Specktitten und Orangenhaut

In meiner Heimat ist immer noch Winter angesagt und Temperaturen von 2°C sind keine Seltenheit. Da kann ich mich, aus reiner nostalgischer Verbundenheit, ja auch wieder einmal aus vermeintlich sicherer Entfernung auf dünnes Eis bewegen. Ein amerikanischer Kollege hat ebenfalls über das Thema unter der Überschrift: „Fat Fraudsters“ (fette Betrüger) berichtet. Natürlich würde ich beim derzeitigen Klima (damit meine ich nicht die 34°C) nie so weit gehen, die Überschrift zu übernehmen. Dafür habe ich zu viel Kram in meinem Haushalt, den ich nicht in einer Nacht&Nebel Aktion über die Grenze bringen könnte. Aber ich würde ihm auch nicht sagen, dass er damit völlig falsch liegt.

Wenn ich aus dem Fenster sehe, blicke ich auf einen Stand an dem jeden Morgen eine Frau frittierte Hackfleischbällchen und Reis verkauft. Der Laden brummt. Allmorgendlich stehen Kunden in Schlangen vor ihrem Stand, um sich einen Snack für die Frühstückspause zu holen. Die Alte verdient damit mehr als ein Polizistengehalt. Und überall dort, wo es zum Tagesbeginn etwas Leckeres zu essen gibt, tauchen nicht nur die Fliegen auf, sondern auch übergewichtige, barfüßige, Männer mit tripple D Specktitten unter orangenen Roben, die sich als mittelose Mitesser ihre Ration erbetteln. Bis zu drei Mönchlein prallen täglich an dem Stand auf, der lediglich der erste klerikale Selbstbedienungsladen auf einer 500 Meter langen Soi, mit mindestens 15 anderen Fressbuden ist. Da Mönche berufsbedingt nicht schwer tragen sollen, haben sie stets einen Kuli hinter sich, der die prallgefüllten Bettelbeutel schleppt.

thai-monks-eatingDiese „food for the needy“ Aktion funktioniert in BangCock wunderbar für heilige Männer, bei denen eher Appetit auf Trüffel Somtam aufkommt, im Unterschied zu den ländlichen Wanderschwellkörpern, die sich mit einer Tüte Instantnudeln zufriedengeben müssen und sich vorkommen wie ein Bachelor of BBQ am veganen Büffet. Der Spruch des Apostel Paulus: „Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen“ zieht hier nicht. Kein Thai würde es wagen, einem Mönch seine „Opfergabe“ vorzuenthalten. Ich denke, da wird die Bettelei umgehend zur Forderung. Aber, ich bin ja auch nicht von hier.

Wäre ich Unternehmensberater des Hackbällchen-Imperiums, würde ich der Geschäftsleitung vorschlagen, allmorgendlich Heftzwecken als natürliche Feinde der Schuhlosen um den Stand zu drapieren, um die Verluste gering zu halten. Was die Fliegen angeht, hätte ich auch eine Idee, aber dieser Rat kostet extra.

Schweinekopf

No Ploblem, wenn im Tempel der kleine Hunger kommt…

Thailands tägliche „Speisung der Zehntausende“ wird plötzlich ein Thema.

Wie könnte man die Völlerei der dicken Religionsanbieter wirkungsvoller anprangern, als darauf hinzuweisen, dass sie den Staat Geld kostet? Wenn’s um Geld geht, horchen auch die Verschlafensten in dieser Gesellschaft auf. Und wo zum Teufel bleibt Jesus mit seiner einen Makrele, wenn man ihn braucht?

Eine Akademikerin der Chulalongkorn Universität, Dr. Jongjit Angkatavanich, wies auf eine Studie hin, wonach 48% der Mönche unter Übergewicht leiden, was zu erheblichen Gesundheitsproblemen führt. Sie nannte das Problem eine tickende Zeitbombe. Dass Leute unter ihrer unkontrollierten Fressucht, die dazu noch den halben Tag in meditativer Duldungsstarre verbringen und somit an berufsbedingter Trägheit „leiden“, halte ich eher für einen netten Euphemismus. 42% der Fressaliensammler beschlägt der Cholesterinspiegel, 23% stehen mit zu hohem Blutdruck unter Dampf und 10,4% sind Diabetiker. Wie viele dazu noch ein Alkoholproblem haben, Energy Drink Junkies und Kettenraucher sind, gibt die Studie nicht her.

fat monks

Hau’rein Kollega, es gibt gleich noch Pudding!

