Thailands Pädagogik- Auf Knien kriechend aus der 3. Welt?

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Diese Geschichte wurde ausgerechnet am 12. Dezember publik. Der Tag, an dem man in Thailand den Human Rights Day „feierte“, obwohl der Event beileibe keine thailändische Erfindung ist. Eine alternative Überschrift hätte ein Zitat von Victor Hugo sein können: „Derjenige, der die Tür zu einer Schule öffnet, schließt damit die Tür zu einem Gefängnis.“ Bei einem Besuch im Land des gequälten Lächelns hätte Hugo wohl bemerkt, dass es sich hier oft um dieselbe Tür handelt, zumindest was die Schikanen dahinter betrifft.

Der Stadtteil Klong Toey hat unter Bangkoks Einkommenselite und dem Mittelstand den Ruf ein Slumviertel zu sein, was genaugenommen nur auf einen Teil des Bezirks zutrifft. Im anderen Teil stehen Luxus Hotels und Full Service Residenzen. Die Sainampeung School, ist eine Mädchenschule Klong Toeys. In der Anpassungsfabrik werden junge Mädchen in den Klassen von 7 bis 12 vom prügelnden Leerkörper auf den ihnen vorgesehenen Platz in der Gesellschaft eingestimmt. Gemessen am Bildungsstand der PISA-Trottel, könnte man dem Züchtigungstempel auch den Status einer Verona Feldbusch Gesamtschule verleihen. Lehrer einer europäischen Abiturklasse würden die Thai Absolventen wohl fragen: Warst du in Mathe und Staatsbürger-Kunde nur Kreide holen?

Ein altes Sprichwort sagt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Da man hier den pädagogischen Qualitäten der „Schule des Lebens“ misstraut, übernehmen das vorsorglich die Steißpauker in ihren Prügel-Parlors. Die Ausrede: „Es klingelte bevor ich da war“, zieht hier nicht. In den Schulen des Landes ist edukative Beschmerzung, als Grundprinzip der Guantanamo-Pädagogik, angesagt.

So gesehen ist der letzte Stunt im Bereich erzieherische Maßnahmen, der als ABC-Promoter getarnten Ferientechniker, nicht verwunderlich. Hier wird der Leerkörper zum Klassenfeind:

Junge Mädchen der Bildungseinrichtung (?) werden, ungeachtet massiver Verkehrsprobleme auf dem Schulweg, für Verspätungen bestraft, indem man sie zwingt auf Knien vom Eingangstor bis zum Gebäude auf dem Betonboden zu kriechen. Die Uniformpflicht verhindert, dass die Knie der Mädchen wenigstens durch eine Jeans geschützt werden können.

Inzwischen sind eine Menge Fotos von Hautabschürfungen auf den Knien der Mädels über „Twitter“, das Teeenager Forum „Dek-D“ und das Ausländer Forum „Thaivisa“ verbreitet worden. Interessant dabei ist, dass das Gros der empörten Reaktionen von Ausländern stammt, die mit Recht die Frage stellen, warum sich die Schulleitung über ein seit 15 Jahren geltendes Verbot körperlicher Züchtigung an Schulen hinwegsetzt.

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Andernorts würde man wahrscheinlich vermuten, dass der Rektor der Schule, der diese Aktion genehmigt, aber gegenüber der Presse jeden Kommentar dazu verweigert,  mit SM Praktiken liebäugelt. Vielleicht ist das aber auch nur eine Maßnahme, um nicht in den Verdacht zu geraten, an seiner Anstalt würde Kuschelpädagogik praktiziert. Denn die Kriecherei hat im Land der geschundenen Knie Tradition. In Schulen, an den Unis, den Arbeitsstätten und im Umgang mit „influential individuals“ geht es vorrangig darum, sich die „goldene Kniescheibe“ zu  verdienen.   Manche kommen aus dem Uterus, oder in vielen Fällen aus einer Thai Schule, nur um im nächstbesten Rektum zu verschwinden. In einem Forum schrieb ein Ausländer (natürlich die schonwieder):

„Jeden Tag habe ich im Fernsehen alle diese Jungs und Mädels (Armee), bei der Übergabe eines Dokuments, oder eines Geschenks an „Vorgesetzte“ gesehen, wobei sie mit ihren schönen weißen Uniformen, mit Hunderten von Dekorationen auf der Brust, über den Boden kriechen. Ich nahm an der Uni nur ein Kurs in Pädagogischer Psychologie…. und es wurde nie erwähnt, dass Blut fließen und Angst herrschen muß, um positive Ergebnisse zu erhalten.“

Obwohl die Prügel-Pädagogik seit 1999 offiziell verboten ist, saust im Rotstift-Milieu weiterhin ungebremst das Rattan nieder. Aber es gibt inzwischen Einschränkungen, die den Fortschritt- im Thai-Stil- verdeutlichen sollen.

Ein anderer, ausländischer Lehrer, schrieb dazu:

„Ich lehrte selbst an einer Thai Schule, hatte keine Ahnung von dem Prügel-Verbot und wurde täglich Zeuge der Rohrstock-Aktionen. Ich selbst bekam auch eine hölzerne Argumentationshilfe, die ich allerdings nur nutzte, um gelegentlich damit gegen die Tafel zu schlagen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ausländischen Lehrern ist es nicht erlaubt Schüler zu schlagen, das Privileg bleibt den Thai-Paukern vorbehalten. Natürlich ist das den Schülern bewusst.“

Ob dahinter die Begründung steht, dass thailändische Erziehungsberüchtigte etwa stilvoller und kulturgemäß prügeln, ist nicht bekannt. Gerade angesichts der manchmal verbissenen und gleichzeitig als naiv angesehenen Versuche des Landes, sich aus der dritten Welt zu erheben, sollte man vielleicht dem Katalog der ständig gepriesenen Regeln der Thainess einen Satz hinzufügen:

Schlagen und andere Arten der Züchtigung gegenüber Schülern, sind die Kapitulation des Geistes der Pädagogen!

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Aber wie immer, ist auch dies nur wieder eine schlechte Thai-Copy. In diesem Fall aus Deutschland 1938. Bei der HJ machte der Lehrer wenigstens den Vorturner.

Divergierendes Verhalten ist Soziologendeutsch, auch von Pädagogen gern benutzt, um negatives, unangepasstes bis kriminelles Verhalten zu umschreiben. Dumm nur, wenn es ausgerechnet von Pädagogen ausgeht…

Da mit nötigen drastischen Veränderungen dieser Zustände so schnell nicht zu rechnen ist, bleibt mir nur, den Schülern des Landes einen „guten Rutsch“ auf ihrem schmerzlichen Weg in eine zivilisierte Welt zu wünschen.

Zum Schluss noch ein Rat von George Carlin:

„Niemand hat das Recht zu gehorchen!“

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