Thailands Gourmetlotterie: Hawkerstall – oder Saustall?

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Ein stattlicher Prozentsatz unter Thailands Gastronomen scheint damit überfordert zu sein…

Auch in diesem post geht es wiedermal um die Gefahren, denen man bei  der Nahrungsaufnahme im Asienurlaub, zumeist unwissendlich, ausgesetzt ist.

Was passiert, wenn man in Thailand jemanden fragt: „möchtest du Reis oder Nudeln zum Hauptgang?” In den meisten Fällen ist die Antwort direkt, knapp, aber dennoch etwas irritierend: „Ja!“

Ei Ei

Kotzen ist immer eine spontane Entscheidung aus dem Bauch heraus

Zu den ernsthaften Problemen im Land gehört leider, dass diese Gehirnakrobatik auch in gesundheits- und lebenserhaltenden Bereichen Anwendung findet. Wenn 4 von 5 Restaurantbesucher tagelang unter akuter Diarrhoe, mit Symptomen lebendiger Verwesung „leiden“, scheint das Schmandmännchen hinterm Herd nach Thai-Logik daraus zu schließen, dass immerhin ein Lokus-Lukullus „gefallen“ daran gefunden hat. Das entzieht sich ebenso meiner bescheidenen „Ausländer-Logik“ wie die Tatsache, dass im nächstgelegenen Mom&Pop Shop 5 Eier 23 Baht kosten. Irgendwann begnügt man sich mit der Erkenntnis, dass in der Thai Sprache das Wort „Logik“ gar nicht existiert. Dafür gibt es zum Ausgleich sechs Wörter für „Gespenster“. Damit dürfte klar werden, wo hier die Prioritäten liegen.

Hier käme auch nie ein Wok-Virtuose auf die Idee zu hinterfragen, warum auf Verpackungen von Saurer Sahne überhaupt ein Verfalldatum angegeben ist.  Nun ja, Denken ist wie googeln,- nur etwas krasser. Allen unter 20-jährigen Lesern sei an dieser Stelle gesagt, ein wenig beachteter Vorteil des Alterns besteht darin, dass man keine Energie mehr darauf verschwendet unbeantwortete Fragen zu stellen.

Hot dog PR

Ist ja OK, solange lediglich die PR nach hinten losgeht…

Der Spruch von Brian W. Aldiss: „Zivilisation bezeichnet die Distanz, die die Menschheit zwischen sich und ihre Exkremente gesetzt hat“, ist wahrscheinlich nie ins Thai übersetzt worden. Da besteht Aufklärungsbedarf.

Clean-food-good-tasteEiner bereits 2 Jahre alten, jedoch in den Medien als „aktuell“ angepriesenen Studie zufolge, haben 27 Prozent der 163.125  inspizierten Restaurants und Garküchen nicht einmal fünf, den ohnehin nach unten abgerundeten Hygieneanforderungen, entsprochen. Das nennt man Fortschritt. Denn in einer noch älteren Studie (1999) waren es nur 16,7 Prozent.  Die Saubermänner vom Gesundheitsamt um Generaldirektor Dr. Pornthep Siriwanarangsun, waren nie und nimmer in meiner Soi, sonst kämen satte 73 Prozent hinzu. Aber auch so eine Meldung kann man (wie es hier so oft geschieht)  ins Positive umkehren, wenn man darauf hinweisen würde, dass es in der Thai-Gastronomie im entsprechenden Zeitraum kaum nennenswerte Sagrotan-Opfer durch unsachgemäße Anwendung von Reinigungsmitteln gab. Der hier am sehnsüchtigsten vermisste Satz ist: Lassen sie mich durch, ich bin die Putzfrau! Aus den Woks und Töpfen scheint ein Heer von Hygienephobikern alles zu servieren, wovor die Weltgesundheitsorganisation seit Jahrzehnten warnt. Das ist beileibe Kein Scherz! Sie sind bereits als mögliches Opfer auserwählt!

Irgendwo wird die Kampagne schon greifen

Irgendwo wird die Kampagne schon greifen

In diesem Jahr haben die Mikroben-Buster um Dr. Pornthep eine neue „Clean Food Good Taste“ Kampagne gestartet. Beeindruckendes Ergebnis: von 74 inspizierten Gastronomiebetrieben in 52 Provinzen, schafften es gerade einmal 48, die Hygienestandards zu erfüllen. Das hindert  die Veranstalter jedoch nicht daran auf ihrer Webseite zu verkünden: „Der Erfolg des Projekts beruht auf vier großartigen Strategien, die auf allen Ebenen angewandt worden sind:  Partnerschaften und Mitbesitz, Qualitätssicherung, Nachhaltigkeit, und öffentlichem Bewusstsein und Beteiligung.“

Das erinnert mich an die Aussage eines Akademikers vom Tourismusbüro am anderen Ende der Welt, der mir in einem Interview offenbarte: Wenn während des Winters im Ost-Harz Schnee liegt, ist Wintersport eine beliebte Freizeitbeschäftigung- Wow BINGO!

