Neue Furunkel in der Orangenhaut

Die Idee ist eigentlich nicht schlecht. Einige Religionen bieten ihren Anhängern, aber auch Nicht-Mitgliedern ihres Vereins, in Kriegszeiten oder bei Verfolgung, Schutz in Kirchen, Tempeln und anderen durch Spendengelder finanzierte Van Eltz-Style Protzbauten an. Bei einigen Religionsanbietern hat dieses, ausnahmsweise einmal gebührenfreie Angebot, sogar eine lange Tradition. Aber wie immer, wenn es etwas umsonst gibt, gesellen sich auch jede Menge Schmarotzer unter die Bedürftigen. Dazu passt der Spruch: Wenn es stimmt, dass wir hier sind, anderen zu helfen, für was genau sind dann die anderen hier?

Für mich selbst gelten zwei Erkenntnisse: Ich würde nie ein Mitglied einer Gruppe werden wollen, deren Symbol ein Mann ist, der an zwei Holzbalken genagelt wurde. Und- die einzige gute Sache überhaupt, die jemals aus der Religion kam, ist die Musik. Ich höre schon die Bedenkenträger rufen, jaja aber was ist mit dem netten Dalai Lama, der Typ mit dem Glücksradgesicht…

Ich antworte darauf mit einem Zitat vom Papst der Atheisten, George Carlin, dass er anlasslich des einzigen Feiertags der Atheisten – dem 1. April – machte:

„Wenn ein Mann die ganze Zeit lächelt, verkauft er wahrscheinlich etwas, das nicht funktioniert!“

In Thailand hat man kürzlich den Vorschlag diskutiert, wonach Lehrer ihre ethische Qualifikation nachweisen sollten, also eine Art Moral- und Gesinnungs-Persilschein vorlegen müssen. Wieder so eine Reisschnaps-Idee, denn erstens würde man sich hier nie darüber einigen können, wer denn so oberehrenhaft über geweihtes Wasser wandelt, dass er/sie die Zettel unterschreiben dürfte und zweitens könnte man sich in Korruptistan nie auf einen einheitlichen Preis für das dafür zu zahlende „Tea Money“ festlegen.

Kommen wir zur zweiten moralischen Instanz im Land, den buddhistischen Äbten und Mönchen in ihrem farbenfrohen Saffrankittel. Würde man mit den aktuellen Fahndungslisten der Polizei und des Militärs, der unter Kriegsrecht stehenden Nation, investigativ hinter die Tempelmauern blicken, bräuchte man einen Kreuzfahrtendampfer von der Größe der „Oasis of the Sea“, für den Abtransport der vor Staatsgewalt Zuflucht suchenden Jungs mit dem ellenlangen Kerbholz, um sie nach ihrer Verhaftung auf eine einsame Insel zu bringen.

Oasis-of-the-Sea-II

Na wenigstens hat der Kahn Rettungsboote in standesgemäßer Farbe

Eigentlich ist buddhistischen Mönchen, gemäß der  Lehren Gautamas, eine Menge verboten. Dazu gehört unter anderem kein Geld und keine Frauen zu berühren, Schuhe zu tragen, Autos zu chauffieren, First Class zu fliegen, Kinder zu zeugen und ein paar Benimmregeln bezüglich lügen, täuschen, Vermögen oder Besitz anzuhäufen, zu rauchen, Alkohol zu trinken, oder sich auf sonstige Weise über die „guten Sitten“ hinwegzusetzen.

Hier ein paar haarsträubende Stunts der orangenen Barfüßer, mit Platzreservierung in öffentlichen Verkehrsmitteln, aus dem letzten Quartal. Sie beweisen eindrucksvoll, dass immer mehr Hüter von Moral und Religion den Blick auf das Wesentliche im Buddhismus verloren haben:

Der Mopeddüser Monk

Jeder Mönch, der den Regeln entsprechend frühmorgendlich barfuß auf Almosen-Tour geht, hat einen „Mönchsdiener“ im Schlepptau, da er ja mit Geldspenden bedacht werden könnte, die er selbst nicht annehmen darf und bei Touren in lukrativen- sprich armen Stadtvierteln- mit Unmengen an Lebensmitteln versorgt wird, die er bei seinen Dankes- und Segenszeremonien nicht tragen kann. Also kam ein Mönchlein aus der Zentralprovinz Nakorn Sawan auf die Idee, sich der Technik zu bedienen.

