Achtung Ausländer! Belgische Wochen in BangCock

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Liebe Gourmets, die Überschrift hat leider nichts mit gratis Pommes, Bier mit Erdbeeraroma, oder Vanille-Waffeln zu tun. Eher mit Leuten, die offensichtlich am Bahlsen-Syndrom leiden, also einen an der Waffel haben und anderen Leuten auf den Keks gehen.

Von glaubwürdiger Seite, etwa dem Hotel und Gaststättenverband wird berichtet, dass der Tourismus in Thailand um 20% gegenüber dem Vorjahr gesunken ist und sich auf ungebremster Talfahrt befindet. Eine stattliche Anzahl Pessimisten geht sogar von einer doppelten Prozentzahl aus. Monatelange politische Unruhen, die in einem erneuten Staatsstreich mit andauerndem Kriegsrecht endeten und weltweit aufsehenerregende Morde an Touristen, werden dafür ebenso verantwortlich gemacht wie Finanzkrisen in der EU und Japan und weil es gerade gelegen kommt, Ebola.

In anderen Urlaubs-Regionen, die nicht im touristischen Wissenszölibat leben und konstant von der eigenen Einzigartigkeit besoffen sind, käme man angesichts der sinkenden Besucherzahlen auf die Idee, möglichst viele Anreize zur Anreise zu schaffen, um den Laden wieder zu beleben. Dort ist ebenfalls bekannt, dass man gelegentlich investieren muss, um sein Geschäft erfolgreich zu betreiben.

In Thailand gibt die Tourismus-Behörde nahezu wöchentlich nicht nachvollziehbare Ankunftszahlen an die Presse, die selbst dem letzten Liegestuhlvermieter nur ein mitleidiges Lächeln ins Antlitz zaubern. Wie verzweifelt die Mitarbeiter der Behörde (TAT) in ihrer Unfähigkeit sein müssen, zeigt der letzte Stunt aus den Amtsstuben der Ahnungslosen: Roadshows von Thai-Delegationen in Ägypten und Jordanien, um „High-End“ Touristen anzulocken. In den entsprechenden Foren wurde angefragt, ob auch Promotion-Trips nach Syrien und dem Irak, also Länder mit täglich steigender Zahl der Ausreisewilligen, geplant sind. Persönlich frage ich mich, wieso wird eigentlich der nordkoreanische Highend-Tourist ignoriert, oder gar alle beide?

Wer jetzt noch Thailandurlaub mit Stopp in Bkk plant, ist selbst Schuld

Ausgerechnet in dieser Situation hat sich bereits vor drei Monaten Bangkoks Polizei zum Zeitvertreib mit Gehaltsaufbesserung zu drastisch vermehrten Schikanen gegen westliche Besucher und im Land lebende Ausländer entschlossen: Taschenkontrollen, Leibesvisitationen und (zumindest für die Cops) unterhaltsame Urintests am Straßenrand. Ich frage mich, was wohl passiert, wenn man darauf besteht, aus Sicherheitsgründen doch lieber noch eine Stuhlprobe hinterherzuschieben, um Verwechselungen vorzubeugen. Wer sich dagegen sträubt, wird mit Androhung von Verhaftung und Anklage konfrontiert und im nächsten Schritt dazu aufgefordert, auf der ATM-Orgel zu spielen, bis der Geldautomat das griechische Menue aufruft. Oft die einzige Möglichkeit, um zu verhindern, dass die eigene Freizeit auf einer Thai-Polizeistation verstaatlicht wird, wo sie täglich die Abstinenz von Kuscheljustiz feiern. Am treffendsten passt dazu ein Zitat von Cowboy Ikone John Wayne: „Life’s hard. It’s even harder when you’re stupid.“

belgische-Wochen-Bkk

Statt Stille Nacht hieβ das Weihnachts-Motto in BanCock:

Hoch den Kittel ‚raus den Diddel!

