Körperwelten Thai-Style ein Louvre der Leichen

In einem Land, in dem Dinge grundsätzlich danach beurteilt werden welchen Preis sie haben, oder ob sich daraus Geld generieren lässt, kommt man offensichtlich auf die abgefahrensten Ideen. BangCock hat weder ein Disneyland, in dem sich Erwachsene mit Schwellköpfen von Federvieh und Nagern fotografieren lassen, ein Seafood Aquarium mit Wal in Gelee á la Oceanworld, oder ein Planetarium, in dem sich scheinbare Normalbürger auf Trekkie-Parties sturzbesoffen mit Klingonen paaren. Dafür aber ein Museum für getürkte Markenprodukte, die gleichzeitig millionenfach auf den Straßen angeboten werden und das Siriraj-Hospital, mit einer unterhaltsamen Ausstellung von Missgeburten und Verbrecherhirnen in Formaldehyd, durch die man lustwandeln kann.

Hier, wo jeder Depp mit einem Aufkleber „Thailand Number One“ auf dem Moped durch die Sois brettert, fehlt es dennoch an kick-ass Attraktionen. Zumindest, wenn man die PingPong- und Vagina-frisst-Feuerwerkskörper-Shows nicht mitzählt. Da sich die Stadt jedoch gerne als Hub of Hubs präsentiert und eine der höchsten Mordraten unter den Metropolen der Welt verzeichnet, gibt es Hoffnung. Alltäglich heisst es für 12 bis 40 Opfer unnatürlichen biologischen beiseite tretens: Harfe und Flügel fassen.  Doch wie lässt sich damit Geld verdienen? Auf dem Gebiet war bisher sprichwörtlich- tote Hose angesagt. Das soll sich nun ändern. Aber hier ist man auch allzu bereit, mit des Teufels Seele zu handeln.

Wenn Tote blicken könnten…

Nix erhebendes im TV, es regnet 18 Stunden am Tag, Discovery Channel zeigt bloss Klimakiller und obendrein sind Schulferien? Kein Problem mehr! Dann besucht die Familie zukünftig Polizei Oberst Supichai (alias Kadaver Klaus) im Institute of Forensic Medicine, wo man live dabei sein kann, wenn CSI-mäβig Mord- und Unfalloper fachgerecht in ihre Einzelteile zerlegt werden. Bei Thailands  miesem Unterschichten-Fernsehprogramm kann diese Art von Ganzkörperentfernung ein Dauerbrenner werden. Da kommen Gedanken auf wie- TSDSL (Thailand Sucht Die Super Leiche), oder „Wetten dass,- der wirklich tot ist.“

Bangkok Institute of Forensic Medicine

Anlässlich des 60sten Geburtstags des Instituts, kamen die Marketing-Experten der „Aufmacher-Fraktion“ auf die Idee, Besucher gegen einen Obulus zu ihren bisher hinter verschlossenen Türen stattfindenden Sezier-Sessions einzuladen. Klingt irgendwie nach Spass für die ganze Familie. Ich würde zu und zu gerne dabei sein, wenn ein 11-jähriger Teenager im Publikum sitzt, seinen Verwandten auf der Schlachtplatte entdeckt und laut schreit: „Ich hab’s immer gewusst, dass Opa eigentlich voller Scheisse ist.“ Vielleicht kommen auch nur Familienangehörige, um sicher zu gehen dass der Erbonkel auch wirklich tot ist.

Um das zu Verhindern, gibt es einige Bedingungen für Teilnehmer. Aber wenn man sich im Land umschaut, kann man eigentlich jede eventuelle Hürde mit einer kleinen VIP-Gratifikation umgehen.

