Spirituell ohne religiöse Ambitionen- wie geht das?

Ist schon irgendwie interessant, welche Gegensätze sich manchmal in der eigenen Psyche befinden.

Egal ob Sikhs, Juden, Hindus, Katholen, Protestanten, Muslime, Buddhisten, Zeugen Tequillas, Pfingstler oder Obstler, ich hab‘ mit organisierten Religionen nix am Hut. Da geht’s nur ums Geld. Ich hege eine tiefe Abneigung gegen jegliche Sektierer.

Umso erstaunlicher ist mein Verhältnis zu einer, zugegeben amateurhaft geschnitzten, Holzfigur des von Hindus verehrten Gott Ganesh. Wer mehr über den Burschen mit dem abgebrochenen Zahn erfahren will, wird hier bedient.

Kennengelernt haben wir uns auf einer Recherche-Reise in Indien. Es ging dabei um Kinderhandel unter dem Vorwand, daß 7-jährige Mädchen gemäß Tradition und dem Willen einer Hindu Göttin, in die Prostitution verkauft werden können. Das war nach meinem Bericht, ohne daß ich es erwartet hatte, ´ne Riesennummer in europäischen Medien. An dieser Stelle geht mein persönlicher Dank an Michael Spreng, meinem damaligen Chefredakteur.

Mein Ganesha

Mein Ganesha

In Goa, wie eigentlich in ganz Indien, gibt es Ganesh Stauen in jeder beliebigen Größe und Form an nahezu jeder Straßenecke zu kaufen. Aus Gold, aus Bronze, aus Silber, Stein und Holz. Ich weiß bis Heute nicht, warum ich mich für die gröbste aller Schnitzereien entschieden habe. Der mir zugeteilte Fotograf fragte mich, ob ich den hässlichen Holzklotz wirklich nach Deutschland schleppen wolle. Jo, hab‘ ich gemacht.

Nun gibt es ein paar Regeln im Umgang mit der elefantösen Naschkatze. Wer eine Ganesh Statue in seinem Haus aufstellt, muß dafür Sorge tragen, daß Shivas Sohn immer in Richtung der Tür blickt.  Geht bei mir gar nicht, weil an der Seite nur Fenster sind. Außerdem darf man laut Hinduregeln den Dickhäuter nicht mit auf Umzüge nehmen. Einmal im Haus, muß er da bleiben, wo er ist.

Nun, meiner ist mit mir von Goa nach Deutschland gereist, von dort nach Singapoor, Malaysia, wieder nach Singapoor und hängt jetzt seit fast zehn Jahren an meiner Wand in BangCock und guckt in Richtung Fenster.

Ich habe in letzter Zeit ein paar Probleme mit säumigen Zahlungen für ausstehende Rechnungen gehabt. Für Thailänder ist es üblich (wie in ganz Asien) die Götter vor Erfüllung ihrer  Träume zu bestechen, indem sie getürkte Opfergaben auf die Schreine legen und Buddha sagen, was sie von ihm erwarten.

So, und hier kommt‘s: Jedes Mal wenn ich Glück hatte oder mir irgendjemand zu Hilfe kommt, „bedanke“ ich mich bei meinem Ganesh mit Jasmin- und Rosengirlanden. Aber eben erst hinterher. Bei der hier üblichen Praxis, den Holz-Jumbo für irgendetwas anzubetteln, käme ich mir ziemlich blöd vor.

Wird wohl noch eine Weile dauern, bis ich herausgefunden habe, ob ich nicht doch zumindest im Stillen irgendwie „religiös“ bin…

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