Wer sich also als westlicher Tourist in der inzwischen ausklingenden „Hochsaison“ in Bangkoks Innenstadt bewegt, mutiert zwangsläufig zum Manneken Pis, eigentlich ein Wahrzeichen der Pommespieker  in der belgischen Hauptstadt (B)rüssel. Allen Touristen sei deshalb ein herzliches Willkommen zu Bangkoks belgischen Wochen entgegengebracht. Damit wird die „Stadt der Engel“ sicher zum favorisierten Ziel von Männern, die in ihrer Heimat gezwungen sind bei Minusgraden den Trenchcoat aufzureissen und davon traumen, bei Sommerwetter am Strassenrand einer 12 Millionenmetropole die Gaudigurke zum Urintest ´rauszuholen. Vielleicht ist die Aktion aber auch nur Ergebnis der Frustration, die ein Korruptionsskandal ungeheuren Ausmaßes, um den Pol. Lt. Gen. Pongpat Chayapan, ehemaliger Chef des Central Investigation Bureau (CIB) dem thailändischen FBI, ausgelöst hat. Inzwischen hat man seine Freizeit für die nächsten 31 Jahre staatlicher Planung unterstellt. Nun hat Thailands Polizei ohnehin den miesesten Ruf unter allen Berufsgruppen, aber jetzt ist es amtlich wenn jemand sagt: Der Fisch stinkt vom Kopf.

Bei den Urin-Tests am Straßenrand geht zu wie nach dem Etappensieg der Drückerkolonne der Tour de France, eben nur etwas unfreundlicher. Die Methode der „Boys in Brown“ flanierende Touristen zu entreichern ist nicht neu, auffallend  ist jedoch die angestiegene Häufigkeit, ausgerechnet nach dem Aufdecken des größten Korruptionsskandals in den Reihen der Polizei-Chefetage. Nun, wie heißt es im verlotterten und thainess-losen Westen so schön: ist der Ruf erst uriniert…

Urine-test

Was Betroffene erlebt haben

Obwohl es schwierig ist, die Ereignisse zu überprüfen oder zu untermauern, hier einige Beispiele von dem was im Internet die Runde macht:

In einem Web-Forum behauptet ein im Thong Lor Bezirk wohnender Ausländer, dass Ihn die Polizei vor ein paar Wochen zu einem Urintest auf die Wache schleppte. Die Beamten zwangen ihn, vier Liter Wasser zu trinken und drückten kräftig auf seine Blase, um ihn zum urinieren zu bewegen und berührten dabei seinen Penis.“

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In einem anderen nicht verifizierten Fall behauptete jemand die 71- und 72-jährigen Eltern eines „Freundes“ wurden vor kurzem festgenommen und gezwungen sich einem Urintest zu unterziehen, nachdem sie aus der Terminal 21 Shopping Mall kamen.

Das ganze geschieht in einer Stadt, in der täglich Yaba, Meth und Ice in Stückzahlen zwischen ein paar Hundert und Millionen Pillen von der Polizei konfisziert werden. Bisher ist mir kein Fall bekannt, in dem ausländische Rentner als Dealer oder Drogenkuriere am helllichten Tag aus einer Shopping Mall kommend erwischt wurden.

Weitere Beispiele in englischer Sprache findet man hier:

Random searches and on-the-spot drug tests on foreigners have left many questioning police integrity\

Tourists Are Reporting a Dramatic Surge in Harassment by Thai Police

Ein kritischer Artikel der Daily Mail fiel in Thailand der Zensur zum Opfer

Tipps zum Thema- Wie sollte man sich verhalten, um das Schlimmste zu vermeiden? Gibt es hier:

Travel warning Thailand: Bangkok police accelerate random visitor urine tests, searches, interrogations on western tourists and expats

Warum werden plötzlich so viele Ausländer kontrolliert?

Nachdem die Armee unter Kriegsrecht einige Tage vor der wilden Checkerei die im Bereich der Thong Lor Polizei befindlichen Massage Salons, die mit “happy endings“ werben, geschlossen hat und dazu noch für strickte Einhaltung der „Polizeistunde“  in den Nachtclubs sorgt, verlor die Polizei zwei wichtige Einnahmequellen, denn der Betrieb dieser Handarbeitsläden wird oft nur gegen „Gebühr“ an die Cops geduldet, ebenso wie die ‚Lizenz‘ für variiernde Ladenschlusszeiten.

Die beliebtesten Geld und Urin-Sammelstellen der Polizei

Zu den beliebtesten Checkpoints der unterbezahlten Cheap Charlies zählen die zentralen Verkehrsknotenpunkte entlang der Sukhumvit Road wie Asok, der Thong Lor Bezirk und der Lumpini Distrikt, die Passage vor der Terminal 21 Shopping Mall und deren Umgebung. Allesamt umgeben von 5-Star Hotels mit vielen gut betuchten Auslandstouristen. Leute also, die dafür bekannt sind, dass sie im Urlaub gerne am Strassenrand dehydriert werden. Interessant ist, dass zeitgleich der Verkauf von Drogen und gefälschten Pässen, in den Insidern bekannten Sois, unbehelligt weitergeht.

