Thailands Songkran- Von der Traufe in die Hölle – Ohne Umweg über den Regen

HELL BKK

Angenommen, das den Schweizern so gern nachgesagte Temperament und deren sprichwörtliche Ausgelassenheit, also jene Attribute, die sie zu den Spaniern der Alpen machen, würden in Form von mad cow disease auf ihre Kühe übertragen und somit zu einem akuten Mangel an Kuhbusenextrakt führen. Und weiter angenommen, die Anzahl der wagenradgroßen Käselaibe in den Lagern, würde sich durch den Rohstoffmangel auf 1.000 reduzieren. Glaubt irgendjemand die Alm Öhis wären so bekloppt, aus lauter Gaudigier ein Fest zu veranstalten, bei dem sie die Dinger unter Gejohle von den Almen in die Bergseen kullern? Eher nicht.

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Um der Globalität gerecht zu werden-

Wären die Öl-Augen Saudi Arabiens so bescheuert, ihre letzten 100.000 Barrel Getriebetunke zu vergeuden, um beim Fest am Ende des Ramadan ihre staubigen Sandpisten zu sprenkeln? Wohl kaum.

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Kann sich jemand vorstellen, Mexikos Agrarflächendesigner würden zwei Drittel ihrer Canabis Plantagen abholzen, um einmal im Jahr ein Öko-Hanf-Fussmatten- Festival zu zelebrieren?

Highligabend

Aber, hier kommts;

In einem Land, das abwechselnd von verheerenden Fluten durch meteorologische Inkontinenz und anhaltende Dürreperioden heimgesucht wird, feiert man alljährlich aus traditioneller Ignoranz ein 5 Tage dauerndes Fest, bei dem Millionen Hektoliter Wasser vergeudet werden: Songkran in Amazing Thailand!

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Die Thais wurden fast verrückt, als ihr entfernter Nachbar Singapur, letzten Monat sein eigenes Songkran veranstalten wollte, damit Touristen in den Stadtstaat reisen. Ich glaube die angedachte Mobilmachung wurde nur abgeblasen, weil die Organisatoren die Veranstaltung absagten, und ihr Gesicht wahrten, indem sie sagten, sie wollten während der Dürre kein Wasser vergeuden. Singapur verfügt nur über minimale Wasserreserven und hängt daher am lebenserhaltenden Tropf von Malaysia.

Nebenbei bemerkt ist das Songkran Fest, dass ursprünglich auf die Tagundnachtgleiche im Frühling fiel, auch nur wieder eine Anleihe aus anderen Kulturen. Es geht auf Vor-Buddhistische Kulturen mit Anleihen aus der indischen Götterwelt zurück. Die Klongtaucher sind schon wegen ihrer notorischen Missachtung sämtlicher Copyrights die Letzten, die anderen Nationen vorschreiben sollten, wo Henry das Wasser holt.

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Anfang April verlautete aus dem  Bewässerungsamt in Chiang Mai, die Behörde werde sicherstellen, dass die Douchebags in den nördlichen Provinzen zu Songkran nicht auf dem Trockenen sitzen müssen. Dazu wurden rund sechs Millionen Kubikmeter Wasser aus lokalen Reservoirs abgelassen, damit alle Badeentchen auf ihre Kosten kommen. Angeblich hat die Maßnahme keine Auswirkungen auf die Wasserversorgung der Haushalte und für die Landwirtschaft. Da kann man bei anhaltender Dürre nur abwarten und Tee trinken, wenn es dafür noch reicht.

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Erste Probe für die Zeit, wenn man für Trinkwasser anstehen muss?

Es ist Sonntag der 13. April und ich ging nur kurz aus dem Haus, um Notrationen für die kommenden Tage einzukaufen, denn ich werde mich hüten das Apartment zu verlassen. Was mich vor der Tür erwartet? Sturztrunkene Thais die tagelang Sonnenschein aus der Flasche konsumieren und ebenso besoffene Innenstadt-Tauchtouristen, beim alljährlichen Christopher-Street-Day für Aquanauten. Dazu gibt’s 24 Std. Beschalle à la Malle, abwechselnd mit seichtem Klingeltonpop und Geräusche von beliebten lokalen Notenschändern, die an eine singende Altkleidersammlung erinnern.

Dazu bekommt man alle drei Meter einen Eimer Wasser, geschüttelt oder gerührt ins Genick, bevorzugt mit Eiswürfel-Garnierung. Obendrein gibt es noch eine Ladung Schleim aus Talkumpuder in die Haare oder ins Gesicht. Mir tun ein wenig die ausländischen Hundebesitzer leid, die schon morgens um 6 beim Gassi gehen von der Traufe in die Hölle – ohne Umweg über den Regen geraten und von aus den Kneipen torkelnden „quality tourists“ attackiert werden.

