Vorsicht- freilaufende Mörder

In Thanyaburi, Pathum Thani, wurden Vater, Mutter und der jüngste Sohn der Familie erschossen in ihrem Haus aufgefunden. Einziger Überlebender war der 19-jährige Sohn der Familie. Die Tatwaffe wurde in der Hand seines jüngeren Bruders gefunden. Nach seiner Aussage habe sein Bruder die Eltern erschossen und danach Selbstmord begangen während er im Haus schlief. Angebliches Tatmotiv- die Eltern hätten den Jungen zusammengestaucht, wegen seiner schlechten Schulnoten. Na, wenn das kein Motiv ist.

Ich glaub, ich war's doch

Ich glaub, ich war’s doch

Der Polizei kamen erste Zweifel und dann die Dreifel an der handausgedachten Schilderung, denn der ältere Bursche hatte am Tag vor der Tat die Überwachungskameras im Haus ausgeschaltet. Wahrscheinlich um die Verbreitung der optisch unästhetischen Heimsuchung vor face book zu schützen. Zudem fand man die Tatwaffe in der rechten Hand des Bruders, das Einschussloch jedoch in seiner linken Schläfe. Dreistelliger IQ- aber mit Komma- und Waffenbesitz, scheinen in diesem Land symbiotische Beziehungen einzugehen.

Etwas später fanden die Cops heraus, dass er derjenige mit den miesen Schulnoten ist. Nach intensiver Befragung outete er sich als Profi im Bereich der Gewaltanwendung und gab zu, den Rest der Familie gemeuchelt zu haben. Sein Motiv: der Vater wollte ihm kein Auto kaufen. Er schüttete Schlafmittel in das Abendessen und hat in der Nacht das familieninterne Schützenfest veranstaltet, um in den Genuss von 10 Lebensversicherungen zu kommen, die der Vater abgeschlossen hat.

Jetzt kommen wir zum wie gewohnt kuriosen Thai-Aspekt der Tragödie. Die nächsten Angehörigen haben ihm schnell die Tat vergeben. „Man könne ihm nicht böse sein wegen der Tat. Was er braucht wäre wohl moralische Unterstützung“, sagte eine 58-jährige Verwandte bei der Trauerfeier. „Moralische Unterstützung“ für einen dreifachen Mörder, dazu noch ohne Auto und lebendige Familienangehörige, bekommt man selbst in Thailand nicht so häufig und klingt allein schon deshalb etwas originell. Die Bemerkung „dummer Jungenstreich“ hat sich die Verwandtschaft bisher verkniffen.

Ob die „moralische Unterstützung“ damit zu tun hat, dass der Bengel als Täter keinen Anspruch auf die Versicherungsgelder hat und nun das Blutgeld an die nächsten Verwandten geht, wurde von Thailands wenig investigativen Journalisten nicht hinterfragt.

Und hier nun der Grund für die Annahme, dass die Thai-Justitia wohl etwas überfordert ist:

Da begeht einer dreifachen vorsätzlichen Mord aus Habgier, die nächsten Angehörigen  kratzen in aller Eile 500.000 Baht (ca. 11.000 €) zusammen, um eine Kaution! für den Mörder zu hinterlegen und das Gericht lässt ihn vorläufig laufen! Es mag an meiner kriminellen Phantasie liegen, aber ich hege den Verdacht, dass der Mordsbube auf dem nächsten Dschungelpfad in Richtung Kambodscha oder Laos unterwegs ist, wo er mit seinem Anteil an Vaters Versicherungsknete eine Weile recht bequem Leben kann.

2008-7-2-12-19-57

„Justitia ist blind“ sagt man bei uns. Dennoch wird sie recht häufig vergewaltigt.  In Thailand scheint die zahnlose alte Dame zudem noch an Krücken zu gehen und unter Demenz im Endstadium zu leiden.

Ich glaube inzwischen eher an die Jungfräulichkeit eines Bar-Girls, als an die Gerechtigkeit der thailändischen Justiz! Auf einer Menge Verbrechen folgen, besonders wenn Geld im Spiel ist, keine Rechtsurteile,- das ist mehr eine Variante von „ justiziarischem Freestyle“.

Einen interessanten Artikel zum Thema  „Polizeiarbeit“ in Thailand findet Ihr auf dem befreundeten  blog von Low: http://hinterindien.com/2014/03/31/vergebliches-warten-illusion-gerechtigkeit/

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3 Antworten to “Vorsicht- freilaufende Mörder”

  1. Danke, dufte geschrieben!
    Ich erlaubte mir in http://wp.me/p2ljyL-1mH einen Link zu setzen. Freundliche Grüsse, Low

    Gefällt mir

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