Ab jetzt nur noch Fragen die das Leben stellt- sonst…

Gerade habe ich vor meinem Apartmenthaus ein rot/blau/weißes Blitzlichtgewitter entdeckt und dachte, gleich klopft es an meiner Tür…

Aber dann stellte ich fest, daß ich diesen Blogbeitrag noch gar nicht gepostet hatte. Manchmal hat man eben Glück im Leben, selbst wenn es einen im Land of Smiles immer häufiger irgendwie an Gestapo und Stasi 2.0 oder Mittelalter 4.0 erinnert.

Wie hieß es schon bei Insterburg & Co so treffend? „Politisch Lied- gar garstig Lied“ und mir juckt gerade das Fell.

Aber nun zur eigentlichen Geschichte.

Man stelle sich einmal vor, die folgenden Bilder würden morgens um halb 10 in Deutschland, in der Ausgabe der Maurerbibel erscheinen:

Merkels-Wort-zum-Freitag

Angie beim einstündigen Freitagsgebet im ZDF

Feierabend_650

Bundeskanzlerin unterstreicht ihr gutes Verhältnis zu den Medien

TAZ

…mit einigen unbedeutenden Ausnahmen

Feuer-frei_650

…und unmissverständlichen Worten.

Geht gar nicht, würde selbst ihr Vorgänger sagen. In Thailand, einem Land in dem sich das politische Bewusstsein eines leider allzu großen Teils der Bevölkerung danach richtet, wie viel Bares man für seine Wählerstimme bekommt, wenn dann einmal Wahlen erlaubt sind, sind solche Aussagen eines selbsternannten Premierministers kein Problem.

Nun gehören Slapstick und dummdreiste Bemerkungen von Politikern aller Couleur, egal in welcher Nation ebenso zum Alltag, wie das Gefasel von Tresensoziologen.

Gegen das, was sich Thailands Putsch-Premier an staatsmännischem Fehlverhalten manchmal so abkneift, waren Ni­ki­ta Chruscht­schow’s Schuh-Trommelwirbel und Klaus Kinski Ausraster, die reinste Meditationsmusik. Etwa wenn er an das Podium zu einer Pressekonferenz tritt, oder Tourette-Pirouetten auf dem diplomatischen Parkett dreht, gleicht es dem Tanz eines indischen Elefanten in Rollschuhen, auf wischfeuchten Fliesen im Porzellanladen.

OrwellEs entzieht sich meiner Kenntnis, wie viele telefonische „Einladungen zu attidude adjustment“ in einer Militärkaserne und verstaatlichter Freizeit, mir als thailändischem Journalisten allein der letzte Satz einbringen würde, da nach Inkrafttreten des Kriegsrecht-Artikels 44, jegliche Kritik an der Junta verboten ist. Bisher blieb das ausländischen Korrespondenten, die in ihrer Landessprache berichten, erspart. Also klopfen wir mal auf Holz Bambus.

Die Ironie dieses Artikels 44 besteht nicht zuletzt darin, daß er auch nur wieder eine lausige Thai-Copy ist. Ich muß zugeben, daß ich es den Somtam Bushido’s gar nicht zugetraut hätte, die Übersetzung des Ermächtigungsgesetzes von 1933, eines geisteskranken österreichischen Postkartenmalers, als Vorlage aufzutreiben.

Für Thai-Journalisten, ebenso wie für Menschenrechtsorganisationen, die Friedrich Naumann Stiftung, den Foreign Correspondent Club und viele andere heißt es jetzt: Hinsetzen und Klappe halten.

Sitz 420

Der Spin-Doctor der Junta, General Suchart Ponput, erklärte vergangene Woche, daß Journalisten dem Premier und Kabinettsmitgliedern künftig nur „konstruktive Fragen“ Stellen sollten, die weder Konflikte noch Konfrontationen herbeiführen. In einer offiziellen Verlautbarung hieß es dann, die Journalisten wurden „angewiesen“ bei Pressekonferenzen nur Fragen zu stellen, die weder Regierungsmitglieder verärgern, oder deren Ruf schädigen könnten. Ich frage mich seitdem, ob es in Thai einen Unterschied zwischen „Bitte“ und „Anweisung“ gibt. Der General schob nach: „Manchmal interviewen Reporter Regierungsmitglieder und verärgern sie, was zu einem schlechten Image führt.“ Taucht da nicht vielleicht schon die erste verbotene Frage auf: Wessen Image?

Und welche Frage darf man jemandem stellen, der schon beim Anflug eines zaghaften „Ja, aber…“ das HB-Männchen macht? Schade eigentlich, daß Kerner kein Thai spricht. Der könnte hier ebenso eine steile Karriere hinlegen wie in Mord Korea.

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Hm, aus meiner Erfahrung mit Interviewpartnern weiß ich, wie viel Wahrheit im Spruch meiner Oma steckt: „Es gibt keine dummen Fragen,- nur dumme Antworten!“

Das gestörte Verhältnis, zwischen dem Premierminister-General und den Medien, ist inzwischen bestens bekannt. Einmal drohte er einem Journalisten, ihm ein Podium auf den Kopf zu schlagen. Mit seiner nächsten Bemerkung ließ er Thai Medienvertreter wissen, daß er missliebige Journalisten hinrichten lassen könnte…

„Mein religiöses Symbol ist das Fadenkreuz- das im Fettnäpfchen.“

Es scheint, als sei sein religiöses Symbol das Fadenkreuz-
…aber das im Fettnäpfchen.

Mit Hinblick auf das darauffolgende Echo in der internationalen Presse, war das ein Frontalcrash mit 200 Sachen gegen den Baum der eigenen Reputation. Also nochmal- wer macht hier wessen Image kaputt?

Zu den Glanznummern des selbsternannten Staatsmannes, zählt ein auf Youtube Video festgehaltener Vorfall, bei dem er einem Kameramann eine angebissene Banane vor die Linse schleuderte. Für jemanden, der öffentliche Selbstentwürdigung als Hobby betreibt, ein Blattschuss. Das wird nur noch übertroffen, wenn Paris Hilton ohne Slip aus ihrem pinkfarbenen Bentley steigt.

Dieser „Bananenfrevel“ muß einem doch sauer aufstoßen. Selbst wenn man nicht in der SBZ geboren wurde…

Dieser „Bananenfrevel“ muß einem doch sauer aufstoßen. Selbst wenn man nicht in der SBZ geboren wurde…

Hier ein paar einprägsame Verbalien des Putsch-Generals:

Gen. Prayuth hat auch Ideen, die Thai Seifenopern zu verbessern.

Thai PM beklagt Thai Seifen-Opern und bietet an sie selbst besser zu schreiben„, Reuters, 26. September 2014

„Ich habe angeordnet, dass Skripte geschrieben werden, die Versöhnung einschließen, und sich auf den Tourismus und Thai-Kultur beziehen“, sagte Prayuth gegenüber Reportern. „Im Moment werden solche Plots geschrieben und wenn sie es nicht hinbekommen, werde ich sie selbst schreiben“, sagte er vor einem Team von der Regierung ernannter Schriftsteller.

Der nicht gewählte Prayut warnt vor politischen Foren„, Bangkok Post, 19. September 2014

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich nicht durch eine Wahl an die Macht kam. Ich bin mir sehr wohl bewusst darüber. Also halten sie sich bitte mit Kritik und politischen Foren zurück“ sagte der Ministerpräsident, der die administrative Macht durch einen Militärputsch am 22. Mai erlangte.

„Premierminister stellt nach zwei Morden in Frage, ob Touristen in Bikinis sicher sind“ AFP, September 17, 2014

Nachdem zwei britische Touristen ermordet wurden, wollte General Prayuth sicherzustellen, dass die thailändischen Behörden die Sache ernst nahmen, oder es zumindest so aussehen zu lassen. Aber Sie können erraten, was passiert ist…

„Es gibt immer Probleme mit touristischer Sicherheit. Sie denken, unser Land ist schön und sicher, so dass sie alles tun können, was sie wollen. Sie glauben Bikinis tragen zu können wo immer sie herumlaufen“ sagte Premierminister Prayuth Chan-OCHA, der auch der Armeechef ist, gegenüber Regierungsbeamten. Aber „können sie in Bikinis sicher sein, es sei denn sie sind nicht schön?“ Sagte er, als Antwort auf die Frage nach touristischer Sicherheit in einer Rede, die  live im Fernsehen übertragen wurde.

„Prayut gesteht, er hat ´multiple Persönlichkeiten´“, The Nation, November 3, 2014

In einer seiner berüchtigtsten Aussagen, räumt Gen. Prayuth ein, daß er möglicherweise mehr als nur eine Person ist:

„Er antwortete nach Anregungen der Medien, die ihn baten, seine Persönlichkeit zu verbessern: „Ich möchte mich für Warnungen und Anregungen [der Medien] bedanken. Ich will meine Persönlichkeit nicht ändern, denn ich bin ein Mensch mit multiplen Persönlichkeiten „, sagte Prayut. Thai Psychologen enthielten sich bisher ihrer Stimme dazu …

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Wir werden wahrscheinlich Journalisten, die nicht die Wahrheit berichten töten, sagte der Thai Führer, Reuters, March 25, 2015

Der Beitrag wurde inzwischen vom englischen „Guardian“ entfernt…

Die Webseite der britischen Daily Mail, wurde gleich ganz in Thailand blockiert.

Am Ende sieht es so aus, als hätte der der gute alte (eigentlich pensionierte) General seine eigenen Ansichten über Wahrheit und Journalismus. Als er von Reportern gefragt wurde, was die Regierung mit Journalisten vor hat, die nicht die offizielle Linie unterstützten, antwortete Prayuth, ohne zu lächeln:

„Wir werden sie wahrscheinlich exekutieren.“

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So,- und wenn Ihr in Zukunft nix mehr über Wahnsinn aus dem Wok erfahrt, dann sitze ich wahrscheinlich einem Uniformierten gegenüber, der mich über ein eventuelles Vergehen gegen das Gesetz zur Computerkriminalität belehrt, weil ich mit meiner nicht ganz so 100%tig regierungskonformen Schilderung über den derzeitigen Führer des Landes, jemanden verärgert habe.

Spaßig wird es dann erst wieder, wenn ich darüber berichte, wie mir die Thai-Anwälte, denen ich Deutschunterricht gab, auf meinen Hilferuf aus dem Fahrradsattel, oder vom Laufband des klimatisierten Fitness-Studios Textmitteilungen geschickt haben, wonach sie sich gerade Arme und Beine gebrochen haben und  deswegen in meinen Fall leider nicht helfen können…

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