Einstieg in den ganz legalen Betrug- für Dummies

Epilog zu: Oh Herr, lass es wenigstens Hirn regnen…

Einfallsreiche, scheinheilige Abzocker gibt’s in Thailand, dem Land der Prophezeiungs-Pinsel, ohne Ende. Hier also ein kleiner Ratgeber, wie man mit Geschwätz vor einem unterbelichteten Publikum Kohle macht.

Aber Vorsicht! DON’T TRY THIS AT HOME!

Denn, Astrolügie funktioniert eher selten vor Leuten, die über mehr als vierjährige Schulbildung im Bretter&Wellblechgymnasium verfügen. Bei mir selbst läuft in dem Hörigkeitsbereich absolut nix. Als der letzte Weltuntergang für den 21.12. 2012 vorausgesagt wurde, wusste ich sofort ich würde verarscht,- schließlich stand auf meinem Joghurt im Kühlschrank ein weit späteres Verfalldatum. Und? BINGO!

weltuntergang_web

Um es anschaulich zu machen, bediene ich mich hier des Schemas von Kochrezepten.

Mahlzeit

Was braucht man also, um sich als Schwachmaten-Dompteur Ruhm und Reichtum zu schaffen? Man nehme:

  • Ein absolut vorhersehbares Ereignis, das man nach eingehender Recherche auswählt und möglichst viele Menschen in irgendeiner Weise betrifft, oder beeinflussen kann. Saisonale meteorologische Phänomene eignen sich dazu am besten, wenn man nicht allzu spezifische Voraussagen, wie etwa Hagel in Hameln, Raureif auf Helgoland, Glatteis im Elbtunnel und Temperaturstürze mit Zahlenangaben macht. Und- Finger weg von Erdbeben! Da braucht man ein gerüttelt Maß an Sachkenntnis!
  • Ein geeignetes Datum, unter Einbezug aller verfügbaren Erkenntnisse (Wetterberichte) aus den vorangegangenen Recherchen. Merke: Ein Ereignis in der Ferienzeit findet immer die meiste Aufmerksamkeit.
  • Ein Thema und einen Eventplan für eine möglichst abgedrehte Zeremonie. Das Ziel des Hokuspukus‘ steht unabdingbar in Relation zur Prophezeiung wie etwa:

Vorhersage: lange Dürre / Ergebnis nach dem Zauber-Event: Regen.

  • Zu den Beliebtesten Zeremonien zählen die, mit Anleihen aus archaischen Ritualen, gepaart mit etwas vollchloristischer Exotik. Wer es denn doch lieber etwas spiritueller als Musikantenstadl haben will, fügt noch eine Prise Opfergaben, ein paar unverständliche Gebetsfloskeln, Räucherstäbchen, Schnaps und Blumengirlanden hinzu. Das unterscheidet sich im Prinzip nicht viel von Vorbereitungen zum Erntedankfest eines Kleingarten-Vereins.
  • Einen willigen PR-Sklaven. Hier lohnt es sich immer, die Nähe zu einem trinkfreudigen Lokalredakteur einer bekannten Tageszzeitung, oder Pamphleten wie Apothekerzeitung, Heim&Garten, oder Bäckerblume zu suchen. Halt solche Sachen, die Mutti im Wartezimmer vor der Mammografie erwartet.
  • Als krönenden Schmuck der Veranstaltung, sollte einem die Einladung eines Lokalpolitikers oder Promis schon einen Kleinbetrag wert sein. PR-geile Bürgermeister und selbst abgehalfterte Ex-Gespielinnen wie Naddel, das Feldbüschchen, oder eine Historie aus der Lothar Mattäus-Passion, bewirken bei Leuten die selbst in der Klötzchen-Aufbau-Schule als unbeschulbar galten, schier unbändige Verzückung und erhalten den Staus vergleichbar mit Weinköniginnen.

Wer noch in den Startlöchern der Prophetenpiste steckt und sich weder B- noch C-Promis leisten kann, der kann immer auf Tiere zurückgreifen. Sprechende Zierfische, dreibeinige Ziegen und selbst der zahnlose Blindenhund des Nachbarn, sind als Orakel immer gute Publikumsmagneten.

Um nochmals auf die eindringliche Warnung zu Beginn einzugehen, hier ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte:

Würde ich mich in meiner heimatlichen Hansestadt als den „Hannussen II von der Herbertstrasse“ feiern lassen und einen Meteoritenbesuch zum nächsten Hafengeburtstag vorhersehen, käme ich in dieser weniger bildungsresistenten Metropole wahrscheinlich zuerst als abschreckendes Beispiel in die NDR Talkshow und danach ins Faxenheim nach Deppendorf.

Hafengeburtstag

Wer aber in Thailand, ohne Arbeit reich und berühmt werden möchte, um als erster „Farrang-Quacksalber“ die lokale Konkurrenz herauszufordern, ist herzlich willkommen. Aktueller Träger des goldenen Gürtels vom Verband Thailändischer Wahrsager (VTW), ist Sorajja Nual-yu. Wenn der vom lügen und schleimen wachsen würde, könnte er im Sitzen sämtlichen Gestirnen in der Milchstraße (nicht zu verwechseln mit Pöseldorf) den Arsch küssen.

Nostrabahtus

Nostrabahtus

Zum Beweis, daß ich mit meiner Skepsis nicht allein dastehe, hier ein Zitat von keinem Geringeren als Marcus Tullius Cicero (106 – 43 v. Chr.):

„Es ist erstaunlich, daß ein Wahrsager einen Wahrsager ohne zu grinsen ansehen kann“

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