Domestic Violance – Endlich in den eigenen 4 Wänden den Durchbruch machen

Als Angehöriger der Baby Boomer Generation hat man im 21. Jahrhundert schon so einige Trends, Modeerscheinungen und Dinge, die man momentan gerade als „Mainstream“ bezeichnet, hinter sich.

c097325239c5ddb76be0cc67c535b5e7_1_origZu den ersten ‚New Waves‘, die mich bewusst erwischt haben, zählt „Antiautoritäre Erziehung“. Plötzlich tauchten überall namentanzende Waldorfmemmen mit ihrer Brut auf, die sich ausnahmslos durch ein gestörtes Sozialverhalten bemerkbar machte. Das Thema hat sich im Lauf der nächsten 10 Jahre von selbst erledigt, nachdem sogar hardcore Ökochristen im Baumwoll-Schichtenlook, von nervenden Blagen mit Namen wie Maximilian, Chantal und Sven–Oliver, einzig und allein von den Eskapaden ihrer Nachkommenschaft, beim Restaurantbesuch die Schnauze voll hatten.

Die nächste Welle, vielleicht sollte man(n) es besser einen Tsunami nennen, wenn man über die anfänglichen Auswirkungen beim Versuch zur weiblichen „Emanzipation“ spricht, scheint mich zu überleben.Oeko-softie

Zu Beginn wurde Machos und Chauvis der Krieg erklärt. Frauenmagazine waren voll von Portraits und Home Stories von Pullover strickenden Softies, konvertierten Sitzpinklern und Frauenflüsterern. Meist saßen sie bei Fotosessions mit einer ungeschminkten Öko-Emanze mit Arafat Feudel, auf dem heimischen Krisenflokati, beim Versuch mit feuchten Augen Geburtswehen naturgetreu nachzuempfinden.

In meiner Heimatstadt gab es unter den Amazonen-Sklaven, von Restmachos oft abfällig als Bau-Knechte bezeichnet, sogar eine Hodenbade-Gruppe. Um „natürlich“ zu verhüten, tauchten sie in fröhlicher Runde ihre Klöten eine Zeitlang in heißes Wasser, um die Spermien abzukochen. Ich hatte an der Methode meine Zweifel. Besonders, wenn die Jungs danach im Schneeschauer auf ihrem Drahtesel zu ihrer Liebsten strampelten, die noch östrogenbesoffen von ihrem Wollsockentausch Meeting bei Pro Labia, auf ihren Heizsack wartete.

Dem lieben Gott, also der auf Wolken sitzenden alten Dame mit dem weißen Bart, sei Dank, hat sich auch die etwas übertriebene „Wir-rotten-die-Macker-aus-Welle“ im Sand verlaufen.

13% der Thai-Frauen sind lieber schlagfertig, als emanzipiert

Warum nun diese lange Einleitung? Nun, ähnlich wie das kleine gallische Dorf im Asterix-Comic, gibt es auch in diesem Fall eine Enklave, wo man sich standhaft gegen fast alles voran beschriebene (für die Hodenbade-Gruppe ist es hier zu heiß) wehrt: Thailand!

beatenKindeserziehung im Elternhaus findet nicht statt, weil man erkannt hat, dass man ohnehin nicht mit den Leerstoffen aus den täglichen Soap-Opera Lektionen konkurrieren kann. Da werden allabendlich Frauen verprügelt, vergewaltigt, erdrosselt, erschossen und vergiftet. Das kommt beim Nachwuchs einfach besser an, als Moralpredigten.

Wenn eine Frau mit Veilchen (nicht in der Hand) zu den Eltern, oder der Schwester kommt und beklagt, dass sie von ihrem Partner verprügelt wurde, ist die erste Reaktion darauf: Da hast Du wohl einen Fehler gemacht. Für 63 Prozent der Bevölkerung gilt es als akzeptabel, wenn der Freund, oder Ehemann, seine Partnerin schlägt. Das fällt unter die Rubrik: häusliche Gewalten(ver)teilung.  Alice (Wunderland) Schwarzer würde sich hier wahrscheinlich einen Bart wachsen lassen und Motorrad-Taxi fahren, oder hinter dem Wok einer Garküche stehen. Die einzig gesellschaftskompatible Frauenbewegung in Thailand, ist die der geprügelten Partnerin- in Richtung ihres Elternhauses.

Nach einer neuen Studie des National Statistical Office (NSO) und UNICEF in 27.000 Haushalten vom November 2012, glauben 13,1 Prozent der Frauen und Mädchen zwischen 15 und 49 Jahren, dass der Ehemann, oder Partner das Recht hat sie zu schlagen. Angesichts der vorher genannten 63 Prozent-Statistik scheint die wohl etwas verhalten, es sei denn man hat dabei nur Männer befragt. Realistisch gesehen sind es wohl eher 40 Prozent, die auch gerne mal die andere Wange hinhalten.

Zu den beliebtesten Gründen warum Frauen die Prügel als gerechtfertigt akzeptieren gehören: Vernachlässigung der Kinder (10,8 %), Ausgehen ohne den Partner zu informieren (4,3 %), wenn sie mit ihrem Partner streiten (2 %), wenn sie sich sexuell verweigern (2 %) und wenn sie das Essen anbrennen lassen (1 %).

44 Prozent der Thai Frauen haben bereits Prügel und sexuelle Gewalt erfahren. Geht eine Frau zur Polizei, um sich vor weiteren Attacken zu schützen, gehen die Beamten nach traditionellem Denken davon aus, es gilt die Familie zu schützen und nicht die Frau. Anzeigen werden entweder schon auf der Polizeistation, oder in selteneren Fällen vor Gericht abgewürgt. Die Höchststrafe für häusliche Gewalt beträgt 6.000 Baht (133 Euro) oder 6 Monate Gefängnis. In 2012 kam es zu lediglich 10 Verurteilungen.

Thailand ist also, zumindest für Einheimische, die kein Problem mit eigenverschuldeten Nasenbluten ihrer Frauen haben, nach wie vor ein Macho-Paradies. Vielleicht kommen deshalb so viele emmanzipationsgeplagte Senioren aus Europa hierher, die nachdem der Opel Rekord verkauft wurde, nun aus der Badewanne den Ellbogen ´raus hauen.

Das erinnert sehr an das alte arabische Sprichwort: „Verprügele deine Frau an jedem Morgen, sie wird den Grund dafür schon kennen.“

Zwei Dinge wundern mich nun nicht mehr: Thailand steht an 2ter Stelle unter 49 Ländern in der Rubrik häusliche Gewalt.

Und:

Lieber im Knast, als Zuhause

In der vergangenen Woche kam eine Frau auf die Polizeiwache in Songkhla, legte eine mit einer Patrone geladenen Pistole auf den Tisch und bat darum, wegen illegalen Waffenbesitzes unter dem gegenwärtigen Kriegsrecht verhaftet und inhaftiert zu werden, weil sie die Schikanen ihres Ehemanns nach 32 Jahren nicht mehr ertragen will. Nachdem der verdutzte Polizeibeamte der 3-fachen Mutter und 8-fachen Großmutter erklärte, dass sie dafür ein Jahr Gefängnis zu erwarten habe, bedankte sie sich bei dem Beamten für die freundliche Unterstützung.

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