Thailand- Wohin beim ewigen rein und raus Spielchen?

Einmal pro Jahr muss ich als Ausländer, trotz Arbeitsgenehmigung,  in Thailand mein Visum erneuern. Man kann sich nie sicher sein, ob das klappt. Die Immigrationsbeamten mit DDR-VoPo, oder gar Stasi Mentalität in der Behörde, ändern die Bestimmungen dafür anscheinend nach ihrem Tageshoroskop und in welcher Provinz des Landes  die aktuelle Version gerade gültig ist. Um es denen, mit Arbeitsgenehmigung, die im Gegensatz zu Touristen, ihr gesamtes Geld ganzjährig im Land ausgeben nicht langweilig werden zu lassen, muss man jedes Mal ein neues (gebührenpflichtiges)  Visum in einer Thai-Botschaft außerhalb des Landes beantragen. Somit erzeugt die Regierung eine  „Kultur der Visa Runs“ und sorgt gleichzeitig für eine natürliche Auslese, da die Mini Vans für derlei Exkursionen über die Grenze die höchste Rate an tödlichen Unfällen aufweist. Inzwischen wird den Visa Runners nach dem dritten Trip die Einreise auf dem Land weg komplett verweigert.

Das wäre eigentlich eine tolle Geschäftsidee in Deutschland. Würde man alle, mehr oder weniger legal Eingereisten, dazu verpflichten im Land ein Flugticket ins Ausland zu kaufen und nach einem Jahr in einer Botschaft ein neues Einreisevisum zu beantragen, würde dies die Tourismuswirtschaft ankurbeln und die Haushaltsbelastungen durch Asylsuchende drastisch senken…

Wer ohne gültiges Visum wegen „overstay“ angetroffen wird, kommt in Haft, mit bis zu zehn Cops auf dem Foto in die Medien, wird abgeschoben und anschliessend entsprechend der Dauer des verlängerten Aufenthalts mit Einreiseverbot zwischen einem und zehn Jahren bestraft. Vielleicht ist das der Grund, warum es hier im Gegensatz zu Merkels Manege keine offiziellen „Flüchtlinge“ ohne Pass, Geburtsnamen und Nachweis des Herkunftslandes gibt.

good-guys-in bad guys out

Würde man das Motto nicht nur auf Ausländer beschränken, gebe es in BangCock keine Verkehrsstaus mehr.

Zur Wahl stehen auf dem Landweg die Botschaften in Laos, Kambodscha, Malaysia und Myanmar. Wer es sich leisten kann, verbindet den Trip mit einem Kurzurlaub im Flieger nach Vietnam, Macao, Singapur oder Hong Kong. Ich habe mehrfach die teilweise nervende Visa-Pilgerei in die Nachbarstaaten gemacht. Andererseits kriege ich ja noch ein bisschen was mit und lebe bereits schon so lange in Asien, dass ich Erdnüsse mit Chopsticks esse, weil man länger etwas davon hat. Hier mein subjektives Ranking (von bloß weg hier bis zu da fahr‘ ich gerne nochmal hin) mit Kurzbeschreibung davon, was einen hinter dem Zaun des „Land of Smiles“ erwartet:

Platz 7 Laos – Savannakhet

Für Touristen so attraktiv wie Norilsk in Sibirien.

Laos gilt unter männlichen Euro-Rentnern mit andauerndem Lendenfrühling als eine Art Economy-Class Greisenasyl, obwohl Beziehungen zwischen Ausländern und  Laotinnen jeden Alters eigentlich gesetzlich verboten sind. In Savannakhet, einem in Süd-Laos gelegenem Grenzort zu Thailand, der mit ca. 120.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes ist, wird man als Tourist zu 100% Begeisterungsresistent. Das Kaff ist in etwa so attraktiv wie Norilsk in Sibirien, nur eben etwas wärmer. Ein Ort von dem sich selbst die in Thailand verhassten „Zero Dollar Tour Chinesen“ mit Grausen abwenden würden. Die Stadt muss so eine Art Mekka des lichtscheuen Gesindels sein, denn man begegnet tagsüber nicht mehr Leuten auf den Straßen, als in einem Taxi Platz finden.

Rush-Hour in Savannakhet

Rush-Hour in Savannakhet

Dieses Epizentrum des asiatischen Anti-Tourismus, hat bestenfalls für Enthusiasten maroder historischer Architektur etwas zu bieten:

historische-bauten-in-savannakhet-laos-592

lunchtime-in-savannakhet-laos-592

Zur Lunchtime drängeln sich die Asiaten andernorts um jeden Nudel-Stand. Hier, am Ufer des Mekong, herrscht tote Hose.

Laut Bewertungen von Trip Advisor, ist Savannakhet eine “Schöne Stadt” und ein “Sehr angenehmer Ort um zu entspannen“. Sagt man das nicht auch dem Ohlsdorfer Friedhof nach? Um Depressionen wegen Langeweile zu vermeiden, kann man immerhin “Das kleinste Dino-Museum der Welt” und die Eglise Sainte Thérèse Kirche am (selbstverständlich) menschenleeren Hauptplatz im historischen Zentrum besuchen.

Platz 6 Kambodscha – Poipet

Wer stundenlang Rucksack-Touristen mit Island-Teint beim Grenzübergang beobachten mag, ist hier am richtigen Platz. Viel mehr gibt der Ort nicht her.

poipet-1

Im Niemandsland zwischen den Grenzübergängen von Thailand und Kambodscha befindet sich der Todesstreifen für Kreditkarten mit zwei 24 Std. geöffneten Casinos.

Schon morgens um 6 taumelt man zwischen Glückskeksen an einarmigen Banditen vorbei zum Frühstücksbuffet. Glücksspiele sind in Thailand verboten (das scheint aber niemand zu wissen). Der Standort wurde so gewählt, dass Thais hier zocken können, ohne die Grenze nach Kambodscha zu überschreiten.

Mir bleibt die Stadt ein Leben lang als Feinschmeckers Tschernobyl in Erinnerung. Immerhin,- wer sonst nichts zu bieten hat muss halt Nischen finden, um Aufsehen zu erregen. Mehr dazu hier. Wer vom Forscherdrang besessen ist, erfährt in den einheimischen Gourmet-Höllen wozu Menschen bei einer pervertierten Version von Nahrungsaufnahme fähig sind.  Auf den Menü-Karten findet man Gaumenschmeichler wie frittierte Ratten, Gehirne aller Art und den absoluten Tipp des Kuchenchefs; Kuh-Fötus im Uterus

Fragt man die einzig englischsprechende Bedienung: wie schmeckt den eigentlich Kuh-Fötus im Uterus nach Art des Hauses, sollte man sich über eine Antwort wie: etwa wie Pinguin, nur nicht so zäh und salzig, nicht wundern. Um es mit den Worten Gerhard Polts zu sagen: Sie, dös müssen’s halt amol probier‘n…

Nach stundenlanger Lauferei durch Bretterbuden an staubigen Straßen, habe ich tatsächlich ein paar „exotische“ Fotomotive gefunden.

Freizeitgestaltung für Glūcksspielabstinenzler in Poipet:

Sauna und saufen.

Es geht noch weiter, aber ich muss mal wieder eben kurz einen Visa run nach Yangon machen,- und ich freue mich darauf!

Platz 5 Laos – Vientiane

 

Platz 4 Malaysia – Penang ein Blick hinter die Kulisse offenbart, man kommt 54 Jahre zu spät

 

Platz 3 Singapur Haben Sie Kinder? Ja, zwei leben fröhlich vor sich hin,- und eins ist in Singapur

 

Platz 2 Kambodscha – Phnom Phen

 

Platz 1 Myanmar – Yangon Der Grand Slam Pokalgewinn unter den Nachbarstaaten

Advertisements

2 Antworten to “Thailand- Wohin beim ewigen rein und raus Spielchen?”

  1. Pheneas, da du ja scheinbar noch ein junger Hüpfer bist, sind ein paar Trips in die Nachbarländer doch kein Problem. 🙂
    Als Rentner – also ab 50 – bekommt man in Thailand sein Jahresvisum vor Ort. Ob ein Besuch der Immigration in Chiang Mai angenehmer ist als ein Visa Run nach Savannakhet oder Poipet … dürfte gleich schlimm sein. Dazu kommen noch die 90 Tage Meldungen – wieder bei der Immigration.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: