Es stinkt zum Himmel, aber diesmal ist es nicht der Fisch

„No Country for Old Men“ ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Ethan und Joel Coen aus dem Jahr 2007. Thailands neue Variante scheint unter dem Titel: „No Country for Old Russian Women” zu laufen. Kommt wohl aber nicht in die Kinos des Landes…

Endlich gibt es eine maritime Version der Abzocke für weggeworfene Zigarettenkippen auf Bangkoks ohnehin versyphten Strassen, um Touristen mit Hilfe fragwürdiger Gesetze, die sowieso kaum jemandem bekannt sind, das Geld aus dem Brustbeutel zu fingern. Einige Kurzstrecken-Grübler mit Perma-Flaute in der Strafzettelschatulle erfreuen sich einer neuen Variante, um den ohnehin schwächelnden Tourismus (nicht nur) russischer Besucher, endgültig an die Wand zu fahren.

Die Tourettbahtisten vom Marine and Coastal Resources Department (DMCR) entwickeln sich zum Zentralrat der Touristenmelker.

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Die 53-jährige russische Touristin, Olga Smirnova, wurde am 19. Februar auf der Ferieninsel Phuket verhaftet und für zwei Nächte eingesperrt, da sie die geforderten 100.000 Baht (2.685 €) für ihre Kaution nicht in der Badetasche hatte. Ihr Verbrechen: Olga hatte während eines Schnorchelausflugs auf Phukets Racha Island Fische gefüttert. Erst nachdem ein Freund der Touristin die Summe in bar hinterlegte, wurde sie freigelassen, um weiterhin ihren Urlaub genießen zu können. Allerdings musste sie bis zum 6. März auf ihren Gerichtstermin warten.

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Vorsicht Kamera! Der Augenblick in dem Olga kriminell wird…

Das Gericht verdonnerte sie, eine 1000 Baht-Geldstrafe zu bezahlen, aber da sie bereits zwei „unbequeme Nächte” im Gefängnis verbüßt hatte, wurde die Zeit, die sie hinter Gittern verbrachte, anstatt der Geldbuße akzeptiert, bestätigte Lt Sakarin Saengjaroen von der Chalong Polizei. Anschließend musste Olga bei der Einwanderungsbehörde vorstellig werden. Befürchtungen, sie würde jetzt auch noch wegen „overstay“ zur Kasse gebeten, oder gar mit einem Einreiseverbot bestraft, bestätigten sich jedoch nicht. Es besteht die Anordnung, dass alle Ausländer, die gerichtlich verurteilt wurden vom Immigration Office registriert werden müssen.

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Es ist kaum anzunehmen, dass Olga mit einer in ihrem Badeanzug versteckten Scheibe Toast das Ausflugsboot zum Schnorcheln geentert hat. Die Tatsache, dass die Bootsführer selbst die Fische mit Futter anlocken, fällt hier nicht ins Gewicht. Wer so einen Job hat, wird definitiv nicht als so finanzkräftig eingestuft, dass sich ein Griff in seine Tasche lohnen würde.

Bereits Ende Mai 2016 wurde ein chinesischer Tourist auf Koh Khai Nok nahe Phuket unter derselben Beschuldigung  festgenommen. Der Reiseleiter wurde ebenfalls in Gewahrsam genommen, er wurde der Komplizenschaft beschuldigt Die beiden Männer wurden ebenfalls zur Polizei gebracht und nach Hinterlegung einer Kaution von 100.000 Baht auf freien Fuß gesetzt.

Wohlgemerkt, das alles passiert in einem Land, dass seit Jahren nicht in der Lage ist, die von der EU geforderten Maßnahmen gegen illegale Fischerei durchzusetzen. Thailand bekam im April 2015 die „gelbe Karte“ mit dem Hinweis, innerhalb von sechs Monaten etwas gegen das illegale Fischen zu unternehmen, da ansonsten die „rote Karte“ gezeigt wird, die mit einem Importverbot für thailändische Meeresfrüchte in die EU verbunden ist.

Thailand gehört zu den schlimmsten Umweltverschmutzern der Andaman See und des Golf von Thailand. Und das Ferienparadies Phuket leitet pro Tag 125.000 Kubikmeter ungeklärte Abwässer in die Andamanen See. Natürlich unter den Augen der Behörden und erstaunlicher Weise dennoch völlig gebührenfrei…

Das Motto scheint zu lauten: Brotkrumen für unsere Fische- geht gar nicht. Let them eat shit!

Um 125.000 Kubikmeter Abwasser loszuwerden, bräuchte Phuket täglich einen Supertanker wie diesen hier.

Würde ich einen der hochbezahlten Jobs im Experten-Team der Tourism Authority of Thailand (TAT) inne haben, würde ich Olga beim Abflugtermin in ihre Heimat ein Aquarium schenken, damit sie ihre kriminellen Energien zuhause ausleben kann, bevor sie zu ihrem nächsten Urlaub im Land of Smiles aufbricht.

P.S. Noch ein Satz zur Verhältnismäßigkeit der Kaution und Strafe. Eine 16-jährige, die ohne Führerschein, mit dem Auto der Mutter 9 Menschen in den Tod fuhr, bekam ein paar Stunden Community Work aufgebrummt, die sie allerdings angeblich in einem Krankenhaus in dem ein Verwandter an entsprechender Stelle sitzt, absolvierte.

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Eine Antwort to “Es stinkt zum Himmel, aber diesmal ist es nicht der Fisch”

  1. Es stinkt zwar überall und in Thailand noch ein bisschen mehr, leider! Danke dir für deinen traurigen Beitrag. Gruss Martina

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