Spaßbremsen, einmal nüchtern betrachtet

Thais sind unter allen ASEAN Nationen als die ranghöchsten Spritnasen bekannt. Vielleicht ist die Militärregierung deshalb dabei, alles was auch nur vage im Verdacht steht irgendwie Spaß zu bereiten, zu verbieten. Dazu gehören: Fische im Ozean zu füttern, Bridge für ausländische Senioren, E-Zigaretten, Alkoholreklame, Meinungs- und Pressefreiheit, Männer mit nackten Oberkörper, bei open mic-Veranstaltungen ohne Arbeitsgenehmigung zu singen, Prostitution (!? tzzzz), im eigenen Haus mit der Gattin zu pokern  und Versammlungen von mehr als 5 Leuten. Letztes liegt wohl daran, dass die in den Kasernen keine Fahrstühle haben und ständig vor dem Spiegel sitzend Geburtstag feiern, um das Gefühl von Geselligkeit zu simulieren.

Wer also in übermütiger Stimmung seine Freiheit verstaatlichen will, kann die o.g. Liste als Anleitung abarbeiten. Und wer ganz sicher gehen will, kann ja mal die Regierung in den Sozialen Medien kritisieren. Da braucht man sich über den Einkauf von Weihnachtsgeschenken lange Zeit nicht den Kopf zerbrechen.

Als besonders verwerflich und die Volks-Gesundheit und Moral gefährdend, hat man nun „Bier Yoga“ identifiziert. Laut Ministerium für öffentliche Gesundheit ist Bier-Yoga ab sofort illegal und wird durch die Spaßbremsen-Einheiten der Polizei strafrechtlich verfolgt, da es sich dabei um eine „subtile Werbung“ für alkoholische Getränke handelt, die nichts mit gesundem zu tun hat.

Das mit für thailändische Verhältnisse in Lichtgeschwindigkeit erlassene Verbot scheint aus der Erkenntnis geboren zu sein: Nur die großen Katastrophen bringen Fortschritt. Dass zeitgleich 5.000 Krankenschwestern der staatlichen Krankenhäuser demonstrierten und einen Streik wegen fehlender Arbeitsverträge, schlechter Bezahlung als „Aushilfskraft“ und 12 Stunden-Schichten erwägen, scheint im Ministerium eher zu den Bagatell-Katastrophen zu zählen. Thailand ist ein so schönes Land, dass man ihm andere Führungsfiguren wünschen würde.

Was in Berlin begann und inzwischen von Melbourne bis Nevada als entspannende Freizeitgestaltung akzeptiert wird, wurde in nur einem Monat von den kill joys in BangCock für illegal erkannt. Ob es an der weltweiten positiven Erwähnung in der Presse und Fotos von den über 100 BeerYogis lag, ist nicht bekannt. Aber hier wollte man auch street food verbieten, nachdem BangCock von amerikanischen Medien als die Stadt mit dem besten street food gekürt wurde. Jetzt rudert man zurück und behauptet, das war alles nicht so gemeint.

Man kann sich fragen, ob die Hintergründe des Verbots nicht vielleicht damit zu tun haben, dass nicht die „richtigen“ (einflussreichen) Leute daran verdienen. Es wäre auch interessant, die Meinung eines Head-Honcho‘s der Bangkok Cops zum Thema einzuholen. Der Schulterbalkenträger kassierte unbehelligt von einer Brauerei ein 50.000 Baht (€ ca. 1412  ) „Beratergehalt“ und konnte bisher  nicht einmal erklären, was man dafür von ihm verlangt hat.

Wohlgemerkt, ich schreibe dies aus einem Land, in dem Leute aus sogenannten einflussreichen Familien das gemeine Volk besoffen, verkokst, oder wegen Unfähigkeit und ohne Führerschein, dazu noch minderjährig, in den Tod fahren und nie die Konsequenzen tragen müssen. Und die Cops jagen jetzt BeerYogis. Ich werde auch weiterhin Bier trinken, ich muss mir nur dabei den entspannten Blick abgewöhnen und aufpassen, dass mich niemand dabei im Lotus-Sitz erwischt und dabei kommt mir der erleuchtete Gedanke:

Als Tanzabstinenzler fiebere ich schon dem nächsten Verbot entgegen:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: