Happy New Year anyone?

Songkran, das thailändische Neujahrsfest. Sämtliche Nachbarn der Soi sitzen vor dem Haus und saufen sich die Augenbrauen hochkant, grillen und kochen was der Wok hergibt und zappeln sich ´nen Wolf beim Isan-Dancing, was sie aussehen lässt als hätten sie sich die ersten vermeintlichen Flugversuche von Pinguinen abgeguckt. Dazu gibt es „Reisbauern Vollchlore“ aus Boxen in Kühlschrankgröße und alle tragen dieselben beknackten 2,50 € Blumendekor-Hemden, die ihnen ein cleverer Chinese mal als „Hawaii-Hemden“ verscherbelt hat. Ein absolutes Muss für Songkran-Enthusiasten. Bei Lagerfeld & Co. würde der Anblick zu Speichelsturz führen.

Nachbarn Songkran 800Das einzig Gute an meinen Nachbarn ist, dass sie im Vollrausch nur mit dem Fahrstuhl in Richtung ihrer Nachtlager pilgern, während der Rest der Nation sich ins Auto setzt, um sich und noch ein paar andere Highländer um die Ecke zu bringen. Wie sagte einst jemand in einem Kommentar über deutsche Schützenfeste? Des kleinen Mannes Sonnenschein ist Ficken und besoffen sein. Das erklärt dann auch, warum 9 Monate nach dem Fest, ebenso wie nach dem Valentinstag, die Geburtenraten in die Höhe schießen.

Hier meine Einschätzung einiger Kuriositäten am Rande des einwöchigen Gelages, die man nicht ernst nehmen muss, denn ich bin das, was die Thais als einen dieser dummen Farrangs bezeichnen, der ihre „Thainess“ ohnehin nie verstehen wird:

3ter Tag des Gelages vor dem Nachbarhaus

Einer der Angestellten meines Apartmentkomplexes gilt unter den restlichen Orientierungslosen als so eine Art Zeremonienmeister. Der fast zahnlose Einfaltspinsel veranstaltet illegale Wetten und besorgt aus zweifelhaften Quellen schrankwandgrosse LCD-Schirme, um die Thai Nationalelf auf dem Parkplatz beim Fußball verlieren zu sehen. Der Typ hätte akute Schwierigkeiten seine eigene Adresse  in seiner Muttersprache zu Papier zu bringen, wird aber gefeiert wie der Papst auf Südamerika-Tournee. Heute gibt er den „Antänzer“. Nachdem er erst einen Hühner-Hugo aus der Soi zum Propellertanz überredet hat, schmeißt er mit 100 Baht Noten um sich, damit wenigstens die fettesten und hässlichsten Ladyboys aus der Umgebung, gekleidet in Glitzer-Hotpants aus denen Mortadellas in Zahnseide baumeln, mit ihm den Begattungswalzer aufführen. Es ist nach 11 Uhr abends und das Gegröle nimmt an Intensität erwartungsgemäß zu.

Das Einzige was mich erstaunt ist, dass es bisher weder zu den beliebten Messerstechereien oder Schiessereien gekommen ist. Gemessen an der Kriminalstatistik der „Feiertage“ schien das Motto zu lauten: Keine Gewalt ist auch keine Lösung!

Meanwhile:

Inzwischen hat sich auch die Einstellung zu Vollrausch-Fahrten im Auto oder auf Mopeds relativiert. Da trotz immenser Anstrengungen der Fusel und die Snacks knapp werden, beschließt man die Logistik aufzuhübschen und fährt angebrezelt zur nächsten ATM, oder zum lokalen Fuselprovider. Das Ergebnis der Jagdstrecke der Verrückten Tage vom 11-17 April:

Todesfälle insgesamt: die Angaben schwanken zwischen 442 und 504

Verletzte insgesamt: 3.656 wobei 195 für den Rest des Lebens behindert bleiben. Allgemein wurden während der Feiertage 28.000 Verletzte in Krankenhäusern behandelt.

