Von Kühlschränken und gesundem Menschenverstand in Asien

Wer kennt das nicht, man möchte sich an den PC setzen und muss überlegen, wo zum Kuckuck man wieder seine Brille versteckt hat. Oder man geht an den Kühlschrank, öffnet die Tür und weiß nicht mehr, was man eigentlich herausnehmen wollte, weil man noch den Kopf mit anderen Dingen voll hat.

Mit zunehmendem Alter wähnt man sich in solchen Situationen schon in der Demenzliga und wartet auf den Tag, an dem man sich mit anderen orientierungslosen vor der Bushaltestelle des Altenheims trifft und jeder in eine andere Richtung zur Kalkkopf-Kantine zeigt.

Aber dann gibt es eben doch Momente, in denen man sich selbst auf die Schulter hauen möchte, etwa wie ein mittelalterlicher spanischer Bischof, bei der Selbstgeißelung. Genau so einen hatte ich Gestern.

Einer meiner Ex-Nachbarn, der Typ der ständig durch die Sois wanderte, um jedem zu erzählen er hätte diesmal wieder einen Job mit 60.000 Dollar Monatsgehalt an Land gezogen, bevor er einen um Zigaretten und ein Freibier anbettelt, bot mir einen Job in seiner neuen Firma an (das muss seine vierte Firma in den letzten 12 Monaten gewesen sein). Sein Boss braucht dringend jemanden, der halbwegs der deutschen Sprache mächtig ist, um für ein super, mega, ultra Projekt auf dem deutschsprachigen Markt die Promotion voranzutreiben.

Ich traf den thailändischen Multimillionär in einer Billiardhalle in dem Gebäude, wo angeblich in den oberen Etagen gerade das neue Firmenbüro renoviert wurde. Das stimmte tatsächlich. Außer mir, waren noch ein paar Typen anwesend. Australier, Neuseeländer und Briten, die aussahen, als hätten sie im Land des senkrechten Lächelns schon bessere Tage erlebt und in einer Art Festival der Ahnungslosigkeit in der Hoffnung vereint, durch Mitwirkung in dieser Firma nun endlich sämtliche überzogenen Bedürfnisse (inklusive neuer Bikinis) ihrer Thai Bekanntschaft erfüllen zu können.

Der Don de Don erklärte mir knapp, er will kein Banalbusiness machen, sondern gleich eine ganze Nation kaufen. Schluck?!

Nun, ich bin vom Fach und habe also erst mal recherchiert. Was herauskam, war ziemlich ernüchternd.

Der Herr wollte eine polynesische Inselnation peu a peu in seinen Besitz bringen, um ausländischen Investoren das Geld aus der Portokasse zu saugen.

Meine Recherchen ergaben, die Inselgruppe ist seit 100 Jahren ziemlich fest in deutscher Hand. Regierungschefs und wichtige Entscheider tragen alle denselben deutschen Familiennamen. Die Inselgruppe war einmal deutsche Kolonie. Nach den zwei Weltkriegen spielten die Besitzverhältnisse keine große Rolle mehr und so nahm sich eine der weltdominierenden Nationen der Inseln an. Da sie weit genug von den eigenen Stränden entfernt liegen, nutze man sie als nukleares Testgebiet. Das hat zumindest dafür gesorgt, dass Touristen das ehemalige Tropenparadies lange Zeit gemieden haben und ihren Wohlstandsmüll lieber auf Hawaii-Stränden vergruben.

Hinzukam, dass man mir erklärte, der Thai Multimillionär (offensichtlich Opfer der landestypischen Willnehmenskultur) hätte wohl ein Problem mit seiner Spielsucht. Also habe ich die Finger von dem Angebot gelassen.

Und jetzt kommt’s: Gestern zeigte mir der Ex-Nachbar eine Abschieds SMS des vermeintlichen Inselkönigs. Darin schrieb er seinen Angehörigen, man würde ihm eine Knarre an den Kopf halten und er hätte mit allem abgeschlossen und wünsche ihnen eine geruhsame Zukunft…

Seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört. Nun, Trottel sterben selten den Heldentod. Vielleicht hat er aber auch nur in einem Anfall vorzeitiger Demenz vergessen, seine Spielschulden zu bezahlen.

So, und jetzt gehe ich an den Kühlschrank, hole mir das Bier heraus, wie ich es geplant hatte und freue mich beim Zischen, wenn der Kronkorken vorbeifliegt darüber, dass meine Birne noch funktioniert.

Advertisements

2 Antworten to “Von Kühlschränken und gesundem Menschenverstand in Asien”

  1. Die Geschichte klingt so verrückt, die muss schon wieder wahr sein – weil sie ja in Thailand spielt.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: