Diese Männer sind (fast) alle Verbrecher

Manchmal denke ich, der Buddha rotiert in seinem Nirwana in einer Geschwindigkeit, die den gesamten Energiebedarf Zentral-Thailands decken könnte. In einem alten, von Hildchen Knef getexteten Schlager, heißt es: „Die Männer sind alle Verbrecher“. Der Vorteil in Thailand ist, dass man ein gerüttelt Maß der Verbrecher bereits an ihrer alarmfarbenen Kleidung erkennen kann und dabei handelt es sich nicht etwa um Müllmänner, oder ein Äquivalent der „Gelben Engel“ vom ADAC, die tragen hier vorsichtshalber gleich Schwarz.

Im Wat Wang Tawan Tok, in Nakhon Si Thammarat, haben ein paar Roben-Räuber den 79 Jahre alten Abt des Tempels kurzerhand für zwei Jahre in seiner Kemenate eingemauert, wo er täglich von einem „Mönch“ mit Lebensmitteln versorgt wurde. Wie die Polizei nach Alarmierung durch die Bevölkerung ermittelte, kümmerten sich seither ein paar andere Anbetungswürdige um die lukrativen Einnahmen des Tempels. Allein durch Standgebühren für lokale Händler auf dem Tempelgelände, flossen die täglichen Einnahmen von 15.000 Baht (fast 400 €) in die Hände von (Geldschein)heiligen Männern, die nach den Regeln des Buddhismus eigentlich gar kein Geld anfassen dürfen. Aber bei rund 285.576 Euro, die in den zwei Jahren in die Opfergaben-Beutel strömten hat man beim Geldzählen kaum Zeit, sich auch noch um klerikale Vorschriften zu Kümmern.

Einen 17-jährigen Novizen, der wohl zu viel Einblick in die Tempelfinanzen hatte, muss wohl bei seinen Entdeckungen der Schlag getroffen haben und so betonierte man ihn bei einer, hoffentlich halbwegs standesgemäßen Zeremonie, unter einem Schrein ein.

Vom Almosen-Mitesser zum lästigen Mitwisser. Unter diesem Schrein lag der Novize einbetoniert.

Aber es kommt noch bizarrer. Inzwischen wird behauptet, dass die Mönche des Tempels mit all dem nichts zu tun haben und eine lokale Familie sowie ein Transvestit die eigentlichen Drahtzieher hinter den Geldgeschäften und der „aus dem Weg räum Aktion“ seien. Leider gibt es keine Bilder der Videoüberwachung, wie der Katoey, womöglich im Fummel, dem Eingemauerten seine tägliche Ration Reis mit Fischkopf bringt.

Wie eingangs beschrieben, erinnert mich das alles sehr an den alten Knef Schlager, der etwas umgemünzt auf Thai Verhältnisse auch so lauten könnte:

Diese Männer sind alle Verbrecher

ihr Herz ist ein finsteres Loch

hat tausend verschied’ne Gemächer

aber Mönch

aber Mönch

sind sie doch.

NACHTRAG

Krähen hacken einem Artgenossen kein Auge aus,- sie regulieren Probleme

Der Nachrichtensender PBS berichtet:

Das Sangha Supreme Council of Thailand hielt gestern ein Treffen in seiner Bemühung, das Tempelgeschäft“ (das ist das erste Mal, dass jemand das Kind beim Namen nennt) nach dem Mord zu „regulieren“ und den Novizen in einem angesehenen Tempel in Nakhonn Si Thammarat zu begraben.

Aber bei der gestrigen Sitzung des Nationalen Amtes des Buddhismus, einer staatlichen Regulierungsbehörde der Buddhismus-Angelegenheiten, wurden keine regulatorischen Maßnahmen in Bezug auf Tempel-Vermögenswerte vereinbart.

Das Treffen wurde von dem Obersten Patriarchen Somdet Phra Ariyavongsagatayan geleitet. Allerdings wurden die Geschäfte im Wat Wang Tawan Tok nicht weiter erörtert.

Wer Lust auf eine ältere Geschichte über „Buddhist Business“ hat, wird hier bedient.

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