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Neues, etwas realistisches Logo gefällig?

Hier ein paar Beispiele von dem, was im Garküchenbereich allein im 500m Radius von meinem Apartment zu erwarten ist. Bei den lokalen Somtam Bushidos gehen cerebrale Obstipation (Verstopfung),  Dauerdurchfall und Erbrechen viel zu oft ungeahnte Symbiosen ein:

Theorie und Praxis

Für den Betrieb von Straßen-Garküchen müssen 12 Bedingungen oder Hygienestandards erfüllt werden. Für Restaurants gibt es 15 Standards, und für Selbstbedienungsrestaurants 30. Uber den Sinn unterschiedlicher Standards, wenn sich auf der Spitze eines Chop Sticks mehr Bakterien tummeln, als unter den Fingernägeln eines Kanalarbeiters, kann man nur spekulieren.

Die folgende Liste  gilt als Standard der sanitären Einrichtungen für Straßenverkaufsstände:

1. Nahrungsmittel-Garküche- Arbeitsfläche muss aus Material bestehen, das leicht ist zu reinigen und in gutem Zustand ist, um einfache entsprechende Reinigung zu erlauben. Die gesamten Flächen zur Nahrungsmittelvorbereitung oder der Kochstelle, müssen zu mindestens 60 cm Abstand zum Boden haben.

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War ganz einfach, alle 12 Standards irgendwie auf zwei Fotos zu bannen

2. Gekochtes Essen muss bedeckt, oder in sauberen Behältern bewahrt werden, um Verunreinigung durch Kerb- oder Nagetiere oder zu verhindern.

3. Alle verwendeten Nahrungsmittelzusätze müssen durch das autorisierte Büro wie FDA genehmigt sein.

4. Trinkwasser muss sauber sein und für den menschlichen Verbrauch geeignet sein. Es muss in sauberen, bedeckten Behältern mit Tülle oder abfließender Klappe bewahrt werden.

5. Andere Getränke müssen ebenfalls in sauberen, bedeckten Behältern mit Tülle oder abfließender Klappe bewahrt werden. Zum Servieren sollte ein langer Schöpflöffel verwendet werden.

6. Eis muss sauber und für den menschlichen Verzehr geeignet sein. Es muss in sauberen, verschließbaren Behältern bewahrt werden, der mindestens 60 cm Abstand zum Boden hat. Zum Servieren sollte ein langer Schöpflöffel verwendet werden. Nichts soll darin abgekühlt, oder gelagert werden.

7. Küchengeräte und Besteck müssen mit Reinigungsmittel gewaschen und gut unter laufendem Wasser ein bis zweimal in zwei Wasserwaschschüsseln gespült werden. Dieser Vorgang muss auch mindestens 60 cm über dem Boden stattfinden.

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Der Nager, der ihm gerade noch zwischen den Füssen herumtollte, war wohl etwas kamerascheu

8. Löffel, Gabeln und Essstäbchen müssen in offenen Behältern mit den Griffen nach oben zur Verfügung stehen. Diese Behälter müssen auch mindestens 60 cm über dem Boden befinden.

9. Nahrungsmittelreste und Abfall müssen gesammelt und entfernt werden.

10. Küchenpersonal muss saubere Kleidung tragen, und das Hemd muss lange Ärmel haben. Der Koch muss eine Schürze und auch einen Hut oder Haarnetz tragen.

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Nach den Worten- Schürze und lange Ärmel, gab er auf die Vorschriften zu lesen

11. Verwenden Sie immer sauberes Werkzeug und Geschirr, um Nahrungsmittel zu bereiten und zu servieren.

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Ohne ab Werk vorgesehene Zwangsbelüftung. Hier qualmt es 10 Std am Tag, aber es bricht die Hölle los, sollte jemand in der Warteschlange eine Zigarette rauchen…

12. Wunden oder Schnitte an den Händen müssen bedeckt und mit einem wasserdichten Pflaster oder Verband geschützt werden, um Übertragung von Krankheiten zu verhindern.

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Bleibt die Frage- wie regiert man eigentlich ein Land in dem ein Großteil der Bevölkerung täglich damit beschäftigt ist, sich gegenseitig zu vergiften?

und-Zack

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