Die „Luk Thep Wochos“ gehen weiter…

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Diese hässlichen Puppen gehören inzwischen zum must have Outfit der Walking Braindead in einer Nation, deren Quartalsirre täglich tausendfach unter Beweis stellen, dass Frohsinn ohne Hirngebrauch, möglich ist. Ich habe allein in der vergangenen Woche vier Frauen gesehen, die mit ihrem Plastiknachwuchs in BangCock (Stadt der Engel) U-Bahn fahren, ihnen das Warenangebot im 7ELEVEN zeigen und mit dem potemkinschen Nachwuchs durch den Wetmarket wandeln. Vielleicht ist aber der Tag vor dem chinesischen Neujahrsfest auch so eine Art Wandertag der Soziopathen. (Soziopathie ist ein Begriff der angloamerikanischen Psychiatrie für eine psychiatrische Störung, vor allem des Sozialverhaltens der Person).

Ebenso erschreckend ist allerdings die Anzahl derer, die sich berufen fühlen zu diesem Humbug öffentliche Statements abzugeben, als wäre ihnen über Nacht die eigene gesellschaftliche Stellung pipe schnurz egal geworden. Immer wenn ich an den zum Aufatmen animierenden Punkt gelange zu glauben, mehr kollektive Ignoranz der Realität geht nicht, schiebt einer den Hebel des Maschinentelegrafen des Wahnsinns bis zum Anschlag.

Maschinentelegraf-500

Vom Premierminister

Nach den letzten Ereignissen in Deutschland bin ich ja nicht mehr überzeugt, dass mein Ursprungsland so ganz ohne Wahnsinn auskommt. Dennoch glaube ich, dass ein zur prime time im Fernsehen übertragener Rat von der ehemaligen Zaunkönigin Migranten-Merkel an die Nation wie: „Kauft keine von Protz-Bischof van Eltz mit Luis Viutton Weihwasser besprenkelten Kruzifixe, wenn ihr sie euch nicht leisten könnt“, ihr politisches Ende bedeuten würde.

Prayuth luk thep

In Thailand kann man so was machen. Kein geringerer als Premierminister Prayuth Chan-Ocha, drängte seine Thais nicht dem aktuellen Trend der Fürsorge für die Zauberpuppen zu folgen und ihr Geld lieber für sinnvolle Dinge auszugeben. Seine Untertanen sollten nicht glauben, dass die Püppchen etwas Unverzichtbares sind und nicht von Leuten gekauft werden sollten, die sich Plastiknachkommen nicht leisten können. Offensichtlich steht der selbsternannte „Happiness Provider“ in diesem Punkt in Konkurrenz  mit der Freude die aufkommt, wenn das Erstgeborene ohne Geburtswehen aus der Verpackung gerissen wird.

Über die gängige Praxis richtige lebendige Kinder in die Welt zu setzen, wenn man sich deren Unterhalt nicht leisten kann, sprach er nicht.

Die Frage von mutigen Journalisten, ob ein Teil des Kautschuks der notleidenden Bauern, der von der Regierung zu überhöhten Preisen gekauft wird, in die Puppenproduktion gehe, sagte der Premier, dass es viel besser ist, das Gummi für den Straßenbau zu verwenden. Der Mann ist eben ein ambitionierter Radfahrer.

Schwerter zu Pflugscharen war Gestern. Pübbis zu Radwegen ist angesagt:

Test Team

Von Ministern

Justizminister Paiboon Kumchaya äußerte sich unterdessen besorgt darüber, dass die Puppen verwendet werden könnten, um Drogen zu schmuggeln. Der sagt das in einem Land, in dem „Reichskristallnacht“ und „Highligabend“ zum Alltag gehören.

Von der Polizei

Wenn es darum geht, auf die Schnelle Geld zu generieren, ist auf Thailands Polizei immer Verlass. Nachdem sich bis in die letzte Provinzwache herumgesprochen hat, dass sich aus der Puppenadoption einiger Mitbürger, mit einer schönen kleinen Verhaltensauffälligkeit, noch der eine oder andere Baht herausquetschen lässt, ist man an vorderster Front dabei. Die Brigade der braunen Maden hat daraufhin untersucht ob Tempel, die abergläubische Rituale für aus China importierte Puppen anbieten, nicht etwa die Leute betrügen, die an den Humbug glauben. Wobei natürlich der Focus auf der nicht-thailändischen Produktion liegt.

Die taugen nix, die sind nicht von hier

Die taugen nix, die sind nicht von hier

Aus den Tempeln

Unter den nicht ganz so einfältigen Bewohnern tauchten die Fragen auf: ob das „ich hauch dir leben ein Ritual“ (Plook Sek) von Mönchen durchgeführt werden darf, oder ob das nicht eventuell gegen die Lehren Buddhas verstößt?

Der Sprecher des  Nationalen Buddhismus-Büros, Somchai Surachatri, sagte dazu das Ritual sei nicht anders, als das, was die Mönche durchführen, um Autos zu segnen. Welchen Wert der Hokuspokus hat, kann man an einer der höchsten Verkehrsunfall-Raten weltweit ablesen, die Thailand dazu noch alljährlich erhöht.
Auch hier trifft man also auf eine Realitätsnähe, die den Hochglanz- Fertigmenüvorschlägen bei „7ELEVEN“ entspricht.