Er ließ sich für schlappe 38.000 Baht ein Moped mit Beiwagen bauen. Die Summe entspricht dem Einkommen von 126 Tagen Mindestlohn eines Arbeiters. Während das Mönchlein, hoffentlich barfuß, vom Beiwagen aus das Moped steuert, sitzt eine Puppe mit Motorradhelm, schwarz getünchten Visier und Handschuhen auf dem Fahrersitz. Damit läßt sich bequem eine 20 km lange Sammelstrecke bewältigen. Was er mit dem gewaltigen Almosen-Überschuss nach 20 km des Einsammelns anfängt, läßt sich nur erahnen. Vielleicht spart er auf einen remotegesteuerten Mercedes.

bike monk

Das Almen sammelnde Phantom

Wenn ein „Gott“ sich Drogen einklinkt, sieht er dann Menschen?

Im Bezirk Muang, in der Provinz Nan, haben es Soldaten nach Hinweisen aus der Bevölkerung tatsächlich gewagt, eine Kontrolle im Tempel durchzuführen. Das ist immer eine zweischneidige Sache, da die Jungs in Camouflage ja eigentlich auch Buddhisten sind und demgemäß den Orangenen Respekt zollen müssen.

Im Tempel Wat Ban

’’Die Religion muss froh machen‘‘ Jakob Boßhart (Schweizer Katholik)

Die Urinprobe des Highligen fiel positiv aus und es stellte sich heraus, dass dieses Mönchlein wohl mit Hilfe von „Yaba Pillen“ zum Stückpreis von 200 Baht versuchte, in höhere Sphären der Spiritualität vorzudringen, wenn bei ihm das Amphetaminlämpchen blinkt. Damit ist der Spruch von Karl Marx, wonach ausschließlich Religion das Opium des Volkes sei, eindeutig wiederlegt.

Wenn der Tempel zur Ballerburg wird

 Ende September fand im Sawang Arom Tempel, in der Provinz Sukhothai, eine Razzia statt. Derlei Aktionen werden seit dem letzten Coup in gemischten Gruppen aus Polizei und Militär durchgeführt. Auch in diesem Fall waren wiederholte Beschwerden aus der Bevölkerung, über das Verhalten der Mönche, der Anlass. Die Anwohner wurden von den Orangenen wiederholt zu Geldspenden aufgefordert, die angeblich für Renovierungsarbeiten gebraucht würden, die aber weder geplant, noch durchgeführt wurden. Die Razzia brachte fast eine Million Baht zu Tage, die der Abt und sein Stellvertreter, ebenso wie alle vorangegangenen Spenden für sich beanspruchten und gut davon gelebt haben. Alles unter dem Motto: “A temple is just a place to keep your stuff while you go out and get more stuff.”

Was Buddha in seinen Lehren vergaß zu erwähnen ist wohl die Erkenntnis: Geld ist wie Salzwasser- je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man.

Ebenso im Besitz der „heiligen Männer“ – Pornofilme und Funkgeräte. Ob die zur Gewaltlosigkeit verpflichteten, die zwei gefundenen geladenen Krachlatten als Motivationshilfe für Spender bei ihren Sammelaktionen unter dem Kittel trugen, ist nicht bekannt. Die Gute Nachricht für alle Gläubigen, deren Freizeit bereits verstaatlicht wurde: nach Angaben der Polizei wird es wohl zwei neue Gefängnisgeistliche hinter Gittern geben.

Schusswaffen_Pornos

Almosiger Himmel! Stinkreich ohne Arbeit, ist das schon das Nirwana?