Mitglieder der Öffentlichkeit mit Interesse an der Beobachtung der Arbeit des Instituts können telefonisch mit dem  Institut in Kontakt treten, um einen Termin zu vereinbaren. Da wird gefragt wer sie sind, warum und wann sie die freak-show besuchen wollen und wie viele Menschen beteiligt sein werden. Naja, über ihre Anträge wird auf einer Fall-zu-Fall-Basis entschieden. Spaßvögel seien vorgewarnt. Namen wie Fiete Honka, Freddie Krüger, Chopper Melbourne, oder Fritz Haarmann auf der Anmeldung, könnten selbst in Thailand zu Nachfragen führen, obwohl das eher unwahrscheinlich ist.

 Honka, Freddie/ Haarmann- Das Leben ist ein Sägen…

Honka, Freddie, Haarmann- Das Leben ist ein Sägen…

Herrrreinspaziert- Was wird geboten?

Die Experten des Instituts blicken natürlich etwas tiefer, als nur auf den Zettel am Fuss. Im krassen Gegensatz zu den unzähligen Garküchen-Betreibern, holen sie zunächst das Schwarze unter den Fingernägeln der Kaltgestellten hervor. Darin verbergen sich eventuell Beweise dafür, dass das Opfer bevor es auf Torfatmung umstellte, vielleicht in einer handgreiflichen Auseinandersetzung verwickelt war.

In der nächsten Phase werden Muskelkontraktionen aus dem Kopf untersucht, vom Kiefer und Hals bis zu den Zehen. Danach machen die Experten eine interne Untersuchung, die es ihnen ermöglicht, zu sehen, ob irgendwelche Unregelmäßigkeiten in den inneren Organen vorliegen.

Vor dem folgenden Schritt, würde in jedem Zirkus ein endloser Trommelwirbel vernommen werden. In einer Art „open mind discovery procedure“ wird der Schädel geöffnet. Die ersten drei Zuschauerreihen sind wahrscheinlich in alter Thai Tradition fieberhaft damit beschäftigt herauszufinden, ob dort die nächsten Gewinnnummern der Lotterie zu entdecken sind.

Thais sind generell schnell erschöpft. Aber es war nicht in Erfahrung zu bringen, ob an dieser Stelle vielleicht zu einer kleinen Vortragspause zum Imbiss mit Hackepeter und einem Becher Reanimationskaffee in die Kantine gebeten wird.

Der amtlich bestellte  Gerichtsmediziner Supichai, arbeitet bereits seit 15 Jahren in der Polizei-Einheit des Instituts für forensische Pathologie. Immerhin hat er nicht wie ein anderer Polizeiarzt Arbeit mit nachause genommen. Er sagte über seine Tätigkeit: „Ich habe so viele Leichen untersucht, dass mich kein Ergebnis mehr überrascht. Ich bin mir bewusst, das ist ein undankbarer Job, aber ich bin stolz darauf, Teil des Gerechtigkeits Prozesses in diesem Land zu sein.“

Ohne dem Mann guten Willen und korrekte Arbeit absprechen zu wollen, klingt es dennoch wie der blanke Hohn, wenn reiche Erben einen Polizisten besoffen und vollgekost im Ferrari über der Haufen fahren, den toten Körper 2 Strassen weit mitschleifen und nie zur Rechenschaft gezogen werden…

Dass es demnächst ähnliche Shows in Gross-Schlachtereien gibt, ist nicht zu befürchten. Derlei Künste kann man in der Stadt der Engel bereits auf jedem Wetmarket bestaunen, wenngleich es da immer noch an Erklärungen über den fachgerechten Feinschnitt und lateinische Bezeichnungen der Organe hapert.

Ob sie wohl so weit gehen, Obduktionen von betagten Sextouristen zu zeigen, die während eines finalen Akts im Viagra-Rausch das letzte Kondom abgeben, bleibt abzuwarten. In Nanas und Patpongs S&M Clubs besteht bestimmt reges Interesse.

Chrome Pole Molester

An toten Chrome Pole Molestern dürfte ja wohl kein Mangel herrschen

Und den meisten, die auf der öffentlichen Schlachtplatte enden blieb immerhin der Trost, wer früh stirbt, ist länger tot und dass die letzte Tour nicht auf einem Motorrad Taxi stattfand, sondern in einem klimatisierten japanischen Kombi.

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