Thailand hat ein neues „Dream Team“

Alle guten Dinge sind Drei, sagt der Volksmund. Inzwischen lebe ich in Thailand bereits unter dem dritten Premierminister, der an böse Geister, (buddhistischen???) Voodoo Zauber, Hexerei und Vorhersagen von Wahrsagern glaubt und davon leider eben auch sein persönliches Geschick, und nebenbei  das einer ganzen Nation, abhängig macht.

Gestern sah ich im TV zufällig einen Film zu einem fiktiven Thema. Irgendwas mit Los Angeles im Jahr 2100. Das waren schlimme Zustände. Bei dem Gedanken, daß Neugeborene diese Zeit durchaus erleben können, befiel mich ein tiefes Mitleid mit meinen noch zu erwartenden Enkeln.

Thais leben nach ihrer Zeitrechnung im Jahr 2558. Aber die apokalyptischen Zustände gibt es hier schon jetzt. Wie soll das erst in weiteren 100 Jahren aussehen?

Somchai WngsawatAm 31. Juli 2015 (ich kann’s nicht lassen) berichtet die Zeitung „Marichon“ davon, daß ein ehemaliger Premier, Somchai Wongsawasdi, (Schwager seines Vorgängers Thaksin), einen bösen Traum gehabt hat. Hoffentlich erfährt die BILD, deren Redakteure oft ganz vernarrt in derlei journalistischen Beifang sind nichts davon, sonst müssen wir demnächst womöglich die Mittsommernachts-Träume von Miss Murksel lesen. Es muß einer dieser Träume gewesen sein, aus dem Leute wie Arno Dübel erlöst erwachen, wenn sie morgens um halb zehn in Deutschland von der Inkasso-Infantrie der GEZ aus dem Drehbettsofa ihrer Harz IV Höhle geklingelt werden.

Der Mann, der wie viele vor ihm, aus Thailands Politikerzentrifuge geschleudert wurde, inzwischen nur noch zur Bagatellprominenz zählt und auf Fotos den Eindruck vermittelt, daß er garantiert noch mit seiner Briefmarkensammlung bei seiner Mutti wohnt,  legte vor der Presse ein Musterbeispiel für unerklärliche Intelligenzkastration hin. Eine Handvoll Intellektueller im Land muss sich bei der Lektüre gefragt haben: ist das jetzt eine Pressemeldung, oder eher ein Bekennerschreiben?

Nach dem Traum, wahrscheinlich eine unangenehme Begegnung mit intelligenten Wesen außerhalb des Planeten Thailand, lud die verglimmte Nummer Eins seine gesamte Familie und „Anhänger“ zu einem Wandertag der Geistergläubigen in einen Tempel ein und bittet den Abt darum, etwas zu tun, damit seine Träume nicht real werden. Ich frage mich seitdem, ob eventuell seinem Gehirnwartungsexperten  die Couch abgefackelt ist.  Mit der Nummer in einer Krankengeschichte bekäme man uneingeschränkten Einlass und ein Freigetränk im geheimen  Mikro-Brauerei-Bierkeller, im Souterrain jeder geschlossenen Abteilung einer Entzugsklinik. Aber offensichtlich hat der ehemalige Rechtsanwalt und Magister in öffentlicher Verwaltung, ein Ego von der Größe des Wendekreises eines Flugzeugträgers.

Zuerst hat der Träumer dem Abt seine nächtliche Seifenoper erklärt und ihm gesagt, wie schlecht er sich danach fühlte. (Ich frage mich schon an diesem Punkt, was so ein Hilferuf kostet). Dann bat er den (pseudo) buddhistischen Abt, ihn mittels eines Zauber-Rituals von diesen Träumen zu befreien.

Und wie das bei klerikalen Pyrotechnikern so üblich ist, kramte der hilfreiche Heilige gleich ein ganzes Feuerwerk an zündenden Ideen und Lösungsvorschlägen hervor. Er schlug dem schweißgebadet Erwachten vor, ein „Buddhismus meets Voodoo“ Ritual zum Besten zu geben, um ihn von allen Sünden und Unglück zu befreien. Naja, andernorts befreien die Leute erfolgreich Grönland- vom ewigen Eis.

Der buddhistische(?) Abt, Phra Khru Banoi Tejapanyo, platzierte darauf gesalbte goldene Blätter an neun Stellen auf dem Körper des Verträumten- Gesicht, Stirn, beide Wangen und Handflächen. Ungeachtet der Tatsache, daß auf der Stirn vor der Profi-Kopfballerfrisur reichlich Platz für mehr Lametta vorhanden ist. Danach berührte er, ein Gebet singend, mit dem Wanderstab des verstorbenen Luang Poo Tim, alle markierten Stellen. Als krönenden Abschluss bekam der Patient dann noch eine Statue des Abts Phra Khru Banoi, und ein paar rote Bändchen um die Handgelenke.

Würde Miss Murksel so eine Vorstellung abliefern, würde es  wohl eher die 8 anstatt roter Bändchen um die Handgelenke geben.

Würde Miss Murksel so eine Vorstellung abliefern, würde es wohl eher die 8, anstatt roter Bändchen um die Handgelenke geben.

Nach der Vorstellung, sagte der ehemalige Ministerpräsident Reportern, dass er jetzt 68 Jahre alt sei und er am Mittwochabend Träume hatte, die ihn beunruhigten und er sich sehr unwohl gefühlt hatte. Er war sehr ängstlich, dass sein Traum in Erfüllung gehen würde. Er entschied sich dann den Abt für eine Beratung aufzusuchen. Er sagte weiter, der Abt habe ihm aufgetragen „gut zu denken, gut zu sprechen, und es dabei zu belassen.“ Er fügte hinzu, dass der Rat ihn erleichtert habe und er sich jetzt besser fühle.

Komisch, so eine Manifestation der Geistergläubigkeit wäre genau der Punkt, an dem ich mir ernsthafte Sorgen um meine Psyche gemacht hätte…

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