Ich glaube, lediglich Ausländern, deren Sozialisationsprozess und schulische Ausbildung ein wenig über Volkstanz, Klettern, Strammstehen und Singen hinausging, kommen beim Anblick des Treibens zum Thai-Neujahrsfest, ähnliche Gedanken wie mir: Oh Herr, lass‘ Hirn regnen und nimm den Bedürftigen die Regenschirme weg. Denn dieses „Fest der Feste“ umgeben ein paar Aspekte, die wir eher tragisch als unterhaltsam empfinden. Aber, was soll man in einem Land erwarten in dem es Leute gibt, die erstaunt darüber sind, dass sie links nur einen Arm haben. Damit habe ich mich nun endgültig als Spaßbremse ohne Schweizer Vorfahren geoutet, aber ich stehe nach wie vor zu dem Motto: Humor ist- wenn ich lach‘. Leider gibt es zu Songkran eine Menge Leute, die ebenfalls nichts zu lachen haben.

Wasser kommt aus dem Wasserhahn und Strom aus der Steckdose- Punkt! Damit hört es bei den meisten Thais mit der Weisheit auch schon auf. Hier ein Beispiel; Meine Nachbarin zahlte im vergangenen Monat 180 Baht (4 Euro) Grundgebühr für Wasser, obwohl sie den ganzen Monat nicht Zuhause war und kein Tröpfchen verbraucht hat. Um der Gerechtigkeit willen, läßt sie den Wasserhahn 45 Minuten laufen, um so Wasser zu verbrauchen, für das sie ja schließlich bezahlt hat. Da helfen keine erklärenden Argumente, das ist Thai-Logik.

Der arschkriechende Parkplatzwächter unseres Apartmentkomplex‘ wäscht nahezu täglich eines der 14 Autos seines Chefs,- auch wenn es regnet. Auch hier helfen keine erklärenden Argumente, das ist Thai-Logik.

Jetzt könnte man- ebenfalls mit Thai-Logik- sagen, na was machen zwei Unwissende schon aus. Aber in Bangkok, das über keine Grundwasser-Reserven verfügt, gibt es fast 20 Millionen solcher Hirnis. Würde ich einem meiner Nachbarn sagen, dass Thailand bei der Vergeudung von Wasser weltweit Platz zwei belegt, bekäme ich wahrscheinlich die Antwort: Oh, aber Platz zwei ist doch gar nicht so schlecht.

Zur gleichen Zeit ist die Produktion von Reis, Zucker und Kautschuk in Thailand in Gefahr, weil eine lange Dürre drohen könnte. Die Trockenheit wird vermutlich länger anhalten, weil in diesem Jahr das Wetterphänomen El Nino hinzukommt. 38 der 77 Provinzen des Landes wären davon bedroht. In den 18 Dämmen Thailands ist zurzeit wenig Wasser, obwohl es in der letzten Monsunsaison heftig geregnet hat. Dazu gibt es zwei Erklärungen verschiedener Lager. Die „Offiziellen“ sagen, es wird beim nächsten Monsun Katzen und Hunde regnen. Dann müsste man Wasser ablassen und wieder das halbe Land überfluten. Die Gegenargumentation scheint plausibler. Mit der Wasserverknappung werden die Farmer daran gehindert, noch mehr subventionierten Reis anzupflanzen, der den unverkäuflichen 18 Mio. Tonnen Reisberg in den Lagern noch mehr anschwellen ließe.

Hier noch ein kleiner, spritziger Nachtrag aus der Presse:

Fast 60 Prozent Thailands von Dürre betroffen!

BANGKOK, 19. April 2014 (NNT) – Mehr als die Hälfte des Königreiches wurde am Samstag vom Disaster Prevention and Mitigation Department (DDPM) zum Dürre Katastrophengebiet erklärt.

Betroffen sind fast 17.000 Dörfer in 40 Provinzen, vor allem im Norden und Nordosten. Das bedeutet, mehr als die Hälfte des Landes wird mit schwindenden Wasserressourcen konfrontiert werden.

Zuvor hatte das Meteorological Department davor gewarnt, dass die Wasser Situation Thailands dieses Jahr und das nächste durch kritischen Mangel an Niederschlägen erzeugt wird.

Die Abteilung sagte, das aktuelle Volumen von Wasser in den großen Dämmen wird möglicherweise nicht ausreichen, um die Nachfrage zu erfüllen.


Songkran II folgt:

Blood, Sweat & Beers Durchschnittlich 330 Verkehrstote in Thailands 7 wahnsinnigen Tagen!

Bei der alljährlichen Songkran-Kaltverformung der Produkte von Firmen wie Toyota, Suzuki, Chevrolet oder Ford, beweisen Thais, dass sie in etwa ebenso phantasiebegabt sind, wie der Designer der japanischen Flagge…

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