Während vor drei Wochen der Püppchenwahn noch der letzte Schrei war, kamen wegen der Kritik zunehmend die Besitzer auf die Idee, ihre Plastiken lieber loszuwerden. Aber natürlich kamen Müllschlucker oder Bestattung im eigenen Garten nicht in Frage. Also haben einige Rabeneltern in Nacht- und Nebelaktionen ihren Nachwuchs im nächstgelegenen Tempel als „Waisen“ entsorgt. In einem der Tempel wurden über 20 von ihnen, ausgestattet mit roter Brause und ein paar Snacks, unter heiligen Bäumen drapiert. Inzwischen weigern sich Äbte sogar dem Plastiknachwuchs buddhistische Kremationen zu Teil werden zu lassen.

Von selbsternannten Psychologen in der Presse

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Luuk thep sind eigentlich die moderne Version des kumanthong; einer alten Praxis, in der ein toter Fötus gegrillt und mit Blattgold überzogen wurde – daher der Name „kuman Tanga“, das „goldene Kind“ , es dient dazu Glück zu bescheren. Wer eine kuman Tanga besitzt, hat die Pflicht, für richtige Pflege und regelmässige Anbetung des medizinischen Ausschusses der zahlreichen Abtreibungskliniken, als Gegenleistung für dessen Gunst zu sorgen.

Da jedoch sowohl ein Nekromant und eine echter, toter Fötus benötigt werden, um eine kuman Tanga, zu fabrizieren, ist die aktualisierte Version dieser alten Tradition bequemer.

Als Besitzer einer luuk thep Puppe (die, soweit es der Autor weiß, keine menschlichen Körperteile entält) und inzwischen preislich irgendwo zwischen 2000  und 20.000 ฿aht liegt, muss man lediglich einen kopekengeilen Mönch anweisen, eine Zauberformel zu rezitieren, um die Seele eines verstorbenen Kindes in die Plastikmasse einzuladen. Dann wird sich der so genannte Elternteil um das Püppchen kümmern, Kleidung, Nahrung, Zeit, Liebe und Aufmerksamkeit bieten, um im Gegenzug Glück, Geld und Liebe zu erhalten. An diesm Punkt bin ich mir nicht so ganz sicher, ob ich nicht vielleicht der einzige Bekloppte in diesem Land bin.

 

Ultraschall

Na, dann kann ich ja schon mal den Alarmkoffer packen:

Eine blinde Frau wurde am vergangenen Freitag  in Krabi wegen Verleumdung verhaftet, weil sie angeblich auf Facebook Posts die Besitzerin einer „Luk Thep“ Puppe verspottet hat, so der Polizeibericht. Sie wurde erst gegen Kaution von 50.000 Baht (1,271 Euro) entlassen…

http://www.khaosodenglish.com/detail.php?newsid=1456553776

Und hier noch ein Artikel von Freund Low, über die asiatische Interpretation von“Fürsorgepflicht“:

http://hinterindien.com/2016/02/27/hundeleben/

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2 Antworten to “Die „Luk Thep Wochos“ gehen weiter…”

  1. […] Weit schlimmer ist, wenn Kinder weder Aufmerksamkeit, Betreuung noch Liebe erhalten. In einer unübersichtlichen Kurve in unserer Strasse steht zur Erhöhung der Sicherheit ein Spiegel. Eines Tages wies der Spiegel ein Loch auf. Wir dachten, stürmische Winde hätten ihn durch krachende Äste beschädigt. Beim Giessen unseres Gartens hörte Dick dann komische Schlaggeräusche. Sie schaute nach und sah, wie ein kleiner Junge mit einer langen Stange auf den Verkehrs-Spiegel einschlug. Sie ging hin und erklärte dem Knaben, warum das kein Spass sei, dass er solche Hilfsmittel nicht zerstören sollte. Der Schelm hörte der gut gemeinten Schelte absolut verständnislos zu. Danach brachte ihn Dick nach Hause. Unterwegs demonstrierte der kleine Drecksack seine Schlag-Kraft, indem er als Dreingabe mit seiner Stange einige Papaya-Stauden der Nachbarn köpfte. Zu Hause erwarteten ihn die Grosseltern. Grossvater hat irgend einen Doktortitel, geht jedoch keiner Beschäftigung nach. Die Grosseltern verprügelten das Kind zu zweit kommentarlos. Der Kleine gab trotz der Schmerzen keinen Laut von sich. Der Alte schickt den sechs jährigen Burschen zwecks Abhärtung ins Boxtrainig. Bübchen übt daneben fleissig Vandalismus. Gelegentlich verbeult er mit seinen Stangen entlang der Hauptstrasse Automobile. In wenigen Jahren wird er Drogen verkaufen. Wer keine Drogen kauft, wird er mit seiner Stangen-Technik zu erpressen versuchen. Kung Fu pur. Das Fernsehen übermittelt solche Botschaften bereits Kleinkindern. Wir kennen diese Bösen-Buben-Spielchen von PhonPhat. Das ist die beste Vorbildung zum Offizier – Armee oder Polizei. Schulzeugnisse bleiben Nebensache. Gleichzeitig breitete sich eine neue Seuche aus – Plastikkinder.

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  2. You made my day! LOL

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