Thailand- Ein Freigehege für Sklavenhalter?

Arbeit-chain-bridge_650

Ob das 2009 gestohlene Eingangsschild zum KZ Auschwitz für einen Kunden aus New Greedland bestimmt war, weiß nur die polnische Polizei. Hintergrund-Informationen dazu hier

Würde George Orwell seinen 1945 erschienenen Roman „Farm der Tiere“ heute schreiben, würde er den Pigs wohl einen etwas modifizierten Text zwischen die Schweinebacken legen, wie etwa: „Alle Schweine sind gleich, nur einige Bankerschweine sind etwas gieriger.“

Ich gebe zu, dass ich zuerst geneigt war die Überschrift eines sehr guten Freundes von mir zu übernehmen, die da lautete: Wenn ein Schwein aus Gier eine Riesensauerei anzettelt… Aber leider ist es in diesem Land so, dass man selbst von einem Sklavenhalter wegen Schädigung des guten Rufs (!) verklagt werden kann, wenn man ihn so nennt.

greed (1)

Jedes Mal, wenn in Thailand jemand von der internationalen Community bis zur Oberlippe im moralischen Gülleeimer erwischt wird, schreit eine ganze Nation auf, dass die „Farrang“ (westliche Ausländer) ihre Kultur und das was sie unter „Thainess“ verstehen, einfach nicht begreifen wollen. Das folgende Beispiel zeigt, darauf kann der Rest der Welt, trotz großem Eigenbedarfs an moralischem Verfall, eigentlich ziemlich stolz sein.

Es gibt in zivilisierten Ländern schließlich noch eine Menge Leute, die nicht bereit sind es als Teil einer Landeskultur zu tolerieren, wenn sich ein Manager einer der größten Banken des Landes, dazu noch unter den Augen der örtlichen Polizei, sein ganz privates KZ einrichtet. Ein kluger Mann (außerhalb Thailands) hat dazu einmal folgendes gesagt:

jiddu_krishnamurti-zitat

Eigentlich schade, daß ich trotz mehrerer Fremdsprachenkenntnisse diesen Beitrag nicht in arabischer, albanischer und  der pakistanischen Sprache- Urdu- schreiben kann. Vielleicht würde es den ach so dankbaren Wirtschaftsflüchtlingen in Europa helfen zu verstehen, es hätte in diversen Teilen der Welt auch ganz anders kommen können, als am Bahnhof mit Applaus begrüßt zu werden…

In der letzten Augustwoche 2015, wurden 13 Laoten von der Polizei aus einer Sklavenhalter Schweinefarm in der thailändischen Provinz Nakhon Pathom befreit, nachdem zwei der Zwangsarbeiter flüchten konnten und die Armee auf ihr Schicksal aufmerksam machten. Jeder von ihnen zahlte einem Schlepper 5.000 Baht (€ 123), was rund 20 Tagessätzen für ungelernte Gastarbeiter in Thailand entspricht, um einen versprochenen, illegalen 7.000 Baht pro Monat Job an Land zu ziehen.

Die laotischen Migranten-Sklaven, im Alter zwischen 14 und 25 Jahren, wurden nach 18 Stunden getaner Arbeit (ohne Gudrun gut ruhen) in Käfigen ohne Toiletten verkerkert. Immerhin gab man ihnen Plastiktüten, um sich ihrer Exkremente zu entleeren.

Slave cells

Einer der laotischen Männer, der nicht namentlich genannt werden möchte sagte, er landete vor drei Monaten auf dem Bauernhof. Er erzählte den Sicherheitsbeamten, dass er und andere laotische Arbeiter manchmal von den thailändischen Angestellten geschlagen wurden.

Naja, ´ne Schweinefarm in altägyptischer Architektur wäre vielleicht etwas zu auffällig gewesen

Naja, ´ne Schweinefarm in altägyptischer Architektur, dazu zwischen Reisfeldern, wäre vielleicht etwas zu auffällig gewesen

Chaiyadet Sonut, der 55 Jahre alte Banker und eine Art upgrade von Rudolf Höß, wurde durch seine Verhaftung am 22. August, kurzfristig der Reisefreiheit entledigt, aber nach Zahlung einer Kaution von umgerechnet etwa 12.000 Euro (Peanuts für einen Thai-Banker) freigelassen,- und erneut verhaftet, denn ein Gericht widerrief die Freilassung nach Zahlung der Kaution. Wie nicht anders zu erwarten, bestritt der emotionsunbegabte Bank Manager jegliches Fehlverhalten und verweigerte weitere Aussagen bis zum Gerichtstermin.