Verkehrsunfälle insgesamt: 3.447

Fast 6.000 Fahrzeuge wurden beschlagnahmt, weil die Fahrer betrunken waren.

Trunkenheit am Steuer und Geschwindigkeitsüberschreitungen waren die Hauptursachen, die zu 64 Prozent der Unfälle beitragen.

Kritiker hielten die zuvor groß angekündigten Programme zur Reduzierung der Anzahl von Verkehrstoten für schwachsinnig, aber somit auch der Zielgruppe angemessen.

Na endlich: Songkran jetzt nippelfrei!

pqKPRV4

Kommen wir zum wirklich kuriosen Teil der Songkranerei. Während die Masse der Bevölkerung traditionsgemäß dabei ist sich auf den Straßen zu dezimieren, die Cops versprachen dieses Jahr rigoros Alkoholkontrollen durchzuführen, was immerhin dazu führte, dass insgesamt 14.880 Führerscheine eingezogen wurden und 32.400 Motorradfahrer und 19.916 Fahrer von öffentlichen und privaten Fahrzeugen verhaftet wurden. Von tausenden Handgasaffen und Lenradbeissern konnte man die Fahrerlaubnis nicht einziehen, weil sie keine besitzen!

Währenddessen geht es dem regierenden Junta General hauptsächlich um ein viel wichtigeres Thema: das richtige Verhalten und besonders der seinen Moralvorstellungen entsprechende Dresscode zum Erntedankfest des Sensenmanns.

Was dabei herauskommt ist eher peinlich als komisch.

Diese arme Kerl wurde in Chiang Mai verhaftet und zu einer Geldstrafe von 100 Baht (€ 2.52) genötigt weil er, entgegen der neuen Kleidervorschrift (male nipple ban), kein Hemd trug:

No shirt 100 Baht

Nach dem signifikanten Plus in der Tea Money Kasse, hat man ihn – ohne Hemd – aus der Polizeiwache entlassen. Nachdem  sich sogar Thais über diesen Blödsinn in den social media lustig gemacht haben, hat die Wache vorsichtshalber 20 T-Shirts gekauft. Jetzt müssen die Cops mindestens 30 Halbnackte einfangen, um keine Miesen zu machen.

Die nächsten vier Nackerten, waren natürlich auch wieder schamlose Ausländer aus Myanmar. Deren Preis  für die Strafe stieg wegen der zur Verfügung gestellten T-shirts auf 500 Thb an.

shirtless Myanmar 500 Baht

Wohlgemerkt, es vergeht kaum ein Tag an dem nicht ein Hemdloser neben mir an der Kasse vom 7-ELEVEN steht und nach dem Einkauf auf dem Moped durch die Sois braust.

Aber was soll man schon in einem Land erwarten, dass von einem alternden Generalissimo mit dem Charisma eines Baseballschlägers regiert wird, der offenbar seine Nippelphobie auslebt und behauptet: Frauen in knappen Kleidern sind wie ausgepackte Süssigkeiten. Jetzt weiss der Rest der Nation endlich, seinen Fetisch einzuschätzen.

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So wurde übrigens noch vor drei Jahren seitens des Kulturministeriums für das Fest der Feste geworben. Von Wegen traditionelle Kleidung und so…

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Allerdings, wenn das der Nachbar des Generals ist, vor dem er sich graust, kann ich ihn ja fast verstehen und seine Alpträume nachvollziehen:

male nipples 1

Nach den jüngsten Junta Erlassen würde es mich auch nicht wundern, wenn vor dem nächsten Songkran vom regierenden Feldherren ein neuer Befehl aus dem Zyklus „Happyness to all Thais“ herausgegeben wird, wonach Alkoholverkäufer vor dem Fest einen schwarzen Umhang und eine Sense tragen müssen.

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