelt. Ich erhielt sogar Versandanfragen!

 Inzwischen weiβ jedes Kind, im Land des permanenten holen Lächelns ist ein Menschenleben so gut wie nichts wert. Einen Auftragskiller bekam man vor Jahren noch zum stolzen Preis von 5.000 Baht. Nach Beginn der Asienkriese muβ wohl, bedingt durch die gestiegene Anzahl an Selbstauslösern, der Preis auf 3.000 Baht gesunken sein. Aber er hat sich schnell erholt.

 In der vergangenen Woche hat auf Phuket ein Schwachmaat eine Australierin abgestochen, weil er die 300 Baht (7.39 € !!!) für seinen Kneipendeckel nicht auftreiben konnte.

Und Heute lese ich dies:

 148 Studenten eines Industrie-und Community Education College in Kalasin wurden von der Schulleitung zu einem Bluttest gezwungen, nachdem Leute, die sich als Ärzte ausgaben, zuvor von der Schule engagiert wurden, um einen HIV Test durchzuführen. Dabei benutzten die „Doktoren“ zur Blutabnahme ein und dieselbe Spritze für eine groβe Anzahl von Personen. Da hat man auf dem Flur wahrscheinlich den berühmten Ärzte-Spruch in leichter Abwandlung gehört: „Lassen sie mich durch ich bin Parkplatzwächter.“ Warum die Kurpfuscher überhaupt in der Schule angetreten sind? Nicht etwa um etwas herumfrankensteinen zu können, sondern weil es pro Patienten 100 Baht (2.46 €) zu verdienen gab. Hier wurde also für den Profit von 100 Baht, oder zwei Flaschen Bier, ein Menschenleben riskiert. Bisher wurde nach weiteren Untersuchungen kein Fall einer übertrgenen Krankheit festgestellt, aber alle Studenten müssen wegen der langen Immunisierungsphase im September nochmals zum Gesundheitscheck.

„Der Doktor wurde leider auf dem Golfplatz festgehalten, deshalb übernimmt der Parkplatzwächter mit seinem talentierten Assistenten die Blutabnahme“

 Trotz des groβen Hypes um den Medizintourismus in Thailand,- und ich hab‘ mal ein Buch darüber geschrieben (tzzzz), bin ich der Meinung, wer seinem Thai Doktor keine korrekte Diagnose vorsagen kann und ihm sagt, welche Behandlung man von ihm erwartet, hat schlechte Karten.  Wen wunderts dann, wenn ich erst zu einem Arzt gehe wenn’s blutet oder fault?

 Egal, ob es sich um skrupellose Busunternehmen mit schrottreifen Fahrzeugen handelt, angebrezelte VIP-Spröβlinge nächtens mit Papas Porsche Passanten zweiteilen, mal eben sechs Personen innerhalb einiger Wochen im selben Chiang Mai Hotel das Frühstücksbuffet auslassen, weil sie unter ungeklärten Umständen den Löffel abgegeben haben, ein Menschenleben wird immer in Relation zum erwarteten Profit bewertet.

 Es gehört inzwischen zu den thailändischen Gewohnheiten, selbst für den kleinsten finanziellen Gewinn, Menschenleben zu riskieren Nunja, wer glaubt, daβ er nach den Regeln der Reinkarnation zwei Wochen nach seinem Ableben wiedergeboren wird, entwickelt wohl eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem höchsten Gut des Menschen,- dem Leben.

Schwiegermütter aufgepaßt! 112 Auftragskiller erwarten ein Angebot

Posted in Gesellschaft, Sicherheit with tags , , , , , , , , , , , on Mai 23, 2011 by pheneas

 Ab und zu liest man in deutschen Nachrichten davon, daβ irgendwelche Spinner Waffenarsenale von Handgranaten bis zu Kalaschnikows, und Munitionsdepots einer mittleren Kaserne unter der Matratze verstecken. Zum Glück sind Waffennarren in Deutschland bisher eher Außenseiter, oder bestenfalls Möchtegern-Schützenkönige. Aber was zum Teufel ist mit einer Nation los, in der offenbar die gesamte Gesellschaft in jede Art von Waffen verliebt ist?

 Thais leiden geradezu unter ihrem Nationalstolz. Fragt man aber jemanden, worauf sie denn eigentlich stolz sind, erntet man hochgezogene Augenbrauen und Achselzucken. Auβer kopierten Designerwaren, Jasmin-Reis (Kao Horm Mali), Orchideen und Thai-Seide (das Original wurde erstmalig in China 3000 Jahre v. Chr. erwähnt) wurde bisher nichts Nützliches hergestellt, oder gar erfunden, worauf die Welt gewartet hat. Immerhin, 18 Militärputsche seit 1932 lassen jeden 14-jährigen Realschüler in demokratischen Ländern glauben: „Regelmäßiges Versagen ist auch eine Form der Zuverlässigkeit.“

Thainess? Alles nur geklaut...

 Beispiele für die den häufig strapazierten Begriff von „Thainess“, bietet das Museum of Siam. Demnach zählen Tuc Tuc’s zur Quintessenz der Thaikultur- tatsächlich sind die billig Taxis eine japanische Erfindung mit ein paar Thai Modifikationen. Das berühmte Gericht, „Pad Thai“ wurde von vietnamesischen Händlern ins Land gebracht. Das parlamentarische System wurde von den Briten übernommen. Die königlichen Barken und klassische Tänze kamen von den Khmer.** Alle aus Stein gebauten Tempel in Thailand stammen ebenfalls von den Khmer,- Thai-Konstruktionen wurden traditionell aus Lehm gebaut. Die berühmteste Rock Band des Landes (Carabao), ist eine zweitklassige Kopie aus einer Fusion von Scorpions und Santana (ironischerweise trägt einer ihrer Hits den Titel „Made in Thailand“). Die Chakri Mahaprasat, ist der größte Saal in Bangkoks Grand Palais, 1882 von britischen Architekten und unter der Leitung von ausländischen Bauleitern errichtet, mit Materialien aus dem Ausland (z.B. italienischer Marmor). Dieser Stil wird als Farang saichadaa bezeichnet, übersetzt: „Western in einer thailändischen Krone.“***

 Ob man sich wegen gewisser Defizite nun als Nation wichtiger fühlt, wenn man sich bis an die Zähne bewaffnet, kann auch niemand ehrlich beantworten.

Einmal volltanken bitte!

 Die Nation leistet sich einen second hand Flugzeugträger (Chakri Naruebet), für den es weder geeignete Flugzeuge, entsprechende Versorgungs- und Begleitschiffe hat, und zudem nicht über die Mittel verfügt, das Monstrum wenigstens vollzutanken. Nun stehen zwei nagelneue schwedische Grippen Kampfflugzeuge und mehrere 30 Jahre alte deutsche Ü-Boote, die  weder zur Landesverteidigung, noch zum Küstenschutz in den flachen Gewässern tauglich sind, zum Kauf an. Die Logik von derlei Shopping grenzt an Leute, die das Haus vom Keller bis zum Boden schrubben, bis es glänzt wie Bankiershoden im Mondschein, obwohl es am nächsten Tag der Abrissbirne anheimfällt.

 Die Regierung bildet Lehrer der Dorf Verteidigung Milizen (VDM) aus, um in den drei Südprovinzen, in denen es täglich zu Terroranschlägen kommt, die bisher über 4,300 Tote forderten, 9 bis 17-jährige an Waffen zu trainieren.*

 An Tagen der offenen Tür posieren Schulkinder in Armee-Kasernen mit automatischen Waffen für Familienfotos, wahrscheinlich weil Handfeuerwaffen im Fernsehen gepixelt werden müssen.

16-jährige werden bei Verkehrskontrollen mit Sturmgewehren und automatischen Pistolen festgenommen, von denen niemand weiβ, ob sie die Knarren zum Aufbau einer neuen Karriere erworben haben.

 Ein Infanterie-Korps mit Hauptsitzes in der Prachuab Khiri Khan Provinz reichte am 4. Mai 2011 eine Beschwerde bei der Polizei ein, dass hunderte von Waffen aus ihrem Depot gestohlen wurden. Unter ihnen waren 130 M16-Sturmgewehre, Mörser, 11-mm-Pistolen und Minimi-Gewehre! In welchem Land läβt sich die Armee schon ständig die eigenen Waffen klauen?

Unbemerkter Waffenklau? Bei welcher Armee gibt's denn sowas?

Irgendwie kommen einem da drei Zitate aus grundverschiedenen Quellen in den Sinn:

„Wir lassen sie keine eigenen Ideen haben. Warum sollten wir sie Waffen haben lassen?“

Josef Stalin

„Die Waffen und die Bomben, Raketen und Kriegsschiffe, sind alle Symbole des menschlichen Versagens.“

Lyndon B. Johnson

„Deutsche, die Schusswaffen benutzen möchten, sollten der SS oder SA beitreten- normale Bürger brauchen keine Waffen, da sie damit nicht dem Staat dienen.“

Heinrich Himmler

 Nun ist Öffentlichkeitsarbeit nicht unbedingt eine Domäne der thailändischen Behörden, oder gar Ministerien. Das führt dann dazu, daβ sich ausgerechnet kurz vor „demokratischen Wahlen“ die Polizei genötigt sieht, auf ihr eigenes Versagen hinzuweisen, wonach 112 polizeibekannte Auftragskiller frei im Land herumlaufen. Einige davon bereits seit fünf Jahren!

Most wanted list,- oder Jobbörse für Auftragskiller ?

 Eine Forschungs-und Gutachter Einheit der Royal Thai Police kam zu dem erstaunlichen Ergebnis, daβ die erneute Veröffentlichung der Steckbriefe lediglich das Dilemma der Behörden unterstreicht, die einerseits die Feinde des Systems kennt, andererseits aber machtlos ist gegen die Mächtigen im Land, die sie unterstützen. Das wurde wiedermal bewiesen durch das Attentat auf einen ehemaligen Abgeordneten in der vergangenen Woche.

 Nach den Untersuchungen gelten politische Auseinandersetzungen auf lokaler und nationaler Ebene als Hauptmotiv für professionelle Tötungen, neben Konflikten um Unternehmensinvestitionen unter „einflussreichen“ (einschuβreichen?) Persönlichkeiten.

Lediglich ein Journalist der Zeitung The Nation hat bisher gewagt das Problem beim Namen zu nennen, indem er/sie fragte: „Wie kann es angehen, daβ die Polizei nur von 112 Auftragskillern weiβ, wenn bereits jeder 15-Jährige in Teeküchen und Hawkerstalls den lokalen Don de Don und seinen Hitman identifizieren kann…“

*Quelle: Coalition to Stop the Use of Child Soldiers and the Justice for Peace Foundation (JPF)
** Quelle: “Bizarre Thailand ” von Jim Algie
*** Quelle: Wiki