Geistreiches Thailand

Die gute Nachricht zuerst. Der Chef des National Council for Peace and Order, (Militär-Regierung) General Prayuth Chan-ocha, verkündete im Fernsehen: Thailand verzichtet offiziell auf den Bau und Betrieb von Atomkraftwerken. Welche beruhigende Relevanz das für die Erkenntnisse aus diese Geschichte hat, werdet ihr nach der Lektüre sicher verstehen.

Thailand ist die Zukunft. Das wird jeder bestätigen, der TukTuk oder Motorrad-Taxi fährt. Gleichzeitig hegt die Nation Ambitionen, die Stirnrunzeln und Kopfkratzen verursachen.

Am 7. August ließ ein hoher Beamter des thailändischen Außenministeriums verlauten, das Land möchte erreichen, dass die Association of Southeast Asian Nations (ASEAN), eine größere Rolle bei regionalen und globalen Sicherheitsproblemen spielen sollte. Der Kommentar eines Mitglieds in einem Ausländerforum, brachte es angesichts der jahrelangen bürgerkriegsähnlichen Zustände im Süden des Landes, auf den Punkt. Er/Sie postete: „Ich frage mich, ob diese Leute begreifen, wie viel der Rest der Welt über sie und ihre Ansprüche lacht…“

Wer lange nicht über Thailand gelacht hat, wird hier bedient:

Eigentlich ist das Thai Government House ein hübsches, palastähnliches Gebäude. Wenn man über so ein Schmuckstück im Zentrum der Hauptstadt verfügt, verstummen auch die Bürger mit notorischem Stacheldraht in der Tasche, wenn es darum geht, mal eben rund 7 Mio. € für die Renovierung der Immobilie auszugeben. Doch am 19. Juli kamen die Arbeiten an der Legislativ-Laube zu einem vorläufigen Stopp. Regierungshausbeamte wurden dazu gezwungen, eine religiöse Zeremonie durchzuführen, nachdem Gebäude-Personal angeblich auf paranormale Tätigkeit während ihrer Renovierungsarbeiten stieß.

Der Versuch, der Bestechung böser Geister, ist nichts Ungewöhnliches. Nachdem ein Flieger von Thai Airways von der Landebahn abkam, gab es auch hier zwei der üblichen Rituale: Namen überpinseln und Geisterbeschwichtigung durch die Direktoren des Airports.

Ausgerechnet ein Armee-Offizier gab bekannt, dass er in einem Gebäudeteil den Geruch eines „altertümlichen Parfüms“ wahrgenommen habe, als er mit anderen die Möbel wegen der geplanten Renovierung evakuierte.

Thai Ghost Busters

Auf so etwas kommt man wohl, wenn man im im Oberstübchen nicht so üppig möbliert ist. Ich wüßte auch gern, wie man, mal abgesehen vom Geruch bewusstseinserweiternder Kräuter der Bronx, „altertümliche Parfüms“ identifiziert, ohne unter Omas Arm herumzuschnüffeln.  Der Offizier gab an: „Ich hatte so eine Angst, daß ich Gänsehaut bekam, weil ich weiß, daß viele Leute in diesem Gebäude schon von Geistern verfolgt wurden, “ sagte der Soldat von der Spuk-Front, der nicht namentlich genannt werden wollte. Allein diese Aussage eines Offiziers macht auf mich den Eindruck eines Schauers, der auf einen geeigneten Rücken wartet.

Immerhin wissen jetzt die kambodschanischen Soldaten, an der Front um den umstrittenen Prah Viharn Tempel, wie sie ihre Kollegen auf der anderen Seite einschüchtern können. Da werden wohl bald die ABC-Schutzmasken gegen weisse Laken und Nachthemden ausgetauscht.

Die Aussage des Offiziers brachte darauf einiges in Bewegung. Alle Arbeiten wurden gestoppt und Regierungsbeamte organisierten später eine Zeremonie, um die wie sie glauben im Gebäude wohnenden Geister zu beruhigen. Im wabernden Nebel von Räucherstäbchen wurden die Geister darüber „informiert“, daß keine Ghostbusterei stattfindet, sondern daß ihr Wohnraum ledig etwas aufgehübscht werden soll. Mehr Missverständnis geht nicht.

Armeeangehörige behaupten seitdem, auf keine Geister mehr gestoßen zu sein.

Viele der Angestellten, die im Regierungshaus arbeiten, sind bekannt für ihren Glauben an Spökenkiekerei und dafür, tief abergläubisch zu sein. Journalisten, die vom Regierungssitz berichten wurde gesagt, daß das Personal nahezu alltäglich Geister im Gebäude bemerkt.  Bei den Begegnungen der besonderen Art handelt es sich nicht etwa um Abgeordnete, die im Victoria’s Secret Outfit durch die Flure schweben. Angeblich wurden ein rot-gekleideter alter Krieger, ein königlicher Steward, und eine kopflose ins traditionelle Kostüm gekleidete Frau gesichtet.

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Im vergangenen Jahr verbreitete sich  unter Regierungshausbeamten das Gerücht, dass der damals amtierenden Premierministerin, Yingluck Shinawatra, eine ernste politische Krise bevorsteht, nachdem eine ungewöhnliche Menge von Pilzen auf dem Grundstück des Gebäudes entdeckt wurde. Ich bin sicher, das hätte ihnen jeder Reisbauer im Isan auch ohne „magic mushrooms“ prophezeien können.

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Hier schließt sich nun der Kreis zur Einleitung. Ich mag gar nicht daran denken, was hier los wäre, wenn Atomkraft produzierende Beamte plötzlich kopflose Elfen in einem schnellen Brüter herumschweben sähen. Aber das hat sich ja nun erledigt.

Wenn jedoch aus dem Boden sprießende Pilze ein untrügerisches Zeichen für ernste politische Krisen sind, könnte Thailand wenigstens Polen im Bereich innere Sicherheit fachgerecht beraten. Aber die erzkatholischen Polen geben wahrscheinlich keinen Pfifferling auf den unchristlichen Hokuspokus-Rat.

 Ansonsten kommt mir ein Spruch von Prinz Philip in den Sinn, den ich dem Anlass entsprechend etwas modifiziert habe:

„Wie halten Sie die Eingeborenen hier lange genug von Alkohol, Zaubersalbei und Simsalabim fern, damit sie wenigstens die Fahrprüfung bestehen?“

Um fair zu sein, auch anernorts schmunzelt man gelegentlich über Paläste politischen Palavers:

Warum hat der Deutsche Bundestag/Reichstag eine Kuppel?

Deutscher_Bundestag_Reichstag-450

Schon mal einen Zirkus mit Flachdach gesehen?

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