Nicht genügend Mücken auf den Eiern?

Der wohl folgenschwerste Fehler der Menschheit im Bereich „Maritime Security“, ist zweifellos dem Türsteher von Noah’s Arche anzulasten, indem er dem Moskitopärchen Zugang zur Apokalypsen-Dschunke der Überlebenskünstler gewährte. Andererseits würde uns ohne sie ein absolutes Highlight philosophischer Erkenntnisse fehlen:

fly-swatter„Erst wenn man einen Moskito beim Landeanflug auf die eigenen Hoden erspäht, kommt einem die Einsicht, dass es immer einen Weg gibt Probleme zu lösen, ohne Gewalt anzuwenden!“

Wenn es um rechtmässige Verurteilung, Strafe und Sühne geht, oder den häufig strapazierten Satz „um sein Recht zu kämpfen“, gehen die Vorstellungen oft ziemlich weit auseinander, wie ein jüngstes Ereignis in der moralischen Festung Thailand zeigt.

Die vergangenen Monate im Land des gequälten Lächelns haben lediglich jede Menge Beispiele dafür geliefert, dass die Thais, im Gegensatz zu ihren Nachbarstaaten, nicht einmal eine anständige Revolution auf die Beine bringen. Mit Verweis auf die Französische Revolution, die sich nach gewisser Zeit auch durchgesetzt hat. In den Köpfen festgesetzt, könnte man sagen, hat man die Hauptstadt mit T-shirt Ständen auf den Hauptverkehrs-Kreuzungen dekoriert und in stoiischer Ruhe abgewartet, während  bei Bühnenunterhaltung und Spendenaktionen Granaten und Pistolenschüsse auf die Protestler abgefeuert wurden. Vielleicht haben die täglichen Soap-Operas im Thai-Fernehen, bei denen Gewalt zum Hauptbestandteil guter Abendunterhaltung gehört, ja abgefärbt. Das ist wie Musikantenstadl ohne mitklatschen, dafür aber mit Beschuss aus der Kulisse.

Man kommt nicht umhin zu glauben, dass Gewalt vom Großteil der Bevölkerung ebenso akzeptiert, wenn nicht gar bewundert wird, wie Korruption und die Liebe zum Geld. Der Klimax wird erreicht, wenn sich alle Komponenten in wundersamer Weise vereinigen.

Zu den paar Dingen, auf die Thais mehr oder weniger berechtigt stolz sein können, gehört Thai-Boxing (Muay Thai), auch häufig als filigrane Form der körperlichen Abmahnung mißverstanden. Das „Weniger“ hat Bezug auf die Tatsache, dass unter den 522 Fightern der  World Kickboxing Federation, 2014 gerade einmal 2 Thais zu finden sind, von denen nur einer in Thailand lebt. Da braucht man schon ein paar Strohhalme, um in einem Bereich der als tragende Säule der eigenen Kultur betrachtet wird, zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Richtige Gladiatoren müssen her, die trotz Moskitos auf den Klöten nicht von pazifistischen Anwandlungen übermannt werden. Aber woher nehmen,- und nicht stehlen?

Knast-Gladiatoren

Jetzt ist Phantasie gefragt!

Man stelle sich vor, ein 18-jähriger Vollpfosten dieses Mal ohne Migrationshintergrund, hat morgens um 10 in Deutschland in einer der immer mehr Anhänger findenden U-Bahnschlägereien einen harmlosen Rentner krankenhausreif geschlagen. Angenommen er wird verhaftet und vom Gericht zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt (ich weiß ich neige zu Übertreibungen). Nach sechsmonatigem Dasein als Einzeller, offeriert ihm die Gefängnisleitung eine vorzeitige Entlassung. Was er dafür tun muß, entspricht durchaus seinen Neigungen und Fähigkeiten: Man erwartet von ihm, dass er zu Ruhm und Ehre der Bundesrepublik einen Ausländer verprügelt. Als Bonus bekommt er zur besseren Integration in Freiheit auch noch eine Abwrackprämie.

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Wer jetzt sagt: Das wäre in Deutschland unter den Zeugen Seehofers unmöglich, hat gottseidank Recht. Erstens hält sich nach den Ereignissen in der Geschichte des Landes der Patriotismus in Grenzen, zweitens steht in unserem Grundgesetz der Satz – Die Würde des Menschen ist unantastbar- und drittens werden bei uns schon genug Ausländer,- sogar unentgeltlich- verprügelt.