Und hier kommt’s: die Hochdruck-Kalorien-Betankung der Rainer Calmund Doubles kostet den Staat jährlich fast 7,7 Mio Euro, da die VIP-Adipositas Patienten auf Staatskosten behandelt werden.  Und das, obwohl die Tempel so reich sind, dass sich Äbte einen Luxusfuhrpark, Immobilien und berstende Konten leisten können.

Nun möchte man mit Ernährungs-Programmen und Anleitung zur körperlichen Fitness die Tempel-Tönnchen zum Abspecken bewegen. Außerdem möchte man die big Buddha Kopien dazu bewegen, eine Art enge Bauchbinde zu tragen, die sie konstant an ihr Übergewicht erinnern soll. Mich erinnert das mehr an die Handgelenk-Bändchen zum Zugang der „all you can eat Büffets.“

Es gibt mehr als nur einen Buddha, aber das Original war nicht fett!

Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, die Fressorgien der Mönche damit zu rechtfertigen, dass der Buddha selbst auch fett war, hier ein paar magere Fakten zur Ernüchterung:

Die ersten Abbildungen des „richtigen“ Buddha (Siddhartha Gautama), entstanden erst ca. 300 Jahre nach seinem Tod. Kaum anzunehmen, dass es damals Leute gab, die ein Selfie mit ihm vorzeigen konnten. Der ehemalige Prinz war in seiner Jugend ein guter Kampfsportler. Während seiner Wanderjahre lebte er von Almosen der Bevölkerung und in seiner Zeit als Asket soll er ausgemergelt wie eine Buchenwald Schablone gewesen sein. Danach hat erlediglich einmal pro Tag am Vormittag gegessen.

Qici_buddha

Die Bilder und Statuen des fetten, lachenden Buddha, gehen auf zwei chinesische (wer sonst?) Mönche zurück. Einer ist bekannt als Qici, der als wandelnder Bettelmönch im 10. Jahrhundert lebte. Der andere war ein Chan-Mönch mit dem Namen Pu-Tai. Dieser wanderte mit einem großen Bettelsack durchs Land und verteilte daraus Essen und Geschenke an Kinder. Ich habe in Thailand noch nie einen Mönch gesehen, der mit bettelnden Kindern etwas aus seinem Fressnapf geteilt hat.

Was Chinesen unter einer standesgemäßen Nahrungsbeschaffung verstehen, kann man besonders an Hotelbüffets sehen, wenn Reisegruppen aus dem Reich der vergötterten Körpermitte aufprallen:

https://wahnsinnausdemwok.wordpress.com/2011/06/20/das-foto-der-woche/paxp-deije/

…und was die Überschrift des amerikanischen Kollegen und die ewigen Forum-Poster angeht, die permanent alles damit entschuldigen, das gibt es woanders auch, hier noch eine Geschichte über die internationalen Machenschaften der Zunft:

http://theadvocate.com/news/15221669-79/buddhist-monk-admits-misusing-lafayette-temples-money-for-gambling-forays-to-louisiana-casinos

 

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2 Antworten to “Specktitten und Orangenhaut”

  1. Hier im Norden auf dem Lande ist es mir bei meinen Spaziergängen doch schon passiert, dass ich bei einer Pause in machem Wat vom zuständigen Abt mit Getränken und Obst bedacht wurde.
    Das sind dann meist die etwas einfacheren Tempel, arm kann man dazu nicht sagen. In den wohlhabenen Tempeln wird man geflissentlich ignoriert – die an jeder Ecke stehenden Spendenbehälter geben den Ton an.

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  2. Mich widern diese überfetten Menschen so ziemlich an , auch bei uns! Besten Dank für diese Präsentation. Cari saluti

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