Da Thailand unter den Bestimmungen des Kriegsrechts lebt, gilt, dass eigentlich nur die Armee und ihre Soldaten – nicht die Polizei- zu solchen Maßnahmen berechtigt ist, solange keine unmittelbaren Verdachtsmomente vorliegen. Aber wer will schon dagegen angehen, wenn ein hoch verschuldeter Ordnungshüter behauptet, man habe sich nach dem Einkauf im 7-Eleven verdächtig verhalten? Der muss das gegenüber seinen (prozentual beteiligten) Vorgesetzten nicht einmal definieren.

Der russische Journalist und Philosoph, Fyodor Dostoyevsky, kam bereits 1850 zu der Erkenntnis: „man lernt über eine Gesellschaft, wenn man in deren Gefängnisse schaut.“  Davon, dass man dazu Tourist und auch Insasse sein muss, war aber nicht die Rede.

Besondere Vorsicht vor den berüchtigten freelancern „lone wolves“ genannt!

Ich selbst wurde etwas abseits der Asok Kreuzung von zwei Cops in der Soi 16 angehalten, während ich auf dem Sozius eines Motorrad-Taxis ausgerechnet mit drei verschiedenen Medikamenten in der Hosentasche, auf dem Weg zur Apotheke war. Dabei handelte es sich um zwei Tabletten gegen Allergien (Antihistamin), zwei Tabletten gegen Bluthochdruck und eine Tablette gegen Durchfall bei Lebensmittelvergiftung. Keines der Medikamente ist Verschreibungspflichtig und daher frei verkäuflich. Ich habe die Samples mitgenommen, weil es die Prozedur vereinfacht, den Apothekern zu sagen was man haben möchte. Das Problem mit Antihistamin im Blut besteht darin, daß es bei Urintests ebenfalls zu „purple rain“ führt.

Als der erste Cop ansetzte seine Finger in meine Taschen zu stecken, habe ich ihn zu seiner größten Verwunderung daran gehindert. Ich sagte ihm, daß ich hier der Einzige bin, der in meine Taschen greift. Ich leerte die Taschen und gab ihm zu verstehen, er könne nun gerne von außen fühlen, ob noch etwas in der Tasche ist. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, da es zu beliebten Praktiken der „lone wolves“ (Cops, die auf eigene Rechnung arbeiten) gehört, etwas in den Hosentaschen zu versenken, was man nicht selbst mitgebracht hat. In einem anderen Stunt fällt plötzlich ein Päckchen mit Pillen oder Ganja zu Boden und man sieht sich mit der Situation konfrontiert, daß zwei Polizisten behaupten man hätte sie selbst weggeworfen. Wenn das nicht hilft jemanden zu „überführen“ greift vielleicht „Plan C“, indem man die eigene Urinprobe gegen die eines zuvor erwischten Junkies austauscht.

Die Cops hielten meine harmlosen Pillen in der Hand und befahlen dem Motorbike Jockey und mir hinter ihrem Moped zur nächsten Wache zu fahren, um einen Urintest zu machen. Der langhaarige Taxi-Jockey hat sich fast in die Hose gemacht, als ich den Cops sagte: Daraus wird nichts! Wenn wir überhaupt irgendwohin fahren, dann zu meinem Apotheker, der bestätigen wird, daß es sich bei meinen industriell verpackten Pillen mit Firmenaufdruck nicht um illegale Drogen handelt. Außerdem erklärte ich den Jungs, daß sie die Kosten für die „Extra-Tour“ tragen müssten. Um das Maß zivilen Ungehorsams voll zu machen, gab ich ihnen noch die Visitenkarte meines Anwalts und bat sie darum diesem zu erklären, was sich hier abspielt. Daraufhin gab man mir auf recht unfreundliche Weise zu verstehen, ich sollte mich ohne Pisstest verpissen.

Ich mag gar nicht daran denken, welchen Aufschrei mit rassistischen Äußerungen und Nazi-Deutschland Vergleichen es hier geben würde und wie viele deutsche Touristen am Strand von Phuket mit Steinen beworfen würden, wenn herauskäme ein 70-jähriges Thai Ehepaar, Betreiber eines Asia Restaurants in Wuppertal-Elberfeld, sind beim verlassen des Obi-Baumarkts auf dem Parkplatz von Polizisten zu einem Urintest gezwungen worden…

Inzwischen rudert man „etwas“ zurück

 

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