Unser Opa fährt im Hühnerstall Motorrad – oder – Easy Rider trifft Wiesenhof

Nach 235 Posts und 200.000 Besuchern auf meinem Blog, habe ich viele aufmunternde Kommentare bekommen. Vielen Dank dafür. Ich erhielt aber auch Beschwerden darüber, dass ich immer nur negativ über meine Wahlheimat berichte. Nun, ich fühle mich nicht berufen, ein Loblied auf Thailands schöne Sonnenuntergänge anzustimmen, die gibt es sogar in der Regenzeit in Lüdenscheid. Und außerdem kann man die in der Stadtmitte BangCock‘s ohnehin nur hinter den Hochhausfassaden vermuten. Ich verstehe meine Sticheleien eher als eine Art  soziale Akupunktur. Und schließlich bedeutet Toleranz, die freie Meinungsäußerung sogar von denen gelassen hinzunehmen, die wir für Trottel halten. Das Thailänder-Allerlei der hoch gelobten Thai Cuisine, hängt mir nach Jahren buchstäblich zum Hals ´raus und ich Träume nachts von Sauerbraten, Grünkohl, Mettbrötchen, Currywurst und Tafelspitz. Aus diesen Gründen überlasse ich die „Hurra Thailand“ Berichterstattung lieber den Experten der Tourismusbehörde.

Aber gut,- um es mit den Worten von Herrn Bahnsen, meinem Grundschullehrer, zu sagen: „ich kann auch anders.“ Zum Beweis, hier eine wirklich ernstgemeinte, absolut ober-megageile, positive Geschichte:

Um eine lobenswerte Geschichte über Thailand zu schreiben, fängt sie natürlich mit einer Einleitung aus dem Ausland an. In diesem Fall aus der Schweiz. Einer meiner wenigen Lieblingsfilme trägt den Titel „Kleine Fluchten“. Der 1979 entstandene Film, war mit einer halben Million Kinobesuchern einer der erfolgreichsten Filme des Landes. Er erzählt die Geschichte des Knechts „Pipe“ auf einem Bauernhof im Jura, der nach 30 Jahren Schufterei aus seinem Leben ausbricht, sich von seiner ersten Rente ein Mofa kauft und zunächst beginnt die Umgebung und dann das Leben zu entdecken.

Pipe entdeckt die Welt

Seine neu gewonnene Freiheit gipfelt in einem Ausflug mit dem Hubschrauber aufs Matterhorn. Durch Pipe inspiriert verspüren urplötzlich alle Menschen in seiner Umgebung Lust, aus ihrem monotonen Alltag auszubrechen…

Man kann den Film hier auf youtube in Originalsprache (französisch) sehen:

Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass so etwas in Thailand auch passieren kann. Doch ein gewisser „Lung Decha“ hat mich überzeugt: geht doch!

Als Lung Decha, mit langen grauen Haaren und Fu Man Chu Bart den Laden des Motorradhändlers in Flip Flops, schmuddeliger Hose und XXL T-shirt  betrat, müssen die Verkäufer Gesichter gemacht haben, als würde in ihrer Stammkneipe ab sofort nur noch Sprudel rumgereicht. So sieht keiner unserer Kunden aus. Dann legt sich der alte Mann auch noch neben die 600.000 Baht Harley Sportster begutachtet sie und macht den Anschein, er versteht etwas von Motorrädern.

Aber dann gab es für die Yuppie-Verkäufer eine Riesenüberraschung: Lung Decha zauberte aus seiner Hosentasche die Knete in bar auf den Tisch, ließ sich nicht auf langweilige Verkäufersabbelei ein und sagte nur: gekauft! Er bewies damit, dass in dem Frühverrentungskörper noch reichlich Suppe kocht. Eine Thai Webseite titelte die Geschichte mit: Gold eingewickelt in Lumpen.

Die Schwester Lung Decha’s sagte, ihr Bruder habe sein Leben lang als Mechaniker hart gearbeitet, nicht getrunken, nicht geraucht und keine Glücksspiele gemacht und jetzt hat er sich seinen Traum erfüllt.

Nun, nachdem jemand den ich für meinen Freund hielt, meine Harley gestohlen hat, kann ich den Traum des alten Manns sehr gut verstehen. Ich zolle ihm meinen höchsten Respekt und hoffe, dass er nun wie Pipe hinaus in die Welt fährt, um sie zu entdecken. Vielleicht werden auch seine Nachbarn danach anfangen darüber nachzudenken, wie sie ihre Träume verwirklichen können und den teigigen Arsch hochkriegen, anstatt sich bei Busfahrten mit Candy Crush die Jugend wegzuleben.

 

Lung Decha, Du bist mein Hero! Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, hat das Leben verstanden!

Ich würde ihn sehr gerne kennenlernen…

Willkommen im Club stolzer Harley Besitzer!

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Eine Antwort to “Unser Opa fährt im Hühnerstall Motorrad – oder – Easy Rider trifft Wiesenhof”

  1. Hallo Pheneas! Erst mal eins: dein Blog ist nach wie vor unter den Top-10 des gesamten Internets- und gerade für die, die Thailand schon öfter bereist haben und einen kleinen Einblick hinter die Kulissen haben durften, unglaublich witzig und zugleich Informativ. Was zur Hölle muss ich lesen- deine Harley wurde geklaut? Das würde ich nur glauben, wenn in der Bangcock Post ein Artikel über einen Torso auftauchen würde, dem Arme und Beine fehlen würden, und auf Brust und Rücken mit glühenden Eisenbolzen der Spruch: I touched Pheneas Harley eingebrannt worden wäre. Nur dann, aber auch nur wirklich dann.
    Nee- im Ernst: Gib mal Infos- gern auch via PM.

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