Leute, die es einfach mal vom Tisch fegen sollte

Während das Land der Demokratieunfähigen so langsam in einem immer größer werdenden Chaos versinkt, hier einmal etwas Positives über meine Wahlheimat Thailand, aus dem Bereich Food und Dollerei. Genauer gesagt, geht es um Tischsitten und persönliche Macken (meine eigenen).

Thais sind in gewisser Weise mit ihrem Essen ziemlich pingelig. Das betrifft weniger die hygienischen Umstände. Mit Formalin und Insektiziden besprühtes Gemüse gehört auf jedem Wetmarket, als im Preis enthaltene Dreingabe, zum Alltagsgeschäft. Ebenso wie in der Sonnenglut zur Schau gestellte Fleischwaren und Fisch, da kann man eigentlich gleich auf die Salmonellen fahren. Wie bereits in anderen Geschichten berichtet, gibt es auch kaum irgendwelche Hemmschwellen, wenn es darum geht was man isst. Aber wehe, man begeht den Fehler, die ungeschriebenen Gesetze zu missachten, die das „wie man isst“ regeln. Das kommt einem gesellschaftlichen Suizid durch Löffel und Gabel gleich.

Im Gegensatz zu einer Milliarde Chinesen verzichten Thais gänzlich darauf, beim Essen zu rülpsen, zu furzen, die Knochen und Gräten auf den Tisch zu spucken, oder sich in der Nase zu popeln und sich gleichzeitig einen Löffel in den Mund und Q-Tipps in die Ohren zu stopfen. Das ist doch schon mal was.

Sie verfallen auch nicht in postprandiale Somnolenz, so die wissenschaftliche Umschreibung der Schläfrigkeit nach einem üppigen Essen. Unter Kellnern in China-Restaurants auch als Fressnarkose bekannt. Und das, obwohl eine Thaimahlzeit im Restaurant oft schon in eine schweißtreibende Tätigkeit ausartet. Etwa, wenn man ein gutes Dutzend Garnelen auf dem Teller hat, die allesamt darauf warten fachgerecht mit Löffel und Gabel enthäutet zu werden, bevor sie sich mit den Geschmacksknospen (Caliculi gustatorii) vereinigen.

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Ähnlich wie die Stammesangehörigen europäischer Gebirgsvölker, essen Thais gerne in großer Gemeinschaft vom selben Teller. Auch wer zufällig vorbeischaut, sucht sich aus was er braucht. Um sich seinen Nahrungsanteil zu sichern, wird mit Holzspießchen oder Gabeln und Löffeln etwas ausgewählt, um es zwischen den Zähnen zu platzieren. Die Lippen dürfen dabei nicht das Esswerkzeug berühren, das gilt als Banausentum und beugt gleichzeitig einer gefürchteten Schluckmuskelüberlastung vor. Die „Ein Teller für alle Prozedur“ wirft häufig die Frage auf: Kann man das essen, oder spielt man das zu viert?

In meinen Beziehungen mit Angehörigen der anderen Bioeinheit, habe ich beim Essen oft kuriose Verhaltensweisen erfahren. Etwa wenn ich für zwei Personen gekocht habe und mein Gegenüber sich mit der Gabel zum dritten Mal mit der Bemerkung: „Kann ich Mal deins probieren“ etwas von meinem Teller zerrt. Da vergeht mir der Appetit!

shit hits the fan

Wegen der Nummer habe ich als Junger Maat schon einmal eine Massenschlägerei in der Kantine des Schulschiffs „Deutschland“ ausgelöst. Kurz vor dem Einlaufen in San Franzisco saßen alle bereits in ihrer weißen Gala-Uniform an der Back. Es gab Riesenbuletten in Unmengen brauner Soße. Nachdem mein Tischnachbar (es gab auch bei der Marine Leute mit dem berüchtigten Bahlsen-Syndrom, die einen an der Waffel haben und jedem auf den Keks gehen) zum dritten Mal auf meinem Teller herumstocherte, habe ich mit der flachen Hand auf seinen Klops gehauen und wir sahen alle aus wie – after shit hits the fan. Er haut mir seinen Löffel auf die Hand, ich schmierte meine Gabel an seiner weißen Uniformhose ab- und Schwupps war der Streit da.

eating-habitEine andere Spezies, die es verdient hätte in einer der Garküchen in den Slums BangCocks bei lebendigem Leib mit einem Holzlöffel ausgeweidet zu werden, sind die „Hin-und Her Schieber.“ Man sitzt in einem Restaurant und muss ansehen, wie sein Gegenüber kontinuierlich die Kartoffeln von links nach rechts schiebt, das Gemüse quer über den Teller, und das Fleisch vertikal herum platziert. Das erinnert an Napoleon vor seinem Lageplan, wie er die Zinnsoldaten auf der Europakarte in Position schubst. Was ist los mit diesen Leuten, die den Ober nach einer geduldigen Lammkeule fragen? Haben die Gourmet-Strategen das Neandertal-Gen nicht überwunden und brauchen das Gefühl, dass was immer sie auf dem Teller haben zumindest noch irgendwie lebendig wirken muß?

Die nächste Gattung unter den Tischsitten-Taliban, sind die Schnorchler der „Rüsselsheimer im Reisrand-Fraktion.“ Jeder Bissen wird erst einmal beschnüffelt, wie das Hinterteil einer läufigen Pudeldame. Das geht rein, wie Gottes Wort in eine Nonne. Man fühlt sich ständig genötigt die Leute zu fragen: „Bist du zum essen hierhergekommen, oder veranstaltest du dein persönliches Schnupperwochenende?“ Warum bestellen die nicht gleich ihr Goulasch im Inhalator? Ist es denn wirklich so schwer, Filet Wellington rein optisch von einem knoblauchgeschwängerten Straßentheater zu unterscheiden?

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Eine Gruppe, die mit warmen Eisbergsalat gepeitscht werden sollte, bis die Funken sprühen, sind die Eiswasser-Fetischisten. Zu jeder Mahlzeit saufen die einen, oder mehr Liter Eiswasser, sodass man darauf gespannt ist, ob sie bei der nächsten Bestellung der Bedienung mitteilen: „Ich nehme die Flugente, aber bitte on the rocks“, wobei allein die Aussicht auf diesen Schmaus dazu führt, dass sie vor Freude ihre Schlübber mit Urin Tröpfchen benetzen.

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Zu den Neuerscheinungen unter den Vollpfosten mit fehlenden Chromosomen, die man von mir aus laut schreiend aus einem fliegenden Helikopter schmeißen kann zählen Leute, die mich über Facebook und Twitter belästigen. Die fühlen sich verpflichtet, jeden Teller bei ihrem Restaurantbesuch in High Definition Format mit ihrer 8 Megapixel  Kamera zu fotografieren. Was passiert, wenn der Rest der Menschheit darüber nicht mehr in Ekstase gerät? Erhalten wir dann Fotos, im geschmackvollen Renaissance-Dekor-Rahmen, von ihrer Kloschüssel am Morgen danach?

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Von all diesen Verfehlungen, im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme, bleibe ich in Thailand verschont. Hier konzentriert man sich mehr auf die Grundbedürfnisse, wie etwa in Parallelen zwischen Essen und Sex. Man sagt vor dem Sex brav: Guten Appetit und danach, mach mal so,- Du hast da noch was am Mund…

imageNeulich im Sushi Restaurant: Ich hätte da gerne noch etwas Bukkake zum Dessert…

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