Die Ehefrau des Managers, die als Komplizin angesehen wird und ein dritter Verdächtiger, sind ebenfalls in Untersuchungshaft sagte ein ermittelnder Beamter. Nach weiteren drei Verdächtigen wird gefahndet…

Aus Sklavenarbeit befreit, aber in Abschiebehaft wegen illegalen Aufenthalts

Aus Sklavenarbeit befreit, aber in Abschiebehaft wegen illegalen Aufenthalts

Sogenannte „influential persons“ bleiben hier normalerweise ebenso unangetastet, wie die Eingangstürklinke einer Leihbücherei. Es scheint eine kollektive Ignoranz (Angst?) gegenüber den Machenschaften von Bentley-Bengeln und Mercedes-Mafiosi zu existieren.

Das Erste, was man erlebt wenn man auf dem platten Land in Thailands Provinzen einen kommerziellen Betrieb aufmacht, ist ein Besuch der Polizei. Wer in Deutschland z.B. eine Kneipe eröffnen will, bekommt Besuch vom Ordnungsamt und der Feuerwehr, zur Feststellung der Umsetzung gesetzlicher Auflagen. Hier wird von den Cops lediglich eruiert, ob und wie viel Tea Money der Laden hergibt.

save_money_tea-black

Was danach geschah, ist wie ein Marsch durch eine

moralinfreie Ebola-Station

Im Gespräch mit Journalisten sagte, Landespolizeikommandant, Generalmajor Poj Boonmapak. er habe fünf Beamte der Sam Khwai Puek Polizeistation, auf unbestimmte Zeit auf inaktive Posten befördert.

Das gilt (bei vollem Gehalt) als Strafe für Versagen der Polizisten, nicht gegen Menschenhandel und Sklavenarbeit in ihrem Bezirk vorzugehen. Das ist in Thailand eine Routine Sanktion gegen Offiziere die wegen Vergehen im Amt verdächtigt werden,- also nicht weiter schlimm. Hier gibt es inzwischen so viele Polizisten auf inaktiven Posten, dass man damit einen eigenen (Polizei)Staat gründen könnte.

Das wirklich überraschende an der Geschichte ist, dass der selbsternannte Lagerkommandant letztlich tatsächlich angeklagt wird.

Erst im August hat die US-Regierung Thailand in ihrem jährlichen globalen Bericht- für das zweite Jahr in Folge- in die niedrigste mögliche Rangstufe eingeordnet.  Begründet wurde dies mit dem Mangel an ernsthaften Bemühungen im Kampf gegen den Menschenhandel.

Drei US Anwaltskanzleien haben bereits den amerikanischen Einzelhändler Costco vor einem kalifornischen Gericht verklagt, um den Verkauf von thailändischen Garnelen aus  Sklavenarbeit zu stoppen.

Nach Auffassung des Beschwerdeführers, liefert CP Foods (der größte Lebensmittelkonzern des Landes) regelmäßig Thai Meeresfrüchte an Costco, die von Schiffen stammen, auf denen Sklaven gefangen gehalten werden, um auf den Trawlern zu arbeiten. CP Foods hat dagegen stets den Vorwurf bestritten mit Produkten durch Verwendung von Sklavenarbeit zu handeln, der erstmals durch einen Bericht des britischen Guardian im Jahr 2014 ans Licht kam.

Mir ist schon klar, dass ich mir für so einen Blogbeitrag im Land des Lächelns von ein paar Selbstauserwählten so einiges einfangen könnte,- aber:

altersbedingt Pheneas

 

 

Advertisements

Eine Antwort to “Thailand- Ein Freigehege für Sklavenhalter?”

  1. > Mir ist schon klar, dass ich mir für so einen Blogbeitrag im Land
    > des Lächelns von ein paar Selbstauserwählten so einiges
    > einfangen könnte…

    Da würde ich mir keine Sorgen machen. In einem Land, wo evtl. eine Handvoll Einwohner deinen Beitrag verstehen könnte, wäre in Englisch geschrieben, ist bei Deutsch die Wahrscheinlichkeit eher unter Null anzusiedeln. Die „Selbstauserwählten“ interessiert die Meinung eines Farang sowieso nicht. Nur wer „als Thai geboren wurde“ und trunken ist von lauter Thainess, ist hier etwas wert. 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: