Oh Herr, lass es wenigstens Hirn regnen…

Ich wurde im April vom Pressebüro des Premierministers, zusammen mit 26 in- und ausländischen Reportern zu einer 3-tägigen Journalisten-Reise eingeladen, um darüber zu berichten wie toll die Anstrengungen der Junta sind, Dürre und Fluten in Thailand gleichzeitig in den Griff zu bekommen.

Ich werde aber den Teufel tun, vor dem Monsun über erfolgreiche  Flut-Prevention zu berichten, solange ich nicht mit eigenen Augen sehe, daß BangCock in dieser Saison nicht wieder bis zum Hals unter Wasser steht. Nice try guys…

Und wie in jedem Jahr, sind in den Vorwochen des Monsuns weite Gebiete des Landes von anhaltender Dürre betroffen. Da wachsen den Bauern nicht einmal mehr die Fingernägel.

Aber die handverlesenen Abgeordneten der neuen Militärregierung haben eine, wie sie meinen, praktikable Lösung für das Problem gefunden:

Am 2. Juni veranstalteten das Agrarministerium und irgendwelche Kooperativen eine „Regenherbeiwünsch-Zeremonie“. Ich frag‘ mich schon gar nicht mehr, in welchem Jahrhundert des Mittelalters die zentralen Eckpfeiler der Regierung hier leben.

Rainmaker

Kein Geringerer als, Chavalit Chookajorn, Staatssekretär für Landwirtschaft und Genossenschaften, übernahm den Vorsitz bei einer traditionellen Thai-Zeremonie (Phra Pirun) – die den Regengott der Hindus überzeugen soll, das Königreich mit Regen zu  segnen. Das ist der Typ der auch gerne in traditionellem Fummel bei Vollchlore Veranstaltungen den Tenor gibt. Aber eine Regenmacher Zeremonie, kurz vor Beginn des Monsuns wird auch das letzte trockengelegte Hirn in der Dorfbevölkerung vom Erfolg überzeugen.

Chavalit Chookajorn

Der Sekretär wurde von Sorajja Nual-yu, einem bekannten Astrologen unterstützt, der als „Thailands Nostradamus“ bekannt ist und auch ständig Erdbeben vorhersagt, die nicht eintreffen. Im Gespräch mit Journalisten, sagte Chavalit Sorajja, der im Landwirtschaftsministerium arbeitet, er sei von dem Qucksalber davor gewarnt worden, dass eine schwere Dürre droht.

Doch wohl nicht etwa während des Monsuns?

„Bruder Chui hat den sechsten Sinn“, sagte Chavalit, unter Berufung auf den Zauberknochen, um das Ministerium die Zeremonie durchführen zu lassen. Tolle Wurst,- und was für eine Prophezeiung- Thailand erlebt jedes Jahr während der Trockenzeit eine Dürre, die von November bis April dauert.

Um die Vorhersage des Spökenkiekers auch noch in einer absolut dummen Bemerkung zu untermauern schob er nach, der Klappskalli hat schon über 230 Mal in der Lotterie gewonnen und wurde dafür von der staatlichen Lotterie verbannt. Na wenn das keine Referenz unter Bahtisten ist…

Es genügt in Thailand nicht, unfähig zu sein – man muss auch in die Politik gehen.  Bei mir kommen da eher Gedanken auf wie dieser: Lieber Greenpeace auf dem Dach als ’nen Irren im Garten.

Der Klopper ist aber, daß der Junta-Chef seine Untergebenen davor gewarnt hat in Panik zu geraten, indem sie auf die Aussagen von Wahrsagern hören. Bei der Ansage, in einer  der freitagabendlichen einstündigen Belehrungen an die Bevölkerung, sind wohl einige Mitglieder seines handverlesenen Kabinetts eingenickt.

Die gute Nachricht zum Ende: wenigstens schlachten sie keine Jungfrauen mehr, um den Regen herbeizurufen. Aber das wahrscheinlich nur, weil es dem Sextourismus schaden könnte. Kann auch sein, dass man nach rasantem Anstieg der Teenie-Schwangerschaften im Isan keine mehr findet.

Ein Ausländer gab dazu in einem Forum folgenden Kommentar ab: This place is like an acid trip….without the acid. Tja, an irgendetwas mangelt es hier immer,- Flutpravention, Regen, oder Hirn…

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