Von Religion und Bierverkauf

Wow, das war vielleicht doch etwas knapp. Aber manchmal hat man eben Glück und erfährt es erst im Nachhinein. Wären die Thais der deutschen Sprache mächtig, hätten sie mich heute wahrscheinlich wegen Respektlosigkeit gehexelt. Und das kam so:

Ich habe fast unzählige schwarze T-Shirts aus aller Welt im Schrank, weil die im Gegensatz zu den weißen auf dem Motorrad länger frisch bleiben und ausgerechnet am 16. Dezember entschied ich mich spontan und ohne blasphemische Absichten für dieses Shirt:

Bild1

Wenn in BangCock nix los ist, fahr ich gerne U-Bahn und lass mich anrempeln. Aber Heute waren die meisten Rempler in Schwarz gewandet. Da fiel mir ein, dass ich vor zwei Wochen für den Tag eine Presseeinladung zu einer Beerdigung bekommen hatte. Nun, ich gehe grundsätzlich nicht zu Beerdigungen  solange es nicht meine eigene ist und auch nicht zu Hochzeiten, weil da für mich schon aus rein steuerlicher Sicht kaum ein Unterschied besteht. Wieder-Jungeselle-Abende finde ich akzeptabel. Dabei fällt mir ein, wieso wird in Deutschland eigentlich auf die Kosten für Opas Beerdigung Mehrwertsteuer erhoben?

Heute wurde also der ehemals oberste Patriarch der Thai-Buddhisten gen Himmel geschickt. Das wird hier drei Tage lang gefeiert. In meiner näheren Nachbarschaft befindet sich eine Bande von korrupten Beamten, Glücksspiel-Organisatoren, Zuhältern, Quartalssäufern, Nutten und Drogendealern. Nichts Aufregendes, eher so die bunte Mischung des Landes. Hier heißt das Motto: Volkssport Beschiss. Als ich von meiner Rempeltour und Einkaufsbummel zurückkam, saßen mindesten zehn von denen, in schwarzen Klamotten, mit gefalteten Händen (wo die sich das wohl abgeguckt haben) auf dem Parkplatz vor einem Fernseher und sahen die farbenfrohe Masse der orange Gekleideten, untermalt von dem traurigen Gesummse der Mönche. Allerdings erst, nachdem man die am 16. fälligen Lotteriezahlen bekannt gegeben hatte.

Ich halte es da mit Beisenherz- Mein religiöses Symbol ist das Fadenkreuz und ich versuche nicht die Religiösen zu verstehen, denn sie hassen sich alle gegenseitig. Aber etwas geschockt war ich schon, als ich mir im Mum&Pop Shop meine Abendbrotration an Hopfen-Smoothies kaufen wollte. Die zwei Flaschen Bier wurden mir zunächst verweigert, weil man wegen des Ablebens des Patriarchen keinen Alkohol konsumieren darf. Da wurde aber die Grenze des freundlichen Miteinanders stark überschritten. Erstens bin ich kein Buddhist und wenn ich mir ansehe, was unter der Egide des Patriarchen alles so an unbuddhistischem Treiben „übersehen“ wurde (Äbte mit eigenem Fuhrpark, Helikoptern, millionenschweren Konten, Privatjets, Amulett und Lotterienummern verkaufende Mönche an jeder Straßenecke,- um nur einige zu nennen), dann finde ich es nicht OK, wenn man mir mein abendländisches Abendbrot verweigert, nur weil der Chef der Truppe den Löffel abgegeben hat. Schliesslich ist die Bar in den Katakomben des Vatikans 24/7 geöffnet, wenn die den dritten Pabst wählen sollen…

Und damit taucht die These auf, wenn es ein entscheidendes Unglücksereignis auf diesem Planeten gab, ist es womöglich das Erscheinen von Religionsprovidern?

Endergebnis: natürlich habe ich als zahlender Farrang mein tägliches Abendbrot in dem Laden erhalten. Fein eingewickelt in zwei blütenweiße DinA4 Bögen, da es nur durchsichtige Plastiktüten gab und um einen Eklat auf den 10m zum Fahrstuhl zu vermeiden. So ist es eben wenn Bahtismus über Buddhismus siegt.

Zum Schluss noch zwei Zitate.

Christoph Lehmann (um 1570 – 1638): Wären alle Träume und Wünsche wahr, dann wär‘ kein Mönch mehr da.

Und etwas abgewandelt von William Shakespeare (1564 – 1616): Die Glatze macht den Mönch nicht aus.

P.S. Ich komme nicht umhin, Euch auf einen Blog-Artikel meines Freundes Low hinzuweisen. Er trifft mal wieder präzise den G-Punkt der Liebeskasper: http://hinterindien.com/2014/06/04/frostschutz-in-thailand/#comment-4516

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4 Antworten to “Von Religion und Bierverkauf”

  1. Bis nach Satun ist die Trauer nicht gedrungen. Im Big C gab es problemlos vergorenen Traubensaft fürs Abendmahl. Auch Schnäpse waren in den Regalen vorrätig.
    Frohe Festtage
    Low

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  2. Cristof Cuntze Says:

    Stell Dir vor, der stirbt taeglch….

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