Ein Mönch mit echtem Schrot und Korn

In der Zentralprovinz Nakhon Sawan, scheint man offensichtlich eine ganz eigene Vorstellung vom „Mönchsleben“ zu haben. Im Oktober wurde dort, Phra Porn, ein 54-jähriger Safranist, wegen Mordes an seiner 15-jährigen Geliebten verhaftet. Mönchlein, ein entfernter Verwandter der Mutter des Mädchens, hatte am Vortag einen heftigen Streit mit seiner privaten Tempeltänzerin. Am Tag der Tat ging das Girlie mit ihrem Vater zu einer Veranstaltung, wo der Erleuchtete angeblich den Streit beilegen wollte. Die Geliebte wollte aber nicht mit ihm reden. Also ging der Kerl in seine Tempel-Kemenate und kam mit dieses Mal mit einer Krachlatte zurück, um die Beziehung zu beenden. Besucher des Tempels, Wat Wang Pai, fanden die Leiche deren Kopf mit Schrotkugeln übersät war, ausgerechnet vor der Predigthalle. Damit war das 18-jährige Leben als Mönch für den Ballermann gleichfalls beendet. Er wurde aus dem Mönchstum entlassen. Schwer zu glauben, dass niemand in der Familie von der ungleichen und gleichwohl in mehrerer Hinsicht verbotenen „Beziehung“ gewusst hat. Aber einem Mönch kann man ja schlecht ein Begehren abschlagen…

Mönch wegen Mord an Minderjähriger festgenommen

Highligs Blechle- Mönch als UPS Kurier

Um Verwechselungen vorzubeugen, UPS steht in diesem Fall für United Pharma Service. Die gemischten Eingreiftruppen überprüften routinemäßig die Passagiere eines Reisebusses, in der Provinz Lamphun. Irgendwie sind sie wohl bei der Passkontrolle auf die Schweißperlen auf der Stirn vom Mönch, Phra Thanayuth Polsen (47), aus dem Tempel Phromburi in der Provinz Sing Buri aufmerksam geworden. Beim Filzen seiner zwei Stofftaschen kamen 60 Pakete mit insgesamt 120.000 Amphetamin Pillen zum Vorschein. Wenn er die Drogen als „zum Eigenbedarf“ deklariert hätte, würde das wohl auch die Schweißperlen erklären. Die Menge würde ausreichen, ihm auch noch nach der dritten Reinkarnation den nötigen „drive“ für das Leben im Tempel zu bescheren. Es stellte sich heraus, dass er die Pillen von einem Mönchskollegen in Chiang Mai erhalten hat. 50.000 Baht sollte ihm der Meth-Run nach erfolgter Lieferung zum Tempel Phromburi einbringen, von denen er bereits 10.000 bar auf die Almosenkralle erhalten hatte. Ob es vielleicht hinter den Tempelmauern Chiang Mai’s einen konvertierten Westener unter dem Namen „Phra Heisenberg“, mit einem Chemiebaukasten gibt, muss noch ermittelt werden.

Wie heisst es bei Snoop dog so treffend? The more medicated the more dedicated!

Meth Monk

Spiritus Sanktus – Buddhisten oder Buddellisten?

Und wieder sind es die petzigen Nachbarn, die in der Provinz Maha Sarakham, einem Ordinierten das Leben schwer machen. Haben sie doch glatt einen 51-jährigen Spiritisten bei den Cops angeschwärzt, der sich gemütlich in einem Bus-Wartehäuschen am Straßenrand kurz vor seinem Tempel die Augenbrauen hochkant gesoffen hat. Zuvor war der Segenspender bei einer Familienfeier, auf der er intensiv mit dem Brandbeschleuniger Lao Khao, so eine Art Reisbauern Tequila, Zwiesprache gehalten hat. Auf dem Rückweg hat er sich vorsorglich unter dem Motto: Kein Fachmann ohne Flachmann, noch ein Fläschchen davon besorgt. Inzwischen erwartet man ihn in seinem Heimat-Tempel des Distrikts Ban Mai Chaiyaphot in der Provinz Buriram, wo er sich auf die Entlassungszeremonie vorbereiten muss. Das muss doch gefeiert werden. Ob er sich danach vielleicht im Trockendock dem Orden der Fanta-Bande (anonyme Alkoholiker) verschreibt, bleibt abzuwarten.

Betrunkenen Mönch am Straßenrand aufgegriffen

„Ehrich Herr Waldmeisser- Schnäpse  sin einfach die besseren Menschen“

’’Religion ist das, was die Armen davon abhält, die Reichen umzubringen‘‘ (Napoleon Bonaparte)

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