Dass es auch anders geht beweist Thailand, wo man vom Nationalstolz geradezu besoffen ist.

In Bangkoks Klong Prem Gefängnis, wird männlichen Insassen nach dem K.O. eines der ohnehin unbeliebten Ausländer (Farrang), ein Tag der offenen Zellentür angeboten. Die Anstaltsleitung und das „Department of Corrections“, scheinen der Auffassung zu sein: Gewalt ist keine Lösung, sondern ein Mittel. Das kommt dabei heraus, wenn Gefängniswärter, gelangweilt von Hahnenkämpfen ihre Fachkenntnis im Bereich Resozialisation ausschließlich aus Jean-Claude van Damme Filmen beziehen. Die Zuschauer rekrutieren sich aus Insassen beider Klassen: Gefangene und Wärter.

Knast boxing 1

 Ob es sich bei den Prügelprinzen um Betrüger, Kinderschänder, oder Angehörige der „Golden Triangle Pharmaceutical Cooperative“ unter den mehr als 5,240 Übernachtungsgästen handelt, spielt im Boxring hinter Gittern keine Rolle. In diesem Fall sind die humanen Verschlußsachen schlichtweg als glorreiche, thailändische Gladiatoren anzusehen, die laut Herrn Pek, Koordinator des Fratzentangos, der Nation den Anteil an Ruhm und Ehre einbringen, der ihr auf Schlachtfeldern, ebenso wie in Bagatell-Disziplinen wie Wissenschaft und Forschung, bisher vorenthalten blieb.

Angeblich gibt es sogar eine Faustregel, wonach Mörder auch mit unzähligen Gewinnerkerben in ihren Bettpfosten, von einer vorzeitigen Entlassung ausgeschlossen sind. Ein anderer Beamter sagte hingegen, dass Gefangene, die eine Meisterschaft gewinnen und dadurch das Gefängnis Image gleich mit aufpolieren, eine realistische Chance haben, dass ihre lebenslange Strafe in eine begrenzte Haftzeit umgewandelt wird. Er versicherte auch: dies gilt für alle Gefangenen, unabhängig von der Größe ihrer Verbrechen. Ein kleiner Trost wenn man mit einer anderen Weisheit hinter Gittern konfrontiert wird, wonach die erste Nacht am Galgen immer die schlimmste ist.

Man verweist auch gerne auf die Tradition, die Gefängniskämpfe in Thailand haben. Die ersten fanden bereits 1767 statt. Leider ist auch dieses liebgewonnene Brauchtum kein Thai Original. Damals verdroschen burmesische Soldaten ihre thailändischen Kollegen, nach dem Untergang der damaligen Hauptstadt Ayutthaya. Für die Spiele der Neuzeit erklang der Gong erstmals im Januar 2013.

Knast boxing 2Da stellt sich die Frage, was haben nun Ausländer mit Gladiatoren-Mindset, Merowinger Aggressionsstufe, Bock auf Platzwunden und Freude am körperlichen Ausdruck zuungunsten anderer, von diesem für sie unlukrativen Spektakel? Nun, wenn ein Boxbuden-Enthusiast, der jahrelang  in Norwegen oder Neuseeland trainiert hat, einem thailändischem  Schwerverbrecher im Mutterland des Muay Thai einen Tunnel ins Gesicht zimmert, dass der seine Zähne in einer Tüte in die Zelle trägt, gibt das der „street credibility“ in seinem Heimatort einen ordentlichen Aufschwung. Da kann sich ein stammhirngesteuerter Maulschellen-Manni schon seine Obermaaten Raute in thailändischer Version auf den Bizeps tätowieren lassen.

Obwohl Meldungen über die Kämpfe zahlreich in internationale Medien gelangten, gibt es keinen einzigen Hinweis darauf, wer die Wettbörse verwaltet. In Thailand heisst das Motto schliesslich: Nichts ist so schlecht, dass sich damit kein Geld verdienen lässt!

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Ob die Herren die Kampfbörse und Wetteinnahmen verwalten ist nicht bekannt…

Bleibt abzuwarten, wann hier zwischen Thailands Fischkuttern die ersten Galeeren-Regatten, mit unter Deck versklavten Burmesen an den Riemen, stattfinden.

Ein Leckerli für Touristen könnte auch sein, wenn sich Ladyboys im preisgeldträchtigen Handtaschen-Boxing, unter der Schirmherrschaft von Louis Vitton oder Gucci, gegensitig Pflegestufen verpassen.

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