Thailands Schulbildung basiert auf „Schellendidaktik“

Die Didaktik (altgriechisch- didáskein‚ lehren‘) ist die „Kunst“ und die „Wissenschaft“ des Lehrens und Lernens. „Schwellendidaktik“ ist Pädagogen-Jargon dafür, wenn Leerkörper sich erst auf der Türschwelle zum Klassenzimmer überlegen, was sie denn heute zum Besten geben wollen. Das scheint hier die Norm zu sein.

Im selbsternannten Land des Lächelns, in dem ein an die Macht geputschter General, die Geschicke der Nation lenkt, ist es daher nicht verwunderlich, wenn Steißpauker und Prügelpädagogen mittels „Schellendidaktik“ dem Nachwuchs das einbläuen, was eine Ansammlung aus Kommissköpfen im 21. Jahrhundert für Bildung hält.

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Eigentlich gehöre ich zu den Leuten, die Umfragen in diesem Land grundsätzlich nicht trauen, aber selbst im fortgeschrittenem Alter glaube ich; man lernt nie aus. In einer Befragung von der Gemeinnützigen Organisation Sprouts, unter 3.000 Schülern von staatlichen und privaten Schulen, kam heraus, dass 55% der Schüler im vergangenen Jahr von ihren Lehrern geschlagen wurden. Ich frage mich inzwischen, ob die Schulen ihre „Pädagogen“ unter Rummelringern aus Box Buden rekrutieren. Oder,- ob die Junta die Organisation für „gemein“ oder „nützlich‘ hält?

In einer Nation deren Bevölkerung glaubt, auf Grund ihrer Einzigartigkeit, hoher Moral und erhabener Berufsethik, dem Rest der Welt überlegen zu sein (zumindest, wenn man Mondlandungen, Anzahl der Nobelpreisträger und Eiskunstlauf als Bewertungskriterien außeracht lässt), scheint niemand zu ahnen, dass Kinder und Jugendliche während ihres Sozialisationsprozesses durch kopieren der Erwachsenenwelt lernen.

Was Hänschen lernt, kann Hans später umso besser

Was Hänschen lernt, kann Hans später umso besser

Sonst würden vielleicht zumindest die intellektuellen Zwölfender des Landes fragen, ob ein Zusammenhang zwischen ihrer Schellendidaktik und der Tatsache, dass es für 63 Prozent der Bevölkerung als akzeptabel gilt, wenn der Freund, oder Ehemann, seine Partnerin schlägt, was den „Hub of Haumiblau“ an die 2te Stelle unter 49 Ländern in der Rubrik häusliche Gewalt katapultiert.

Eine traurige Bilanz

Wie kommt also ein Schüler in diesem Hort der Rechtschaffenheit zu guten Noten und bestandenen Examen?

In den ersten zwei Monaten des Jahres wurden dazu 2919 Schüler im ganzen Land befragt. 94 % waren im Alter zwischen zwölf und siebzehn Jahren und 70 % davon waren Schülerinnen.

52 % der Schüler wurde von Gehirnlähmern an der Schule angeboten, gute Noten im  Gegenzug für „besondere Vorteile an die Lehrkörper“, zu erhalten.

37 % wurde eröffnet, sie sollten für gute Noten alles tun, um zum „Lieblingsschüler“ der Pauker zu werden. (Bei uns erhielten damals die Arschkriecher „besondere Aufmerksamkeit“ – von den Mitschülern).

25 % wurden Vorteile bei der Notenvergabe in Aussicht gestellt, wenn sie Arbeiten, vom Einkaufen bis zum Fassadenstreichen des Hauses eines Lehrers, übernehmen. Na wenigstens werden sie für „Pfusch am Bau“ nicht zur Strafe an Autoreifen gekettet (mehr dazu hier)

6 % der Schüler gaben an, dass Leerer ihnen gegen Bargeld den Weg durch Prüfungen ebnen würden. Da braucht man sich auch nicht wundern, dass Dienstgrade und Positionen in höhere Gehaltsklassen erkauft werden, wobei auch dies allgemein akzeptiert wird.

2 % der Schüler wurden gefragt, ob sie sich nicht vielleicht als „Abi-Nutten“ den Abschluss erleichtern wollen.

Der Projektmanager von Sprouts, Kamolnalin Kamonalvin, war angesichts der hohen Zahlen überrascht. Da kann man nur hoffen, der bricht nicht mehr über die Tatsache, dass es am Abend zunehmend dunkler wird, in Verwunderung aus. In der Presse wurde er mit den Worten zitiert: „In den Schüler-Kommentaren heißt es gewöhnlich, dass es nichts Ungewöhnliches sei, wenn Lehrer Schüler schlagen und dass es in Ordnung sei. Das sei die Art und Weise, wie Thailehrer unterrichten. Diese Kommentare kamen meist von Schülern der High School!“

Hier einige weitere Ergebnisse der Befragung:

Demnach gehen 68 %  gern zur Schule.

57 % sind sicher, dass es an ihrer Schule Korruption gibt. Wer das für eine Überraschung hält, sollte Pädagogik gegen Landschaftsgärtnerei tauschen.

35 % gaben an, sie wurden vom Lehrer getadelt, weil sie eine Frage stellten. Wahrscheinlich steht „Sesamstrasse“ auf dem Index und man hält „Wer, wie, was, warum- wer nicht fragt bleibt dumm“ für den Beginn von Studentenrevolten.

Steht vielleicht noch irgendjemandem im Raum der Sinn nach einer kleinen Zwischenfrage?

Steht vielleicht noch irgendjemandem im Raum der Sinn nach einer kleinen Zwischenfrage?

30 % haben wenigstens das Glück, dass ihr Mathelehrer gegen Entgelt nach der Schule Nachhilfestunden anbietet. Tolle Geschäftsidee: Ich laß‘ sie im Unterricht hängen und das fundamentale Wissen wird automatisch gebührenpflichtig. Ich denke, diese Leute sollten sich eigentlich nicht vermehren, tun sie nach einer Flasche Lao Khao aber doch…

21 % sagten, sie beauftragten Dritte, um ihre Hausaufgaben zu erledigen. Das Motto scheint hier zu lauten: Ich gehe während des Einzugs der Plagiatoren derweil zu einer Wellness-Chillout Vorlesung.

 (Im Übrigen geht es an den Schulen so realitätsnah zu wie im richtigen Leben: Kritik an der (Militär)Regierung und der Polizei ist inzwischen nicht mehr nur unerwünscht, sondern unter Strafandrohung verboten)

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Eine Antwort to “Thailands Schulbildung basiert auf „Schellendidaktik“”

  1. Thailand dürfte das einzige Land sein, wo während der Schulzeit der IQ der Schüler sinkt. Kein Wunder, wenn nach dem Absingen der Nationalhymne und dem Rezitieren der 12 Gebote des Juntaführers (der christliche Gott brauchte nur 10) der wichtigste Teil des Tages scheinbar erledigt ist.

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