Sterben kann durchaus Freude bereiten…

Mit „Freunden“ ist das so eine Sache. Von einigen wird man schlichtweg nur ausgenutzt, während andere sich nach zig Jahren und langer Recherche darüber, wo man eigentlich abgeblieben ist, melden und aus heiterem Himmel fragen, wie es einem geht. Das habe ich selbst vor kurzer Zeit erfahren, als sich ein alter Marine-Kamerad nach Jahrzehnten bei mir gemeldet hat. Ab wann weiß man eigentlich, welche richtige Freunde sind- und welche nicht? Immerhin gibt es Lebensweisheiten wie: Wahre Freunde sitzen im Knast neben dir und sagen: „Geile Aktion!“ Oder den Spruch aus der gegenüberliegenden Ecke des Rings: Zu deiner Beerdigung kommen die Leute doch nur, um sicher zu gehen dass du auch wirklich tot bist.

Herr Samran Meejai, ein 82-jähriger pensionierter thailändischer Armee Hauptmann, der in Korea und Vietnam gedient hat, wollte es genau wissen und kam auf eine ziemlich skurrile Idee, um herauszufinden, ob er neben Heckler&Koch und Teflar tatsächlich noch andere Freunde hat.  Im Werbeslogan der Bundeswehr heißt es immerhin: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ – von Fadenkreuz in Afghanistan ist da nicht die Rede, wenn es heißt: Klappspaten frei!“ Meejai inszenierte seine eigene Beerdigung mit kremationstauglicher Grillmucke und allem Drum und Dran, um die Spreu vom Reis zu trennen. Vielleicht wollte der Beerdigungs-Da Vinci bei diesem Themenabend der besonderen Art, an dem 20 Mönche teilnahmen, auch nur in die Gesichter von Erbschleichern und  Kameradenimitatoren blicken, bevor man ihn tatsächlich unter den Rasen schiebt.

Erinnert an den alten Karnevalsschlager: "Du altes A-Loch, du lebst ja immer noch"

Erinnert an den alten Karnevalsschlager: „Du altes A-Loch, du lebst ja immer noch“

Sein Sarg wurde, dem Ritual entsprechend, dreimal im Uhrzeigersinn um den Kremationsplatz getragen, bevor er kurz vor der normalerweise folgenden Feuerprobe, wie der sprichwörtliche Kai aus der Kiste die Anwesenden begrüßte.

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Wenn Jesus angeblich im Ausland auferstanden ist, hat Thailand wenigstens seinen Kai aus der Kiste

Zu der Grubenparty, mit der üblichen posthumen Charakterveredelung, kamen eine Menge Leute, die lediglich erstaunt darüber waren, dass der Körper Meejai’s  in voller Gala-Uniform nur zum „Probeliegen mit Vorführeffekt“ in der Kiste lag. Einige waren wohl enttäuscht darüber, dass kein echter „Weichzielverlust“ vorlag, wie man es in der Armee gerne nennt, wenn einer ins Gras beißt. Andere reisten zu der Veranstaltung an und trugen standesgemäß das Wort „Tränentourismus“ im Antlitz.

Immerhin hat der alte Mann wohl eine Menge Spaß bei dem Spektakel gehabt. Nicht umsonst sagt man ja: Spaß muss sein bei der Beerdigung, sonst geht keiner hin!“ Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass ihm niemand vorwerfen kann, er würde selbst zu seiner eigenen Beerdigung zu spät kommen.

Und wie üblich waren die Gewinner so einer „religiös getünchten Aktion“ die Mönche, die neben ihrem üblichen Stundenlohn von Meejai für die Scharade auch noch einen ordentlichen Spendenbetrag für eine lokale Schule und den Tempel erhalten haben.

Wer immer noch glaubt, sterben sei die ultimative Spaßbremse, war nie in Thailand dem Land des letzten Lächelns.

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